John Patrick Higgins MBE (* 18. Mai 1975 in Wishaw, Lanarkshire) ist ein schottischer Snookerspieler. Als einer der erfolgreichsten Spieler der Geschichte gewann er zahlreiche Profiturniere, darunter viermal die Snookerweltmeisterschaft, dreimal die UK Championship und zweimal das Masters. Zudem führte er mehrfach die Snookerweltrangliste an und spielte dreizehn Mal ein Maximum Break.
Higgins ist Teil der „goldenen Generation“ von 1992, der auch noch Mark Williams und Ronnie O’Sullivan angehören. Zusammen mit diesen beiden Konkurrenten eroberte Higgins in den 1990er-Jahren das Profisnooker. Nachdem er bereits Mitte der 1990er erste wichtige Profiturniere gewonnen hatte, siegte er im Finale der Snookerweltmeisterschaft 1998. Weitere Erfolge, vor allem bei der UK Championship 1998, ließen ihn zwei Jahre lang auf Platz 1 der Snookerweltrangliste stehen. Nach einer Flaute Anfang der 2000er-Jahre kehrte Higgins ab 2005 in die oberste Weltspitze zurück. So folgten bis 2010 zwei weitere Weltmeistertitel und weitere Turniergewinne. Ebenso stand Higgins für eine weitere Spielzeit an Platz 1 der Weltrangliste.
2011 wurde Higgins’ Karriere durch einen Korruptionsverdacht erschüttert, als die News of the World ein Video veröffentlichte, auf dem Higgins der Beteiligung an einem Wettbetrug zustimmt. Higgins entschuldigte sich später damit, dass er sich der osteuropäischen Wettmafia gegenüber wähnte und Todesangst hatte. Daher habe er vorgeblich zugestimmt, zu einer wirklichen Spielmanipulation sei es aber nie gekommen. Der Weltverband glaubte ihm diese Entschuldigung und verhängte – auch wegen weiterer entlastender Umstände – nur eine sechsmonatige Sperre und eine finanzielle Strafe.
Nach Ablauf der Sperre meldete sich Higgins mit mehreren Turniergewinnen zurück, allen voran der Gewinn seines vierten WM-Titels. Danach konnte Higgins sein Niveau nicht ganz halten, zum Ende der 2010er-Jahre stand er aber nach drei verlorenen WM-Endspielen konstant in den Top 10 der Weltrangliste. Für seine Verdienste um den Snookersport wurde der für seine Vielseitigkeit und vor allem für sein Breakbuilding bekannte Schotte bereits 2012 in die Snooker Hall of Fame aufgenommen.
Als früher Mentor Higgins’ fungierte sein eigener Vater John Higgins snr. Higgins erfuhr in seinen Juniorenjahren wie auch in seiner späteren Karriere viel Unterstützung durch seine Familie, die ihm den Rücken freihielt. Spielerisch wurde Higgins vor allem von seinem langjährigen Trainer Richy McDonald geprägt. Begünstigend kam hinzu, dass Higgins bereits in seiner frühen Karriere mehrere gute Trainingspartner hatte, durch die er sich im aktiven Spielen verbessern konnte. Dennoch blieb er lange ein „Noname“ im britischen Juniorensnooker. Erst Anfang der 1990er-Jahre machte er auf sich aufmerksam, als er mit Mark Williams und Ronnie O’Sullivan, welche als die besten Juniorspieler galten, mithalten konnte. Auf ganz großer Bühne schaffte Higgins mit dem Gewinn des Junioren-Wettbewerbes des World Masters 1991 einen ersten großen Erfolg. Im Finale besiegte er Williams, zuvor hatte er bereits O’Sullivan geschlagen.
Williams besiegte Higgins später im Finale der britischen U16-Meisterschaft. Nachdem er 1992 noch die schottische U18-Meisterschaft gewonnen hatte, wurde er 1992 Profispieler. Zeitgleich wurden auch Williams und O’Sullivan Profispieler. Da die drei in den folgenden Jahren und Jahrzehnten zu den erfolgreichsten Spielern ihrer Zeit wurden, gilt das Trio auch als „goldene Generation“. Bereits kurz nach seinem Sieg beim World Masters wurde Higgins von Ian Doyle und seiner Management-Firma Cue Masters unter Vertrag genommen. Obgleich Higgins recht schnell an die Weltspitze stieß, hatte für Doyle stets Stephen Hendry oberste Priorität. Aus diesem Grunde verließ Higgins später Cue Masters und sein Vater wurde sein Manager.
Bereits in der ersten Saison machte das Trio von sich hören. Higgins trug dazu mit einer Achtelfinalteilnahme beim Grand Prix und einer Viertelfinalteilnahme bei den British Open bei. Dennoch wurde er am Saisonende nur auf Platz 122 der Weltrangliste geführt. Weil er aber seine Vorjahresergebnisse in der nächsten Saison bestätigen konnte, verbesserte er sich auf Platz 51. Derweil gewann er mit der Australian Open Championship 1994 ein Amateurturnier mit reger Profibeteiligung.
