An diesem Tag

John Balliol

König von Schottland

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John Balliol (eigentlich John de Balliol, genannt Toom Tabard) (* zwischen 1248 und 1250; † vor 4. Januar 1315) war ein schottischer König. Seine kurze Herrschaft war der Beginn einer Reihe von Kriegen zwischen Schottland und England, die sich über mehrere Jahrhunderte erstreckten.

John Balliol entstammte der anglonormannischen Familie Balliol. Er war der vierte und jüngste Sohn seines gleichnamigen Vaters John de Balliol und von dessen Frau Dervorguilla. Sein Vater war ein nordenglischer Baron, dem unter anderen Barnard Castle und weitere Besitzungen in Northumberland gehörten. Möglicherweise wurde John in der Picardie geboren, wo seine Familie weitere Ländereien bei Hélicourt und im Vimeu besaß. Über seine Kindheit und Jugend ist nur wenig bekannt. Seine Mutter war eine sehr fromme Frau, und als vierter Sohn erhielt John vermutlich keine ritterliche Ausbildung, sondern war für einen Beruf als Geistlicher vorgesehen. Er besuchte vermutlich entweder die Novizenschule des Kathedralpriorats von Durham oder die allgemeine almonry school in Durham. 1294 konnte er nachweislich selbst lesen. Sein Vater starb 1268, worauf sein ältester Bruder Hugh die Besitzungen der Familie erbte. Dieser starb jedoch 1271 kinderlos, und da bis 1278 auch seine beiden anderen Brüder Alan und Alexander kinderlos gestorben waren, wurde John rasch als rechtmäßiger Erbe der Besitzungen der Familie anerkannt. Dennoch verging nach dem Tod von Alexander de Balliol fast ein Jahr, ehe er sein Erbe antreten konnte. Während dieser Zeit waren die Besitzungen der Familie in Northumberland unter königlicher Verwaltung gestellt. Erst nachdem Balliol dem englischen König Eduard I. für seine Güter, die er als Kronvasall hielt, und Bischof Robert von Durham als weiteren Lehnsherrn gehuldigt hatte, durfte er sein Erbe antreten. Warum der König die Übergabe des Erbes solange verzögert hatte, ist unbekannt. Dazu war sein Erbe stark geschmälert, denn sowohl seine Mutter wie auch Agnes de Valence und Aliénor de Genoure, die Witwen seiner Brüder Hugh und Alexander hatten jeweils einen Anspruch auf ein umfassendes Wittum.

Tätigkeit als englischer Magnat

Als englischer Magnat erlangte Balliol zunächst keine größere politische Bedeutung. Auch um die schottische Politik kümmerte er sich kaum, obwohl seine Mutter umfangreiche Besitzungen in Schottland besaß und seine Schwester Eleanor mit John Comyn, Lord of Badenoch einen bedeutenden schottischen Adligen geheiratet hatte. Er verhandelte offenbar mit dem schottischen König Alexander III. über die Freilassung von Thomas of Galloway, den Halbbruder seiner Mutter, den diese nach einem blutigen Erbstreit seit 1235 in Barnard Castle gefangen hielt. Allerdings wurden die Verhandlungen nach dem Tod des Königs 1286 nicht weiterverfolgt. Erst nach der Absetzung von Balliol als schottischer König 1296 kam Thomas of Galloway nach über sechzigjähriger Gefangenschaft frei. Dagegen kümmerte sich Balliol häufig um seine französischen Besitzungen. Nachweislich 1283, 1284 und 1289, möglicherweise auch 1282 und 1285 besuchte er, teils für längere Zeit, seine Ländereien in der Picardie.

Rolle während der ungeklärten Thronfolgefrage ab 1286

Im März 1286 verunglückte der schottische König Alexander III. tödlich. Da seine einzige Nachfahrin seine in Norwegen lebende Enkelin Margaret war, war die Thronfolge ungeklärt. Innerhalb eines Monats nach dem Tod des Königs soll es im schottischen Parlament zu einem erbitterten Streit zwischen Robert de Brus, Lord of Annandale und Balliol gekommen sein, die beide den Thron beanspruchten. Seinen Thronanspruch begründete Balliol mit der Abstammung seiner Mutter vom schottischen Königshaus. Sie war die zweite Tochter von Margaret, der ältesten Tochter von David, Earl of Huntingdon, einem jüngeren Bruder des schottischen Königs Wilhelm I. Zwar wurde Balliol zunächst nicht Mitglied des Regentschaftsrates, der die Regierung von Schottland übernahm, aber er galt aufgrund seiner Abstammung allgemein als potentieller Thronanwärter. Schließlich einigten sich die schottischen Adligen aber darauf, die norwegische Prinzessin Margaret, die Enkelin des verstorbenen Königs, als Thronfolgerin anzuerkennen.

