John Churchill, 1. Duke of Marlborough, Fürst von Mindelheim KG PC (* 26. Mai 1650 in Ash House, Devonshire; † 16. Juni 1722 in Cumberland Lodge, Berkshire) war ein englischer Politiker und Feldherr. Er war an der Glorious Revolution von 1688/89 beteiligt und trug wesentlich zum Sieg der anti-französischen Allianz im Spanischen Erbfolgekrieg bei.
John Churchill entstammte der Gentry und war der älteste Sohn des Sir Winston Churchill († 1688), Gutsherr von Glanville Wotton in Dorset, aus dessen Ehe mit Elizabeth Drake († 1690). Dieser hatte im Englischen Bürgerkrieg zwischen Parlament und Krone für Karl I. gekämpft und war deswegen unter der Herrschaft des Republikaners Oliver Cromwell zur Zahlung einer hohen Geldstrafe verurteilt worden. Das verarmte Ehepaar lebte in den 1650er Jahren in Ashe House in Musbury, Devonshire, dem Gut von Elisabeths Mutter, Eleanor, Lady Drake († 1666, Tochter des 1. Baron Boteler). Da sie im Gegensatz zu ihrem Schwiegersohn eine entschiedene Anhängerin der Parlamentspartei war, hatten Royalisten ihr Haus 1644 geplündert und niedergebrannt.
Der allmähliche Wiederaufbau von Ash House war noch im Gange, als dort wahrscheinlich John, seine ältere Schwester Arabella Churchill und weitere Kinder von Sir Winston und Elizabeth Drake geboren wurden. John erhielt seinen ersten Unterricht durch den Ortsgeistlichen, der ihm das Fundament seines protestantischen Glaubens vermittelte, zudem erhielt er früh Kenntnisse im Lateinischen und Französischen. Von 1662 bis 1665 besuchte er die St Paul’s School in London.
Mittlerweile, im Jahr 1660, war die Monarchie in England wiederhergestellt worden. König Karl II. bestieg den Thron, und 1665 wurde Arabella Churchill zur Favoritin seines Bruders, des Duke of York und späteren Königs Jakob II. Sie verschaffte ihrem 15-jährigen Bruder John die Stellung eines Pagen an dessen Hof, und im Jahr 1666 nahm er als Freiwilliger an einem Kriegszug der englischen Flotte gegen maurische Piraten teil. Bald nach England zurückgekehrt, erregte er das Interesse einer damaligen Mätresse Karls II., Barbara Villiers, Countess of Castlemaine, der späteren 1. Duchess of Cleveland. Um den Konkurrenten auf Distanz zu der Countess zu halten, verlieh der König John 1667 einen Posten als Ensign der Foot Guards. Damit begann seine eigentliche militärische Karriere.
Im Jahr 1672 wurde John Churchill zum Captain befördert, und am 7. Juni 1672 nahm er an Bord des Flaggschiffs Price Royal an der Seeschlacht von Solebay teil. In den Feldzügen der Franzosen von 1672 bis 1677 in den Niederlanden begleitete er die verbündeten französischen Heere bis vor die Tore von Amsterdam. Der Überlebenskampf der vereinigten Niederlande war eine wichtige militärische Erfahrung für ihn, insbesondere was die Belagerungskunst betraf. Bei der Belagerung von Nimwegen und im folgenden Jahr vor Maastricht traten seine Fähigkeiten bereits hervor. Am 13. April 1674 zum Oberst des französischen Heeres ernannt, befehligte er ein englisches Regiment am oberen Rhein. Unter seinem französischen Lehrmeister, dem Marschall Turenne, kämpfte er im Juni 1674 in der Schlacht bei Sinsheim, im Oktober bei Enzheim und im Januar 1675 bei Türkheim. Am 5. Januar 1675 avancierte Churchill im Regiment von Oberst Charles Lyttleton zum Oberstleutnant. Am 12. August des gleichen Jahres wurde er zu seiner ersten diplomatischen Mission nach Paris geschickt. Am 17. Februar 1678 stieg John Churchill zum wirklichen Oberst im englischen Heer auf.
Zur Jahreswende von 1677 auf 1678 heiratete er Sarah Jennings, die als Hofdame eine enge Freundin der späteren Königin Anne war. Sarah (1660–1744) war als Tochter des Parlamentsabgeordneten Richard Jenyns of Sandridge und seiner Frau Frances Thornhurst geboren. Am 21. Dezember 1682 erhob der König John in der Peerage of Scotland zum Lord Churchill of Eyemouth, of Eyemouth in the County of Berwick.
Unter König Jakob II. wurde Churchill 1685 Brigadier-General. Bei der Niederschlagung der Monmouth-Rebellion im Juni 1685 trug er maßgeblich zum Sieg in der Schlacht von Sedgemoor bei. Zum Dank dafür wurde er am 3. Juli zum Major-General befördert und der König erhob ihn am 14. Mai 1685 in der Peerage of England zum Baron Churchill of Sandridge, of Sandridge in the County of Hertford. Zwischen 1685 und 1692 erzielte er als dritter Gouverneur der Hudson’s Bay Company hohe Einkünfte.
