John Dewey [ˈduːi] (* 20. Oktober 1859 in Burlington, Vermont; † 1. Juni 1952 in New York) war ein US-amerikanischer Philosoph und Pädagoge.
Gesellschaftspolitisch setzte sich Dewey für die Demokratisierung sämtlicher Lebensbereiche ein.
John Dewey wurde 1859 in Vermont in der Kleinstadt Burlington geboren. Sein älterer Bruder war der Wirtschaftshistoriker Davis Rich Dewey (1858–1942).Sein Vater arbeitete zunächst in einem Lebensmittel-, später in einem Tabakgeschäft. Dort musste Dewey die strenge puritanische Neu-England-Kultur und eine autoritäre Erziehung erfahren, die er später auch als eine „Empfindung schmerzlicher Unterdrückung“ beschrieb.
Dewey schloss 1879 sein Studium an der University of Vermont ab und arbeitete danach zwei Jahre als High-School-Lehrer, bevor er 1884 an der Johns Hopkins University promoviert wurde. Zu seinen Lehrern gehörten Granville Stanley Hall – ein Begründer der experimentellen Psychologie – und Charles Sanders Peirce. Dewey unterrichtete Philosophie an den Universitäten von Michigan (1884–1888 und 1889–1894) und Minnesota (1888). 1894 wurde er Vorsitzender des Departments für Philosophie, Psychologie und Pädagogik an der gerade vier Jahre alten University of Chicago. Ab 1904 war er Professor an der Columbia University in New York und wurde dort 1930 emeritiert.
Von 1899 bis 1900 war Dewey Präsident der American Psychological Association und im Jahr 1911 der American Philosophical Association. 1910 wurde Dewey in die National Academy of Sciences gewählt. Zwischen 1919 und 1921 unternahm er Vortragsreisen nach Japan und in die Republik China; 1928 besichtigte er Schulen in der Sowjetunion.
Dewey war eines der Gründungsmitglieder der American Civil Liberties Union, des China Institute in America und der New School of Social Research. 1937 leitete er die Dewey Commission des American Committee for the Defense of Leon Trotsky, die zahlreiche Hearings durchführte, die als Ganzes einem Gerichtsprozess ähnelten, in dem die im Moskauer Schauprozess gegen Trotzki erhobenen Vorwürfe überprüft wurden. Die Dewey Commission konnte die wenigen vorgelegten materiellen „Beweise“ durchgängig widerlegen und veröffentlichte am 21. September 1937 einen Bericht.
1940 setzte er sich für den Verbleib Bertrand Russells im New Yorker Lehramt ein.
Neben zahlreichen akademischen Artikeln und Büchern schrieb Dewey häufig Kommentare für Zeitschriften wie The New Republic und Nation.
Deweys wissenschaftliches und pädagogisches Werk steht in engem Zusammenhang mit seiner politischen Tätigkeit.
Zunächst folgte Dewey bis in die 1890er Jahre dem Hegelschen Idealismus. In Chicago vollzog er schließlich die Wende zu einer empiristischen Philosophie. Diese Position legte er am deutlichsten 1929 in Die Suche nach Gewissheit dar.
Seine zentrale Intention besteht darin, die zeitgenössischen Naturwissenschaften gegen den Vorwurf zu verteidigen, dass sie bereits in ihren Grundbegriffen theoretische Annahmen zugrunde legten, über die sie selbst sich keinerlei Rechenschaft ablegten. Diese Kritik gehe davon aus, dass Naturwissenschaften über keinerlei gesichertes Fundament verfügten und daher stets nur die Möglichkeit einer Anwendbarkeit ihrer Grundbegriffe auf konkrete Phänomene demonstrieren könnten. Eine Entscheidung über deren eigentlichen Wahrheitsgehalt sei demnach unmöglich. Diesen Einwand lässt Dewey nicht gelten. Er betont zwar den bloß hypothetischen Charakter naturwissenschaftlicher Erkenntnis. Allerdings ließen sich wohlbegründete Aussagen und Behauptungen aufstellen (warranted assertions, warranted assertibilities), die sich jedoch nicht durch Tatsachen belegen lassen, die außerhalb des wissenschaftlichen Diskurses liegen, sondern nur durch die sorgfältige Auswahl der Methode und die Transparenz und Begründung jedes Verfahrensschrittes. Das gelte auch für die Kulturwissenschaften. Das Ideal einer Erkenntnis eines unbewegten Seins nach dem Modell des menschlichen Sehens, die in keiner Verbindung zum Handeln stehe, führe zur Abhängigkeit einer müßigen Intellektuellenklasse von Autorität und Dogma.
