John Foster Bass (geb. 8. Mai 1866 in Chicago, Illinois; gest. 16. April 1931 in Tucson, Arizona) war ein US-amerikanischer Journalist im Bereich der Kriegsberichterstattung. In späteren Jahren war Bass auch in der Lokalpolitik Chicagos und als Naturschützer aktiv.
John Foster Bass war der älteste Sohn des District Attorney Perkins Bass Sr. und dessen Frau Clara, geb. Foster. Sein jüngerer Bruder, Robert P. Bass (1873–1960), war ein US-amerikanischer Politiker und – von 1911 bis 1913 – Gouverneur des US-Bundesstaates New Hampshire, seine ältere Schwester war die Kunstsammlerin Gertrude Bass Warner (geb. 14. Mai 1863 in Chicago, gest. 29. Juli 1951 in Peterborough, New Hampshire). Die Familie war dank frühzeitiger Investitionen in Immobilien in Chicago wohlhabend.
John F. Bass besuchte die Phillips Exeter Academy in New Hampshire, die er 1886 abschloss. 1891 beendete er sein Studium an der Harvard University, 1893 schloss er die Harvard Law School ab, und 1894 wurde er als Rechtsanwalt in New York zugelassen. Schon im selben Jahr, also 1894, war John F. Bass als einziger US-amerikanischer Reporter in Ägypten und dem Sudan und berichtete von dort für den Chicago Record vom Mahdi-Aufstand (1881–1899).
Im Jahr 1895 heiratete er Abigail Bailey aus Cambridge. Das Paar hatte einen Sohn, John Bass Jr.
Einsatz im Türkisch-Griechischen Krieg
Schon kurz darauf wechselte John F. Bass vom Rechtsanwalts- in den Journalistenberuf und ging 1896 nach Ägypten, um dort für die New York Times und für die Chicago Daily News über die Feldzüge des britischen Offiziers Herbert Kitchener, 1. Earl Kitchener zu berichten.
Im Vorfeld des Türkisch-Griechischen Krieges von 1896/97 war Bass einige Monate lang auf Kreta, wohin er eine Gruppe griechischer Freiwilliger begleitete, die den Kampf der Kreter gegen die Osmanen unterstützen wollten.
Im Jahr 1896 durchquerte Bass inkognito Kleinasien, während dort (von 1894 bis 1896) Osmanen Massaker an Armeniern verübten.
Im folgenden Jahr, also 1897, schloss Bass sich im Türkisch-Griechischen Krieg (3. Februar bis 4. Dezember 1897) erneut kretischen Aufständischen an. Er arbeitete als Auslandskorrespondent für die London Daily News und das New York Journal. Zusammen mit Richard Harding Davis (1864–1916) von der Zeitschrift Harper’s Magazine erlebte er in Thessalien die Schlachten von Velestino (27. bis 30. April und 5./6. Mai 1897) aus nächster Nähe aus den griechischen Schützengräben heraus mit.
Offenbar verstand sich John Foster Bass nicht als neutraler, unparteiischer Reporter, sondern griff auch selbst in das Geschehen ein: Er freundete sich mit dem griechischen Staatsmann Eleftherios Venizelos (geb. 23. August 1864, gest. 18. März 1936) an, unter dessen Ägide Kreta 1913 mit Griechenland vereint wurde. Als eine internationale Flotte 1896 die kretischen Festungen beschoss, wählten die Rebellen Bass dazu aus, für sie mit den Alliierten zu verhandeln. In einem Gefecht im Rahmen der Schlachten von Velestino zwischen Griechen und Osmanen auf Kreta leitete Bass das Gewehrfeuer der griechischen Infanteristen.
Im Jahr 1898 kehrte Bass zunächst nach Amerika zurück. John F. Bass berichtete aus dem Spanisch-Amerikanischen Krieg (23. April bis 12. August 1898) für die New York Evening Post aus Kuba und aus Puerto Rico.
1899 berichtete Bass für Harper’s Weekly und den New York Herald aus dem Philippinisch-Amerikanischen Krieg (4. Februar 1899 bis 4. Juli 1902). Im Februar 1899 wurde er in einem der Gefechte vor Manila verwundet. Einige von Bass aufgenommene Fotografien aus dem Philippinisch-Amerikanischen Krieg wurden in Harper’s pictorial history of the war with Spain – The Military Expedition to the Philippines veröffentlicht.
Im Herbst 1899 schickte ihn der New York Herald nach Japan, Korea und China; Bass war bereits auf dem Rückweg von dieser Ostasien-Reise, als in China der Boxeraufstand (18. Oktober 1899 bis 7. September 1901) ausbrach und der Herald ihn zurück nach China beorderte. Im Jahr 1900 begleitete er die Militärexpedition der Alliierten gegen die Boxer in Peking, über die er für den New York Herald berichtete. Den Fall Pekings und den Entsatz der von Chinesen belagerten ausländischen Botschaften konnte er vermelden, vierundzwanzig Stunden bevor die US-Regierung in Washington davon erfuhr.
Im Jahr 1901 verließ John Foster Bass die Philippinen und ging nach St. Petersburg, wo er für die Chicago Daily News arbeitete.
1903 reiste er als Beauftragter des New York Herald auf Ersuchen des türkischen Sultans Abdülhamid II. (1842–1918) in das Osmanische Reich, um das Verhalten der türkischen Truppen bei der Niederschlagung des bulgarischen Aufstandes zu untersuchen.
Im selben Jahr wurde Bass zum Fellow der Royal Geographical Society of London gewählt.
Ab 1904 war John F. Bass in Chicago in der Finanzbranche tätig. In diesem Jahr trafen er und seine Frau Abigail den Kriegskorrespondenten Richard Harding Davis in Tokio wieder, den Bass in Griechenland kennengelernt hatte. Während des Russisch-Japanischen Krieges (8. Februar 1904 bis 5. September 1905) leitete Bass die Kriegsberichterstattung der Daily News. 1904 nahm Bass im Russisch-Japanischen Krieg an dem Feldzug mit dem japanischen General Kuroki Tamemoto vom Yalu-Fluss nach Liaoyang teil und war in der Schlacht von Liaoyang elf Tage lang mit der Artillerie der japanischen Kaiserlichen Garde im Feld. Bass wurde Zeuge der letzten Gefechte des Russisch-Japanischen Krieges, einschließlich der russischen Kapitulation in Port Arthur am 2. Januar 1905.
Seine Schwester, die spätere Kunstsammlerin Gertrude Bass Warner, begleitete John F. Bass im Jahr 1904 auf seiner Reise an die Kriegsschauplätze und Schlachtfelder des Russisch-Japanischen Krieges. Auf diese Weise kam sie erstmals mit der Kunst und Kultur Ostasiens in Berührung, die später ein bevorzugtes Sammelgebiet der Kunstsammlerin wurden. 1905 zog Gertrude Bass Warner aus Sicherheitsgründen nach Shanghai, wo sie im Shanghai International Settlement Quartier bezog und einen Bekannten ihres Bruders John kennenlernte, nämlich Murray Warner (1869–1920), wie John F. Bass Absolvent der Exeter Academy, den sie am 1. Oktober 1905 heiratete. Das Paar lebte bis 1909 in Shanghai.