Churchill war während der Glorious Revolution zusammen mit dem Duke of Grafton und anderen Offizieren auf die Seite des Prinzen von Oranien übergegangen, dessen Landung in England im November 1688 einvernehmlich erfolgte. Am 20. Dezember 1688 unterzeichnete er eine Associationsakte zu Gunsten Oraniens und wurde darauf zum Lieutenant-General ernannt. Er erklärte dem neuen Herrscher Wilhelm III. von Oranien seine Loyalität und dieser erhob ihn am 9. April 1689 zum Earl of Marlborough. Unter der Oberleitung des Marshalls von Schomberg erfolgte eine nötige Reorganisation der englischen Armee. Im Mai 1689 wurde Frankreich der Krieg erklärt, Marlboroughs Truppen unterstanden dabei der verbündeten Armee unter dem Oberbefehl des Fürsten von Waldeck. Am 25. August 1689 war das 8.000 Mann starke englische Kontingent maßgeblich am Sieg über die Franzosen in der Schlacht von Walcourt beteiligt. Nach Wilhelms Sieg in der Schlacht am Boyne erzwang Marlborough in seinem ersten selbstständigen Feldkommando im September 1691 die Übergabe des befestigten Hafens von Cork. Weil Churchill aber weiterhin schriftlichen Kontakt zu dem abgesetzten König Jakob II. im Exil unterhielt, fiel er ab Januar 1692 beim neuen Herrscher in Ungnade. Vom 4. Mai bis zum 15. Juni 1692 wurde er sogar im Tower von London inhaftiert. Im Jahr 1695 starb Königin Maria II., die als Angehörige der Stuart-Dynastie, einen Anspruch auf den Thron gehabt und gleichberechtigt mit ihrem Mann regiert hatte. Die natürliche Thronfolgerin wäre ihre Schwester Anna gewesen, auch sie eine protestantische Tochter des katholischen Jakob II. John und seine Frau Sarah Churchill, die mit Anna Stuart befreundet war, hatten diese zu einem Ausgleich mit Wilhelm von Oranien und zum vorläufigen Verzicht auf ihr Thronfolgerecht zu dessen Gunsten bewogen. Damit sicherten sie Wilhelm die Krone auf Lebenszeit und sorgten für politische Stabilität. Dennoch wurde Marlborough erst am 16. Juni 1698 vom König rehabilitiert und als Mitglied des Privy Councils wieder in die alten Würden eingesetzt.
Nach Ausbruch des Spanischen Erbfolgekrieges wurde Marlborough am 31. Mai 1701 zum Oberbefehlshaber der englischen Truppen ernannt. Am 28. Juni wurde er wegen seines großen diplomatischen Geschickes als Botschafter für die Vereinigten Provinzen berufen. Im Juli 1701 brachten seine Bemühungen eine neue große Koalition mit den Generalstaaten und dem römisch-deutschen Kaiser Leopold I. gegen Ludwig XIV. zustande.
Als Königin Anne im März 1702 den Thron bestieg, begann der abermalige Aufstieg Churchills. Er erhielt den Oberbefehl der vereinigten Landstreitkräfte in den Niederlanden gegen die Franzosen und wurde am 14. Mai in den Hosenbandorden aufgenommen. Auf seine Empfehlung hin wurde Sidney Godolphin von der Königin in die Treasury berufen, diesmal als Lord High Treasurer.
Der erste Feldzug am Festland, der mit der Belagerung von Kaiserswerth (1702) die erste Krönung fand, brachte ihm am 14. Dezember 1702 die englischen Titel Duke of Marlborough und Marquess of Blandford ein. Am Beginn des Feldzuges von 1703 erhielt er im Feld die Todesnachricht seines 17-jährigen Sohnes John Churchill, der am 20. März einer Krankheit erlegen war.
Zum Beginn des Feldzuges von 1704 fanden sich die Hauptarmeen der Gegner beiderseits der holländischen Grenze in einer unhaltbaren Pattsituation gegenüber. Gleichzeitig bedrohte eine zweite starke französisch-bayerische Armee Wien, die Hauptstadt des mit den Niederlanden und England verbündeten Kaisers. Am 20. Mai 1704 brachen 21.000 Mann unter dem Befehl Marlboroughs auf und marschierten nach Süden. Es folgte der militärgeschichtlich bedeutsame Marsch der Engländer von der niederländischen Grenze bis an die Donau. In dieser Armee kämpften nicht nur Briten, sondern auch Holländer sowie im Sold der Seemächte stehende Dänen und Deutsche. Indem Marlborough die Verteidigung der Niederlande fast völlig entblößte, mit der Masse des Heeres zunächst den Rhein entlang nach Süden zog und durch geschicktes Manövrieren den französischen Gegner lange Zeit im Unklaren über sein eigentliches Ziel – den Entsatz des bedrohten Kaisers – lassen konnte, zwang er die französischen Armeen, großenteils seiner Marschroute in gewisser Entfernung zu folgen, so dass sie an der niederländischen Grenze keine Initiative ergreifen konnten. Über Köln, Koblenz, Mainz und Darmstadt gelangte die Armee nach Heidelberg. Am 29. Juni wurde die Donau bei Ulm überschritten, nachdem man sich kurz zuvor mit den Truppen des Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden vereinigt hatte. Churchills Marsch an die Donau gilt heute noch als ein Musterbeispiel geschickter Strategie, mit der sich auch ein zahlenmäßig deutlich überlegener Gegner bezwingen lässt. Am 2. Juli erzwang er nach der Schlacht am Schellenberg den Donauübergang und erreichte die Vereinigung mit dem kaiserlichen Heer unter Prinz Eugen von Savoyen, der die nächsten Jahre zu einem verlässlichen Verbündeten und persönlichen Freund wurde.