John Stratford (auch de Stratford) (* um 1275; † 23. August 1348 in Mayfield) war ein englischer Geistlicher. Von 1323 bis 1333 war er Bischof von Winchester, danach war er Erzbischof von Canterbury. Von 1331 bis 1334, von 1335 bis 1337 und von 1339 bis 1340 diente er als königlicher Kanzler.
Herkunft und Aufstieg als Geistlicher
John Stratford stammte vermutlich aus Stratford-upon-Avon, wo er als Sohn von Robert und Isabel geboren wurde, deren weiterer Name nicht bekannt ist. Sein Vater war ein wohlhabender Bürger, der ein Mitbegründer und der erste Master des Hospital of St Cross in Stratford war. Zu seinen Brüdern gehörte Robert Stratford, der ebenfalls Geistlicher und später Bischof von Chichester wurde. Die Familie war mit der Familie Hatton aus Stratford verwandt. Ralph Hatton, ein Neffe von John Stratford, wurde später Bischof von London. Stratford studierte in Oxford, doch entgegen mancher Angaben nicht am Merton College. Vor 1312 hatte er den Titel eines Doktors der Rechte erlangt. Als junger Mann trat er in Dienst von Worcester Priory ein. Vor 1317 wurde er Rektor der Holy Trinity Church in Stratford und diente als Official von John Dalderby, Bischof von Lincoln. Nach dessen Tod 1320 diente er mit als dessen Testamentsvollstrecker und wechselte in den Dienst von Erzbischof Walter Reynolds von Canterbury. Anfang der 1320er Jahre wurde Stratford Dean of Arches, dazu erhielt er eine Reihe von Benefizien, darunter Kanonikerstellen an den Kathedralen von Lichfield, Lincoln und York sowie das Amt des Archidiakons von Lincoln.
1317 nahm Stratford erstmals in Clarendon an einer königlichen Ratsversammlung teil. Wie andere juristisch ausgebildete Beamte wurde er 1318, 1319 und 1320 zu den in York tagenden Parlamenten berufen. 1320 gehörte er zum Gefolge von König Eduard II. und Königin Isabelle, als diese nach Amiens reisten, um dort dem französischen König für das Herzogtum Aquitanien zu huldigen. Ende 1321 reiste Stratford im Auftrag des Königs zur päpstlichen Kurie nach Avignon, wo er vergeblich versuchte, für den Lordsiegelbewahrer Robert Baldock die Wahl zum Bischof von Coventry und Lichfield zu erreichen. Bereits kurz nach seiner Rückkehr nach York reiste er erneut zur Kurie, wo er über ein Jahr verschiedene Anliegen des Königs, wie die Gründung des Dominikanerpriorats von Kings Langley und den königlichen Anteil an dem vom Papst vom englischen Klerus erhobenen Zehnten vertrat.
Bischof von Winchester und Diplomat im Dienst von Eduard II.
Stratford war immer noch in Frankreich, als im April 1323 Rigaud de Asserio, der Bischof der reichen Diözese Winchester in Avignon starb. Der König versuchte, seinen Günstling Baldock nun zum Bischof dieser Diözese zu machen, und Stratford übergab die Briefe des Königs an die Kurie. Erneut wurde Baldock jedoch von der Kurie als Bischof abgelehnt. Stattdessen ernannte Papst Johannes XXII. am 20. Juni 1323 per päpstliche Bulle Stratford zum neuen Bischof der Diözese Winchester. Am 26. Juni wurde er von Kardinal Bertrand du Pouget zum Bischof geweiht. Über diese Entwicklung war Eduard II. höchst erzürnt und ließ Stratford, der als Gesandter des Königs dessen Interessen vertreten sollte, bei dessen Rückkehr von Chief Justice Geoffrey Scrope und von Robert Ayleston, dem Keeper of the Privy Seal verhören. Schließlich musste Stratford erklären, dass er die Temporalien der Diözese nur dank der besonderen Gnade des Königs erhalten habe. Als Sicherheit für seine Treue sollte er die hohe Summe von £ 10.000 zu hinterlegen.
