Johannes Henning Friedrich (* 20. Juni 1948 in Bielefeld-Gadderbaum; † 3. September 2025 in Nürnberg) war ein deutscher evangelisch-lutherischer Theologe, der unter anderem Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) war.
Johannes H. Friedrich, eines von sieben Kindern des evangelisch-lutherischen Theologen der Bekennenden Kirche und Lehrstuhlinhabers für Neues Testament Gerhard Friedrich und dessen Frau Ruth Friedrich, geborene Hilgenstock, wuchs in Erlangen auf. 1967 legte er am Gymnasium Fridericianum das Abitur ab.
Nach dem Studium der Evangelischen Theologie an der Universität Erlangen-Nürnberg und der Universität Tübingen war Friedrich von 1972 bis 1976 Wissenschaftlicher Assistent bei Peter Stuhlmacher in Tübingen. Walter Klaiber war als Assistent sein Vorgänger bei Ernst Käsemann.
Friedrich promovierte in Tübingen über das Thema Gott im Bruder. Eine methodenkritische Untersuchung von Redaktion, Überlieferung und Traditionen in Mt 25, 31–46, erschienen als Calwer Theologische Monographien, Band 7. Hier zeigt sich seine theologische Grundposition von der politischen Theologie über die Ökumene bis zur pastoralen Nähe zum Menschen, vor allem bei Menschen, die in existentieller Not sind. Es war ihm wichtig, die Menschen zu stärken, eine im Kern dialogische Theologie. Friedrich versucht nachzuweisen, dass Mt 25, 31–46 auf Jesus zurückgeht: Gott im Bruder zu lieben, heißt, Gott nicht sterben zu lassen.
Am 13. November 1977 wurde Friedrich ordiniert. Ab 1979 war er Pfarrer in Nürnberg an St. Egidien und zugleich Studentenpfarrer an der Universität Erlangen-Nürnberg und den Fachhochschulen in Nürnberg.
Propst in Jerusalem und Dekan in Nürnberg
1985 wurde Friedrich als Propst an die Evangelische Gemeinde deutscher Sprache zu Jerusalem berufen. Die Verleihung des Titels „Propst“ geht auf Kaiser Wilhelm II. anlässlich der Einweihung der Erlöserkirche im Jahr 1898 zurück. Dieser ist der Repräsentant der EKD in Israel, im Westjordanland und in Jordanien. Seine Aufgaben sind vergleichbar mit denen eines Weihbischofs in der anglikanischen Kirche oder eines Bischofs in orthodoxen Kirchen. Propst Johannes Friedrich pflegte den interreligiösen Dialog mit Juden und Muslimen sowie den interkonfessionellen Dialog mit einer Vielzahl christlicher Religionsgemeinschaften.
Ab 1991 bekleidete Friedrich das Amt des Dekans des evangelisch-Lutherischen Dekanats in Nürnberg. Ab 1996 war er Mitglied der Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und dort Vorsitzender des synodalen Grundfragenausschusses.
Am 24. April 1999 wurde Friedrich zum Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, der drittgrößten Landeskirche der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), gewählt. Das Amt trat er am 1. November 1999 an. Von 2000 bis 2005 war er Catholica-Beauftragter der VELKD und gehörte von 2002 bis 2013 dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland an. Beim Papstbesuch in Deutschland 2006 zelebrierten Johannes Friedrich und Benedikt XVI. eine ökumenische Vesper im Regensburger Dom.
Nach Ende seiner zwölfjährigen Amtszeit verzichtete Friedrich auf eine Wiederwahl. Am 30. Oktober 2011 wurde sein Nachfolger, der Bamberger Theologieprofessor Heinrich Bedford-Strohm, als Landesbischof eingeführt.
Leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands
Am 17. Oktober 2005 wurde Friedrich von der Generalsynode der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) zu deren leitendem Bischof gewählt. Er vertrat somit 10,4 Millionen Gläubige. Aufgrund dieser Wahl war Friedrich Vorsitzender des Deutschen Nationalkomitees des Lutherischen Weltbundes (DNK/LWB), mit Sitz in Wittenberg. Die Arbeit in Wittenberg sah Friedrich als „Beitrag zur Gemeinschaftsbildung und Versöhnung der christlichen Kirchen […], um vertrauensvolle und belastbare Kontakte zu Christinnen und Christen in aller Welt aufzubauen […] um eine stark ökumenisch orientierte Arbeit, um die Zuarbeit für die lutherischen Kirchen weltweit und für alle anderen Christen, die an der Reformation interessiert seien.“
Nachfolger von Johannes Friedrich als leitender Bischof der VELKD wurde der schleswig-holsteinische Bischof Gerhard Ulrich.
Vom 1. Februar 2012 bis 31. August 2013 war Friedrich Pfarrer im fränkischen Bertholdsdorf, wo er auf einer halben Stelle insgesamt 720 Evangelische auch aus anderen Orten betreute. Der Einführungsgottesdienst wurde am 5. Februar gefeiert. Am 8. September 2013 wurde Friedrich bei einem Festgottesdienst in Bertholdsdorf in den Ruhestand verabschiedet.
Friedrich war verheiratet und Vater zweier erwachsener Töchter. Er starb nach langer Krankheit mit 77 Jahren am 3. September 2025 in Nürnberg.
Friedrich war in einem breiten gesellschaftlichen Kontext engagiert als Angehöriger der Rotarier, im Kuratorium von Christival, im Kuratorium der Eugen-Biser-Stiftung, im Kuratorium des evangelikalen Vereins ProChrist, der dem CVJM nahesteht, im Kuratorium der interreligiösen Gesellschaft Freunde Abrahams, im Kuratorium der Stiftung Bibel und Kultur und im Vorstand des Jerusalemsvereins. Des Weiteren war er im Vorstand der Internationalen Martin Luther Stiftung. Er war Schirmherr des Gospel-Awards in München.
Friedrich war Nahost-Beauftragter des Rats der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Zum 50. Jubiläum der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land (ELCJHL) gratulierte Friedrich im Namen der EKD: „Anfangs war ich der Meinung, die Lutherische Kirche gehöre nicht ins Heilige Land. […] Doch dann lernte ich, dass es wichtig ist, dass es die örtliche Lutherische Kirche gibt.“
Auf Einladung des Chinesischen Christenrates unternahm Johannes Friedrich 2007 eine Besuchsreise in die Volksrepublik China und besuchte die St.-Pauls-Kirche in Nanjing. Die evangelische Kirche in China wächst nach Darstellung des Chinesischen Christenrats rasant. Unter den rund 1,3 Milliarden Chinesen seien inzwischen rund 16 Millionen regelmäßige Besucher protestantischer Gottesdienste, berichtete die Vorsitzende des Christenrats, Pastorin Cao Shengjie. Vor rund 50 Jahren habe es nur etwa 700.000 Christen gegeben.