John Foster Dulles (* 25. Februar 1888 in Washington, D.C.; † 24. Mai 1959 ebenda) war ein US-amerikanischer Politiker, der unter US-Präsident Dwight D. Eisenhower von 1953 bis 1959 als Außenminister der Vereinigten Staaten diente. Er war bekannt für seine kompromisslose Haltung gegenüber der Sowjetunion im Kalten Krieg und betrachtete den Kommunismus als „moralisches Übel“.
Dulles kam als Sohn eines presbyterianischen Geistlichen, Allen Macy Dulles, und dessen Ehefrau Edith Foster zur Welt. Sein Großvater John W. Foster war ebenfalls Außenminister der USA. Die ersten drei Monate verbrachte er mit seiner Familie in Washington bei seinem Onkel, bevor sie nach Watertown in die Nähe von New York zogen. Er war das älteste von fünf Kindern; er hatte noch drei Schwestern und einen Bruder. Sein Bruder war Allen Welsh Dulles, der später unter Eisenhower Chef der CIA wurde. Seine Schwester Eleanor Lansing Dulles erlangte ebenfalls einige Bekanntheit. Sein Cousin war der Historiker Foster Rhea Dulles, der später auch über ihn schrieb. Schon als Kind hatte er die Angewohnheit, eine Gruppe durch seine Anwesenheit zu dominieren. John Dulles war ein aktiver Junge, der seine Zeit mit Zelten, Angeln und vor allem Schwimmen verbrachte. Er wurde religiös erzogen. Er kannte sich in der Bibel recht gut aus und nahm Religion sehr ernst. Dulles war Presbyterianer.
Seine Mutter bereitete ihn schon seit seiner Jugend auf eine Zukunft im Staatsdienst vor. Er besuchte eine Privatschule in Watertown, weil seine Eltern meinten, auf öffentlichen würde nicht gut genug unterrichtet. 1903 ging er ein Jahr nach Europa mit den Eltern und seiner Schwester Margaret, vor allem aus Sprachgründen.
Princeton und seine Ausbildung
Mit 16 Jahren ging er, einer Familientradition folgend, zum Studium nach Princeton. Er war der jüngste seines Jahrgangs und sagte später, er sei zu jung dort hingegangen. Akademisch konzentrierte er sich sehr auf das Studium, vor allem auf den Bereich der Philosophie. 1908 bekam er die Chancellor Green Fellowship in Mental Science für den Aufsatz „The Theory of Judgement“, der ihm ein Jahr an der Sorbonne in Paris ermöglichte. Dulles war ein Schüler von Woodrow Wilson, der während seiner Studienzeit dort Präsident war. Wilson hat ihn tief beeindruckt, vor allem aus sozialer Sicht. Später sagte er, das Größte, was er in Princeton getan hätte, sei die Teilnahme an Wilsons Kurs gewesen.
Sein Großvater John W. Foster, Außenminister im Kabinett von Benjamin Harrison, nahm ihn 1907 als seinen Sekretär zur 2. Haager Friedenskonferenz mit. Nach seinem extrem guten Abschluss des Studiums, dem besten seines Jahrgangs, ging die ganze Familie nach Paris (Abreise August 1908, mehrere Monate durch Europa). Dulles belegte Kurse in Rechtswissenschaften an der Sorbonne, aber auch Vorlesungen unter Henri Bergson in Philosophie. Danach folgten noch sechs Wochen alleine in Madrid, wo er bei einer rein spanischsprachigen Familie war.
Im Herbst 1909 ging er zurück nach Washington zu seinen Großeltern, um an der Washington Law School zu studieren. Hier knüpfte er erste Kontakte mit Mitarbeitern der Regierung und der Washingtoner Gesellschaft. Er schloss in nur zwei Jahren ein dreijähriges Rechtsstudium an der George Washington University ab, und dies mit der höchsten je erreichten Punktzahl in der Geschichte der Universität.
Im Frühling 1911 bereitete er sich auf die Zulassungsprüfung als Anwalt (New York Bar Exam) vor. Er verlobte sich am Tag der Prüfung mit Janet Avery, die er zwei Jahre zuvor in Paris kennengelernt hatte. Er war sehr in sie verliebt und blieb das bis zum Ende seines Lebens.
Trotz seiner überdurchschnittlichen Leistungen fand er zunächst keine Anstellung; Absolventen der George Washington waren im Vergleich zu Harvard-Abgängern weniger gefragt. Sein Großvater, der auch noch in seinem alten Beruf tätig war, besorgte ihm ein Gespräch bei einem alten Bekannten. So bekam er einen Job für den Standardlohn von 50 Dollar im Monat bei der Anwaltskanzlei Sullivan & Cromwell (S & C), zu der Zeit eine der bedeutendsten Anwaltskanzleien der USA, die verschiedene Unternehmer und auch die Regierung auf dem ganzen amerikanischen Kontinent vertrat (Mittelamerika und der Karibik).
