Johannes Hubertus Gohl (* 19. August 1908 in Lipke, Landkreis Landsberg (Warthe); † 15. Oktober 1982 in Northeim) war ein deutscher Stabsoffizier und Major der Wehrmacht.
Er war Teilnehmer des Polen- und des Italienfeldzuges und führte 1944 eine Offensive gegen US-amerikanische Einheiten, in deren Verlauf er die Höhe 327 bei Sogliano zurückeroberte. Ab Juni 1945 war er als Kriegsgefangener Kommandant des 9945th Port Battalion (Hafenbataillon) in Neapel.
Von 1952 bis 1968 war er als Staff Superintendent Leiter einer Deutschen Dienstorganisation der Britischen Streitkräfte in West-Berlin, aus der 1982 die 248 German Security Unit der Royal Military Police hervorging.
Johannes Gohl wuchs im damaligen brandenburgischen Kreis Landsberg (Warthe) als Sohn des Obergärtners Stanislav Gohl und dessen Frau Helene auf, die sich jedoch relativ früh trennten und schließlich scheiden ließen.
Mit seiner Mutter, die mit einem Schlachtermeister eine neue Ehe einging, zog Gohl nach Berlin-Pankow, wo er zunächst im Betrieb seines Stiefvaters mit aushalf. Er absolvierte eine kaufmännische Ausbildung, der er jedoch frühzeitig beendete und verpflichtete sich 1927 als 19-Jähriger zur Reichswehr.
Seine Grundausbildung absolvierte er bis Juli 1928 beim 9. Ausbildungs-Bataillon in Wünsdorf bei Berlin. Im Anschluss wurde er zur 5. Kompanie des 9. Infanterieregiments nach Berlin-Lichterfelde versetzt und im Oktober 1929 zum Oberschützen befördert.
Bereits im Herbst 1930 kehrte Gohl nach Wünsdorf zurück, wo er als Gefreiter Ausbilder im 9. Ersatzbataillon wurde. In derselben Einheit absolvierte er von November 1931 bis April 1932 den Unteroffiziers-Lehrgang, ehe er zu seinem inzwischen nach Potsdam verlegten Stammregiment zurückkehrte.
Unter dem Kommando von Generalmajor Ernst Busch wurde Gohl als Gruppenführer, später als Zugführer eingesetzt und schließlich im Mai 1935 zum Feldwebel befördert.
1939 wurde Gohl im beginnenden Überfall auf Polen eingesetzt, der den Zweiten Weltkrieg auslöste. Ab November, inzwischen zum Stabsfeldwebel befördert, übernahm er beim Ersatz-Bataillon Potsdam eine Stelle als Ausbildungsleiter für Unterführer und Offiziersschüler, bevor er im Juni 1940 als Lehrkraft an die Kriegsschule Schwerin (Warthe) versetzt wurde.
Mit nur 32 Jahren erhielt er 1940 das Offizierspatent und die Beförderung zum Leutnant. Zu diesem Zeitpunkt war Gohl bereits mehrfach ausgezeichnet worden, u. a. mit dem Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse.
Von Januar bis März 1941 wurde Gohl als Führer einer Genesenden-Kompanie in Potsdam eingesetzt, ehe er ab April Kompaniechef im Infanterie-Ersatz-Bataillon 178 wurde, das ebenfalls in Potsdam stationiert war.
Im Februar 1942 wurde er, inzwischen im Rang eines Oberleutnants, Adjutant beim wieder aufgestellten Feld-Ersatz-Regiment D/3, zu dessen Hauptaufgaben die Nachschub-Versorgung des Ostheeres gehörte. Im Oktober desselben Jahres wechselte Gohl als Hauptmann im Stabe zum neu aufgestellten Jägerregiment 721, welches sich bereits auf dem Weg nach Kroatien befand. Nur wenige Wochen später übernahm Gohl bis Dezember 1942 die vakante Stelle des Führers der 3. Kompanie. Mit seiner Einheit war er zunächst zur Bekämpfung der Partisanen des jugoslawischen Marschalls Josip Broz Tito eingesetzt, dessen Ergreifung er nur knapp verpasste.
Johannes Gohl wurde im Dezember 1942 Bataillonskommandeur des Jägerregiments 721 und mit seiner Einheit 1943 nach Italien verlegt. Im selben Jahr wechselte Gohl zudem seinen Status vom Kriegsoffizier zum aktiven Offizier.
Mit dem Marsch nach Italien war Gohl besonders harten Kämpfen mit US-amerikanischen und britischen Einheiten ausgesetzt. Er erhielt den Auftrag, die italienischen Höhen an der Adria-Front zu erobern, auf die sich besonders die USA strategisch konzentrierten. Die Höhen waren zuvor wechselseitig durch deutsche oder amerikanische Truppen erkämpft worden und wurden derzeit durch die Amerikaner gehalten.
Im Februar 1944 wurde Gohl bei einer Kampfhandlung schwer verletzt und zunächst in das Feldlazarett nach Rom verbracht, später nach Aschaffenburg und schließlich nach Potsdam verlegt. Erst im Mai konnte der Offizier sein Kommando wieder aufnehmen. Im selben Monat wurde er zum Major befördert.
Noch bevor er seinen neuen Auftrag, die Adria-Region bei der Höhe 327 zu erobern, umsetzen konnte, stand Gohl mit seiner Einheit einer Urgewalt von Überschwemmungen, Stürmen und bitterer Kälte gegenüber, was einem tatsächlichen Vorankommen in der Region Sagliano fast unmöglich machte. Jene Region bildete den wichtigen Übergang zur Gebirgsfront.
Am Rubikon, der in der Adria mündet und die einzige Möglichkeit des Erreichens Saglianos bot, traf Gohl auf Einheiten der 5. US-Armee, die die taktische Stellung um Höhe 327 noch immer hielten.
Ende Oktober 1944 befahl Johannes Gohl eine Offensive gegen die zahlenmäßig überlegenen US-Einheiten und entschied die als Nahkampf geführte Schlacht zunächst für sich. Gohls Regiment konnte 57 US-Amerikaner in Gefangenschaft nehmen und erzielte somit die höchste Gefangenenzahl, die jemals im Bereich der Höhen erhoben wurde.