An diesem Tag

John F. Seitz

US-amerikanischer Kameramann (1892-1979)

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John Francis Seitz (* 23. Juni 1892 in Chicago, Illinois; † 27. Februar 1979 in Woodland Hills, Los Angeles, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Kameramann. Seitz, in den Credits zuweilen auch als John Seitz, ab 1923 Mitglied der American Society of Cinematographers und von 1929 bis 1930 Präsident der Organisation, war insgesamt siebenmal für einen Oscar als Bester Kameramann nominiert.

Im Jahr 1909 begann Seitz als Labortechniker bei der Essanay Film Manufacturing Company. Etwa fünf Jahre später, 1914, ging Seitz nach Kalifornien und arbeitete für die Metro Pictures Corporation, ebenfalls im Labor. Für die American Film Manufacturing Company drehte Seitz 1916 mit dem Western The Quagmire seinen ersten Film als Kameramann. Bis zum Jahr 1920 arbeitete Seitz bei sieben Filmen mit Regisseur Henry King zusammen.

Ab 1920 bildete Seitz mit Regisseur Rex Ingram ein Team, das bei zwölf Produktionen bis zum Jahr 1926 zusammenarbeitete. Der Kameramann, der mit Ingram 1925 und 1926 in Nizza arbeitete, heiratete 1934 Marie Boyle. Die Ehe, der zwei Kinder entsprangen, hielt bis zu Seitz’ Tod im Jahr 1979. Nachdem Seitz mehr als vierzig Jahre lang für etwa 160 Produktionen hinter der Kamera gestanden hatte, setzte er sich 1960 zu Ruhe. Er drehte keine Filme mehr, arbeitete und experimentierte aber weiterhin an der Verbesserung der Aufnahmetechnik, so dass er zum Zeitpunkt seines Todes 18 Patente für Kamera- und Aufnahmetechnik hielt.

Im Jahr 1920 begann die Zusammenarbeit Ingrams mit John Seitz bei der Neuverfilmung des Dramas Shore Acres von James A. Herne. Im gleichen Jahr entstand die Verfilmung von Hearts Are Trumps in der Alice Terry, Ingrams spätere Ehefrau, eine der Hauptrollen spielte. Ein Jahr später, 1921, folgte mit The Four Horsemen of the Apocalypse eine Adaption des 1914 erschienenen Romans Los cuatros jinetes del Apocalipsis von Vicente Blasco Ibáñez. Der Film, in vielerlei Hinsicht bemerkenswert, war sofort ein Erfolg an den Kinokassen, machte Rudolph Valentino zum Star und verschaffte Rex Ingram eine Carte blanche im Filmgeschäft.

Seitz konnte bei dieser Produktion den von ihm entwickelten Nordlichteffekt bei den Dreharbeiten einsetzen. Der Kameramann hatte sich lange mit Rembrandt van Rijns Malerei befasst und setzte eine von Norden seitlich auf das Set fallende Beleuchtung ein, die starke Kontraste und tiefe Schatten erzeugte. Lee Garmes übernahm 1927, auf Anraten Ingrams, diesen Effekt bei der Produktion von Der Garten Allahs und war dermaßen überzeugt von dessen Wirkung, dass er den Nordlichteffekt zu seinem Markenzeichen machte.

Scaramouche, Der Gefangene von Zenda und The Arab waren weitere erfolgreiche Filme die Seitz und Ingram realisierten. In der Südseeromanze Schwarze Schatten der Zivilisation setzte Ingram zum wiederholten Male seine Ehefrau Alice Terry ein und etablierte einen neuen Star, Ramón Novarro. 1925 gründete Ingram in Nizza die Rex Ingram Studios und Seitz verbrachte ein Jahr in Frankreich. Dort drehten Seitz und Ingram Mare Nostrum, eine Spionagegeschichte, nach Vicente Blasco Ibáñez.

Der Magier, aus dem Jahr 1926, war die letzte Zusammenarbeit Ingrams mit Seitz. Der Fantasyfilm mit Alice Terry und Paul Wegener in den Hauptrollen, entstand nach einer Geschichte von W. Somerset Maugham. Ingram verließ die MGM nach dem Dreh von Der Garten Allahs.

Während seiner Zusammenarbeit mit Ingram entwickelte Seitz verschiedene, zwar simple, aber bis zu diesem Zeitpunkt ungewöhnliche Kameraperspektiven, wie das Filmen einer Szene durch ein Schlüsselloch oder binokulare Aufnahmen. Zudem befasste sich Seitz ausgiebig mit sogenannten Matte-Shots. Bei dieser Technik wird zunächst ein Hintergrund gefilmt, der Film zurück gespult, um dann die eigentliche Filmhandlung aufzunehmen.

