Johann Leonhard Rost (Pseudonym: Meletaon, * 14. Februar 1688 in Nürnberg; † 22. März 1727 in Nürnberg) war Autor von Romanen, Briefstellern und anderen galanten Texten sowie Astronom.
Von Rosts Vater, Leonhard, ist nur das Sterbedatum 1721 bekannt. Seine Mutter, Barbara, war eine geborene Schramm, sie starb bereits 1703. Beide Eltern betrieben im späten 17. Jahrhundert in Nürnberg die noch heute bestehende Gaststätte „zum Hofmann“, bekannter unter dem Namen „Essigbrätlein“, der für den Sauerbraten des Hauses stand. Ein Bruder, der spätere Arzt Johann Carl Rost († 1731), wurde 1690 geboren.
Johann Leonhard besuchte anfänglich die Schule von St. Sebald in Nürnberg – Latein gehörte zu den Unterrichtsfächern. 1703 wechselte er zum Egidiengymnasium, dessen Direktor, Samuel Faber, ihn für die Poesie und die belles lettres gewann. Im selben Jahr – mit dem Tod der Mutter könnte das zusammenhängen – wurde Rost Assistent an der Nürnberger Sternwarte, die Georg Christoph Eimmart (1638–1705) im Herbst 1678 auf der Vestnertorbastei nördlich der Burg eingerichtet hatte. Eimmart, der sich mit jungen Leuten umgab, beschäftigte über Jahre hinweg je einen Gehilfen, der für gewöhnlich dann auch bei ihm im Haus mit der heutigen Adresse An der Fleischbrücke 2 wohnte. Die Assistenten nutzten die Zeit, das Belegen von Veröffentlichungen der Sternwarte zu ersten eigenständigen wissenschaftlichen Arbeiten.
Am 5. Januar 1705 starb Eimmart. Die Stadt Nürnberg kaufte daraufhin die Sternwarte. Johann Heinrich Müller (1671–1731), Eimmarts Schwiegersohn, wurde als Direktor eingesetzt; 1710 wechselte er als Professor für Mathematik und Physik an die Universität Altdorf und gab seinen Posten an Johann Gabriel Doppelmayr (1677–1750) weiter.
Rost trat die Assistentenstelle am 11. Dezember 1705 an seinen Bruder ab, der sie bis 1708 behielt. Drei Jahre Studium in Altdorf folgten, Rost blieb während dieser Zeit mit der Sternwarte in Kontakt. Im Mai 1706 beobachtete er von dort aus die Sonnenfinsternis. Rost soll in Altdorf „außer den öffentlichen und besondern Juristischen Collegiis auch philosophica und curiosa“ studiert haben, wobei er „in der Kenntniß und Sammlung der Naturalien, seiner Zuneigung gemäß, nicht wenig Vergnügen fand, und sie daher allenthalben, wo er hinkam, fortsetzte.“ Noch gab es kein Fach der Naturwissenschaften – „philosophica und curiosa“ verweist auf die offene Unterbringung des gesamten Feldes der Naturbeobachtung innerhalb der Philosophie, zu der unter anderem auch die Mathematik gehörte. Bis 1709 unterrichtete Johann Wilhelm Baier (1675–1729) in Altdorf neben Mathematik in Physik.
Die Jahre in Altdorf bereicherten Rost, soweit ersichtlich in noch ganz anderer Hinsicht: Er muss sich hier den galanten Studenten angeschlossen haben. Nachweislich las er die Romane Talanders und Menantes’ – seinen eigenen ersten Roman im Stil Talanders muss er in Altdorf beendet haben. 1708 wechselte er nach Leipzig, im Januar des Jahres erschien in Nürnberg bei Michahelles seine Bellandra. Atalanta kam im Juli nach. Beides waren asiatische Romane und offene Anknüpfungen an den wichtigsten Autor dieses Genres. Es liegt nahe, die Romanveröffentlichungen mit dem Wechsel nach Leipzig in Verbindung zu bringen. Studenten aus Halle, Leipzig und Jena bestimmten das Parkett, auf das Rost sich begab.
Dass Rost in seinem ersten Jahr auf dem Romanmarkt gleich zwei Titel ins Geschäft brachte, dass er es im konventionelleren Genre asiatischer Romane tat, nicht in dem modernen von Skandalen, mit dem man sich besser nur ein einziges Mal geheim profilierte, dass er zwar unter einem Pseudonym publizierte, doch über einen namentlich notierten Verleger – all das lässt darauf schließen, dass er seine Veröffentlichungen als Debüt und als Versprechen auf fortgesetzte Romanschriftstellerei verstanden wissen wollte. Christian Thomasius hatte als Universitätsdozent in den 1680ern dem galanten Verhaltensideal in öffentlichen Stellungnahmen die Bahn gebrochen. August Bohse hatte zur aktuellen Mode die passende deutsche Romanproduktion vorgelegt – vornehmlich im asiatischen Genre, doch auch mit amourösen Romanen aktuelleren Gestus. Ende der 1690ern erfolgte ein Generationswechsel. Das Galante war nicht länger ein Ideal zwischen Lehrern und Schülern. Studenten bestimmten jetzt, was wirklich galant war. Den Einschnitt setzte hier Christian Friedrich Hunold alias Menantes mit der in Hamburg verlegten Verliebten und galanten Welt (Hamburg: G. Liebernickel, 1700). Sechs Jahre später, im Juni 1706 machte sich der 26-jährige Held der aktuellen Conduite mit seinem vierten Roman in Hamburg unmöglich. Hunold floh in sein Heimatdorf nach Thüringen und begann zwei Jahre später eine bürgerlichere zweite Karriere als Privatdozent in Halle.