Dewey stellt die These auf, es habe in der bisherigen Geschichte der Philosophie noch keine eigenständige Philosophie gegeben. Was bisher darunter gefasst worden sei, sei bloß eine Mischform aus Theologie und Naturforschung gewesen: Aus der Theologie habe die Philosophie ihren Anspruch auf absolute Erkenntnis (Wahrheit im starken Sinne, Gewissheit) übernommen, aus der Naturforschung hingegen die Mittel zu deren Erlangung, nämlich das rationale Denken. Aufgrund dieser Mischform sei die Philosophie in der Vergangenheit der größte Feind der Naturwissenschaften gewesen, insofern sie bei grundsätzlich gleicher Vorgehensweise immer am letztlich bloß theologischen Anspruch auf absolute Erkenntnis festgehalten habe. Dieser Anspruch habe innerhalb der Theologie anfänglich durchaus seine Berechtigung gehabt, solange die Menschen der Natur noch vollständig ausgeliefert gewesen seien und deshalb den Glauben an eine beständige jenseitige Welt gebraucht hätten. Der zunehmende Fortschritt der Naturwissenschaften hingegen habe diesen überflüssig gemacht und in Gestalt der philosophischen Einwände gegen naturwissenschaftliche Vorgehensweisen habe er sich inzwischen zum größten Hindernis für einen weiteren Fortschritt der Menschheit entwickelt. Ihn gelte es daher aufzugeben, um stattdessen alle apriorischen Begriffe (die „Ideen“ der philosophischen Tradition) vollständig dem alleinigen Kriterium der Nützlichkeit zu überantworten („pragmatische Wende“). Im Alltagsleben heißt dies, dass sich der Wahrheitsgehalt der in jeglicher Wahrnehmung immer schon zugrundegelegten Begriffe anhand ihrer Brauchbarkeit für die jeweils beabsichtigten Handlungen bestimmen lässt. Auf der Ebene der Wissenschaften bedeutet es, den Ausgang von bloßen Konstruktionen zu verteidigen, solange diese im Dienst bestimmter Anwendungswissenschaften stehen.
Aus dieser Perspektive heraus weist Dewey jeder künftig erst möglichen Philosophie eine ganz bestimmte Aufgabe zu, nämlich im Ausgang von den jeweiligen Grundlagen gesellschaftlichen Zusammenlebens jene „Werte“ zu bestimmen, denen die Naturwissenschaften verpflichtet werden sollen, damit diese wieder an die gerade wichtigen „großen menschlichen Zwecke“ zurückgebunden werden (ebd. 310). Die Philosophie wird damit zur philosophischen Anthropologie, die stets den gesellschaftlich gewordenen Menschen zu ihrem Gegenstand haben und – so meinen Kritiker – dessen durchschnittliche Werte in immanent-affirmativer Weise verallgemeinern soll. Die Frage nach einer Notwendigkeit apriorischer Voraussetzungen für ein solches Unterfangen wird von Dewey nicht diskutiert. Insgesamt ist sein Primärinteresse die Rechtfertigung der Naturwissenschaften gegenüber der traditionell-philosophischen Kritik an ihnen. Das Programm einer zukünftigen Philosophie wird abschließend knapp skizziert. Dewey versucht mit seinem Pragmatismus, die Philosophie im traditionellen Sinne abzuschaffen und diesen zur Grundlage einer neuen Konzeption von Philosophie zu machen.
Gesellschaftspolitisch setzte sich Dewey für die Demokratisierung sämtlicher Lebensbereiche ein. Deweys Ansatz ist von der Auffassung geprägt, dass die demokratische Staatsform ein wesentlicher Lebensstil ihrer Bürger sei. So habe sich auch die demokratische Verfassung der USA aus einem Gemeinschaftsleben freier und gleicher Individuen heraus entwickelt: „Das klare Bewusstsein eines gemeinschaftlichen Lebens, mit allem, was sich damit verbindet, konstituiert die Idee der Demokratie.“
Dewey versteht Demokratie als eine verbindende Praxis menschlicher Gemeinschaft. Deshalb stehen bei ihm Fragen der Wirtschaft, Politik und Bildung in enger Beziehung zu gemeinschaftlichen Handlungsweisen. Die gewöhnlichen Erfahrungen der Menschen bilden den Ausgangspunkt für mögliche Veränderungen, statt ferne Utopien, Leitideen oder theoretische Modelle wie z. B. der „Homo oeconomicus“, der dem klassischen Modell der Wirtschaftswissenschaften als Vorlage für die praktische Ausgestaltung des wirtschaftlichen Handelns dient. Anders ausgedrückt: Theorien scheitern oft am realen Leben der Menschen, wenn sie nicht an das darin praktizierte Leben anknüpfen. Dass z. B. das Modell des „Homo oeconomicus“ in der Praxis vielfach scheitert, zeige beispielsweise die Entwicklung der weltweiten Arbeiterbewegung, die dem Egoismus und der Konkurrenz kooperative und solidarische Formen des gemeinschaftlichen Lebens erfolgreich entgegenstellte.