Johann von Bieberstein (* um 1342; † 3. Februar 1424) war ein Adeliger, der zu den mächtigsten Herren im Königreich Böhmen zählte und daher selbst Fehden mit König Wenzel IV. von Böhmen erfolgreich bestehen konnte. Gemeinsam mit seinem Bruder Ulrich besaß er in Böhmen u. a. die Herrschaften Friedland (heute Frýdlant v Čechách in Tschechien), in der Markgrafschaft Niederlausitz die Herrschaft Sorau (heute Żary in der Woiwodschaft Lebus in Polen), in Brandenburg die Herrschaften Beeskow und Storkow, und in der Oberlausitz die Landeskrone, Tauchritz, Forst und Triebel.
Friedrich stammte aus dem Adelsgeschlecht der Herren von Bieberstein, deren Name sich von der Burg Bieberstein in der Markgrafschaft Meißen ableitet und die sowohl in Nordböhmen als auch in Schlesien und in den „Lausitzen“, d. h., in den Markgrafschaften Ober – und Niederlausitz, reich begütert war.
Sein Vater war der Freiherr Friedrich von Bieberstein (* vor 1306; † 1360) der zu den mächtigsten Herren im Königreich Böhmen und zu den wichtigsten Vasallen und Vertrauten von Kaiser Karl IV. (von Luxemburg) zählte. Dieser besaß in Böhmen u. a. die Herrschaften Friedland (heute Frýdlant v Čechách in Tschechien), in der Markgrafschaft Niederlausitz die Herrschaft Sorau (heute Żary in der Woiwodschaft Lebus in Polen), sowie die Schlösser Landeskrone (auf dem Hausberg der Stadt Görlitz) und Tauchritz in der Markgrafschaft Oberlausitz.
Seine Mutter war Hedwig von Pak (Pack) cl. 1345, die einzige Tochter und damit Erbin ihres Vaters, Ulrich von Pak, dem Besitzer der Stadt und Herrschaft Sorau in der Niederlausitz (heute Żary in der Woiwodschaft Lebus in Polen).
Johannes von Bieberstein war der ältere Sohn seines Vaters. Er erhielt eine standesgemäße Erziehung, die bei ihm auch ein Studium an der noch sehr jungen Universität Prag umfasste, wodurch er auch für die Verwaltung seines umfangreichen Landbesitzes gut ausgebildet war.
Nach dem Ableben seines Vaters ließ er sich in der Herrschaft Sorau in der Niederlausitz nieder, die aus dem Erbe seiner Mutter stammte, während sein jüngerer Bruder, Ulrich von Bieberstein, in Friedland (heute Frýdlant v Čechách) und damit in Nordböhmen residierte. Die Brüder hatten ein umfangreiches Territorium von ihren Eltern geerbt.
Es ist nicht ersichtlich, dass es zwischen den Brüdern zu einer effektiven Aufteilung des Besitzes kam, da beide regelmäßig gemeinsam auftreten.
So verkauften sie 1375 gemeinsam dem Rat von Zittau (Kreisstadt im Landkreis Görlitz) ihren Anteil am Dorf Hartau, welches ihnen und den Burggrafen von Dohna gemeinsam gehörte, für 300 Mark Prager Groschen und 1380 auch noch den ihnen zustehenden Zoll in Ostritz (im Landkreis Görlitz).
1376 reiste Johannes gemeinsam mit seinem Bruder Ulrich nach Tangermünde (an der Elbe im nördlichen Sachsen-Anhalt), das damals der Zweitsitz von Kaiser Karl IV. war um einem wichtigen Ereignis beizuwohnen. Dort wurde nämlich mit einem feierlichen Akt die Vereinigung des Kurfürstentums Brandenburg und der Markgrafschaft Niederlausitz mit dem Königreich Böhmen vollzogen. Diese Markgrafschaften hatte Karl IV. nach intensiven Bemühungen durch den Vertrag von Fürstenwalde (1373) von Herzog Otto V. „der Faule“ von Oberbayern (* 1346, † 1379) erworben, um damit seine Machtbasis entscheidend zu erweitern.
Für Johannes und seinen Bruder gab es jedoch nicht nur Gründe zum Feiern, sondern auch Anlass zu kämpfen.