Rost betrat den Markt 1708, als des berühmten „Herrn Menantes“ Ruhm besiegelt schien, und hielt sich erst einmal an Talander. Seine Erstlinge adressierten im „asiatischen“ Genre vor allem bürgerliche Leserinnen im Alter zwischen 15 und 30. Sie konnten in den Romanen von 400 bis 800 Seiten hinweg die Abenteuer verfolgter und in Männerkleidern durch die Antike fliehender Prinzessinnen erleben. Meletaon hatte mit beiden Romanen eine einträgliche Einnahmequelle eröffnet. Zwei Reichstaler verdiente Hunold für den Druckbogen, möglicherweise verdiente Rost alias Meletaon anfänglich zwei Dritteln des Honorars: zwei Gulden für den Bogen, das wären immer noch 96 Gulden mit den ersten beiden Titeln gewesen.
Leipzig war unter den drei modischen Universitätsstädten im deutschen Sprachraum die „galante“. Die Messestadt mit ihrer günstigen Position im Ost-West-Handel wie im Handel mit den nördlichen und südlichen protestantischen Städten des Reichsgebiets war reich. Bürger bauten prestigeträchtig und entfaltete ein Leben, das mit dem Dresdens der Residenzstadt konkurrierte. (Halle war, einen Tagesritt entfernt, die nüchternere Universitätsstadt. Im kleineren Jena schlug der hohe Studentenanteil stärker zu Buche. Jenas Studenten tranken, rauchten und schlugen sich, so die gängigen Urteile.) Um modische Romane zu publizieren, war Leipzig 1708 der beste Ort – unklar bleibt, ob Rost für das modische Leben der Stadt viel übrig hatte.
In Leipzig vollendete er – das offenbart der Druckort – die Liebenswürdige und Galante Noris (Leipzig: J. L. Gleditsch / M. G. Weidmann, 1711), einen Roman, der theoretisch das Terrain aktueller bürgerlicher chronique scandaleuse betrat. Tatsächlich nutzte er das skandalträchtige Genre für ein fragwürdiges Kontrastprogramm. Nürnberg, Rosts Heimatstadt, erwies sich dort, wo Leipzig, Jena, Halle und Hamburg von Studenten dem Spott der Auswärtigen preisgegeben wurden, als Ort der Tugenden. Gleditsch scheint wenig Grund gesehen zu haben, die Veröffentlichungen voranzutreiben. Am 18. Januar 1710 unterzeichnete Meletaon die Vorrede der Noris, doch konnte er am 18. Juni dem noch eine Attacke auf Sarcander hinzufügen, der soeben in einem kurzen Roman sich seiner Verführungskünste zu Lasten einer jungen Dame gebrüstet hatte – offenkundig fehlte es der Noris an Brisanz. Der Titel kam dessen ungeachtet erst mit dem Druckjahr 1711 in den Handel und fand nie eine zweite Auflage.
Es ist unklar, was Rost 1709 seinen Studienort nach Jena verlegen ließ. Der postume biographische Artikel Doppelmayers notiert, dass er sich in Jena der Mathematik und der Naturphilosophie zuwandte – kein Zweifel kann daran bestehen, dass er sich überdurchschnittliche Kenntnisse in diesen Fächern aneignete: Er publizierte später auf beiden Gebieten auf hohem fachlichem Niveau. In Jena unterrichtete Georg Albrecht Hamberger (1662–1718), der Nachfolger Erhard Weigels (1625–1699). Wenn man jedoch Rosts schriftstellerische Tätigkeit auf publizierte Seiten pro Jahr herunterbricht, dann kommt man auf Volumina von weit über 1.000 jährlichen Seiten – Zeit zu studieren blieb da kaum, es sei denn, Rost genoss kein weiteres Leben außerhalb der Schreiberei und des Studiums. Hierfür spricht viel.
In seinem 1713 veröffentlichten Briefsteller lässt Rost durchblicken, dass er keine Kontakte zum Frauenzimmer der Stadt schloss. Im selben Buch findet sich zudem ein Brief zu den Vorzügen Jenas als Studienort mit dem Lob, dass die Studenten hier „als Brüder“ zusammenlebten: Es „wird keiner vor dem andern eine Præcedentz suchen, ob schon an Vornehmen eben so große Anzahl als Geringen daselbst zu gegen.“ Rost lobt im selben Brief die Freizeitgestaltungen zu denen Jena einlud, und notierte, dass er für sie wenig zeit fand.