An diesem Tag

John Harvey

Britischer Offizier und Vizegouverneur in Kanada

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Sir John Harvey KCB, KCH (* 23. April 1778 in England; † 22. März 1852 in Halifax, Britisch-Nordamerika) war ein britischer Offizier und Kolonialadministrator in den nordamerikanischen Kolonien, aus denen später Kanada hervorging.

Im Gegensatz zu den meisten höheren Offizieren der British Army seiner Zeit stammte John Harvey aus einfachen Verhältnissen. Sein Vater war ein anglikanischer Pfarrer, der William Pitt den Jüngeren überredete, seinem Sohn ein Offizierspatent für die Armee zu verleihen. Auf diese Weise wurde Harvey 1794 Ensign im 80th Regiment of Foot der British Army. Dieses Regiment wurde von Lord Paget, dem späteren Marquess of Anglesey, aufgestellt, der den jungen Offizier förderte und von dessen weitgespannten Verbindungen Harvey auch später profitierte. Da Harvey kein privates Vermögen hatte, konnte er seine Karriere nicht durch den Kauf von Offizierspatenten höherer Ränge beschleunigen. Sein Aufstieg verlief deshalb langsamer und musste hart erarbeitet werden.

Von 1794 bis 1796 kam Harvey in den Niederlanden und bei amphibischen Operationen an der französischen Küste zum Einsatz, wurde 1795 zum Lieutenant befördert und diente 1796 in der Kapkolonie, 1797 bis 1800 auf Sri Lanka und 1801 in Ägypten. Seit 1803 Captain, war er ab diesem Jahr bis 1807 in Indien stationiert und kämpfte dort im Zweiten Marathenkrieg, wo er mit besonderer Tapferkeit die Aufmerksamkeit seines Kommandeurs Lord Lake erregte. Lake nahm ihn in seinen Stab auf, wodurch Harvey die Bekanntschaft seiner Tochter Hon. Elizabeth Lake machte, die er 1806 heiratete. Dass Lake seiner Tochter die Ehe mit einem Offizier einfacher Herkunft ohne Vermögen gestattete, zeigt deutlich, dass er eine hohe Meinung von Harvey hatte. Trotz der unterschiedlichen Herkunft der beiden Partner erwies sich die Ehe, aus der fünf Söhne und eine Tochter stammten, als außerordentlich glücklich und harmonisch.

Anfang 1808 wurde Harvey Major und stellvertretender Generalquartiermeister und kam dann nach Irland zu einem Bataillon der Besatzungstruppen unter dem Earl of Dalhousie. Im Juni 1812 erfolgte die Beförderung zum Lieutenant-Colonel und die Versetzung als Stellvertretender Generaladjutant in den Stab von Brigadier-General John Vincent in Oberkanada. Dieses hatte sich mittlerweile zum Hauptschauplatz des Krieges von 1812 mit den USA entwickelt. Im Mai 1813 überschritt eine amerikanische Armee von 6.000 Mann unter Major-General Henry Dearborn den Niagara River und zwang die Briten zur Räumung von Fort George. Vincent, der über lediglich 1.600 Soldaten verfügte, zog sich bis zu den Höhen von Burlington zurück. Die Briten wurden von 3.500 Amerikanern verfolgt, die am 5. Juni ihr Lager bei Stoney Creek aufschlugen. Als Vincents Stabschef erkundete Harvey das amerikanische Lager, schlug einen nächtlichen Überraschungsangriff vor, um die Amerikaner vor dem Eintreffen weiterer Verstärkungen zum Rückzug zu zwingen, und führte 700 Mann gegen die Invasoren. Der riskante Angriff auf die weit überlegenen Amerikaner führte in der Schlacht bei Stoney Creek zu einem entscheidenden Erfolg. Da es den Briten gelang, den kommandierenden General der Amerikaner und seinen Stellvertreter gefangen zu nehmen, zogen sich die US-Truppen auf ihre Ausgangsstellungen zurück. Zusammen mit dem Sieg bei Beaver Dams kurz darauf war dieser Erfolg ausschlaggebend dafür, dass die mit erdrückender Übermacht unternommene amerikanische Invasion zu einem peinlichen Fiasko für die Angreifer wurde.

