An diesem Tag

Johann Ladislaus Dussek

Tschechischer Pianist und Komponist

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Johann Ladislaus Dussek, auch Johann Ludwig Dussek; tschechisch: Jan Ladislav Dussek; französisch: Jean Louis Dussek; ursprüngliche böhmische Schreibung: Dussik; neueres Tschechisch: Dusík (* 12. Februar 1760 in Čáslav in der Region Mittelböhmen; † 20. März 1812 in Saint-Germain-en-Laye bei Paris) war ein böhmischer Pianist und Komponist. Dussek ist die Eigenschreibung des Komponisten und die Normalform in der deutsch- und englischsprachigen Fachliteratur; der Eintrag im Taufbuch lautet auf Wenceslaus Joannes Dussik.

Johann Ladislaus Dussek ist nicht identisch oder verwandt mit dem böhmischen Pianisten und Komponisten Franz Xaver Duschek (tschechisch: František Xaver Dušek).

Johann Ladislaus Dussek war der erstgeborene Sohn des Musiklehrers Johann (Jan) Josef Dusík (* 1738 in Mlazowitz (Mlazovice) bei Neupaka, † 1818 in Tschaslau) und der Harfenistin Veronika, geborene Štěvetová (1735–1807). Sein Vater war bis 1808 Chordirektor und Organist in Tschaslau. Ein Onkel von Johann Ladislaus Dussek war Wenzel Georg Dussek (Dusik) (1751–1815), Organist in Olmütz, Kantor in Großbirtesch und Mohelno, dessen Nachkommen bekannte Organisten in der Brünner Gegend in Mähren waren. Seine Tante Katharina Viktoria (* 1769 in Tschaslau, † 1833 in London), verehelichte Cianchettini, konzertierte als Sängerin, Pianistin und Harfenistin.

Seine musikalische Erziehung erhielt Johann Ladislaus als Chorknabe in der Kirche der Minoriten im mährischen Iglau und besuchte die Jesuiten-Seminare in Čáslav und zum überwiegenden Teil in Kuttenberg. Von 1776 bis 1778 besuchte er das Neustädter Gymnasium – dasselbe wie rund einhundert Jahre später Gustav Mahler – und studierte danach an der Karls-Universität Prag für ein Semester Theologie und Philosophie. In Kuttenberg erhielt er eine erste Anstellung als Organist und wurde Klavierlehrer der Kinder des Statthalters. Von hier ging er nach Mechelen, wo für den 16. Dezember 1779 ein öffentliches Konzert nachgewiesen werden kann. Bei weiteren Konzertreisen nach Amsterdam und Den Haag erntete er als Pianist stürmischen Beifall. Zu dieser Zeit entstanden erste, für Vortrag und Veröffentlichung geeignete Werke, u. a. ein erstes Klavierkonzert B-Dur (C. 1), dessen Komposition um 1779 nachgewiesen ist, das heute jedoch als verschollen gilt. Ebenfalls in diese Zeit fällt die Komposition der drei Klavierkonzerte (C-Dur, E-Dur, G-Dur) op. 1 Nr. 1–3 (C. 2–4); die Werke lagen 1783 zur Veröffentlichung vor.

1782/83 traf Dussek möglicherweise mit Carl Philipp Emanuel Bach in Hamburg zusammen. In diesem Zeitraum trat er als Pianist und Komponist auch in Berlin und anderen umliegenden Städten mit großem Erfolg in Erscheinung, sowohl auf dem Pianoforte als auch auf der Glasharmonika.

Ernst Ludwig Gerber (1746–1819) berichtet von einem Konzertbesuch aus jener Zeit in seinem Historisch-biographischen Lexikon: „Mit Vergnügen erinnere ich mich noch, 1783 zu Cassel Zeuge von der außerordentlichen Fertigkeit, Präzision und Geschwindigkeit beider Hände dieses großes Künstlers auf dem Pianoforte und seines gelehrten und einsichtsvollen Spiels auf der Klavierharmonika gewesen zu sein.“

Noch im selben Jahr spielte Dussek in St. Petersburg vor Katharina der Großen. Er musste jedoch aus Russland fliehen, da ihm die Beteiligung an einem geplanten Anschlag auf die Zarin vorgeworfen wurde. Danach erhielt er für zwei Jahre eine Anstellung als Kapellmeister des Fürsten Karol Stanisław Radziwiłł (1734–1790) auf dessen Schloss in Njaswisch, wo der Fürst ein Orchester- und Opernensemble unterhielt. Dussek ging dort eine heimliche Liaison mit der Frau von Radziwiłłs Bruder, Hieronim Wincenty Radziwiłł ein, der Prinzessin Sophie Friederike von Thurn und Taxis. Am 17. Januar 1784 floh sie mit Dussek über die preußische Grenze bis nach Tilsit. Karol Stanisław Radziwiłł berichtete darüber am 25. Januar in einem Brief. Von dort reisten sie weiter nach Hamburg, von wo die Fürstin jedoch allein nach Regensburg zu ihrer Familie ging und sich mit ihrem Gatten wieder versöhnte.