Gesandter im Dienst von Eduard II.
Mitte Juli 1324 benötigte der König erneut die Dienste von Stratford. Dieser sollte die Unterstützung des Papstes in den Kriegen des Königs gegen Frankreich und gegen Schottland sichern. Johannes XXII. war gerne bereit, als unparteiischer Vermittler zwischen Frankreich und England zu dienen, da er hoffte, nach einem Friedensschluss die Könige zu einem gemeinsamen Kreuzzug überzeugen zu können. Anschließend gehörte Stratford zu den wichtigsten Mitgliedern einer englischen Gesandtschaft, die zu Friedensverhandlungen an den französischen Hof reiste. Danach spielte er noch in drei weiteren Gesandtschaften eine führende Rolle. Im März 1325 wurde die englische Königin Isabelle nach Frankreich gesandt, wo sie die Friedensverhandlungen mit ihrem Bruder, dem französischen König Karl IV. voranbringen sollte. Stratford hatte diesen Versuch, den Krieg so zu beenden, befürwortet und besuchte die Königin Ende März in Poissy. Ende 1325 wurde der Thronfolger Eduard in Stratfords Obhut gegeben. Er begleitete ihn nach Frankreich, wo er anstelle seines Vaters im Bois de Vincennes dem französischen König für das Herzogtum Aquitanien huldigte. Nachdem Königin Isabelle wegen der Günstlingsherrschaft der Despensers nicht nach England zurückgekehrt war, reiste Stratford Ende Oktober 1325 erneut als Gesandter nach Frankreich, um sie zur Rückkehr zu überreden. Stratford blieb erfolglos, und am 18. November kehrte er nach Dover zurück, von wo er nach Westminster weiterreiste, um dort das Parlament über das Scheitern seiner Mission zu unterrichten.
Rolle bei der Absetzung von Eduard II.
Nach seiner Rückkehr aus Frankreich konnte Stratford am 3. Februar 1326 im Kathedralpriorat von Winchester mit der ersten Visitation seiner Diözese beginnen. Als im September 1326 Königin Isabelle mit einem kleinen Heer in England landete, um ihren Mann und dessen Günstlinge zu stürzen, war Stratford im Winchester Palace in Southwark. Er und die anderen englischen Bischöfe trafen sich in St Mary Overie und im Lambeth Palace, um ein gemeinsames Handeln abzusprechen. Stratford zeigte sich bereit, als Unterhändler zur Königin zu reisen, falls Bischof Hamo Hythe von Rochester ihn begleiten würde. Wenig später hatte sich Stratford der Königin angeschlossen. Zusammen mit weiteren Aufständischen war er in Bristol, wo am 26. Oktober der junge Thronfolger Eduard zum Regenten ausgerufen wurde. Von der Königin wurde er am 6. November zum stellvertretenden Treasurer ernannt und angeblich feierte er zusammen mit ihr Weihnachten in Wallingford. Anfang 1327 gehörte er der Delegation an, die zum gefangenen Eduard II. nach Kenilworth Castle gesandt wurde, um diesen zur Abdankung zu überreden. Am 28. Januar 1327 legte er bereits wieder das Amt des stellvertretenden Treasurer nieder. Am 1. Februar nahm er an der Krönung von Eduard III. teil. Nach der Abdankung von Eduard II. musste er nicht mehr £ 10.000 als Sicherheit für seine Loyalität stellen.
Geistlicher, Diplomat und Kanzler unter Eduard III.