1912 heiratete er Janet Avery. Während der Flitterwochen litt er an Malaria, die er sich bei einer seiner Überseemissionen für S & C geholt hatte. Die Behandlung führte zu einer weiteren Verschlechterung der Sehkraft (die ganze Familie litt an schlechter Sehleistung) und einer Beschädigung des Sehnervs, was zu einem Augenflattern führte. 1913 wurde sein erster Sohn John geboren, Tochter Lilias 1914 und Avery 1918. Letzterer wurde katholischer Priester, Jesuit und später Kardinal und verstarb 2008 in New York City.
Im Ersten Weltkrieg wurde er wegen seiner Sehschwäche als untauglich ausgemustert. Er war dann im War Trade Board (Central Bureau of Planning and Statistic, „Zentrales Büro für Planung und Statistik“) tätig. Er arbeitete in Washington und New York und kümmerte sich um die Versorgungsrouten der Schiffe, und dass diese nicht den Deutschen in die Hände fielen. Er war dabei so erfolgreich, dass er seinen Vorgesetzten auffiel und sie beeindruckte.
Als er hörte, dass Wilson die Friedensverhandlungen leiten wollte, bat er seinen Onkel Robert Lansing, Außenminister unter Wilson, ihm dort einen Posten zu besorgen. Robert hatte kein gutes Verhältnis mehr zum Präsidenten; dennoch nahm man ihn mit. Dies verdankte er seiner Arbeit im War Industrial Board (Unterabteilung des Central Bureau of Planning and Statistic), dessen Kopf Bernard Baruch war, der ihn als seinen Assistenten mitnahm. Baruch wurde als Chefrepräsentant der US-Reparationskommission eingesetzt, überließ aber viele der Diskussionen seinem Assistenten.
Es war Dulles, der im Artikel 231 des Versailler Vertrages die deutsche Kriegsschuld (Alleinschuld) juristisch ausformulierte, die der wesentliche Grund der ersten deutschen Delegation unter Graf Brockdorff-Rantzau war, die Unterschrift zu verweigern. Dabei setzte sich Dulles mehr oder minder vergeblich für maßvolle Bedingungen ein. Hier lernte er u. a. Jean Monnet (1888–1979) und den britischen Ökonom John Maynard Keynes (1883–1946) kennen. Mit Monnet verband ihn auch später noch eine tiefe Freundschaft. (Monnet formulierte 1946 bis 1950 einen Plan, der 1950 als Schuman-Plan beschlossen wurde und zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS, Montanunion) führte.)
Auch in den späteren Jahren verlor er die Verhandlungen um die Reparationszahlungen nicht aus den Augen. Anfangs glaubte er noch, dass Deutschland sich auch unter der Last der Reparationen erholen könne, im Gegensatz zu Keynes. Später waren er und Sullivan & Cromwell am Dawes- und am Young-Plan beteiligt.
Im Herbst 1919 kehrte Dulles zurück in seine alte Kanzlei und betätigte sich sehr erfolgreich als Anwalt. Durch seine Tätigkeit während des Ersten Weltkriegs hatte er Kontakte in vielen Bereichen der Wirtschaft und Regierung und auch in anderen Ländern geknüpft.
Einige seiner wichtigsten Kunden waren Unternehmen wie etwa International Nickel Company, Overseas Security Cooperation, aber auch Banken wie die J. P. Morgan. Er beriet sie bei Kreditgeschäften und stand ihnen teilweise auch vor. 1926 wurde er Senior Partner.
John Foster Dulles und sein Bruder Allen vertraten im Rahmen ihrer Tätigkeit bei der Wirtschaftskanzlei Sullivan & Cromwell US-amerikanische ebenso wie deutsche und europäische Unternehmen. Hierzu zählten die Chase Bank, Ford, ITT, SKF, der I.G. Farben-Konzern sowie die Belgische Nationalbank. Sie vertraten Unternehmen aber nicht nur rechtlich, sondern auch als verdeckte Platzhalter für Gesellschaftsanteile und als politische Lobbyisten. Als CIA-Direktor bzw. US-Außenminister brachen sie ihre vorherigen Aktivitäten keineswegs ab.
Seit seiner Zeit in der Pariser Friedensdelegation war er Wilsonian und ein Befürworter der Abrüstung und eines Internationalen Gerichtshofs. Wie viele andere schätzte er die Weltwirtschaftskrise anfangs nicht als solche ein („Hoffnung und Wohlstand um die Ecke“-Glaube).