John Muir [ˈmjʊər] (* 21. April 1838 in Dunbar, Schottland; † 24. Dezember 1914 in Los Angeles, Kalifornien) war ein schottisch-US-amerikanischer Naturphilosoph und Autodidakt.
Er betätigte sich als Naturalist, Entdecker, Schriftsteller, Erfinder, Ingenieur und Geologe.
John Muir entwickelte sich im Laufe seines Lebens vom Naturforscher mehr und mehr zum Naturschützer und nahm dabei viele der Ideen des heutigen Naturschutzes vorweg. Er war Mitgründer des Sierra Clubs, der ältesten und größten Naturschutzorganisation in den Vereinigten Staaten. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „J.Muir“.
John Muir wurde am 21. April 1838 als drittes von acht Kindern in Dunbar, Schottland geboren. Er besuchte die Schule in Dunbar, wo er auch Latein und Französisch lernte, und musste zusätzlich jeden Tag Bibelverse auswendig lernen. Als er 11 Jahre alt war, reiste sein Vater mit ihm und zwei weiteren Geschwistern in die Vereinigten Staaten, um die Auswanderung der Familie vorzubereiten. Sein Vater besiedelte die Fountain Lake Farm in der Nähe von Portage, Wisconsin, die seit 1990 als National Historic Landmark eingetragen ist, und holte den Rest der Familie nach deren Einrichtung nach. Muir wurde sehr streng erzogen und musste in seiner Kindheit bereits schwere Farmarbeit leisten. In dieser Zeit besuchte er keine Schule, sondern bildete sich autodidaktisch weiter.
Bedingt durch die beschränkten Mittel auf dem Bauernhof und die Regeln in seinem Elternhaus begann Muir, Gerätschaften und Maschinen zu erfinden. So erfand er zum Beispiel eine „Early-Rising Machine“ (etwa: Frühaufsteher-Maschine), nachdem ihm das Lesen und Lernen nur vor Sonnenaufgang erlaubt worden war. Diese Maschine war eine von mehreren Zeitmessern, die er im Laufe der Jahre neben Thermo-, Hygro- und Barometern entwickelte.
Mit Ermunterung durch Nachbarn stellte Muir im September 1860 seine Erfindungen auf der Landwirtschaft-Ausstellung in Madison, Wisconsin, aus und gewann den „Ingenious Whittler’s Award“. Hier lernte er auch Jeanne C. Carr, die Ehefrau von Ezra Slocum Carr, Professor der Chemie und Naturgeschichte an der Universität von Wisconsin, und James Davie Butler, ein anderes Fakultätsmitglied, kennen. Jeanne C. Carr sollte zu seiner lebenslangen Ratgeberin werden. Nach der Ausstellung blieb Muir in Madison und verdiente sich durch verschiedene Gelegenheitsjobs die Einschreibegebühren an der Universität.
Er besuchte die University of Wisconsin, die er 1863 ohne Abschluss verließ. Seine Hauptinteressen lagen in der Geologie, Chemie und vor allem der Botanik.
In der Autobiographie The Story of my Boyhood and Youth, die auch Beschreibungen und Illustrationen seiner Erfindungen enthält, schreibt Muir über seine Kindheit in Schottland, die Auswanderung und sein Leben bis zum Verlassen der University of Wisconsin.
Im September 1864 arbeitete er, zusammen mit seinem Bruder David, als Mechaniker in dem Sägewerk von Wm. Trout bei Meaford, Ontario, Kanada, das Rechen und Besenstiele herstellte. Als die Fabrik 1866 in Brand geriet, gingen auch seine gesamte Habe sowie Aufzeichnungen über seine Exkursionen und Notizen technischer Natur in Flammen auf.
Da der Bürgerkrieg zu Ende ging, kehrte er im Mai 1866 in die USA zurück und ging nach Indianapolis, wo er in der Fabrik von Osgood Smith & Co. Arbeit fand, die Holzräder, Fässer, Dauben usw. herstellte. Im März 1867 erlitt er einen Arbeitsunfall, als eine kleine Feile sein rechtes Auge an der Hornhaut verletzte.
Als sein Auge ausgeheilt war, entschloss sich Muir im April 1867, sein Leben dem Studium der Natur zu widmen.