Um 1786 zog Dussek nach Paris, nachdem er während der zwei Jahre zuvor erfolgreich in mehreren deutschen Städten konzertiert hatte. Von 1786 bis 1789 war er als Pianist, Komponist und Pädagoge in Paris tätig, wo er ein Freund des französischen Königspaares und vieler anderer französischer Persönlichkeiten war. Er verkehrte auch im Salon des Pierre-Augustin Caron de Beaumarchais. Nur einmal besuchte er seinen Bruder Franz Josef Dussek (* 1765 in Tschaslau, verstorben nach 1816 in Sittich in der Krain/Jugoslawien), u. a. Korrepetitor und 1798 Militärkapellmeister in Venedig. 1788 führte ihn eine Konzerttournee durch mehrere Städte in Italien, u. a. nach Mailand. Bekannt wurde das Gerücht, Marie-Antoinette habe ihn mit allen möglichen Mitteln von dieser Konzertreise abzuhalten versucht.

1789 übersiedelte Dussek noch vor dem Ausbruch der Französischen Revolution in die britische Hauptstadt London, die damals als eines der aufstrebenden Musikzentren Europas galt. Dussek lebte über ein Jahrzehnt in London. Sein erstes dokumentiertes Konzert als Pianist, bei dem er auch eigene Kompositionen vortrug, erfolgte am 1. Juni 1789 in den Hanover Square Rooms. Dabei erntete er großen Beifall und stellte damit die Weichen für seine weitere Karriere. Er trat in Konzerten des Impresarios Johann Peter Salomon auf (1791 und 1794), lernte durch diesen auch Joseph Haydn kennen, mit dem er auch konzertierte. Haydn war der einzige Wiener Meister, der jemals Kontakt zu Dussek hatte. Zwischen den beiden bestand offenbar ein freundschaftliches Verhältnis, denn später lobte der alte Meister Dussek in einem Brief an dessen Vater als „aufrechtesten Mann des Anstands, der Kultur und, im Bereich der Musik, als exzellentesten von allen“.

Innerhalb dieser Jahre stieg Dussek zu einem überaus erfolgreichen Pianisten auf. Seine Konzerte müssen beim Publikum einen tiefen Eindruck hinterlassen haben, trotz der nicht zu unterschätzenden Konkurrenz von Haydn, Ignaz Josef Pleyel und Muzio Clementi. Zu diesen Männern, insbesondere zu Clementi, entwickelte Dussek ein freundschaftliches Verhältnis; ihm widmete er seine Klaviersonate op. 10 Nr. 1 (C. 60) in A-Dur. Besondere Erfolge erzielte er vor allem mit seinem pianistischen Lehrwerk Instructions on the Art of Playing the Piano Forte or the Harpsichord (Verlag Corri, Dussek co., London, 1796), das bald ins Französische und Deutsche übersetzt wurde (Méthode pour le piano forte (Paris, chez Mad. Duban) bzw. Pianoforteschule (Leipzig, Breitkopf & Härtel)). Seine Erfolge weckten auch bei Verwandten einiges Vertrauen: Seine Schwester Veronika (1769–1833) besuchte ihn z. B. während seiner Zeit in London. Sie kehrte nie wieder in ihre Heimat zurück, da sie einen englischen Musikalienhändler heiratete und ein gesichertes Leben in der britischen Hauptstadt führen konnte.

Vielleicht war Johann Ladislaus Dussek der Geliebte, mit dem die Harfenistin Anne-Marie Krumpholz, Frau des Harfenisten Jean-Baptiste Krumpholz, gegen Ende der 1780er Jahre nach London floh. 1792 heiratete Dussek dort die vormalige Schülerin und erfolgreiche Sängerin, Pianistin und Harfenistin Sophia Corri (1775–1831).

Mit seinem Schwiegervater Domenico Corri (1746–1825) betrieb er ab 1794 den Musikverlag und Musikalienhandel Corri, Dussek & co, den Corri allein bereits seit 1779 in Edinburgh und seit 1790 in London geführt hatte. Zum englischen Klavierhersteller John Broadwood baute er ein sowohl geschäftliches, als auch freundschaftliches Verhältnis auf. Er war es, der den Klavierbauer zwischen 1789 und 1794 veranlasste, den Tastenumfang der Klaviatur der Broadwood-Instrumente zuerst von 5 auf 5½, dann auf 6 Oktaven auszubauen, sowie auf eine größere Robustheit Wert zu legen. Einen so erweiterten Flügel besaß später auch Ludwig van Beethoven ab 1817, der ihn als Geschenk von Broadwood erhalten hatte. Auch im Bereich der Komposition tat sich die Möglichkeit zu Neuem auf: Während die Klaviersonaten nach wie vor eine überaus starke Position einnahmen, machte Dussek erste Erfahrungen mit der Bühne: Er komponierte sein einziges Drama The Captive of Spilberg (C. 155) sowie Ouvertüren zu Michael Kellys Feudal Times und Pizarro (C. 159 und 173). Außerdem schuf er hier acht seiner insgesamt siebzehn Klavierkonzerte (wobei die Werke C. 53 und 129 auch als Harfenkonzerte gespielt werden können). Große Beachtung verdient auch sein 10-teiliger programmatischer Zyklus The Sufferings of the Queen of France, der den Leidensweg Marie-Antoinettes kurz vor ihrer Hinrichtung thematisiert (C. 98).

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