John Adams (* 4. Dezember 1767 in Stamford Hill; † 5. März 1829 auf Pitcairn), alias Alexander Smith, war ein Seemann auf dem britischen Handelsschiff HMS Bounty, der nach seiner Beteiligung an der auf ihr begangenen Meuterei zum Gründervater der Gemeinschaft der Pitcairner wurde. Die einzige Siedlung der Pitcairninseln, Adamstown, ist nach ihm benannt.
Angefangen mit seiner Einschreibung in die Musterungsrolle der Bounty am 7. September 1787 bis einschließlich seiner Begegnung mit dem amerikanischen Kapitän Mayhew Folger am 6. Februar 1808 war der Seemann und Meuterer John Adams seinem befehlshabenden Offizier Lt. William Bligh, seinen Schiffkameraden, seinen Gefährtinnen und seinen Kindern ausschließlich unter dem Namen Alexander Smith bekannt. Die jungen Pitcairner nannten ihn „Aleck“. Über die Gepflogenheiten der Europäer bei ihrer Namensgebung verwirrt scheint später die Tahitianerin Teehuteatuaenoa gewesen zu sein, die ihren ehemaligen Gefährten „Adam Smith“ und dessen Kinder mit dem Familiennamen „Smith“ nannte.
Der amerikanische Seefahrer Amasa Delano, ein Freund von Folger, mutmaßte in seinem 1817 veröffentlichten Reisebericht, dass der nach achtzehn Jahren auf Pitcairn in Isolation lebende Smith bei seiner Begegnung mit Folger von diesem einen Abriss über die jüngere Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika erhalten und darauf den Namen des zweiten Präsidenten John Adams als Alias angenommen habe, war dieser doch für sein Eintreten zugunsten bürgerlicher Freiheiten bekannt. Damit habe er sich einen Seitenhieb gegen seinen Souverän erlaubt, die britische Krone und ihre Seegerichtsbarkeit, von der er als aktiver Meuterer die Todesstrafe zu erwarten hatte. Ebenfalls in Amerika wurde 1819 die erste fiktionale Bearbeitung des Bounty-Stoffes von dem Seemann Charles Lenox Sargent veröffentlicht, eine vermeintliche Autobiografie des letzten überlebenden Meuterers, die er umständlich als The Life of Alexander Smith, Captain of the Island of Pitcairn; one of the mutineers on board his Majesty’s ship Bounty; commanded by Lieut. William Bligh. Written by Smith Himself, on the above Island, and bringing the accounts from Pitcairn betitelte.
Noch im selben Jahr hatte der Journalist Samuel Topliff in Salem, Massachusetts, den Walfänger-Kapitän Reynolds und dessen zweiten Offizier Downes über deren Besuch auf Pitcairn zwei Jahre zuvor interviewt. Ihnen gegenüber hatte sich der Inselpatriarch schon als John Adams vorgestellt, von dem sie zwei unbeschriebene Bücher (Kladde) geschenkt bekamen, die aus dem Besitz von Bligh stammten. Topliff bestand auf eine Sichtung dieser Bücher, in denen er vier handschriftliche Eintragungen fand, die nach Aussage von Downes von John Adams persönlich getätigt wurden. Offenbar hatte sich dieser tatsächlich an der Abfassung einer Autobiografie versucht, doch dieses Vorhaben wohl aufgrund unzureichender Schreibkenntnisse aufgegeben. Über die Abfassung eines kurzen Incipits hinaus haben seine Fähigkeiten nicht gereicht. In der Einleitung stellte sich der Autor mit Alexander Smith Elias Adams vor, doch als Titel hatte er The Life Of John Adams gewählt. Topliff kam daher zu dem Schluss, dass Alexander Smith der richtige Name des letzten Meuterers gewesen sein muss.
Der Handschrift weiter folgend, sei „Smith“ am 4. oder 5. November 1766 in Stamford Hill in der Pfarrei St. John Hackney in Middlesex geboren. Sein Vater war Diener eines Kaufmannes und ertrank in der Themse, worauf er und drei Geschwister zu armen Waisen wurden. Das Pfarrregister von St. John Hackney widerlegt die Schlussfolgerung von Topliff, da in ihm die Taufe von John Adams am 4. Dezember 1767 als viertes Kind von John und Dinah Adams verzeichnet ist. Seine älteren Geschwister waren Rachel (get. 4. Dezember 1754), Dinah Jemina (get. 2. Februar 1757) und Jonathan John (get. 18. Oktober 1765). Der Vater John Adams sen. wurde am 25. Mai 1768 bestattet. John Buffett bestätigte in seiner Autobiografie, dass John Adams im Jahr 1819 auf Pitcairn eine Korrespondenz seines Bruders Jonathan erhalten habe, der zu dieser Zeit in Wapping (London Borough of Tower Hamlets) lebte, während eine von zwei Schwestern bereits verstorben war.
Adams heuerte 1787 in Deptford unter dem Namen Alexander Smith als Vollmatrose (Able Seaman) auf der HMS Bounty unter Lt. William Bligh auf dessen Mission, die Brotfrucht von Tahiti nach Jamaika zu transportieren, an. In der Musterungsrolle gab er sein Alter mit 20 an. James Bligh, ein Cousin von William Bligh, führte in einer handschriftlichen Notiz zu dessen Reisebericht später an, dass Adams zuvor von einem anderen Schiff desertiert sei und sich deshalb mit einem falschen Namen auf der Bounty gemeldet habe.