Bis zum Ende der Stummfilmzeit stand Seitz für Regisseure wie Frank Lloyd, Clarence Brown und King Vidor hinter der Kamera. 1927 entstand Die goldene Hölle, ein Film über den Goldrausch am Klondike River, mit Dolores del Río in der Hauptrolle, unter der Regie von Clarence Brown. Brown, der ein Jahr an dem Film gearbeitet hatte, war mit dem Ergebnis und seinem männlichen Hauptdarsteller Ralph Forbes unzufrieden, hielt aber Seitz für einen der „größten Kameramänner überhaupt“. Trotz Browns Unzufriedenheit wurde der Film ein großer Erfolg bei Publikum und Kritik und katapultierte Brown, mit einem Jahresgehalt von 300.000 US-Dollar, an die Spitze der bestbezahlten Regisseure Hollywoods.

Für seine Arbeit an Frank Lloyds Historienfilm Die ungekrönte Königin, der die Liebesaffäre zwischen Horatio Nelson und Emma Hamilton schilderte, wurde Seitz 1930 zum ersten Mal für einen Oscar nominiert. Den Oscar für die Beste Kamera erhielt Clyde De Vinna für Weiße Schatten. Seitz war während der 1920er-Jahre der Kameramann mit dem höchsten Salär und der Einzige, der als Kameramann in der Werbung zu Filmen erwähnt wurde.

Während der 1930er-Jahre arbeitete Seitz als Kameramann an fünf Filmen des Kinderstars Shirley Temple, fotografierte Mickey Rooney 1939 in Die Abenteuer des Huckleberry Finn und arbeitete für Regisseure wie Sam Wood, Allan Dwan und bei sechs Filmen mit Henry King zusammen. Gegen Ende des Jahrzehnts arbeitete Seitz dreimal mit Regisseur George B. Seitz zusammen, der verschiedentlich als Bruder von John Seitz oder als guter Freund des Regisseurs bezeichnet wird. Mit Regisseur Seitz drehte Kameramann Seitz 1937 Der Arzt und die Frauen, ein Drama nach der Geschichte General Hospital von Erich von Stroheim. Bedingt durch das geringe Budget wurden aufwendigere Szenen mittels glass-shots, die Kamera filmt durch eine Glasscheibe mit aufgemaltem Hintergrund, realisiert. Zudem wurden Szenen aus älteren Filmen, wie etwa ein Autounfall, wiederverwendet.

1939 folgte der Gefängnisfilm 6,000 Enemies mit Walter Pidgeon in der Hauptrolle. Gleichfalls 1939 entstand Thunder Afloat, ein Kriegsfilm, in dem Wallace Beery, während des Ersten Weltkrieges deutsche U-Boote an der amerikanischen Atlantikküste jagt. Noch im selben Jahr stand Seitz für einen weiteren Film mit Beery hinter der Kamera. Sergeant Madden, ein Kriminalfilm, der als einer der Tiefpunkte in Regisseur Josef von Sternbergs Schaffen gilt. Insgesamt war Seitz während des Jahrzehnts für etwa sechzig Filme der verantwortliche Kameramann.

Zu Beginn der 1940er-Jahre drehte Seitz für Regisseur Harold S. Bucquet zwei weitere Dr.-Kildare-Filme. Den ersten Film der MGM-Serie, die von 1938 bis 1947 insgesamt 15 Filme umfasste, hatte Seitz 1938 gefilmt. Mit Robert Siodmaks Thriller Fly By Night drehte Seitz seinen ersten Film noir. Frank Tuttles Die Narbenhand war 1942 Seitz zweiter Beitrag zum Film noir als Kameramann. Paramount hatte sich bereits 1936 die Rechte an Graham Greenes Roman A Gun for Sale gesichert, aber erst nach Warner Brothers erfolgreicher Neuverfilmung des Malteser Falken mit Humphrey Bogart und Mary Astor in den Hauptrollen, begannen die Dreharbeiten zu Die Narbenhand. Der Film, etablierte Alan Ladd und Veronica Lake als neues Traumpaar Hollywoods und fügte dem Themenkreis des Film noir zwei neue Elemente hinzu, das des „engelhaften Killers“ und das der „Verfolgungsjagd in einer surrealen Stadtlandschaft“.

Ein Jahr später arbeitete Seitz zum ersten Mal mit Regisseur Billy Wilder zusammen. Wilders Kriegsfilm Fünf Gräber bis Kairo mit Anne Baxter und Erich von Stroheim wurde für drei Oscars nominiert. Seitz ging bei seiner zweiten Oscarnominierung wiederum leer aus, den Preis für die Beste Kamera erhielt Arthur C. Miller für Das Lied von Bernadette.

Für Preston Sturges drehte Seitz 1944 die zwei Komödien, Sensation in Morgan’s Creek, mit Betty Hutton in der Rolle einer Telefonistin namens Trudy Kockenlocker und Heil dem siegreichen Helden, mit Eddie Bracken als Woodrow Lafayette Pershing Truesmith. Für beide Filme war Sturges 1945 als Bester Drehbuchautor für einen Oscar nominiert. Sensation in Morgan’s Creek wurde im Jahr 2001 in das National Film Registry aufgenommen.

Mit Frau ohne Gewissen, einer weiteren Zusammenarbeit Seitz’ mit Wilder, entstand 1944 nach dem Roman von James M. Cain einer der einflussreichsten Filme in der Geschichte Hollywoods.

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