Harvey zeichnete sich erneut im November 1813 in der Schlacht bei Chrysler’s Farm aus, nach der er eine Medaille erhielt, sowie 1814 in der Schlacht bei Lundy’s Lane und bei den Kämpfen um Fort Erie, wo er am 6. August 1814 verwundet wurde. Neben Kampfeinsätzen erfüllte Harvey auch umfangreiche administrativen Aufgaben, etwa den Austausch von Kriegsgefangenen. Zu seinem amerikanischen Gegenpart Winfield Scott entwickelte sich eine dauerhafte Freundschaft. Darüber hinaus diente er als Verbindungsoffizier zu den indianischen Verbündeten und war an der Organisation der lokalen Miliztruppen beteiligt. Das Ende des Kriegs beendete jedoch die Möglichkeiten für einen weiteren raschen Aufstieg. Da Beförderungen in der britischen Friedensarmee nach Seniorität erfolgten und Wellington, die dominierende Figur, vor allem Offiziere protegierte, die unter ihm in Spanien oder bei Waterloo gekämpft hatten, verlief seine weitere militärische Karriere sehr langsam. Er wurde erst im Mai 1825 zum Colonel befördert, im Januar 1837 zum Major-General, 1846 zum Lieutenant-General und erhielt nur 1840 noch einmal kurzfristig ein Kommando. Daran änderte auch die Erhebung zum Knight Commander des Guelphen-Ordens 1824 nichts.

Nach der Entlassung aus dem aktiven Dienst im Jahr 1817 blieb Harvey zunächst in Nordamerika, kehrte aber 1824 nach England zurück. Hier bestellte ihn das Colonial Office (Kolonialministerium) zu einem von zwei Regierungsvertretern in einer Kommission, die festlegen sollte, zu welchem Preis kanadisches Kronland an die neu gegründete Canada Company verkauft werden sollte. Die von der Kommission vorgeschlagenen Preise lösten heftige Kritik aus, die auch Harvey traf, der sich gegen sie ausgesprochen hatte. Nach einiger Zeit ohne Beschäftigung wurde er 1828 mit Hilfe Angleseys zum Generalinspektor der Polizei in der irischen Provinz Leinster bestellt, wo es Unruhen wegen des Einzugs von Zehnten für die anglikanische Church of Ireland gab, den sog. Zehnt-Krieg. Harvey konnte zwar blutige Ausschreitungen nicht vermeiden, erwarb sich mit seinen Bemühungen um Beruhigung und Versöhnung die Achtung sowohl der britischen Regierung als auch der irischen Katholiken. 1832 schlug er bei einer Anhörung eines Komitees des Unterhauses für die Zehntfrage eine Lösung vor, die sechs Jahre später umgesetzt wurde.

Vizegouverneur in New Brunswick

Gleichzeitig hatte sich Harvey um eine Verwendung in den Kolonien bemüht und erhielt 1836 das Amt eines Vizegouverneurs der heute zu Kanada gehörenden Provinz Prince Edward Island. Bereits ein Jahr später erfolgte die Ernennung zum Vizegouverneur von New Brunswick. Die dortige Situation war von inneren Spannungen innerhalb der führenden Schicht des Bürgertums geprägt. Einer von Harveys Vorgänger Sir Archibald Campbell protegierten Gruppe stand einer anderen Gruppe gegenüber, die Reformen und eine stärkere Partizipation der „assembly“ (Provinzialparlament) in der Verwaltung einforderte. In der Folge führte Harvey eine Reihe liberal geprägter Reformen durch, berief führende Vertreter des Bürgertums der Kolonie in seinen Regierungsrat, beteiligte die „assembly“ an der Verwaltung und überließ ihr insbesondere die Kontrolle über die Verwendung der Einkünfte der Provinzialverwaltung. Ein Faktor für Harveys Erfolg als Gouverneur war, dass er zu vielen tonangebenden Persönlichkeiten der Provinz gute persönliche Beziehungen aufbauen konnte. Weil ihm der Standesdünkel vieler seiner meist aus dem Adel oder den höheren Militärrängen stammenden Kollegen fehlte, hatte er keine Probleme damit, Kaufleute als ebenbürtige Partner zu behandeln.

Eine wesentliche Rolle in Harveys Amtszeit spielte ein Konflikt mit dem benachbarten US-Bundesstaat Maine um von beiden Seiten beanspruchtes Territorium am Aroostook River, der sogenannte Aroostook-Krieg, der sich 1837 an der Verhaftung eines amerikanischen Steuereinnehmers auf von Großbritannien beanspruchtem Territorium entzündete. Obwohl er anfangs kaum über Truppen verfügte, konnte er mit Verhandlungen und – nach dem Eintreffen von Truppen – einer geschickten Kombination von deeskalierenden Maßnahmen und Demonstrationen militärischer Stärke eine Vereinbarung zur Lösung des Konflikts erreichen, die im März 1839 von US-General Winfield Scott vermittelt wurde. Da sich aus diesem Streit durchaus ein erneuter Krieg zwischen Großbritannien und den USA hätte entwickeln können, fand Harveys diplomatische Leistung auch in London große Anerkennung. Ein Nebeneffekt dieses Erfolgs war die Erhebung zum Knight Commander des Bathordens und 1840 die Beförderung zum Oberkommandierenden der britischen Truppen in den Seeprovinzen.

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