An diesem Tag

John Lydon

Britischer Sänger

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John Joseph Lydon, Künstlername Johnny Rotten (* 31. Januar 1956 in London), ist ein britischer Sänger. Ab 1976 wurde er einem größeren Publikum bekannt als Mitglied der skandalträchtigen englischen Punkband Sex Pistols. Nach deren Auflösung 1978 gründete er das experimentelle Post-Punk-Musikprojekt Public Image Ltd.

John Lydon wurde als Sohn eines irischen Einwanderers geboren. Er ging von 1961 bis 1967 in der katholischen Our Lady of the Sacred Heart Primary School in Islington zur Grundschule. 1964 erkrankte er an Meningitis und musste drei Monate lang im St Ann’s Hospital, Haringey, London stationär behandelt werden. Aufgrund der Meningitis lag er sieben Monate im Koma. Die Hirnhautentzündung löste bei ihm Symptome wie Halluzinationen und Alpträume aus. Nach dem Erwachen aus dem Koma erkannte Lydon seine Umwelt nicht mehr. Als Spätfolge behielt Lydon eine Skoliose und eine leichte Sehstörung zurück, die sich in Kurzsichtigkeit und seinem charakteristischen Starren äußert.

Bis zu seinem 15. Lebensjahr besuchte Lydon die katholische St.William of York Secondary School, wurde aber nach einer Auseinandersetzung mit seinem Englischlehrer im Dezember 1971 der Schule verwiesen. Nach Intervention der Eltern beim Schulträger, dem Londoner Bischof, durfte Lydon erfolgreich an den Abschlussprüfungen zur Mittleren Reife teilnehmen. Seine Erfahrungen mit dem konfessionellen Schulsystem machten Lydon zum erbitterten Gegner organisierter Religion, was er auch in Songtexten zum Ausdruck brachte. Um die Allgemeine Hochschulreife (Advanced Level) zu erreichen, ging Lydon von 1972 bis 1974 auf das Hackney Technical College in Hackney, wo er seinen späteren Bandkollegen Sid Vicious kennenlernte. Wegen unregelmäßiger Teilnahme am Unterricht wechselte Lydon 1974 auf das Kingsway College in Camden, wo er wiederum seinen späteren Bandkollegen Jah Wobble traf. Lydon ging vor den Sommerferien 1975 von der Schule ab.

John Lydon wurde in den späten 1970ern zu einem Protagonisten der Punkbewegung. Die Popularität Lydons gründet auf seiner Rolle als Johnny Rotten, die er von 1975 bis 1978 als Sänger und Autor der Sex Pistols ausfüllte. Seine zynischen Songtexte für die Band (darunter Anarchy in the U. K. und God Save the Queen), sein provokantes Aussehen und seine wilden Bühnenauftritte voll unkontrolliertem Gebrüll und Publikumsbeschimpfungen machten ihn bald zu einer berühmten Figur des Punkrock. Malcolm McLaren, der Manager der Sex Pistols, sagte einmal über ihn: „Er kam in meinen Laden mit grünen kurzrasierten Haaren und einem zerrissenen Pink-Floyd-T-Shirt, über das er eigenhändig ›I Hate‹ gekritzelt hatte. Er konnte überhaupt nicht singen, aber er besaß genug Aggression, um Sänger der Sex Pistols zu werden“. Nachdem er sich allerdings mit McLaren komplett zerstritten hatte und sein bester Freund Sid Vicious dem Heroin verfallen war, verließ er frustriert die Band. Kurze Zeit, nachdem Sid Vicious gestorben war, versuchten es Paul Cook und Steve Jones noch einige Zeit ohne Lydon als Sex Pistols. Im Jahr 1980 löste sich die Gruppe endgültig auf.

