Sir John Alexander Macdonald, GCB, KCMG, QC (* 10. Januar 1815 in Glasgow, Schottland; † 6. Juni 1891 in Ottawa) war der erste Premierminister von Kanada. Er war zweimal im Amt, zunächst vom 1. Juli 1867 bis zum 5. November 1873 und danach vom 17. Oktober 1878 bis zu seinem Tod. Mit einer Amtszeit von insgesamt über 19 Jahren ist er der am zweitlängsten regierende Premierminister des Landes. Als einer der Väter der Konföderation gehört Macdonald zu den Wegbereitern des 1867 gegründeten kanadischen Bundesstaates, auch war er eine treibende Kraft der 1885 vollendeten transkontinentalen Eisenbahnlinie. Zuvor war er auch Premierminister der Provinz Kanada gewesen.
Macdonalds genaues Geburtsdatum ist umstritten: Offizielle Quellen geben den 10. Januar an, während Macdonald selbst seinen Geburtstag am 11. Januar feierte. Sein Vater Hugh Macdonald war ein erfolgloser Kaufmann. Dieser heiratete am 21. Oktober 1811 Helen Shaw. Zusammen hatten sie fünf Kinder; John war das dritte. Als die verschiedenen Unternehmungen des Vaters in Konkurs gegangen waren, wanderte die Familie im Jahr 1820 nach Kingston in Oberkanada aus.
Das Pech folgte der Familie in die neue Heimat. Als er sieben Jahre alt war, musste John Macdonald mit ansehen, wie sein jüngerer Bruder James von einem betrunkenen Diener erschlagen wurde (ein Gericht betrachtete den Tod als Unfall). Der Vater war mit seinen Geschäften nicht viel erfolgreicher als in Schottland. Dennoch konnte er es sich leisten, seinen Sohn an die Midland Grammar School zu schicken, wo er Fächer wie Latein, Französisch und Mathematik belegte. Mit 15 Jahren war John Macdonalds Schulbildung beendet, für ein Literaturstudium an einer Universität fehlte das Geld.
Macdonalds Eltern entschieden, dass ihr Sohn nach Ende der Schulzeit Rechtsanwalt werden sollte. Er reiste mit dem Dampfschiff nach York (das heutige Toronto) und bestand die Aufnahmeprüfung der Law Society of Upper Canada (Rechtsgesellschaft von Oberkanada). Um 1830 gab es noch keine Rechtsfakultäten, so dass zukünftige Rechtsanwälte nach bestandener Aufnahmeprüfung ihr Wissen als Angestellte eines etablierten Rechtsanwalts aneignen konnten. Im Falle Macdonalds war dies George Mackenzie, ein prominentes Mitglied der schottischen Gemeinschaft in Kingston, der Wirtschaftsrecht praktizierte.
Als er 17 Jahre alt war, wurde Macdonald mit der Leitung der Filiale in Napanee betraut. 1833 durfte er das Unternehmen verlassen, um die Kanzlei seines kränkelnden Cousins Lowther Pennington Macpherson in Picton zu leiten. Im Sommer 1835 entschloss er sich jedoch, nach Kingston zurückzukehren und seine eigene Anwaltskanzlei zu eröffnen, nachdem George Mackenzie während einer Cholera-Epidemie verstorben war. Macdonald war fest entschlossen, in die Fußstapfen Mackenzies als führender Rechtsanwalt der Gemeinschaft der schottischen Presbyterianer zu treten, die in Kingston rasch an Einfluss gewann.
Am 6. Februar 1836 war er erstmals zu einer Gerichtsverhandlung zugelassen. Schon bald nach der Eröffnung seiner Kanzlei nahm er zwei Studenten auf, die später ebenfalls sehr prominent werden sollten: Oliver Mowat, der spätere Premierminister von Ontario, und Alexander Campbell, späterer Innen- und Verteidigungsminister sowie Vizegouverneur von Ontario. Nachdem er sich mit dem lukrativen, aus seiner Sicht aber langweiligen Wirtschaftsrecht befasst hatte, praktizierte er ab 1837 zwei Jahre lang Strafrecht, weil er sich dadurch mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit erhoffte. Macdonald verteidigte erfolglos einen Mann, der beschuldigt wurde, ein achtjähriges Mädchen vergewaltigt zu haben, doch eine Lokalzeitung rühmte seine Verteidigungsstrategie. Danach erwirkte er den Freispruch eines Mannes, der angeblich im Streit einen Freund erschlagen hatte. Alexander Campbell schrieb später, Macdonald habe die Geschworenen eher mit Humor und Anekdoten überzeugt als mit juristischem Können.
