John Sidney McCain III (* 29. August 1936 auf der Militärbasis Coco Solo, Panamakanalzone; † 25. August 2018 in Cornville, Arizona) war ein US-amerikanischer Politiker der Republikanischen Partei und von 1987 bis zu seinem Tod Senator für den Bundesstaat Arizona. Er war Kandidat der Republikaner für die Präsidentschaftswahl 2008, bei der er Barack Obama unterlag. Bereits im Jahr 2000 hatte er sich um das Amt des US-Präsidenten beworben, war in der Vorwahl jedoch an George W. Bush gescheitert. Vor seiner politischen Karriere war McCain bis 1979 Berufssoldat bei der United States Navy. Am Vietnamkrieg nahm er als Jagdbomberpilot teil, wurde 1967 abgeschossen und war fünfeinhalb Jahre Kriegsgefangener in Nordvietnam.
Zu den Vorfahren John McCains gehörten Ulster-Schotten und Engländer; die meisten von ihnen lebten nach ihrer Auswanderung nach Nordamerika in den Südstaaten. Sein Ur-Ur-Großvater William A. McCain hatte in Mississippi eine Plantage mit fünfzig Sklaven besessen und fiel 1863 im Sezessionskrieg, in dem er auf der Seite der Konföderierten kämpfte. McCain selbst sah seine Wurzeln im Militär. Sowohl sein Vater als auch sein Großvater John Sidney McCain Sr. waren Admirale der US Navy. Er kam als Sohn von John Sidney McCain Jr. (1911–1981) und der Öl-Erbin Roberta Wright McCain (1912–2020), die ihn sowie auch seine Schwester überlebte und im Alter von 108 Jahren starb, auf der Marinebasis Coco Solo in der damals von den USA kontrollierten Panamakanalzone zur Welt. McCain hatte zwei Geschwister, Jean Alexandra („Sandy“) McCain Morgan (1934–2019) und den Bühnenschauspieler Joseph („Joe“) Pinckney McCain II (* 1942). Aufgewachsen als Mitglied der Episkopalkirche, schloss er sich später den Baptisten an.
Bis zum Alter von zehn Jahren besuchte er verschiedene Schulen auf Marinestützpunkten. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zog die Familie 1946 ins nördliche Virginia. Ab 1949 folgte die Familie erneut dem Vater zwei Jahre lang durch verschiedene Marinestützpunkte, insgesamt besuchte John McCain etwa 20 verschiedene Schulen. Ab 1951 besuchte er die private „Episcopal High School“ in Alexandria (Virginia), die er 1954 abschloss.
Wie sein Vater und sein Großvater zuvor trat er daraufhin in die US Naval Academy in Annapolis ein, die er 1958 mit dem Bachelorgrad verließ. Er war einer der schlechtesten Abgänger seines Jahrgangs, was Sean Wilentz seiner fehlenden Beachtung der Disziplin und Themen zuschreibt, die ihn nicht interessierten. Anschließend ließ er sich in der Naval Air Station Pensacola in Florida zum Piloten ausbilden, erwarb sich den Ruf eines Partygängers und diente bei den Marinefliegern. Er galt als draufgängerischer Pilot, stürzte mit seinem Flugzeug während der Ausbildung ins Meer und später in Spanien auf eine Stromleitung.
Aus seiner ersten Ehe mit dem Model Carol Shepp, die von 1965 bis 1980 dauerte, stammen die Tochter Sidney McCain (* 1966; Musikbranche) sowie die beiden Stiefsöhne Doug (* 1959; Zivilpilot) und Andy McCain (* 1962; Vizepräsident von Hensley & Co.). Seine zweite Ehe schloss er am 17. Mai 1980 mit Cindy Hensley (* 1954; Aufsichtsratsvorsitzende von Hensley & Co.), aus der die Kinder Meghan McCain (* 1984; Journalistin), John Sidney „Jack“ McCain IV. (* 1986; Naval Academy), James „Jimmy“ McCain (* 1988; Marine Corps) und die aus Bangladesch stammende Adoptivtochter Bridget McCain (* 1991) hervorgingen.
Militärdienst und Gefangenschaft im Vietnamkrieg
McCain nahm als Marineflieger der Navy am Vietnamkrieg teil. Am 29. Juli 1967 befand er sich auf dem Flugdeck der Forrestal im Cockpit einer A-4E Skyhawk, als das neben ihm stehende Flugzeug von einer fehlgezündeten Zuni-Rakete getroffen wurde. Es gelang ihm, sich aus dem brennenden Flugzeug zu retten. 90 Sekunden später kam es zu einer Kettenreaktion von explodierender Munition und Treibstoff, bei der 134 Soldaten getötet wurden (siehe Forrestal-Katastrophe). Fortan war er auf der Oriskany stationiert.
