An diesem Tag

Johannes Mario Simmel

Österreichischer Schriftsteller

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Johannes Mario Simmel (* 7. April 1924 in Wien; † 1. Jänner 2009 in Luzern) war ein österreichischer Schriftsteller und Drehbuchautor. Mit seinen Bestsellerromanen, die sich oft mit zeitgeschichtlichen Themen auseinandersetzten, erreichte er ein Millionenpublikum.

Simmels Eltern stammten aus Preußen. Sein jüdischer Vater Walter Simmel, in Schmiedeberg im Riesengebirge geboren, war Kaufmann. Seine Mutter Lisa, geb. Schneider, aus Halle an der Saale war Lektorin bei der Filmgesellschaft Wien-Film. Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich 1938, floh sein Vater vor den Nationalsozialisten nach London. Fast alle Verwandten väterlicherseits wurden während des Holocausts ermordet. Vater und Sohn sahen einander nie wieder, da Walter Simmel am 4. Jänner 1945 in seinem Exil starb. Simmel jr. selbst drohte unter der NS-Herrschaft die Verfolgung als „Halbjude“. Darum bestritt seine Mutter die Vaterschaft ihres jüdischen Gatten und strengte einen sogenannten Arisierungsprozess an, bei dem sie einen „arischen“ Erzeuger benannte. So konnte Simmel sein Studium an der Wiener Höheren Bundeslehr- und Versuchsanstalt für chemische Industrie fortsetzen und das Diplom als Chemieingenieur erlangen. Während des Zweiten Weltkrieges wurde er in der elektrochemischen Forschungsabteilung des Elektrokonzerns Kapsch in Wien eingesetzt. Am 5. April 1945 erlebte er, wie Wissenschaftler ermordet wurden, die ein Elektronenmikroskop vor der befohlenen Zerstörung retten wollten. In seinem Roman Wir heißen Euch hoffen ging er 1980 darauf ein.

Nach dem Krieg arbeitete er zunächst als Journalist, Übersetzer und Dolmetscher für die US-Militärregierung, die für den amerikanischen Sektor in der Viermächtestadt Wien und für die amerikanische Besatzungszone Salzburg und Oberösterreich südlich der Donau zuständig war. 1947 veröffentlichte er unter dem Titel Begegnung im Nebel seine erste Novellensammlung. Bei der Ende Oktober 1948 eingestellten Wiener Tageszeitung Welt am Abend verfasste er in deren letztem Erscheinungsjahr als Kulturredakteur Filmkritiken und Feuilletons. 1950 übersiedelte er nach München und war dort für die Illustrierte Quick tätig. In ihrem Auftrag unternahm er Reporterreisen durch Europa und nach Übersee.

Johannes M. Simmel schrieb unter verschiedenen Pseudonymen Tatsachenberichte und Serienromane. Von 1950 bis 1962 verfasste er allein oder gemeinsam mit anderen Autoren insgesamt 22 Drehbücher, u. a. für Filme wie Es geschehen noch Wunder (1951) mit Hildegard Knef, Tagebuch einer Verliebten (1953) mit Maria Schell, Hotel Adlon (1955) oder Robinson soll nicht sterben (1957) mit Romy Schneider und Horst Buchholz.

Nach seinem ersten großen Erfolg mit dem Roman Es muß nicht immer Kaviar sein 1960 widmete er sich vor allem dem Verfassen von Unterhaltungsromanen, die sich jeweils mit aktuellen gesellschaftspolitisch relevanten Themen auseinandersetzten wie etwa Gewalt gegen Ausländer, Drogenhandel oder Genmanipulation. Grundlage bildeten journalistische Recherchen an den Schauplätzen und im Milieu, in dem seine Romane spielten.

Leitmotive in vielen seiner Werke waren die Relativierung von Gut und Böse und ein leidenschaftlicher Pazifismus. Er gehörte zu den meistgelesenen Autoren im deutschsprachigen Raum. Seine 35 Romane erreichten eine Gesamtauflage von über 73 Millionen verkaufter Exemplare. Sie wurden in 30 Sprachen übersetzt und von Regisseuren wie Alfred Vohrer und Roland Klick verfilmt. Marlene Dietrich bewunderte sein Werk und pflegte einen engen Telefonkontakt zu ihm.

Simmel wurde von den Literaturkritikern lange Zeit als Trivialautor, „Bestseller-Mechaniker“ oder Fließbandschreiber bezeichnet. Erst mit dem Roman Doch mit den Clowns kamen die Tränen (1987) fand er allgemeine Anerkennung.

Er war drei Mal verheiratet, davon zwei Mal mit seiner großen Liebe Lulu. Bis zu seinem Tod litt der Schriftsteller unter seiner Schuld, die er durch das Verlassen seiner Lulu auf sich geladen hatte. Er lebte zuletzt in der schweizerischen Stadt Zug. Simmel starb am 1. Januar 2009 in Luzern, am 16. Jänner 2009 wurde seine Urne im engsten Freundeskreis auf dem Friedhof St. Michael in Zug beigesetzt.

1959: Erster Preis beim Dramatikerwettbewerb Mannheim

1981: Kulturpreis der deutschen Freimaurer

1984: Goldenes Ehrenzeichen der Stadt Wien

1992: Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse

2004: Großes Silbernes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich

2005: Bundesverdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland

2011: Benennung der Simmelgasse in Wien-Floridsdorf

Mich wundert, daß ich so fröhlich bin. Zsolnay, Wien 1949

Das geheime Brot. Zsolnay, Wien 1950.

als Rororo-Taschenbuch: Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 1966, ISBN 3-499-10852-6.

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