John Fitzgerald Kennedy (* 29. Mai 1917 in Brookline, Massachusetts; † 22. November 1963 in Dallas, Texas), privat „Jack“ genannt, später häufig nur bei seinen Initialen JFK, war als Politiker der Demokratischen Partei von 1961 bis zu seiner Ermordung im November 1963 der 35. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Er war nach Abraham Lincoln, James A. Garfield und William McKinley der vierte Präsident, der einem Attentat zum Opfer fiel.
Als Sohn von Joseph P. Kennedy und Mitglied der Familie Kennedy wuchs er in privilegierten Verhältnissen auf; seine jüngeren Brüder Robert und Edward machten sich später gleichfalls als Politiker einen Namen. Nach einem Studium an der Harvard University diente Kennedy nach dem Eintritt der Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg in der United States Navy, wo er sich als Kommandant eines PT-Schnellboots im Pazifikkrieg auszeichnete. Nach dem Tod des älteren Bruders Joe Kennedy Jr. gehorchte er den Ambitionen des Vaters und ging als Demokrat in die Politik.
Im Januar 1947 zog er ins Repräsentantenhaus und im November 1952 in den Senat der Vereinigten Staaten. Als Senator konnte er sich vor allem im Senatsausschuss für auswärtige Angelegenheiten (United States Senate Committee on Foreign Relations) profilieren. In der knappsten Präsidentschaftswahl des 20. Jahrhunderts setzte er sich 1960 gegen den Republikaner Richard Nixon durch. Kennedy war der erste und bis zum Amtsantritt von Joe Biden 2021 auch der einzige Präsident römisch-katholischer Konfession.
In seine Amtszeit während der Hochphase des Kalten Krieges fielen historische Ereignisse wie die Invasion in der Schweinebucht, die Kubakrise, der Bau der Berliner Mauer, der Beginn der bemannten Raumfahrt, die Eskalation des Vietnamkriegs sowie die Zeit des zivilen Ungehorsams der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung mit dem Marsch auf Washington für Arbeit und Freiheit als erstem Höhepunkt. Durch den Vertrag über das Verbot von Kernwaffenversuchen in der Atmosphäre, im Weltraum und unter Wasser und die Einrichtung des Roten Telefons setzte Kennedy erste Impulse in Richtung Entspannungspolitik.
Sein vorsichtiges Agieren gegen die in den Südstaaten noch vorherrschende Rassentrennung führte sein Amtsnachfolger Lyndon B. Johnson fort, was im Civil Rights Act of 1964 resultierte. Wegen seines vergleichsweise jungen Alters und seines Charismas verkörperte er für viele die Hoffnung auf eine Erneuerung Amerikas, während sein dramatisches Ende als „Verlust der Unschuld“ erlebt wurde. Die Beweislage zu seiner Ermordung 1963 weist bis heute nicht geklärte Widersprüche auf und ist Objekt von Verschwörungstheorien. Das tödliche Attentat auf Robert F. Kennedy etwa fünf Jahre später führte zur Bildung des „Kennedy-Mythos“.
Leben bis zur Präsidentschaft (1917–1961)
Familie und Schule (1917–1935)
Kennedy wurde 1917 als zweites von neun Kindern und zweitältester Sohn von Joseph P. Kennedy und Rose Fitzgerald Kennedy in Brookline, Massachusetts, in der heutigen John Fitzgerald Kennedy National Historic Site geboren. Er stammte aus einer bedeutenden Familie: Sein Großvater mütterlicherseits war der demokratische Politiker John F. Fitzgerald, der als Kongressabgeordneter und Bürgermeister Bostons amtierte und als Zeitungsverleger zu erheblichem Wohlstand kam, während sein Großvater väterlicherseits, Patrick Joseph Kennedy, in den Senat und das Repräsentantenhaus von Massachusetts gewählt wurde und sich als Spirituosenhändler und Kleinbankunternehmer betätigte. Ihre Väter Patrick Kennedy und Thomas Fitzgerald waren in den späten 1840er Jahren beziehungsweise 1854 wegen der Großen Hungersnot aus Irland in die Vereinigten Staaten ausgewandert. John F. Fitzgerald hatte von Beginn der Schwärmerei zwischen seiner Tochter Rose und Joseph P. Kennedy im Jahr 1906 gegen diese Beziehung opponiert, in der er einen gesellschaftlichen Abstieg sah. Außerdem waren die Fitzgeralds und die Kennedys in Boston traditionell politische Gegner. Letztendlich blieb dieser Versuch erfolglos, und Joseph P. Kennedy und Rose Fitzgerald heirateten am 7. Oktober 1914. Kennedys jüngere Brüder Robert – der 1968 ebenfalls einem Attentat zum Opfer fiel – und Edward wurden später gleichfalls bedeutende Politiker. Zum Zeitpunkt seiner Geburt gehörte Kennedys irisch-amerikanische Familie zur römisch-katholischen Mittelschicht Bostons.
