An diesem Tag

Johanna Schopenhauer

Deutsche Schriftstellerin und Salonière

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Johanna Henriette Schopenhauer (* 9. Juli 1766 in Danzig; † 16. April 1838 in Jena) war eine deutsche Schriftstellerin und Salonnière. Sie war die Mutter des Philosophen Arthur Schopenhauer und der Schriftstellerin Adele Schopenhauer.

Der Vater Christian Heinrich Trosiener (1730–1797) war Kaufmann und Ratsherr in Danzig, die Mutter Elisabeth Trosiener (1745–1818) war eine Tochter des Apothekers Georg Lehmann (gestorben 1762).

Johanna wurde 1766 als deren älteste Tochter in der Heilige-Geist-Gasse 81 (heute ul. Św. Ducha 111) geboren. Von ihrem Geburtshaus besteht ein rekonstruierter Nachbau.

Seit 1769 besuchte die Dreijährige die Mädchenschule (École des jeunes dames) von Marie Henriette Chodowiecki, der Mutter des Kupferstechers Daniel Chodowiecki. Anfangs auch, „um Stillesitzen“ zu lernen. Mit sechs Jahren erhielt sie Unterricht der englischen Sprache, was für ein Mädchen in dieser Zeit so ungewöhnlich war, dass sie häufig darauf angesprochen wurde. Ab 1773 erhielt sie dann auch Privatunterricht durch den Theologen Kuschel. Der Prediger Richard Jameson der englischen Kirche wurde ihr Mentor und Vertrauter.

1777 äußerte sie als Zehnjährige den Wunsch, zu Daniel Chodowiecki nach Berlin zu gehen und das Malen zu lernen, was der Vater ablehnte. 1780 verkehrte sie in der russischen Residenz in Danzig und erhielt dort Malunterricht durch die Frau des Gouverneurs.

Heirat und Geburt von Sohn Arthur

Mit 18 Jahren heiratete Johanna am 16. Mai 1785 in Danzig den 37-jährigen Großkaufmann Heinrich Floris Schopenhauer (1747–1805) in der kleinen Kirche Aller Gottes Engel. Die Ehe war von ihr nicht gewollt und wurde auf Wunsch der Eltern und des Ehemanns geschlossen. Es handelte sich um eine damals durchaus übliche Konvenienzehe. Sie bedeutete für Johanna einen sozial hochstehenden Stand und bot ihr die Möglichkeit einer guten kulturellen Bildung. Die Ehe verlief für beide nicht zufriedenstellend, wie sie in ihren literarischen Schriften später immer wieder thematisierte.

1787 unternahmen beide eine ausgedehnte Reise durch Westeuropa, nach Bad Pyrmont, Frankreich und England. Dort sollte Johanna nach dem Wunsch des Ehemanns ihr Kind gebären, damit es Bürger dieses freien Landes werden sollte.

Der Sohn Arthur wurde dann aber doch am 22. Februar 1788 in Danzig geboren.

1793 verließ die Familie die Freie Stadt Danzig, als deren Besetzung durch preußische Truppen im Rahmen der zweiten Teilung Polens unmittelbar bevorstand, da Heinrich Floris als republikanisch gesinnter Liberaler die preußische Herrschaft ablehnte.

Die Familie zog nach Hamburg, zunächst in die Altstadt (Neuer Weg 76), dann 1796 in eine Gegend von Kaufleuten und Bankiers im Neuen Wandrahm 92. Dort wurde 1797 die Tochter Adele geboren.

In seinen letzten Lebensjahren litt ihr Mann an Depressionen, Gereiztheit und geistiger Verwirrung. Am 20. April 1805 stürzte er aus dem Fenster eines Speichers und starb, wahrscheinlich durch Suizid. Der Sohn Arthur machte der Mutter später Vorwürfe, sie sei an dessen Tod mitschuldig gewesen.

Die junge Witwe verkaufte das Haus und mietete mit ihren Kindern eine Wohnung in Kohlhöfen 29, von wo sie eine Übersiedlung nach Weimar vorbereitete.

Sie hatte, wie jedes ihrer beiden Kinder, ein Drittel seines Vermögens geerbt, und erlangte dadurch finanzielle Unabhängigkeit.

Im Alter von 39 Jahren zog sie 1806 mit ihrer 1797 geborenen Tochter Adele nach Weimar. Sie kamen nicht zum günstigsten Zeitpunkt, denn napoleonische Truppen drangen auf ihrem Weg zur preußischen Hauptstadt Berlin in das kleine Herzogtum ein, wo sie jedoch vorerst steckenblieben, bis es dann im Oktober in der Schlacht bei Jena und Auerstedt zur Konfrontation mit Preußen kam. Das Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach war mit Preußen und Russland gegen Napoleon verbündet. Bekanntlich verlor Preußen diese Schlacht, sodass für Weimar eine schwierige Zeit anbrach. Johanna unterstützte tatkräftig die Weimarer, die unter französischen Zwangseinquartierungen zu leiden hatten, und half ihnen bei der Versorgung der Verwundeten. Dies verschaffte ihr in Weimar einen guten Ruf, sodass Johann Wolfgang von Goethe später sagte, die Ereignisse in Weimar zur Zeit der Schlacht bei Jena und Auerstedt seien ihre Feuertaufe gewesen.

In der folgenden Zeit begann Johanna ihre wöchentlichen Teegesellschaften in ihrer Wohnung, die rasch zu einem der Mittelpunkte des kulturellen Lebens wurden. Goethe war hier regelmäßiger Gast und es entstand ein so enger Kontakt zwischen ihm und den Schopenhauers, so dass Tochter Adele Goethe zeitlebens „Vater“ nannte.

Überhaupt spielte Johanna für Goethe eine wichtige Rolle bei der Einführung von Christiane Vulpius, Goethes langjähriger Geliebten und Mutter seines Sohnes August, in die Weimarer Gesellschaft. Goethe hatte Christiane im Oktober des Jahres 1806 zur Zeit der französischen Besatzung geheiratet. Johanna war die erste Frau aus der gehobenen Schicht, die für Christiane die Türen zu ihren Teegesellschaften öffnete. Durch Johanna wurde der bis dahin bestehende gesellschaftliche Bann gebrochen, wofür Goethe ihr sehr dankbar war. Johanna Schopenhauer schreibt am 24. Oktober 1806 aus Weimar an ihren Sohn Arthur:

Abfällige Äußerungen der Damenwelt über Christiane Vulpius belegen deren Dünkel und machen Goethes Dankbarkeit gegenüber Johanna verständlich: Charlotte von Schiller bezeichnete beispielsweise Vulpius als „ein rundes Nichts“ und Bettina von Arnim nannte Vulpius später einmal „eine Blutwurst, die toll geworden ist“. Goethe brach daraufhin den Kontakt zu Bettina von Arnim und ihrem Mann ab und schrieb später „Ich bin sehr froh, daß ich die Tollhäusler los bin.“

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