Johannes Horion (* 27. März 1876 in Marienforst bei Godesberg, Kreis Bonn; † 19. Februar 1933 in Düsseldorf) war ein deutscher Verwaltungsjurist, Kommunalbeamter und Politiker der Zentrumspartei. Er war von 1922 bis 1933 Landeshauptmann des Provinzialverbands der Rheinprovinz. Horion, der bereits zuvor als Landesrat das Fürsorgewesen des Provinzialverbands verantwortet hatte, tat sich vor allem als Sozialpolitiker hervor.
Horion wuchs in Sinnersdorf nahe Köln auf, wo die Familie im Jahre 1879 einen Hof erworben hatte. Nach dem Abitur in Köln studierte Horion von 1894 bis 1897 in Bonn, München und Berlin Nationalökonomie und Rechtswissenschaften. An seinen Studienorten schloss er sich jeweils katholischen Studentenverbindungen des KV an: Arminia Bonn, Askania Berlin (jetzt Askania-Burgundia Berlin) und Saxonia-München. Nach der Promotion zum Dr. jur. in Erlangen (1897) und dem Gerichtsreferendariat bestand er 1901 die Assessorprüfung.
Als „wissenschaftlicher Hilfsarbeiter“ wurde Horion 1902 in die Verwaltung des Provinzialverbands der Rheinprovinz berufen (als höhere kommunale Selbstverwaltungskörperschaft zu unterscheiden vom staatlichen Oberpräsidium der Rheinprovinz in Koblenz). Zunächst Dezernent des Landesarmenwesens, wurde er im Jahre 1904 zum Landesrat ernannt und damit Leiter des gesamten Wohlfahrtswesens der preußischen Rheinprovinz. Dazu gehörten in damaliger Terminologie „Irrenwesen“, Anstaltsverwaltung, „Korrigendenwesen“, Landarmenwesen und „Krüppelfürsorge“. In dieser Funktion verantwortete er u. a. den Bau der Provinzial-Heil- und Pflegeanstalt in Bedburg-Hau (heute LVR-Klinik Bedburg-Hau).
Das Engagement für die Armen und sozial Schwachen zeichnete Horions Leben aus. So hatte er großen Anteil an der Armengesetzgebung. Nach Beginn des Ersten Weltkriegs begründete er die Fürsorgearbeit für Kriegshinterbliebene und Kriegsgeschädigte – Leistungen, die in anderen Landesteilen Nachahmung fanden. Nach Kriegsende setzte Horion seine soziale Arbeit fort. Er war nach dem Ende des Ersten Weltkriegs auch mit der Durchführung der Regelungen des Versailler Vertrags betraut. Mit dessen Inkrafttreten Anfang 1920 kam der äußerste Süden der Rheinprovinz zum Saargebiet unter Völkerbundsmandat, die Kreise Eupen und Malmedy mussten an Belgien abgetreten werden und weite Teile des Rheinlands wurden von den Alliierten besetzt. Das Amt des Staatssekretärs für die besetzten Gebiete in der Reichsregierung lehnte Horion 1921 jedoch ab, um weiter im Provinzialverband tätig sein zu können, dessen kommissarische Leitung er nach der Pensionierung seines Vorgängers Ludwig von Renvers übernahm.
Auf Vorschlag des damaligen Kölner Oberbürgermeisters Konrad Adenauer wählte der Provinziallandtag (in dem die Zentrumspartei mit Abstand stärkste Kraft war) Horion 1922 mit überwältigender Mehrheit zum Landeshauptmann der Rheinprovinz, das heißt zum Leiter der Selbstverwaltung des Provinzialverbands. In dieser Funktion, die er bis 1933 innehatte, widmete er sich neben seinem sozialen Engagement auch der Kulturarbeit; so gilt er als „Vater der Denkmalpflege“. Ab September 1924 leitete er die technischen Konferenzen sowie die Verhandlungen mit der Interalliierten Rheinlandkommission und dem Oberbefehlshaber der Besatzungstruppen in Hinblick auf die besetzten Gebiete im Rheinland. Eine ihm 1924 angetragene Reichstagskandidatur sowie einen möglichen Vorschlag für das Amt des preußischen Ministerpräsidenten (1925) nahm er nicht an, um seine Arbeit im Rheinland nicht aufgeben zu müssen. Die erste europäische Autobahn zwischen Köln und Bonn, die 1932 eröffnet wurde, ist unter anderem Horions Initiative zu verdanken.
Horion starb im Februar 1933 – einen Monat nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten – im Alter von 57 Jahren. Danach wurde Heinrich Haake (NSDAP) neuer Landeshauptmann, die dezentrale Selbstverwaltung wurde im NS-Staat entmachtet.
führender Mitarbeiter auf deutschen Katholikentagen
führendes Mitglied der rheinischen Zentrumspartei
Mitbegründer und 1924–1926 Vorsitzender des Katholischen Akademikerverbandes
Vorstandsmitglied im Volksverein für das katholische Deutschland
Mitglied in weiteren Verbindungen des KV: Ehrenphilister der Merovingia-Rheinland Düsseldorf, heute Rheno-Merovingia zu Bochum, 1929 der Langemarck-Bonn
Vater Johannes (1839–1910), Mutter Sibylla (1839–1914), Schwester Sophia (1878–1953)
in erster Ehe verheiratet mit Maria Krahe; drei Kinder, von denen eines früh verstarb
in zweiter Ehe verheiratet mit Emma Abeck, verw. Kürten
Eine Auswahl an Ehrungen, die Johannes Horion zuteilwurden:
1917: Eisernes Kreuz zweiter Klasse am weißen Bande mit schwarzer Einfassung
1919: Medizinische Ehrendoktorwürde der Universität Bonn für seine Verdienste um die Kriegsbeschädigtenfürsorge
1925: Ehrendoktorwürde der Staatswissenschaften der Universität Bonn