Im Jahr 1978 gründete Lydon, zunächst mit Keith Levene und Jah Wobble, das Musikprojekt Public Image Ltd (PiL), das sich neben Dub mit experimentellen Klängen beschäftigt und der Stilrichtung Post-Punk zugerechnet wird. Von 1999 bis 2000 moderierte Lydon insgesamt drei Folgen von Rotten TV beim amerikanischen Musiksender VH1. 2004 war Lydon in der britischen Version der Fernsehshow Ich bin ein Star – Holt mich hier raus! zu sehen. Neben seiner musikalischen Tätigkeit ist John Lydon seit mehreren Jahrzehnten als bildender Künstler tätig und hat unter anderem mehrere Umschlaghüllen seiner Alben selbst gestaltet. Von Oktober bis November 2021 nahm Lydon als Jester an der sechsten Staffel der US-amerikanischen Version von The Masked Singer teil, in der er den achten von insgesamt 16 Plätzen belegte. Im Januar 2026 war er Kandidat der siebten Staffel der britischen Version, in der er den zehnten Platz erreichte.

mit den Sex Pistols siehe dort

1986: The Lydons and the O’Donnells – Family Album (Produzent)

mit PiL: siehe Public Image Ltd#Diskografie

2011: Sons of Norway (Gastrolle)

Dave Thomas: Johnny Rotten In His Own Words. Omnibus Press, 1988.

John Lydon, Keith Zimmerman, Kent Zimmerman: Johnny Rotten – No Irish, No Blacks, No Dogs. Die autorisierte Autobiographie. Mein Leben mit den Sex Pistols. Hannibal, Höfen 1995, ISBN 3-85445-102-4 (britisches Englisch: Rotten – No Irish, No Blacks, No Dogs. 1994. Originalausgabe: Hodder & Stoughton, ISBN 0-450-60182-X).

John Lydon: Mr. Rotten’s Scrapbook. Concert Live Ltd., 2010

John Lydon mit Andrew Perry: Anger is an Energy – mein Leben unzensiert. Heyne, München 2015, ISBN 978-3-453-26977-4.

John Lydon äußerte sich in der Vergangenheit wiederholt kontrovers zu politischen Themengebieten. Aufgrund des Images der Sex Pistols wurde Lydon oft als Anarchist bezeichnet, eine Bezeichnung, die er jedoch mittlerweile entschieden ablehnt. Der anarchistischen Bewegung warf er Uniformität, Anachronismus und Doppelmoral vor und bezeichnete sie als „nettes Hobby der Mittelklasse“. Er kritisierte sowohl Konservatismus als auch Sozialismus, obgleich er scharfer Gegner der Klassengesellschaft ist, und stand in der Vergangenheit sowohl Margaret Thatcher als auch Tony Blair ablehnend gegenüber. Er lehnte sowohl das britische als auch das US-amerikanische Zweiparteiensystem ab und bezeichnete George W. Bush als den vorstellbar schlimmsten US-Präsidenten. Im Gegenzug dazu favorisierte Lydon liberale Politik, steht der Europäischen Union positiv gegenüber, unterstützte aber auch die Politik der Gewerkschaften und äußerte sich positiv über Arthur Scargill, dessen kommunistische Tendenzen er allerdings ablehnte. Er ist ein Bewunderer Mahatma Gandhis, vertritt Anti-Kriegs-Positionen und lehnt jedwede Religion als überkommenes Konzept ab. Er äußerte sich mehrmals zwiespältig zum britischen Königshaus: So nannte er die Vorfahren der Windsors in seiner Autobiografie eine „mittelalterliche Mafia“; in neueren Interviews steht er der Königsfamilie jedoch positiver gegenüber, da sie als Teil der britischen Kultur zu betrachten sei. Lydon fasst die britische Kultur als internationalistisch und multikulturell auf und verstand sich als Gegner von Nationalismus, Isolationismus und Rassismus, da er seine eigene Herkunft im Melting Pot der britischen Vorstädte sieht. Zudem setzt Lydon sich für Umwelt- und Tierschutz ein und unterstützt die World Society for the Protection of Animals sowie Save Our Seas.

Lydon vertritt einen radikalen Individualismus und lehnt es aus diesem Grunde auch ab, sich als Punk bezeichnen zu lassen.

2006 äußerte er öffentlich Sympathien für den britischen Politiker Enoch Powell.

2008 behauptete Kele Okereke, Sänger der Band Bloc Party, durch Lydon und Mitglieder seiner Entourage rassistisch beschimpft und angegriffen worden zu sein. Der Vorfall führte zu Schlagzeilen in der britischen Presse, sodass Lydon bei einem Fernsehinterview öffentlich erklären musste, kein Rassist zu sein.

Ende März 2017 zeigte John Lydon im britischen Frühstücksfernsehen Good Morning Britain Verständnis für die Wähler von Donald Trump, den Brexit und Nigel Farage.

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