Nach dem Tod seiner Mutter Dervorguilla im Januar 1290 konnte Balliol ein reiches Erbe mit umfangreichen Besitzungen in England und in Schottland antreten. Bis Anfang März nahm er die englischen Ländereien in Besitz, wann er dazu die schottischen Ländereien, darunter Wigtownshire und Kirkcudbright in Galloway, in Besitz nahm und den Titel Lord of Galloway erhielt, ist nicht überliefert. Durch dieses Erbe war Balliol zum reichen Magnaten aufgestiegen und wurde damit zum Objekt königlicher Begierde. Im Mai 1291 beschlagnahmte der englische König Besitzungen und Vieh von Balliol wegen angeblicher Schulden in Höhe von über £ 1235. Balliol zahlte offenbar eine kleinere Summe an den König, womit die Schuld zunächst als beglichen galt. 1293 erließ ihm aber der englische König £ 3000 von der Gebühr in Höhe von über £ 3289, die Balliol ihm für die Übergabe seines Erbes schulden sollte.

Einer der Anwärter auf den schottischen Thron

Durch den Tod von Margaret, der Maid of Norway, auf der Überfahrt nach Schottland im September 1290 war die schottische Thronfolge wieder ungeklärt. Balliol erneuerte nun seinen Thronanspruch, bezeichnete sich selbst als Erbe des Throns von Schottland und suchte nach Unterstützern. Vier Earls, mehrere andere Magnaten, dazu sechs Bischöfe sowie acht Äbte unterstützten seinen Thronanspruch. Balliol traf sich mit Bischof Antony Bek von Durham, dem Beauftragten des englischen Königs für Schottland, und suchte dessen Unterstützung. Ende 1290 oder Anfang 1291 sollen jedoch sieben schottische Earls den englischen König gewarnt haben, Balliol voreilig als König anzuerkennen. Balliol galt allgemein als der aussichtsreichste Thronanwärter, doch auch Robert de Brus bestand auf seinem Thronanspruch. Als nun ein offener Thronfolgekrieg zwischen Balliol und Bruce drohte, und da es neben Balliol und Brus noch eine Reihe anderer Anwärter auf den schottischen Thron gab, einigten sich die schottischen Adligen schließlich, die Entscheidung einer Gerichtsversammlung unter Vorsitz des englischen Königs zu überlassen. Dieser nahm die Aufgabe an und verlangte am 2. Juni 1291 von den Thronanwärtern zunächst die Anerkennung seiner Oberherrschaft. Diese leistete ihm Balliol am 3. Juni. Von den 104 Mitgliedern dieser Versammlung, die über das später Great Cause genannte Verfahren entscheiden sollten, durfte Balliol vierzig bestimmen. Sein Schwager John Comyn of Badenoch, der selbst einen Anspruch auf den Thron hatte, unterstützte die Vertreter, die Balliol für die Versammlung nominieren durfte. Am 3. August 1291 begründete Balliol vor der Versammlung seinen Thronanspruch. Sein Hauptkonkurrent war Robert de Brus, der ein Sohn von Isabel, der jüngeren Schwester von Balliols Großmutter war. Als Neffe von Balliols Großmutter hatte Brus eine nähere Verwandtschaft zum schottischen Königshaus als Balliol und begründete damit einen stärkeren Anspruch auf den Thron. Die Gerichtsversammlung folgte schließlich Balliols Argumentation, nach der er als Enkel der ältesten Tochter von Earl David of Huntingdon den stärkeren Thronanspruch hatte. Dies wurde am 17. November 1292 vom englischen König bestätigt. In der Schlussphase hatten drei weitere Thronanwärter, nämlich William de Ros, William de Vescy und Graf Florens von Holland den Thronanspruch von Balliol unterstützt, doch möglicherweise waren sie von ihm bestochen worden. Am 30. November 1292 wurde Balliol in einer feierlichen Zeremonie in Scone als König der Schotten inthronisiert. Da der Earl of Fife ein Kleinkind war und die Zeremonie nicht durchführen konnte, übernahm der englische Baron John de St John dessen Aufgabe.

Obwohl Balliol mit Unterstützung des englischen Königs den Thron bestiegen hatte, handelte er als König selbständig und war keine Marionette von Eduard I. Es gelang ihm rasch, eine effektive Verwaltung aufzubauen. Bereits um 1292 war sein königlicher Haushalt handlungsfähig. Als König stützte er sich auf zahlreiche Vertraute und Verbündete, die ihm als Ratgeber oder als Beamte dienten. Viele von ihnen waren Gefolgsleute der Comyns, unter seinen Räten befanden sich mit Bischof Fraser von St Andrews und John Comyn of Badenoch zwei der ehemaligen Guardians. Beide waren, ebenso wie Gilbert und Ingram de Umfraville, durch Heirat mit ihm verwandt. Als Chamberlain diente sein Verwandter Alexander de Balliol, der die Aufgaben dieses Amts bereits seit 1287 wahrnahm. Ein weiterer Verwandter von ihm war Hugh de Eure (auch Iver), der bereits seinem Vater als Testamentsvollstrecker gedient hatte und nun Balliol als Gesandter diente. 1294 ernannte er Master Thomas of Hunsigore zu seinem Kanzler. Master Thomas stammte aus Yorkshire und war der Familie Balliol seit langem verbunden. Auch Walter of Cambo, ein früherer Sheriff von Northumberland, und William of Silksworth waren Gefolgsmänner der Balliols und dienten nun als königliche Beamte. Andererseits versuchten auch Bischof Antony Bek von Durham, der Lehnsherr von einem Teil seiner Familiengüter, und sein Vasall John de Lisle aus Northumberland Balliols neue Stellung als König zu ihrem Vorteil auszunutzen.

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