An diesem Tag

Johannes Blaskowitz

Deutscher General

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Johannes Albrecht Blaskowitz (* 10. Juli 1883 in Paterswalde, Ostpreußen; † 5. Februar 1948 in Nürnberg) war ein deutscher Heeresoffizier (ab 1939 Generaloberst). Im Zweiten Weltkrieg war er zunächst Armee-Oberbefehlshaber in Polen, dann beim Westfeldzug Frankreich sowie auch Befehlshaber der Besatzungstruppen. Er war Verfasser mehrerer Denkschriften gegen Gräueltaten der Einsatzgruppen. Später war er Oberbefehlshaber verschiedener Heeresgruppen. Nach Kriegsende wurde er im „Prozess Oberkommando der Wehrmacht“ angeklagt; er beging am ersten Verhandlungstag Suizid.

Kaiserreich und Erster Weltkrieg

Johannes Blaskowitz wurde am 10. Juli 1883 als Sohn des protestantischen Pfarrers Hermann Blaskowitz, dessen Vorfahren ursprünglich aus der Krain stammten, und seiner Ehefrau Marie geborene Kuhn, in Paterswalde geboren. Er hatte drei Schwestern, mit denen er nach dem Tod der Mutter 1886 und der Wiederverheiratung des Vaters bis zum elften Lebensjahr in Ostpreußen aufwuchs. Blaskowitz besuchte die Volksschule in Walterkehmen (Landkreis Gumbinnen), anschließend eine höhere Privatschule in Milluhnen (Landkreis Stallupönen).

Seine militärische Laufbahn begann er bereits im Alter von zehn Jahren, drei Jahre verbrachte er als Kadett in Köslin und vier weitere Jahre auf der Hauptkadettenanstalt in Groß-Lichterfelde bei Berlin. Am 2. März 1901 trat er nach dem Gymnasialabitur als knapp achtzehnjähriger Fähnrich in die Preußische Armee ein und wurde dem Infanterie-Regiment „von Grolmann“ (1. Posensches) Nr. 18 in Osterode in Ostpreußen zugeteilt, dem er die nächsten elf Jahre angehörte.

Blaskowitz besuchte die Kriegsschule Engers, absolvierte sie als Zweitbester und wurde am 27. Januar 1902 zum Leutnant befördert. Er nahm an einem Lehrgang der Militär-Turnanstalt in Berlin teil und war anschließend eineinhalb Jahre als Hilfslehrer an dieser Anstalt tätig. Von 1908 bis 1911 an die Kriegsakademie in Berlin kommandiert, legte er dort die Dolmetscherprüfung in Französisch ab und kam anschließend als Oberleutnant zur 3. Kompanie des 9. Badischen Infanterie-Regiments Nr. 170 nach Offenburg. Am 1. April 1914 erfolgte seine Versetzung in den Stab des Infanterie-Regiments „Markgraf Ludwig Wilhelm“ (3. Badisches) Nr. 111.

Den Ersten Weltkrieg erlebte Blaskowitz als Hauptmann und Kompaniechef zunächst ausschließlich an der Front, wo er an den Schlachten in Lothringen und Flandern ebenso in vorderster Linie teilnahm wie an den Kämpfen in Tirol und am Feldzug gegen Serbien. Ab April 1916 war er als eben zum Generalstabsoffizier Beförderter in den Schlachten von Kowel und Riga eingesetzt. Anschließend folgten weitere Einsätze an der Westfront. Während des Krieges wurde Blaskowitz u. a. mit beiden Klassen des Eisernen Kreuzes und dem Ritterkreuz des Königlichen Hausordens von Hohenzollern mit Schwertern ausgezeichnet.

Nach Kriegsende kehrte Blaskowitz nach Offenburg zurück, wurde aber kurze Zeit später nach Hannover zum Hauptquartier des X. Armee-Korps versetzt. Im Frühjahr 1919 trat Blaskowitz als Generalstabsoffizier im Hauptquartier des Wehrkreises V in Stuttgart seinen Dienst an. Während des Kapp-Putsches floh das Kabinett Bauer von Dresden nach Stuttgart und wurde dort von Blaskowitz’ kommandierenden Vorgesetzten, General Walter von Bergmann, unterstützt. Nach dem gescheiterten Putschversuch war Blaskowitz an der Niederschlagung des Ruhraufstands beteiligt.

Am 1. Oktober 1924 übernahm er als Kommandeur das III. Bataillon des 13. (Württembergischen) Infanterie-Regiments in Ulm. Blaskowitz wurde dort 1926 zum Oberstleutnant befördert und kehrte 1928 nach Stuttgart zurück, wo er als Chef des Stabes der 5. Division fungierte. Nach Beförderung zum Oberst am 1. Oktober 1929 war er auch zeitgleich bis 31. Januar 1933 Landeskommandant in Baden.

Ende 1930 wurde Blaskowitz zum Kommandeur des 14. (Badisches) Infanterie-Regiments („Seehasen“) in Konstanz ernannt und am 1. Oktober 1932 zum Generalmajor befördert. In seinem Regiment erfreute er sich aufgrund seines offenen und fürsorglichen Umgangs mit den ihm unterstellten Soldaten großer Achtung und Zuneigung. Auch bei der Konstanzer Einwohnerschaft sowie bei den badischen Landesbehörden und der Presse stand er in hohem Ansehen. Zu Blaskowitz politischen Anschauungen in dieser Zeit gibt es nur fragmentarische Belege. Er scheint den Typus des unpolitischen Reichswehroffiziers verkörpert zu haben, der der Republik innerlich ablehnend gegenüberstand und der das Weimarer Parteiensystem aufgrund seiner Zersplitterung für das „Unglück Deutschlands“ hielt.