Nicht ganz geklärt erscheint, in welchem Umfang Johann von Bieberstein in die internen Machtkämpfe innerhalb des Hauses Luxemburg involviert war. Wenzel von Luxemburg, der älteste Sohn von Kaiser Karl IV., war 1363 im Kindesalter als Wenzel IV. zum König von Böhmen gekrönt worden, war seit 1376 auch römisch-deutscher König und von 1373 bis 1378 auch Kurfürst von Brandenburg. Trotz seiner Machtfülle zeichnete sich König Wenzel vielfach durch Unschlüssigkeit und Untätigkeit aus, was ihm nicht nur den Beinamen „der Faule“ eintrug, sondern auch den böhmischen Adel gegen ihn aufbrachte. Sein Cousin Jobst von Mähren sah dies als Gelegenheit, selbst an die Macht zu kommen. Er ermunterte daher den unzufriedenen Adel zu einer Revolte, die dazu führte, dass König Wenzel von Vertretern des Herrenstandes am 8. Mai 1383 in Königshof (heute Králův Dvůr im Bezirk Beroun in Tschechien) gefangen genommen wurde, während Jobst von Mähren die Verwaltung übernahm. Da sich ein Teil des Adels um Wenzels jüngeren Bruder, Herzog Johann von Görlitz (* 1370, † 1396) scharte, um den König zu befreien, wurde Wenzel zur Sicherheit auf die Burg Wildberg nach Oberösterreich verlegt. Nach längeren Verhandlungen wurde König Wenzel schließlich freigelassen, musste jedoch zusagen, die Rebellen nicht zu verfolgen. Wenzel hielt sich jedoch nicht an diese Zusage und ließ die Führer der Rebellen verfolgen, wobei auch zeitweise Schlösser der Herren von Bieberstein wie Friedland, Beeskow und Storkow betroffen waren.
Die nächste Auseinandersetzung entwickelte sich als Spätfolge der Ehe von Johannes von Bieberstein mit der einzigen Tochter des Reinhard von Strele, der einem Reichsministerialengeschlecht aus der Burggrafschaft Strehla an der Elbe entstammte und die Herrschaften Beeskow und Storkow (beide im heutigen Landkreis Oder-Spree in Brandenburg) besaß.
Als dieser 1384 ohne Hinterlassung männlicher Erben verstarb, übernahm Johann von Bieberstein beide Herrschaften als Erbe seines Schwiegervaters. König Wenzel IV. von Luxemburg sah dies in seiner Eigenschaft als Markgraf von Brandenburg und Lehensherr ganz anders, nämlich als Lehen, die an ihn als Landesfürsten heimgefallen waren.
Angesichts der gegensätzlichen Ansprüche forderte König Wenzel Johann von Bieberstein auf, die Herrschaften bis zur Klärung der Rechtslage einem Treuhänder zu übergeben.
Bieberstein setzte sich jedoch über diese Anordnung hinweg und nahm beide Städte mit Gewalt in Besitz.
Dies zeigt, dass dieser Herr von Biberstein nicht nur über eine gehörige Portion Selbstbewusstsein, sondern auch über eine entsprechende militärische Stärke verfügte, denn immerhin widersetzte er sich nicht der Anordnung irgendeines Lehensherren, sondern der des mächtigsten Fürsten des Heiligen Römischen Reiches.
König Wenzel – empört über den Ungehorsam seines Vasallen – beauftragte daher den Landvogt der Oberlausitz, Benesch Berka von Dubá und Lipa mit dem Aufgebot der Lehensleute und Städte gegen Bieberstein vorzugehen, und ihm die von ihm „freventlich vorenthaltenen“ Herrschaften abzunehmen. Der Ritterschaft und dem Oberlausitzer Sechsstädtebund, der die Städte Bautzen, Görlitz, Kamenz, Lauban, Löbau und Zittau umfasste, befahl er, den Landvogt binnen acht Tagen zu begleiten und die fraglichen Güter zu besetzen. Einen etwa gleich lautenden Befehl sandte König Wenzel am 22. Juli 1384 auch an den „Burgermeister, rot, burgern und gemeine“ der Stadt Görlitz.
Es steht nicht fest, ob es tatsächlich zu dem geplanten Kriegszug gegen Johann von Bieberstein kam. Fest steht hingegen, dass er die beiden Herrschaften behielt und damit entweder der Kriegszug – etwa im Hinblick auf die internen Machtkämpfe – unterblieb, oder dass sich Johann von Bieberstein erfolgreich verteidigen konnte. Bereits im folgenden Jahr gelang es ihm jedenfalls, das Vertrauen des Johann von Luxemburg (* 1370, † 1396), seit 1377 Herzog von Görlitz, zu gewinnen, obwohl dieser ein jüngerer Bruder von König Wenzel war. So konnte er im Jahre 1385 in der Stadt Luckau in der Niederlausitz, heute im Landkreis Dahme-Spreewald, mit anderen Herren der Lausitz sogar einen Vergleich zwischen Herzog Johann und den Ständen der Mark zustande bringen. König Wenzel dürfte daher doch die Rechte Biebersteins auf die Herrschaften Beeskow und Storkow akzeptiert und ihn in der Folge damit belehnt haben.