John Davison Rockefeller Sr. (* 8. Juli 1839 in der Gemeinde Richford, New York; † 23. Mai 1937 in Ormond Beach, Florida) war ein US-amerikanischer Mineralölunternehmer, erster Milliardär der Weltgeschichte (im Jahr 1916, in US-Dollar gerechnet) und gilt als der reichste Mensch der Neuzeit bzw. zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Aufgrund der damaligen Nachfrage nach Mineralölprodukten als Kraftstoffe für Antriebe (zuvor gewonnen und vermarktet als Petroleum für Öllampen) wurde Rockefeller Mitbegründer einer Erdölraffinerie in Cleveland, Ohio, aus der 1870 die Standard Oil Company hervorging. Sein engster Freund und Geschäftspartner war Henry Morrison Flagler. Die einzelnen Standard Oil-Töchter und andere Assets wurden bis 1911 zum größten US-amerikanischen Erdölunternehmen und im gleichen Jahr aufgrund des Monopols in dutzende Unternehmen aufgespalten. Die Nachfolger von Standard sind ExxonMobil oder die Marke Esso und Chevron. Rockefeller gründete 1913 die bis heute aktive Rockefeller Foundation.
John Davison Rockefeller wurde 1839 als zweites von sechs Kindern und ältester Sohn von William Avery Rockefeller (1810–1906) und Eliza Davison (1813–1889) – daher auch sein Mittelname Davison – geboren. Entgegen lange kursierenden Gerüchten, seine Familie habe französische Wurzeln, konnten Genealogen den deutschen Ursprung der Rockefellers nachweisen und sie bis in das frühe 18. Jahrhundert zurückverfolgen. Demnach wanderte im Jahre 1723 Johann Peter Roggenfeller aus Altwied (heute ein Stadtteil von Neuwied) – getauft am 27. September 1682 in der evangelischen Kirche von Rengsdorf – mit drei Kindern aus Bonefeld (damals dem Kirchspiel Rengsdorf, Grafschaft Wied zugehörig; heute: Landkreis Neuwied, Rheinland-Pfalz) nach Amerika aus und ließ sich in Germantown in der damaligen britischen Kolonie Pennsylvania nieder.
Der Name Roggenfelder/Roggenfeller/Rockenfeller bezieht sich auf den – heute verödeten – Ort Rockenfeld in Neuwied (Rockenfelder = „aus Rockenfeld stammend“). Noch heute gibt es im Kreis Neuwied zahlreiche Einwohner mit dem Familiennamen Rockenfeller, so auch der Rennfahrer Mike Rockenfeller.
Der Vater, der ohne Arztdiplom als „Kräuterdoktor“ über Land reiste, verließ seine Familie vermutlich um 1855, blieb aber mit Eliza bis zu deren Tod verheiratet. Er nahm den Namen William Levingston an und heiratete als Bigamist in Norwich, Ontario (Kanada), die 1835 geborene Margaret L. Allen. Diese Ehe blieb kinderlos. Von einer weiteren Frau namens Nancy Brown wurde er noch in der Zeit seiner rechtmäßigen Ehe Vater zweier weiterer Töchter (Clorinda und Cornelia Rockefeller). Das Grabmal wurde aus dem Grundbesitz der zweiten Frau bezahlt.
Auf der Höhe von Rockefellers Macht als Monopolist gab es die ersten Gerüchte, dass die Familie ein „peinliches Geheimnis“ hüte. Joseph Pulitzer lobte eine Belohnung von achttausend Dollar für Informationen über „Doc Rockefeller“ aus, von dem man nur wusste, dass er unter falschem Namen lebte. Doch die Journalisten konnten ihn vor seinem Tod nicht ausfindig machen und veröffentlichten erst zwei Jahre später die ganze Geschichte.
John Davison Rockefeller heiratete am 8. September 1864 Laura Celestia Spelman (1839–1915), genannt „Cettie“, die Tochter eines wohlhabenden Kaufmanns aus Cleveland, Ohio. Das Paar hatte fünf gemeinsame Kinder, von denen eines, Alice, im Kleinkindalter starb:
Elizabeth „Bessie“ Rockefeller (1866–1906)
John D. Rockefeller, Jr. (1874–1960), auch bekannt als John D. Rockefeller II.