Die Rebellionen von 1837 in Ober- und Niederkanada erwiesen sich als Wendepunkt in Macdonalds juristischer Karriere. Macdonald erwarb sich den Ruf eines Konservativen, der sich nicht scheute, auch für liberale Prinzipien zu kämpfen. Er verteidigte acht politische Häftlinge aus benachbarten Bezirken, die beschuldigt wurden, an Aufständen gegen die Kolonialbehörden beteiligt gewesen zu sein und wegen Hochverrats angeklagt waren. Macdonald erreichte in allen Fällen einen Freispruch. Eine Zeitung aus Kingston lobte „seine Genialität und sein Können“ und prophezeite, dass er einen „raschen Aufstieg in seinem Beruf“ vor sich habe.
Danach diente Macdonald als Berater für John Ashley, der für die Leitung des örtlichen Militärgefängnisses zuständig war und selbst kurze Zeit inhaftiert gewesen war, weil er angeblich 15 politischen Gefangenen zur Flucht verholfen hatte. Ashley klagte den Militärkommandanten Colonel Dundas wegen illegaler Verhaftungen an. Dundas war sehr beliebt, doch Macdonald überzeugte die Geschworenen, Ashley großzügig zu entschädigen.
Schließlich ging Macdonald ein großes Risiko ein, als er zusagte, amerikanische Freischärler zu verteidigen. Diese hatten versucht, in Kanada einzudringen, um in ihren Augen das Land vom Joch der kolonialen Unterdrückung durch die Briten zu befreien. Die Freischärler waren im November 1838 nach der Schlacht an der Windmühle in Gefangenschaft geraten. Mindestens zwei andere Rechtsanwälte hatten es abgelehnt, den Fall zu übernehmen. Macdonald zögerte zunächst ebenfalls, sagte dann aber zu, nachdem der verärgerte Schwager einer der Angeklagten in sein Haus gestürmt war und ihn unsanft geweckt hatte.
Macdonald konnte wenig für die Amerikaner ausrichten. Vor einem Militärgericht war es einem zivilen Verteidiger nicht gestattet, die Zeugen zu befragen oder sich an den Richter zu wenden. Macdonald konnte nur privaten Rat geben, was es dem Schwager erlaubte, während des Prozesses die richtigen Fragen zu stellen. Dies rettete die Angeklagten jedoch nicht vor dem Galgen. Macdonald beriet auch Nils von Schoultz, den ursprünglich aus Finnland stammenden Anführer der Freischärler. Von Schoultz bestand darauf, sich für schuldig zu erklären und in seinem Testament Macdonald 100 $ zu hinterlassen. Macdonald musste diesen Wunsch ablehnen.
1843 begann Macdonalds politische Karriere, als er in den Stadtrat von Kingston gewählt wurde. 1844 nahm er die Nominierung der konservativen Partei an und kandidierte für die Legislative der Provinz Kanada. Macdonald gewann im Wahlkreis Kingston deutlich, erwarb sich den Respekt seiner Fraktionskollegen und wurde 1847 zum Schatzmeister in der Regierung von William Henry Draper ernannt. Als die Konservativen 1848 die Wahl verloren, trat er aus der Partei aus. 1854 war er an der Gründung der weitaus moderateren, von Allan MacNab geführten liberal-konservativen Partei beteiligt.
Noch im selben Jahr konnte die neue Partei, die sowohl die konservative Wählerschaft als auch die Reformkräfte im Zentrum ansprach, die Wahl gewinnen. Macdonald wurde zum Attorney General ernannt und war damit oberster Rechtsberater der Regierung. Nach der Wahl 1856 war er zusammen mit Étienne-Paschal Taché Co-Premierminister der Provinz Kanada (die Regierung der Provinz Kanada wurde von je einem Premierminister aus Nieder- und Oberkanada gemeinsam geführt). 1857 trat Taché zurück, an seine Stelle trat George-Étienne Cartier.
Anfang August 1858 verlor die Macdonald-Cartier-Regierung das Vertrauen der Abgeordneten. Doch nur vier Tage später wurde Cartier vom Generalgouverneur gebeten, das Amt des Premierministers wieder zu übernehmen, da der Liberale George Brown keine Regierung bilden konnte. Cartier akzeptierte die Bitte und setzte auch Macdonald wieder ein. Dieses Vorgehen war damals durchaus legal, denn jedes Regierungsmitglied konnte bis spätestens einen Monat nach dem Rücktritt wieder in die Regierung eintreten. Die Regierung Cartier-Macdonald erlitt im Mai 1862 erneut eine Niederlage. Bis zur Wahl im Mai 1864 war Macdonald Oppositionsführer. Taché beendete daraufhin seinen Ruhestand und bildete mit Macdonald wieder die Regierung. Ab Juli 1865 war Narcisse-Fortunat Belleau Macdonalds Co-Premierminister.