Während der Seereise erscheint Smith/Adams in dem von Bligh geführten Logbuch an zwei Stellen in entscheidender Erwähnung. Nach weniger als einer Woche auf Tahiti wurde er am Nachmittag den 4. November 1788 von Bligh mit einem Dutzend Hiebe zur Auspeitschung an Deck bestraft, weil er wegen Unachtsamkeit den Diebstahl einer Rudergabel durch einen Tahitianer zu verantworten hatte. Anwesende tahitianische Würdenträger hatten Bligh von der Bestrafung abraten wollen, doch zeigte dieser sich unnachgiebig. Am Tag der Meuterei am 28. April 1789 war Smith/Adams als einer der aktiven Meuterer aufgetreten. Sowohl Bligh als auch die beiden Fähnriche (Midshipman) Thomas Hayward und John Hallet sowie der Bootsmannsmaat James Morrison nannten ihn unter den waffentragenden Meuterern, die den gefesselten Bligh aus seiner Kajüte an Deck eskortierten. Allein diese Aussagen hätten in einem Seegerichtsverfahren zu einer Verurteilung zur Todesstrafe gereicht. Von Bligh wurde er in dessen Auflistung der Meuterer folgend beschrieben: Alexander Smith, Vollmatrose, 22 Jahre alt, etwa 5 Fuß und 5 Zoll hoch, brauner Teint, braune Haare, kräftig gebaut, sehr stark mit Pocken befallen, am ganzen Körper, Armen, Beinen und Füßen tätowiert, am rechten Fuß eine Narbe nach einer Verletzung mit einer Holzfälleraxt.
Nach Tahiti am 6. Juni 1789 zurückgekehrt, nahm Smith/Adams seine einheimische Gefährtin Teehuteatuaenoa an Bord, deren linker Arm mit einer Tätowierung (AS 1789) markiert war. Gemeinsam nahmen sie am Siedlungsversuch der Meuterer auf Tubuai teil. Nach dessen Scheitern am 22. September 1789 nach Tahiti zurückgekehrt, verzichtete Smith/Adams mit acht weiteren Meuterern darauf, an Land zu gehen. Am Abend desselben Tages kappte Fletcher Christian die Haltetaue der Bounty und ließ Segel auf das offene Meer setzen. Er und seine acht Mitstreiter wollten nicht auf Tahiti verbleiben, hier auf ihre wahrscheinliche Ergreifung wartend, sondern beabsichtigten, sich ein sicheres Versteck zu suchen. Nach einer viermonatigen Fahrt erreichten sie die kleine, aber unbewohnte und bewaldete Insel Pitcairn, an der sie an Land gingen und am 23. Januar 1790 die Bounty abbrannten.
Die neun Meuterer Christian, Smith/Adams, Young, McCoy, Williams, Mills, Quintal, Martin und Brown wurden bei ihrer Anlandung auf Pitcairn von sechs tahitianischen Männern, zwölf tahitianischen Frauen und einem Kleinkind begleitet. Teehuteatuaenoa war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr seine Gefährtin, sondern Obuarei. Diese starb noch im ersten Jahr auf der Insel, nachdem sie beim Sammeln von Vogeleiern von den Klippen gestürzt war. Zuvor war auch die Gefährtin von Williams verstorben, der nun eine der drei Gefährtinnen der Tahitianer für sich reklamierte. Auch Smith/Adams erhob einen Anspruch auf eine neue Gefährtin und nahm sich Tinafanaea. Diese „Vergabe“ der Frauen hatte ein erstes Aufbegehren der Tahitianer provoziert, doch die Meuterer konnten ihre Überlegenheit ausspielen und zwei der Aufrührer von ihren eigenen Landmännern töten lassen.
Die verbliebenen vier Tahitianer unternahmen am 20. September 1793 nun vorbereitet eine weitere Erhebung. Mit Gewehren und Pistolen bewaffnet, töteten sie nacheinander Williams, Christian, Mills, Martin und Brown. Smith/Adams konnte zunächst in die Berge fliehen, kehrte aber nach Einbruch der Dunkelheit in sein Haus zurück, um sich Proviant zu besorgen. Doch dort wurde er von zwei der Tahitianer überrascht, die einen Schuss auf ihn abfeuerten. Die Kugel streifte ihn am Hals und Kinn, wovon eine prägende Narbe zurückblieb. Darauf wollte der waffentragende Tahitianer ihm mit dem Verschluss des Gewehres den Schädel einschlagen, doch Adams wehrte den Hieb mit einer Hand ab, wobei er sich allerdings zwei seiner Finger brach. Gefangen genommen wurde er in das Haus von Christian gebracht, wo sich auch die Frauen und der ebenfalls gefangene Young aufhielten. Nach nur wenigen Tagen hatten sich die vier Tahitianer untereinander zerstritten, worauf einer von ihnen getötet wurde. Sein Mörder floh zu Quintal und McCoy in die Berge, wurde dort aber von ihnen getötet. Nachdem die beiden flüchtigen Meuterer keine Anstalten machten, in die Siedlung zurückzukehren, planten Smith/Adams und Young gemeinsam mit den Frauen die Tötung der beiden letzten Tahitianer. Am 3. Oktober 1793 wurde einem von ihnen im Schlaf von Teraura (alias „Susannah“) der Schädel eingeschlagen. Young tötete darauf den Letzten mit einem Gewehrschuss.