Es dauerte nicht lange, bis Higgins seine ersten Profiturniere gewann: Im Laufe der Saison 1994/95 gewann er den Grand Prix, das International Open und das British Open. Bei den Welsh Open und beim Masters schied er erst im Finale aus. Er war der erste Teenager, der drei Profiturniere gewann und erst über ein Jahrzehnt später wiederholte Ding Junhui diese Leistung. Dafür erhielt er einen „Special Award“ im Rahmen der Auszeichnungen der Snooker Writers Association. Mit dieser Saison gelang Higgins mit Platz 11 auf der Weltrangliste der Einstand in der Weltspitze. Higgins galt, im Sinne des besten schottischen Spielers, als einziger „Heir apparent“ von Stephen Hendry, welcher zu diesem Zeitpunkt der dominierende Snookerspieler war.
In den nächsten beiden Spielzeiten konnte sich Higgins in der Weltspitze im Snooker etablieren. Er war nun fast Dauergast in den letzten Runden aller Turniere. Bis Mitte 1997 gewann er drei weitere Profiturniere, hinzu kam der Sieg beim World Cup 1996, einem Team-Wettbewerb. Zusätzlich stand er unter anderem bei der UK Championship 1996 im Finale. Wenngleich er somit bei zwei der drei wichtigsten Profiturniere das Finale erreicht hatte – namentlich Masters und UK Championship –, war ihm bei der Snookerweltmeisterschaft noch kein großer Wurf gelungen. Er schied sowohl 1996 als auch 1997 jeweils im Viertelfinale aus. Dennoch erreichte Higgins nun zwei Saisons in Folge den zweiten Platz der Weltrangliste.
Es war schließlich die Saison 1997/98, in der Higgins zum König der Snookerwelt wurde: Nach einem Halbfinalsieg über Ronnie O’Sullivan stand der Schotte erstmals im Finale der Weltmeisterschaft. Dort krönte er die Saison mit dem Weltmeistertitel, als er mit 18:12 gegen Titelverteidiger Ken Doherty gewann. Insgesamt war es eine der erfolgreichsten Spielzeiten seiner Karriere: Er stand acht Mal in einem Endspiel; vier Turniere gewann er auch. Selbst enttäuschende Auftaktniederlagen bei der UK Championship und beim Masters taten Higgins genereller Form keinen Abbruch. Am Saisonende vertrieb er seinen Landsmann Stephen Hendry von Platz 1 der Weltrangliste – nun war Higgins selbst Weltranglistenführender. Zudem wurde er am Saisonende zum „Player of the Year“ ernannt.
Als amtierender Weltmeister war Higgins in der nächsten Saison der Spieler, den es zu schlagen galt. Das passierte aber erneut nur selten in den frühen Runden, meist stand der Schotte bei Turnieren mindestens im Viertelfinale. Sieben Mal erreichte er auch das Finale, wovon er bei fünf Turniersieger wurde. Darunter waren auch seine ersten Siege bei der UK Championship und beim Masters. Neben der Weltmeisterschaft hatte Higgins damit auch die fehlenden zwei Turniere der Triple Crown gewonnen. Zugleich war er einer der ersten Spieler, dem es gelang alle drei Triple-Crown-Titel gleichzeitig zu halten. Das änderte sich im Halbfinale der Snookerweltmeisterschaft, als Higgins gegen Mark Williams verlor. Damit schaffte es Higgins auch nicht, den sogenannten „Fluch des Crucible“ zu brechen. Trotz dieser Halbfinalniederlage beendete Higgins die neuerlich überragende Saison erneut auf Platz 1 der Weltrangliste. Erneut wurde er zum „Player of the Year“ gewählt.
Sukzessiver Abstieg auf Platz 6
Auch in den folgenden beiden Spielzeiten gehörte Higgins zu den Top-Favoriten auf der Tour. Fast durchgehend stand er wieder mindestens im Viertelfinale, auch wenn die Finalteilnahmen und -siege seltener wurden. Immerhin gewann er drei beziehungsweise zwei Turniere pro Saison. Dabei waren die Turniersiege bei den Welsh Open 2000 und der UK Championship 2000 am wichtigsten. Hatte er bei letzterem Turnier ein Jahr zuvor seinen Wunsch nach einer Titelverteidigung erst im Halbfinale aufgeben müssen, so war beim Masters bereits jeweils nach einer Auftaktniederlage im Achtelfinale Schluss. Derweil unterlag er bei der Snookerweltmeisterschaft 2000 wie schon im Vorjahr im Halbfinale Mark Williams, der diesmal Weltmeister wurde. Bei der Weltmeisterschaft 2001 stand Higgins schließlich zum zweiten Mal im WM-Finale, unterlag aber Ronnie O’Sullivan. Nach seiner anfänglichen Dominanz waren es nun die beiden anderen Mitglieder der „goldenen Generation“, welche das wichtigste Snookerturnier gewannen. Higgins hatte zudem während der Saison 1999/2000 zwei Mal ein Maximum Break gespielt. In den folgenden Saisons folgten regelmäßig weitere 147er-Breaks. Auch in der Weltrangliste überholten die beiden Higgins, der Mitte 2001 auf Platz 3 zu finden war.