Joseph P. Kennedy hatte 1912 ein Studium an der Harvard University abgeschlossen und war danach als Bankenprüfer tätig. Mit 25 Jahren wehrte er erfolgreich die Übernahme des väterlichen Columbia Trust durch eine größere Bank ab und wurde daraufhin Direktor des Trusts. Am Tag der Geburt von John F. Kennedy wurde er in den Vorstand der Massachusetts Electric Company berufen, womit seine steile Karriere als Geschäftsmann ihren Anfang nahm. Die Mutter hatte katholische Bildungseinrichtungen der Herz-Jesu-Schwestern in Boston und in den Niederlanden sowie das New England Conservatory of Music besucht. Weil ihre Mutter die repräsentative Rolle der First Lady des Bostoner Bürgermeisters nicht wahrnehmen wollte, schlüpfte Rose in diese Rolle und wurde in der Stadt zu einer Berühmtheit. Sie begleitete ihren Vater bei einem Besuch im Weißen Haus bei Präsident William Howard Taft und 1912 auf den nationalen Parteitag der Demokraten, wo sie die Nominierung von Woodrow Wilson erlebte.
Während Joseph in der Erziehung großen Wert auf körperlichen und geistigen Wettbewerb zwischen den Kindern legte, setzte Rose Ordnungsliebe und Strenge als Schwerpunkte und ließ wenig emotionale Nähe zu. Beide Elternteile bemühten sich darum, bei ihren Kindern eine amerikanische statt eine irische Selbstidentifikation herauszubilden. Dies geschah auch vor dem Hintergrund der Gesellschaft Bostons, in der die ethnische Zugehörigkeit mehr als andernorts für den Rang in der sozialen Hierarchie entscheidend war. Joseph war ab dem Sommer 1919 als Börsenmakler tätig und erzielte in den nächsten sechs Jahren einen Spekulationsgewinn von annähernd zwei Millionen US-Dollar. Vier Jahre später erwarb er eine Kinokette in Massachusetts, die ihm weiteres Vermögen einbrachte. Ab 1930 stieg er mit Erfolg in das Spirituosengeschäft ein, insbesondere nach dem Ende der Prohibition im Jahr 1933.
Kennedy wurde 1922 auf der Edward Devotion School in Brookline eingeschult. Im Oktober 1924 wechselte er auf die Noble and Greenough School in Brookline, eine Privatschule, die auch sein älterer Bruder Joseph Patrick „Joe“ Kennedy Jr besuchte. Die Einrichtung hatte fast keine irisch-amerikanischen Schüler, und in der Elternschaft war Antikatholizismus weit verbreitet. Als die Noble and Greenough School kurz vor dem Konkurs stand, gründete Kennedys Vater 1926 mit anderen Eltern die Dexter School in Brookline. Joseph Kennedy hatte zu dieser Zeit begonnen, in das Filmgeschäft zu investieren und lebte häufig getrennt von der Familie in Hollywood. Nachdem sie sich im Jahr zuvor noch gegen einen Umzug der Familie nach New York City ausgesprochen hatte, stimmte Rose Kennedy angesichts einer in Boston grassierenden Polio-Epidemie dem Wunsch ihres Gatten zu. Die Familie mietete im September 1927 ein Anwesen in Riverdale in der Bronx. Kennedy besuchte dort die Riverside Country Day School. Im selben Jahr kaufte Joseph Kennedy eine großzügige Sommerresidenz in Hyannis und erwarb im Januar 1928 die Filmproduktionsgesellschaft der prominenten Schauspielerin Gloria Swanson in Hollywood. Im Jahr darauf verschmolz er die Firma mit anderen zu RKO Pictures und stieg dann mit großem Gewinn aus dem Filmgeschäft aus, als der von ihm produzierte Film Queen Kelly mit Regisseur Erich von Stroheim floppte. 1929 zog Kennedy in ein größeres Haus in Bronxville, während sein Vater noch vor dem Börsencrash des Schwarzen Donnerstags seine Aktien mit Gewinn verkaufen konnte. Die Familie gehörte nun zu den reichsten des Landes und war in die Ostküsten-Elite integriert. Auf Wunsch der Mutter besuchte Kennedy ab 1930 das römisch-katholische Internat Canterbury in New Milford, Connecticut.