Am 26. Oktober 1967 wurde er während eines Angriffs auf ein Wasserkraftwerk bei Hanoi abgeschossen und geriet in nordvietnamesische Gefangenschaft. Er brach sich beide Arme und ein Bein und erlitt weitere Verletzungen, als er aus dem Flugzeug geschleudert wurde. In nordvietnamesischer Gefangenschaft erhielt er nur eine rudimentäre medizinische Versorgung und wurde ab März 1968 zwei Jahre lang in Einzelhaft gehalten. Während seiner Gefangenschaft war sein Vater, Admiral John S. McCain, Jr. von 1968 bis 1972 Oberbefehlshaber des US-Pazifikkommandos und damit verantwortlich für alle US-Streitkräfte im Pazifik einschließlich derer, die in Vietnam kämpften. Im Hỏa-Lò-Gefängnis wurde McCain Opfer von Folter, die bei ihm permanente körperliche Behinderungen verursachte. Die Vietnamesen wollten McCain – als Sohn des US-Pazifikkommandeurs – vorzeitig freilassen; McCain weigerte sich, da er dies als positive Öffentlichkeitsarbeit für den Feind ansah. Daraufhin wurde die Folter wieder aufgenommen; McCain, der zudem an Dysenterie litt, unternahm einen Suizidversuch. Am 14. März 1973, nach fünfeinhalb Jahren Gefangenschaft, wurde er in die Freiheit entlassen. Über seine Erfahrung als Kriegsgefangener schrieb er im Mai 1973 im Nachrichtenmagazin U.S. News & World Report. Am National War College schrieb er 1974 einen 44-seitigen Bericht über The Code of Conduct and the Vietnam Prisoners of War.
1981 trat er aus der Navy im Rang eines Captains aus.
Mitglied des Repräsentantenhauses
John McCain war ab 1977 Verbindungsoffizier der Navy zum Senat der Vereinigten Staaten, was ihm einen Zugang in die Politik verschaffte. Seine zweite Ehe mit Cindy Hensley, die aus einer einflussreichen und begüterten Familie in Phoenix (Arizona) stammte, eröffnete ihm die Möglichkeiten, eine politische Laufbahn einzuschlagen. Er zog mit seiner neuen Familie 1980 nach Phoenix und trat bei der Wahl 1982 im 1. Kongresswahlbezirk Arizonas für das Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten an. In der Vorwahl der Republikaner hatte McCain sich um die Nachfolge des nicht mehr antretenden langjährigen Abgeordneten und Fraktionsvorsitzenden der Republikaner, John Jacob Rhodes, mit 32 Prozent der Stimmen durchgesetzt und gewann die Hauptwahl im November 1982 ungefährdet mit 66 Prozent. McCain trat sein Mandat im 98. Kongress am 3. Januar 1983 an und vertrat dort Teile von Phoenix und östliche Vorstädte bis Queen Creek und Apache Junction. Er gewann auch die Wiederwahl 1984, sodass er seinen Sitz bis zum Ende des 99. Kongresses am 3. Januar 1987 innehatte. Später bezeichnete sich McCain häufig als „Fußsoldaten der Reagan-Revolution“, da sein Einstieg in die Politik mit der für die republikanische Partei prägenden Präsidentschaft Ronald Reagans zusammenfiel.
Bei der Wahl 1986 wurde McCain für Arizona in den Senat der Vereinigten Staaten gewählt, nachdem er die parteiinterne Vorwahl ohne Gegenkandidaten gewonnen hatte. In der Hauptwahl um den Sitz des konservativen Barry Goldwater, der nicht wieder antrat, besiegte McCain den Demokraten Richard Kimball mit über 60 Prozent der Stimmen. McCain gehörte dem Senat ab dem 3. Januar 1987 an. Dort saß er unter anderem im Ausschuss für die Streitkräfte und im Handels-, Wissenschafts- und Verkehrsausschuss.
Beim Nominierungsparteitag der Republikaner für die Präsidentschaftswahl 1988 wurde McCain durch eine positiv aufgenommene Rede bundesweit bekannt. In die Schlagzeilen kam er kurz darauf als einer von fünf Senatoren, die sich politisch für den wegen Betrugs bei der Savings-and-Loan-Krise angeklagten Unternehmer Charles H. Keating eingesetzt hatten. Die deshalb Keating Five genannten Senatoren wurden wegen Korruptionsverdachts ab 1989 vom Ethikausschuss des Senats untersucht. McCain, der als einziger der fünf Senatoren persönlich mit Keating befreundet gewesen war, gemeinsam Urlaub gemacht und in mehreren Wahlkämpfen von dessen Zuwendungen profitiert hatte, wurde 1991 von allen Vorwürfen freigesprochen, der Ausschuss attestierte ihm aber schwaches Urteilsvermögen („poor judgment“). Daraufhin begann sich McCain für eine Reform der Wahlkampffinanzen in Richtung von Transparenz und Pflicht zur Verantwortlichkeit zu engagieren, die 2002 im McCain-Feingold-Act gipfelte, den er zusammen mit dem linksliberalen Senator Wisconsins Russ Feingold eingebracht hatte.