Johann Martin Schleyer (* 18. Juli 1831 in Oberlauda; † 16. August 1912 in Konstanz) war ein katholischer Priester, Lyriker und Philanthrop. Er veröffentlichte 1878 die Plansprache Volapük, die er in den Jahren zuvor entwickelt hatte, und war der erste Cifal der Bewegung.
Johann Martin Schleyer wurde 1831 als Sohn eines Lehrers in Oberlauda geboren. Im Volapük-Almanach (Lekaled Volapüka) für das Jahr 1888 schrieb Sigmund Spielmann, Vorstandsmitglied des Wissenschaftlichen Weltsprache-Vereins „Volapük“ in Wien:
Johann Martin Schleyers Eltern hatten nicht geplant, ihren Sohn studieren zu lassen. Es ist seinem Onkel, dem Hauptlehrer Franz Martin Schleyer aus Königheim zu verdanken, dass er die Gelegenheit dazu bekam. Er blieb vier Jahre lang, bis zu seinem 15. Lebensjahr, bei seinem Onkel, um sich dort auf eine höhere Schule vorzubereiten.
Er besuchte das Gymnasium in Tauberbischofsheim und übte sich im Haus des Medizinalrates Metz in Musik und Dichtkunst. Adam Hönninger, der Pfarrer zu Lauda, stellte ihm dabei seine Klassiker-Bibliothek zur Verfügung.
Anschließend studierte Schleyer am Lyzeum in Karlsruhe, besuchte nebenher Vorlesungen in Chemie und am Polytechnikum. Seine Vielseitigkeit zeigte sich dadurch, dass er im Zeichnen einen Preis erhielt und in der evangelischen Hofkirche des Großherzogs mitsingen durfte.
Ab 1852 studierte Schleyer an der Universität Freiburg, wo er bis 1855 Katholische Theologie, Philologie, Philosophie, Geschichte und ein Semester lang auch Medizin hörte. Daneben betrieb er weiter Poesie und Musik, so dass er schließlich mehrere verschiedene Musikinstrumente spielen konnte. So war er Organist an der Universitätskirche und Harmoniumspieler am Spital und verdiente sich während seiner Studienzeit etwas Geld durch Musikunterricht hinzu.
Am 5. August 1856 empfing Schleyer durch Erzbischof Hermann von Vicari die Priesterweihe. Er wurde Kaplan in Sinzheim (1856), Baden-Baden (1857), Kronau (1858) und Wertheim (1860).
In Wertheim hatte Schleyer Kontakt zu Dom Miguel, dem exilierten Exkönig von Portugal, und den Fürsten Löwenstein. Seine liberale Anschauung zeigte sich dadurch, dass er das Standesbuch der Israeliten-Gemeinde führte und mit Juden und Protestanten verkehrte.
Seine erste Pfarrstelle besetzte Schleyer 1862 in Meßkirch, ab 1867 in Krumbach (heute Ortsteil der Gemeinde Sauldorf). In dieser Zeit verkehrte er mit dem Abt Maurus Wolter von Beuron und schuf ein Tastalphabet für Taubblinde.
Während des Kulturkampfes wurde er wegen einer kritischen Predigtäußerung 1875 in Festungshaft genommen und für vier Monate nach Rastatt verbracht. Er ging mit zahlreichen Brandreden gegen die „Geißeln“ seiner Zeit an, nämlich Kommunisten, Atheisten, Altkatholiken und Mischehen.
Nach seiner Freilassung aus der Haft wurde Schleyer am 17. Dezember 1875 Pfarrer in Litzelstetten bei Konstanz. Dort widmete er sich fast ausschließlich dem Studium von Fremdsprachen: Außer Altgriechisch und Lateinisch lernte er noch Französisch, Englisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch, Russisch, Rumänisch, Holländisch, Dänisch, Norwegisch, Rätoromanisch, Ungarisch, Kroatisch, Tschechisch, Slowenisch, Serbisch, Neugriechisch, Türkisch, Persisch, Arabisch, Hebräisch, Japanisch, Chinesisch, Sanskrit, Prakrit und andere Sprachen.
Dies waren die Vorstudien zu Volapük, welches er am Anfang des Jahres 1879 der Öffentlichkeit vorstellte. Die erste Auflage seiner Weltsprache-Grammatik erschien in einer Auflage von 1000 Exemplaren und war innerhalb von fünf Monaten vergriffen.
Zu seinem 50. Geburtstag erhielt er von Mitarbeitern seiner Zeitschrift Sionsharfe eine goldene Harfe.
1885 wurde Schleyer aus gesundheitlichen Gründen pensioniert und zog 1889 in das Haus in der Schottenstraße um. Er war während seines ganzen Berufslebens ein einfacher Dorfpfarrer geblieben. 1894 wurde er von Papst Leo XIII. zum päpstlichen Hausprälaten ernannt.
Schleyer führte von 1863 an bis zu seinem Tod Tagebuchaufzeichnungen. Von 1876 bis 1884 war er Herausgeber der Sionsharfe – Zeitschrift für katholische Poesie. 1879 veröffentlichte er die international einheitliche Plansprache Volapük und gründete 1887 eine Volapük-Akademie zur Überwachung der sprachlichen Entwicklung. Er arbeitete bis zu seinem Tod am Volapük-Wörterbuch, insbesondere an der Neufassung von 1894.
Volapük war die erste Plansprache, die international eine große Anhängerschaft hatte, auch wenn sie nicht leicht zu sprechen war. In seinem Haus in der Schottenstraße 37 in Konstanz wohnte Schleyer von 1889 bis 1912. Er bezeichnete es als „Weltsprache-Zentralbüro“ und verschickte von dort aus sein Weltspracheblatt (bis 1908), Lehr- und Wörterbücher, religiöse Lyrik und gesammelte Lebensweisheiten in alle Welt.
Er, der erstmals 1888 aus gesundheitlichen Befürchtungen heraus die Letzte Ölung erhalten hatte, verstarb 1912 in Konstanz und liegt auf dem Hauptfriedhof Konstanz begraben.
Johann Martin Schleyer beschäftigte sich – eigenen Angaben zufolge – intensiv mit 80 Sprachen und Dialekten und wurde vom Freiburger Erzbischof dem Papst als deutscher Mezzofanti vorgestellt. Schleyer sprach nach eigenem Bekunden 50 Fremdsprachen. Sicher ist, dass er Denksprüche in 22 Sprachen verfasste und Grammatiken und Wörterbücher in 25 Sprachen herausgab. Seine Sprachstudien erstreckten sich auf 88 Sprachen und Dialekte.