Als Cettie 1915 starb, nahm das Rockefeller sehr mit. Er sagte: „Ihr Urteil war immer besser als meines. Sie war eine ungewöhnlich kluge Frau. Ohne ihren scharfsinnigen Rat wäre ich heute ein armer Mann.“
Rockefeller bezog 1913 den in sechsjähriger Bauzeit entstandenen, feudalen Familienlandsitz Kykuit bei Tarrytown (New York), der von den beiden Architekten Chester Holmes Aldrich und William Adams Delano konzipiert war. Bereits seit 1893 besaß die Familie Rockefeller große Ländereien im Hudson Valley. Kykuit besteht aus einer vierstöckigen Landhausvilla im neoklassizistischen Stil mit zwei Untergeschossen mit Verbindungskanälen und Servicetunnel. Die repräsentativen Innenräume wurden von Ogden Codman gestaltet und sind heute mit einer Sammlung von chinesischer und europäischer Keramik, edlen Möbeln und Kunst des 20. Jahrhunderts ausgestattet. Umgeben ist Kykuit von einem großen Parkgrundstück mit Skulpturen. Heute kann Kykuit von der Öffentlichkeit besichtigt werden.
Cettie und John D. Rockefeller fanden ihre letzte Ruhestätte auf dem Lake View Cemetery in Cetties Heimatstadt Cleveland. Der damals als Grabmal errichtete Obelisk aus Vermont-Marmor war seinerzeit angeblich das größte aus nur einem Stück Stein gehauene Denkmal weltweit.
Nachdem die Eltern nach Cleveland gezogen waren, bekam der Sechzehnjährige am 28. September 1855 eine Stelle als Lehrling bei der Speditionsfirma Hewitt & Tuttle; schon bald wurde er als Hilfsbuchhalter beschäftigt. Nach vierzehn Wochen Arbeit bekam er dafür das sehr schmale Gehalt von fünfzig Dollar. Als Rockefeller achtzehn Jahre alt war, wurde der Buchhalter von Hewitt & Tuttle entlassen, der 2.000 US-Dollar im Jahr verdiente, und Rockefeller übernahm dessen Stelle.
Am 1. April 1858 nahm Rockefeller ein Angebot des jungen Engländers Maurice B. Clark an und wurde nun mit Clark und George W. Gardner Teilhaber eines Makler- und Agenturgeschäftes in Cleveland (Ohio). Im selben Jahr begann das große Ölgeschäft in den Vereinigten Staaten, und Rockefeller wurde in dieser Branche aktiv. Er fand in Samuel Andrews einen guten Chemiker, der die Weiterverarbeitung des Rohöls für Rockefeller derart verbesserte, dass es fast restlos verwertet wurde. Er fertigte in seinem neuen Betrieb seine eigenen Fässer an und war sein eigener Spediteur und Fuhrmann, wodurch er den meisten seiner Konkurrenten überlegen war.
Entstehung der Standard Oil Company
Innerhalb der ersten drei Jahre, in denen er das Ölgeschäft geführt hatte, arbeitete er weiterhin bei Clark, den er später auszahlte. Er übernahm also die Firma und machte Andrews zum Teilhaber. In dieser Zeit lernte Rockefeller auch Henry Morrison Flagler kennen, der sein bester Freund und treuer Gefährte werden sollte. Rockefeller holte Flagler als Teilhaber in sein Geschäft, und die Firma hieß ab 1867 Rockefeller, Andrews & Flagler. Am 10. Januar 1870 entstand aus diesem Unternehmen die Standard Oil Company mit John Davison Rockefeller, seinem Bruder William Rockefeller, Henry Morrison Flagler, Samuel Andrews und Stephen V. Harkness als Gründungsaktionären.
Im Januar 1872 schlossen sich mehrere Unternehmen der Ölbranche aus der Region unter Rockefellers Führung zu einem Trust, der South Improvement Company, zusammen. Sein Ziel war es, durch Absprachen bei den Eisenbahnlinien in Cleveland günstige Frachttarife für Rohöl aus Pennsylvania zu bekommen. Wenige Monate später kamen diese Absprachen an die Öffentlichkeit, worauf Rockefeller politisch, juristisch und von anderen Unternehmen angegriffen wurde und einen Teil seiner Betriebe stilllegen musste. Dennoch kaufte Rockefeller in den folgenden Jahren immer mehr Unternehmen und Anlagen der Ölindustrie auf, wobei sein Unternehmen ein Netz von Tochterfirmen anlegte, um gesetzliche Beschränkungen von Firmenbesitz in anderen Bundesstaaten zu umgehen. 1882 wurden der Firmensitz nach New York verlegt und die Teile des Firmenimperiums auch rechtlich vereinigt. Die Anti-Trust-Gesetze, die mehrere Politiker in den Bundesstaaten auf den Weg brachten und die 1890 auch vom Kongress erlassen wurden, waren in erster Linie gegen Rockefellers Wirtschaftsaktivitäten gerichtet. In einem mehr als 20 Jahre dauernden juristischen Schlagabtausch konnte Standard Oil die Zerschlagung zunächst abwenden.
Rockefeller besaß Eisenbergwerke am Oberen See und große Erzfrachter, verkaufte diese später aber an U.S. Steel. Er selbst zog sich 1897 aus dem aktiven Geschäftsleben zurück, behielt jedoch seinen Titel als Präsident seiner Unternehmen bis 1911.