Im September 1867 unternahm Muir seinen 1.000-Meilen-Fußmarsch an den Golf von Mexiko. Er begann in Louisville, Kentucky, marschierte durch Tennessee nach Süden zu den Appalachen. Dann durchquerte er Georgia von Athens über Augusta nach Savannah. Hier nahm er ein Boot entlang der Küste zu den Inseln im Nordosten von Florida. Danach marschierte er durch Gainesville nach Cedar Key. Hier wurde er krank und blieb einige Zeit bis zur Genesung. Im Januar 1868 erreichte er Havanna, Kuba, wo er sich vier Wochen aufhielt.
Am 2. März 1868 erreichte John Muir San Francisco. Er war mit dem Dampfschiff von New York gereist. Er war jetzt 30 Jahre alt und wollte unbedingt das Yosemite Gebiet sehen. Im Gegensatz zum typischen Reisenden von damals, der die Fähre von San Francisco nach Stockton, dann eine Postkutsche nach Coulterville bestieg und von hier ein Pferd nahm, machte Muir den Weg zu Fuß. Er nahm die Fähre nach Oakland und wanderte durch das Santa Clara Tal, über den Pachero Pass, durchquerte das San Joaquin Tal nach Snelling, aufwärts zu den Ausläufern des Gebirges durch Coulterville, Mariposa County, und erreichte das Yosemite Tal um den 22. Mai 1868. Er war überwältigt von der Schönheit der Natur, den Bergen und Seen. Hier würde er die nächsten zehn Jahre verbringen und jedes Gebiet erkunden.
Vom Sommer 1868 bis Frühjahr 1869 arbeitete er als Schafhirte für John Connel alias Smokey Jack. Dabei unternahm er ernsthafte Studien der Geologie und Botanik der Sierra. Von Juni bis September hütete er die Schafherden von Pat Delany in der Region von Tuolumne Meadow, und im November nahm er einen Halbtagsjob in der Sägemühle von J. M. Hutchins im Yosemite Valley an. Nebenbei erkundete er die Berge der Sierra Nevada.
Er begleitete William Fred McClure, einen Ingenieur des Staates Kalifornien, und Joseph Burwell McChesney, einen Schulleiter aus Oakland, auf ihrer Tour durch den oberen Yosemite. Im August traf er den Geologen Joseph LeConte und schloss sich dessen zehntägiger Expedition in das Hochland, zum Bloody Canyon und Mono Lake an. Danach wurde er von der Journalistin Teresa Yelverton interviewt. Yelverton schrieb in vier Wochen 250 Seiten und gab Muir das Manuskript zu lesen. Sie veröffentlichte eine Novelle unter dem Titel Daughters of Ahwahnee (später umbenannt in Zanita: A Tale of the Yo-Semite).
Von Oktober bis Dezember 1870 arbeitete er erneut als Schafhirte für Pat Delaney entlang des Tuolumne River in der Nähe von La Grange, und im Januar 1871 nahm er wieder die Arbeit in der Sägemühle von J. M. Hutchins auf. Eifersüchteleien über Muirs Bekanntheit führten aber dazu, dass dieser die Arbeit bei Hutchins aufgab. Im Mai 1871 besuchte Ralph Waldo Emerson Muir im Yosemite Valley. Im August begann Muir mit dem intensiven Studium der Gletscher in Vorbereitung eines Buches für die Boston Academy of Sciences, und im September sandte er seinen ersten Artikel über Gletscher an die New York Tribune. Über den Winter bis zum Frühjahr 1872 wohnte er im Black’s Hotel, wo er an Manuskripten und Entwürfen arbeitete. Im Sommer entschied sich Muir, seinen Lebensunterhalt als Schriftsteller zu verdienen.
Im März 1872 war er Augenzeuge eines größeren Erdbebens im Yosemite Valley, und im April baute er sich hier ein Blockhaus. Im Juli 1872 kam Merrill Moores und verbrachte einige Monate mit Muir. Auch traf er Asa Gray, den Botaniker. Im August/September unternahm er eine zweiwöchige Tour in das Illiluette Basin. und im September folgten neun Tage mit Merrill Moores nach Hetch Hetchy. Im Oktober lernte Muir den Maler William Keith kennen und begleitete ihn auf seiner Exkursion zum Mount Ritter. Im November nahm Keith Muir mit in die
San Francisco Bay Area; Muir traf hier Ina Coolbrith, Charles Warren Stoddard und andere Prominente. Im Dezember war er wieder im Yosemite Valley und unternahm Winterexkursionen an den Glacier Point und den Tenaya Canyon. Er arbeitete an Artikeln über Gletscher.