Vorsichtige Opposition zum Regime von Isabelle und Mortimer
Stratford diente auch der neuen Regierung wieder als Diplomat. Am 10. März 1327 setzte er von Dover nach Wissant über, von wo er weiter nach Paris reiste. Dort besiegelte er am 31. März einen neuen Waffenstillstandsvertrag mit Frankreich. Als Mitglied des Rates des jungen Königs entfremdete er sich jedoch rasch von der Hofpartei von Königin Isabelle und dem neuen Machthaber Roger Mortimer. Während des Parlaments in Salisbury 1328 agierte er als Sprachrohr von Henry of Lancaster, der zum Gegner der neuen Regierung geworden war. Daraufhin wurden gegen Stratford Vorwürfe erhoben, dass er das Parlament vorzeitig und ohne Erlaubnis verlassen hätte, wofür ihm angeblich zeitweise sogar die Todesstrafe drohte. Dennoch blieb er weiterhin den Unterstützern Lancasters verbunden. Vorsichtigerweise brach er jedoch den Kontakt zu den Anhängern des gestürzten Eduard II. ab und konnte auch vermeiden, mit der vermuteten Verschwörung des Earl of Kent in Zusammenhang gebracht zu werden.
Kanzler von England und Erzbischof von Canterbury
Nachdem Eduard III. im Oktober 1330 Mortimer gestürzt und selbst die Herrschaft übernommen hatte, ernannte er am 28. November Stratford zu seinem Kanzler. Mit diesem Amt übernahm Stratford sowohl in England wie im Ausland zahlreiche Aufgaben für den König. Sein Bruder Robert diente dabei zusammen mit anderen Beamten regelmäßig als Lord Keeper of the Great Seal. Im April 1331 gehörte Stratford zu dem kleinen Gefolge des Königs, mit dem dieser nach Frankreich reiste, um gegenüber dem französischen König die Hommage für das Herzogtum Aquitanien zu erneuern. Ende Mai 1331 wurde er gebeten, im Konflikt zwischen den Mönchen der Abtei St Edmunds und den Bürgern von Bury St Edmunds zu vermitteln. Als er darauf in die ostenglische Stadt reiste, bemühte er sich auch, auf die Beschwerden der Bürger von Great Yarmouth einzugehen. Im September 1331 und im März 1332 eröffnete Stratford die Parlamente in Westminster. Im Dezember 1331 und im April und Mai 1332 war er wieder an Verhandlungen mit dem französischen König beteiligt. Vor Dezember 1332 erkrankte er, so dass er sich während des Parlaments von York vertreten lassen musste. Der Konflikt mit Schottland rückte nun in den Mittelpunkt der englischen Politik, so dass Stratford bis zum 23. September 1333 in Nordengland tätig war. Nach dem Tod von Erzbischof Simon Mepeham wurde er am 3. November als neuer Kandidat für das Amt des Erzbischofs von Canterbury aufgestellt. Auch der König wünschte sich Stratford als neuen Erzbischof, doch dieser wartete das Eintreffen der päpstlichen Bestätigung ab, die am 26. November ausgestellt wurde. Nachdem er diese erhalten hatte, wurde Stratford am 9. Dezember 1333 in Canterbury inthronisiert. Bereits kurz nach seiner Inthronisation reiste Stratford wieder als Gesandter nach Paris. Als er im Januar 1334 zurückkehrte, begann er die erste Visitation seiner Diözese, in der er Anfang Februar das Kathedralpriorat von Canterbury besuchte. Wenig später reiste er jedoch im Dienst des Königs nach Nordengland. Im September 1334 legte er das Amt des Kanzlers nieder, doch bereits am 6. Juni 1335 wurde er in der Franziskanerniederlassung in York erneut zum Kanzler ernannt. Im Dienst des Königs blieb Stratford bis Februar 1336 in York oder an der schottischen Grenze. Mitte März hielt er in der Londoner St Paul’s Cathedral eine Provinzialsynode ab und nahm am Parlament in Westminster teil. Nach dem ungeklärten Tod von John of Eltham, dem jüngeren Bruder des Königs, kehrte Stratford im September 1336 von Bothwell nach London zurück, wo er in Westminster Abbey die Totenmesse hielt. Am 24. März 1337 übergab er das Amt des königlichen Kanzlers an seinen Bruder Robert, der jedoch wenig später von Richard Bintworth, Bischof von London abgelöst wurde.