John Sherman (* 10. Mai 1823 in Lancaster, Ohio; † 22. Oktober 1900 in Washington, D.C.) war ein US-amerikanischer Politiker der zunächst der Partei der Whigs, später den Republikanern angehörte. Er diente in zwei Bundeskabinetten als Finanz- und als Außenminister und vertrat den Bundesstaat Ohio in beiden Kammern des Kongresses. Er war der Initiator des ersten Anti-Trust-Gesetzes in den USA.
John Shermans Eltern waren Charles Robert Sherman, Richter am Obersten Gerichtshof von Ohio, der bereits 1829 starb, und dessen Ehefrau Mary Hoyt. Sein älterer Bruder William T. Sherman, stieg während des Bürgerkriegs zu einem der führenden Generäle der Union auf und war später Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte. 1848 heiratete John Sherman Margaret Sarah Stewart, die Tochter eines Richters.
In Anbetracht des frühen Todes seines Vaters sah Sherman sich gezwungen, seine Schullaufbahn bereits mit 14 Jahren zu beenden und bei Ingenieuren in die Lehre zu gehen. 1840 fing er in Mansfield eine Ausbildung zum Anwalt an, die er vier Jahre später mit einem erfolgreich bestandenen Juristischen Staatsexamen abschloss.
Bei der Wahl Zachary Taylors zum Präsidenten der USA im Jahr 1848 war John Sherman als Delegierter der siegreichen Whig Party Mitglied des Electoral College. Auch 1852 unterstützte er als Delegierter den diesmal unterlegenen Whig-Kandidaten.
Bei den Wahlen 1854 konnte Sherman sich gegen seine Mitbewerber durchsetzen und 1855 ins Repräsentantenhaus einziehen. Seine Wählerschaft bestand aus Anhängern der Whigs, Demokraten und Free Soil Party, die allesamt mit dem Kansas-Nebraska Act unzufrieden waren – der Nährboden für die neue Republikanische Partei, deren Mitglied Sherman wurde. Im Kongress wurde Sherman bald eine der Wortführer der moderaten Republikaner. Nachdem bei den Wahlen 1858 keine Partei die absolute Mehrheit erringen konnte, stellten die Republikaner ihn als ihren Kandidaten für den Posten des Sprechers auf. Sherman musste sich zurückziehen und wurde stattdessen Vorsitzender der einflussreichen Ways and Means Committee.
1861 wählte ihn das Landesparlament von Ohio zum Senator. Er übernahm den Sitz von Salmon Chase, der vom republikanischen Präsidenten Abraham Lincoln zum Finanzminister ernannt worden war. Während des Sezessionskrieges war Sherman als Mitglied im Finanzkomitee des Senats maßgeblich an der Bewältigung der Kriegskosten beteiligt. Er unterstützte die Einführung der ersten Einkommenssteuer und den Druck von Hunderten Millionen Dollar an Papiergeld. Nach Ende des Krieges trieben ihn die Amtshandlungen von Lincolns Nachfolger, Andrew Johnson, und die Brutalität des Ku Klux Klans in das Lager der Radikalen Republikaner. Er war Autor des Reconstruction Act of 1867, der eine militärische Besetzung der ehemaligen Konföderation vorsah, die erst enden sollte, wenn die Bundesstaaten den 14. Verfassungszusatz und damit die Gleichberechtigung der Afroamerikaner anerkannten. Bei dem Amtsenthebungsverfahren gegen Johnson, das an nur einer Stimme scheiterte, stimmte Sherman gegen den Präsidenten. 1867 übernahm er die Leitung des Finanzkomitees, die er ein Jahrzehnt innehaben sollte. In diesem Amt trieb er maßgeblich die Abschaffung der Silberwährung voran.
Von 1877 bis 1881 war er Finanzminister im Kabinett von Präsident Rutherford B. Hayes. Mit dem Bland-Allison Act of 1878 musste Sherman einen Kompromiss mit der Freisilberbewegung eingehen und in limitiertem Maße die Silberwährung wieder einführen.
Im Jahr 1880 versuchte Sherman selbst Präsidentschaftskandidat der Republikaner zu werden – als Kompromisskandidat zwischen Ulysses S. Grant, der zum dritten Mal antreten wollte und von den Stalwarts unterstützt wurde, und James G. Blaine, der von den Half-Breeds unterstützt wurde. Die Nominierung erhielt schließlich sein eigener Kampagnenmanager, James A. Garfield, der anschließend auch die Wahl gewann. Sherman wechselte zurück in den Senat und nahm dort den Platz des zuvor für Ohio gewählten Garfield ein. In den folgenden Jahren verliefen zwei weitere Versuche – 1884 und 1888 –, von seiner Partei als Präsidentschaftskandidat nominiert zu werden, ebenfalls erfolglos; an seiner Stelle wurden James Blaine und Benjamin Harrison nominiert. Sein wiederholtes Scheitern wurde unter anderem damit erklärt, dass er zum einen nie die volle Unterstützung seines Heimatstaates Ohio hatte und zum anderen als eine charakterlose und langweilige Figur galt.
Stattdessen kehrte Sherman in den Senat zurück, amtierte in den Legislaturperioden 1884–1885 und 1891–1897 als Vorsitzender der republikanischen Senatsfraktion und von 1886 bis 1893 sowie von 1895 bis 1897 als Vorsitzender des einflussreichen Ausschusses für Außenpolitik. Sherman war Urheber des 1890 erlassenen Sherman Antitrust Act, dem ersten Versuch in der US-amerikanischen Politikgeschichte, gegen die immense Macht der Monopole und der Industriemagnaten, den sogenannten „Räuberbaronen“, vorzugehen. Er begründete das Gesetz mit der entwickelten Größe neuer „Giganten“ mit Monopolstellung und befürchtete ein Erstarken der Sozialisten, wenn gegen dieses Problem nicht vorgegangen werde.
Präsident William McKinley berief ihn trotz erster Anzeichen einsetzender Senilität im März 1897 als Außenminister in sein Kabinett. McKinley beabsichtigte damit vermutlich, seinem politischen Ziehvater Mark Hanna so Shermans Sitz im Senat zu verschaffen. Seine zunehmende Altersschwäche – ihm fiel es manchmal sogar schwer, alte Bekanntschaften wiederzuerkennen – zwang ihn im April 1898 aus dem Amt, kurz nach Ausbruch des Spanisch-Amerikanischen Krieges. Er verstarb 1900 in Washington.
Allan Burton Spetter: Sherman, John. In: American National Biography. Oxford University Press, abgerufen am 29. August 2026 (englisch, Zugriff beschränkt).
Edward S. Mihalkanin: John Sherman. In: Edward S. Mihalkanin (Hrsg.): American Statesmen. Secretaries of State from John Jay to Colin Powell. Greenwood Press, Westport CT u. a. 2004, ISBN 0-313-30828-4, S. 466–471.
John Sherman im Biographical Directory of the United States Congress (englisch)
John Sherman. Miller Center of Public Affairs der University of Virginia (englisch).
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