Am 1. Februar 1933 wurde er in das Reichswehrministerium nach Berlin versetzt, zum Inspekteur der Waffenschulen ernannt und am 1. Dezember 1933 zum Generalleutnant befördert.

1935 erfolgte die Ernennung zum Kommandierenden General im Wehrkreis II in Stettin und 1936 die Beförderung zum General der Infanterie. 1938 wurde er Oberbefehlshaber (OB) der Heeresgruppe 3 in Dresden. Damit war er in eine der sieben höchsten Kommandostellen des Heeres aufgerückt. Er nahm am Einmarsch der Wehrmacht in Österreich (Unternehmen Otto) teil und führte seine Verbände bei der Besetzung des Sudetenlandes und der Zerschlagung der Tschechoslowakei im Herbst 1938 bzw. Frühjahr 1939.

Während des Überfalls auf Polen, an dessen operativer Planung Blaskowitz beteiligt war, befehligte er die 8. Armee. In der Schlacht an der Bzura verhinderte er am 9. September einen polnischen Durchbruch bei Leczyca in Richtung Lodz, indem er mit seiner Armee, die eigentlich Richtung Osten angriff, einen Gegenangriff in nordwestlicher Richtung führte. Dadurch hatte die 8. Armee maßgeblichen Anteil am Erfolg der Kesselschlacht. Zwar zeigte sich Adolf Hitler bei einem Frontbesuch mit Blaskowitz’ Führung unzufrieden. Gleichwohl wurde Blaskowitz mit dem Angriff auf Warschau beauftragt. Am 28. September 1939 nahm er die Kapitulation Warschaus entgegen.

Nach dem Ende der Kampfhandlungen wurde Blaskowitz von Hitler zum Generaloberst befördert und mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet. Am 20. Oktober 1939 wurde er als Oberbefehlshaber Ost Nachfolger von General von Rundstedt und damit Chef des deutschen Besatzungsheeres in Polen.

Blaskowitz protestierte im Herbst 1939 und Winter 1939/40 mehrfach gegen die radikale Umsetzung der von Hitler angeordneten „völkischen Flurbereinigung“, also gegen die Ermordung von Juden und der polnischen Intelligenz durch SS, Polizei und den Volksdeutschen Selbstschutz, denen in den besetzten Gebieten innerhalb weniger Monate Tausende zum Opfer fielen. Sein Protest speiste sich nicht allein aus moralischer Empörung, sondern auch aus Sorge um die Disziplin der Truppe, dem Ärger über die „Anmaßung“ selbstständiger Polizeikräfte sowie pragmatischen Überlegungen.

Einen weiteren Bericht übermittelte Blaskowitz am 8. Dezember 1939 an von Brauchitsch. Der Oberstleutnant Helmuth Groscurth legte mindestens diesen Bericht einige Tage später hohen verantwortlichen Heeresoffizieren an der Westfront vor, darunter Erwin von Witzleben und Gerd von Rundstedt. Als Blaskowitz im Industriegebiet von Kamienna eine größere polnische Aufstandsbewegung entdeckte, nahm er im Februar 1940 erneut gegenüber von Brauchitsch Stellung. In Notizen für einen Vortrag am 15. Februar betonte er den politischen Schaden, den SS und Polizei mit ihrem Vorgehen anrichteten.

Für Raul Hilberg war Blaskowitz nicht über den Gedanken des rigorosen Vorgehens empört, „sondern allein über die amateurhafte Art und Weise, in der die SS versuchte, mit einer derart gewaltigen Menschenmenge, wie sie die zwei Millionen Juden darstellen, fertig zu werden“. Helmut Krausnick weist darauf hin, dass die Eingaben trotz ihrer teilweise grundsätzlichen Art sich gegen die ausführenden Organe des Besatzungsregimes richteten und also ihr Verfasser noch nicht in vollem Maße erkannt habe, dass es sich um ein von Hitler selbst gewolltes und gebilligtes Programm handelte. Omer Bartov hält Blaskowitz’ Erklärung für zweideutig, da sie auch als Empfehlung habe verstanden werden können, mehr Menschen in geordneter und disziplinierter Form zu töten, statt das Abschlachten ganz zu beenden. Scharfsinnig habe Blaskowitz aber erkannt, dass die relativ passive Rolle der Wehrmacht bei diesen Verbrechen auf lange Sicht schwerwiegende Auswirkungen auf die Soldaten und die deutsche Gesellschaft als Ganzes haben würde. Hermann Wentker sieht Blaskowitz einerseits durch die traditionelle militärische Überlegung motiviert, dass die Zivilbevölkerung nicht mehr als nötig von den Kampfhandlungen betroffen sein dürfe, andererseits durch die Sorge vor der „Verrohung“ der Deutschen. Klaus-Michael Mallmann, Jochen Böhler und Jürgen Matthäus argumentieren, Blaskowitz habe in seinen Notizen vom Februar 1940 bei aller Kritik Polen und Juden als „Erzfeinde im Osten“ definiert und damit das gängige Feindbild akzeptiert. Letztlich darf nicht übersehen werden, dass Blaskowitz seine Denkschriften an die politische Führung und Hitler richtete, und Blaskowitz muss klar gewesen sein, dass er mit moralischen Apellen wenig Erfolg haben würde, sondern dass hier nur Argumente der militärischen und politischen Nützlichkeit zählten.

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