An diesem Tag

Johann Kaspar Riesbeck

Deutscher Jurist, Schriftsteller, Schauspieler und Illuminat

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Johann Kaspar Riesbeck, auch Risbeck oder ähnlich (getauft 12. Januar 1754 in Höchst am Main, Kurmainz; † 8. Februar 1786 in Aarau, Schweiz), war ein deutscher Schriftsteller. Seine in der Alten Eidgenossenschaft veröffentlichten Briefe eines Reisenden Franzosen über Deutschland fanden am Vorabend der Französischen Revolution europaweit Beachtung.

Das Meiste, was über Riesbeck bekannt ist, findet sich in einem 54-seitigen Nachruf, den Johann Pezzl (1756–1823) – damals Vorleser und Sekretär des kaiserlich-königlichen Staatskanzlers Kaunitz – zwei Monate nach dem Tod des Freundes veröffentlichte.

Ein angebliches Riesbeck-Porträt zeigt in Wirklichkeit Johann Kaspar Häfeli.

Riesbecks Vater Johann Melchior (1707–1761) war laut Pezzl „ein ziemlich wohlhabender Mann, der eine kleine Manufaktur von leinenen Schnupftüchern und dergleichen Waaren hatte“. Er kam aus Soden bei Salmünster (Fürstabtei Fulda) und war der Sohn eines Tirolers. Die Mutter Maria Katharina geborene Schindling (1717–1777) stammte aus Höchst. Riesbeck hatte sieben Geschwister, von denen aber nur Maria Anna (1751–1807) das Erwachsenenalter erreichte. Mit sieben Jahren verlor er den Vater, den man gerade zum Bürgermeister vorgeschlagen hatte. Drei Wochen später schloss die Mutter eine zweite Ehe mit dem wohlhabenden Weber Matthäus Mühlfelder. Die Schwester heiratete 1770 in Höchst den italienischen Kaufmann Joseph Modest Prina.

Seine erste Schulbildung soll Riesbeck bei den Antonitern in Höchst erhalten haben. 1768 ist er als „grammaticus studiosus“ in Mainz nachweisbar. Laut Pezzl sollte er Geistlicher werden, zeigte dazu aber keine Lust. Stattdessen studierte er ab etwa 1770 an der Universität Mainz Jura. Von seinen Lehrern Schlör und Horix wurde er im Sinn der katholischen Aufklärung beeinflusst. Horix war ein Anhänger des Würzburger Kirchenrechtlers Barthel, der die Rechte der deutschen Fürstbischöfe gegenüber der Kurie und den Orden betonte. Während Horix später den Illuminaten beitrat, fehlen Belege für eine Mitgliedschaft Riesbecks. Hingegen wurde er unter unbekannten Umständen Freimaurer, wie Winkelmaß und Zirkel auf seinem Siegel zeigen. Kurze Zeit studierte er auch an der lutherischen Universität Gießen.

Pezzl berichtet: „Während dieser seiner Studierjahre, und besonders in den Herbstferien durchwanderte er alle benachbarte Gegenden seines Vaterlandes; den Rhein hinauf bis Straßburg, und hinunter bis Rotterdam. Auf diesen Wanderungen hatte ihm sein junger, hitziger Brausekopf verschiedene, zum Theil auch unangenehme, Abenteuer (…) zugezogen. Die Korrespondenten seines Vaters brachten aber die Sache allemal ins Geleise, und spedirten ihn wohlbehalten wieder nach Hause.“

Gegen Ende von Riesbecks Studien begann in Deutschland die Geniezeit. Goethe veröffentlichte den Götz von Berlichingen (1773), Lenz den Hofmeister (1774), Wagner die Kindermörderin (1776); Klinger schließlich gab der Epoche mit seinem Sturm und Drang (1776) den Namen. Die erwähnten Autoren lebten in der Nachbarschaft von Höchst, was Riesbeck ermöglichte, sie persönlich kennen zu lernen. Pezzl schreibt: „Sein empfänglicher Kopf konnte sich der nahen Glut unmöglich erwehren, fieng ebenfalls Feuer; und so schwärmte er einige Zeit in Frankfurt, Hanau, Darmstadt ec. ec. herum, machte Balladen, Mord- und Gespenster-Geschichten, und trieb Geniewesen.“ Dieser Rausch habe aber nicht lange angehalten, „ob er ihm schon eine Falte eindrückte, die er sein ganzes Leben hindurch nie wieder ganz zu verwischen vermochte.“ Riesbeck ging nach Mainz und bereitete sich auf den Staatsdienst vor. Doch die Minister Groschlag und Bentzel, auf die er seine Hoffnung setzte, verloren mit dem Tod des aufgeklärten Kurfürsten und Erzbischofs Emmerich Joseph (1774) ihre Ämter.

Riesbeck lebte nun abwechselnd in Mainz, Höchst und Frankfurt von seinem Erbe. Am letztgenannten Ort scheint er vorübergehend Sekretär des Iren Hermann Ludolf Ibbeken alias William Thompson gewesen zu sein, der Englischlehrbücher und Theaterstücke in deutscher Sprache veröffentlichte. Am Karneval von 1775 besuchte Riesbeck in weiblicher Begleitung einen Ball in Mainz. Da gab ein geistlicher Libertin „zu einer Scene Anlaß, in der Risbecks Temperamentshitze und Eifersucht bis zur derben Thätlichkeit gegen den Domherrn ausbrach.“ Dieser Zwischenfall soll ihn gezwungen haben, Mainz zu verlassen.

1775–1777 lebte Riesbeck in Wien. Laut Pezzl beabsichtigte er zuerst, „sich unter seinen dortigen Landsleuten Freunde zu machen, und sich um eine Stelle bei der Reichshofrathskanzlei zu bewerben“. Letzteres führte aber nicht zum Erfolg – sofern er den Plan nicht selbst wieder aufgab.

Pezzl fährt fort: „Nachdem er einige Zeit in Wien privatisirt, schwur er endlich zum Altar Thaliens, und bestieg unter der Direktion des Hrn. Moll das Theater an dem Kärnthnerthor. Er spielte in Komödien, Tragödien, und Pantomimen: seine Rollen waren Könige, Prinzen, Minister, Liebhaber. (…) Auch schrieb er nun für die Bühne; bearbeitete ein paar englische Stücke für das deutsche Theater, so wie er auch ein paar Singspiele aus dem Französischen für ebendiesen Gebrauch zuschnitt. Auf dem Theater selbst hab ich Risbecken nicht gesehn; aber nach der Art zu urtheilen, wie er mir manchmal einzelne Stellen auf seiner Stube vordeklamirte, muß er im komischen Fach kein schlechter Schauspieler gewesen sein.“

In Wien machte Riesbeck die Bekanntschaft des Schauspielers Karl Starke. Laut Pezzl trieb dieser „politische Kannegießerei“ und erweckte dadurch in Riesbeck eine Neigung zum „stat(ist)ischen und politischen Studium“. Im Frühjahr 1777 hätten die beiden in Prag erfolglos über ein Engagement verhandelt. Auf der Weiterreise seien sie in Linz auseinandergegangen, wo Riesbeck darauf mehr als ein halbes Jahr als Privatier gelebt habe. In der Absicht, nach Italien zu reisen, sei er im Dezember 1777 nach Salzburg gekommen. Dort sei er dann geblieben, weil ihm „die schöne Gegend, und die wohlfeile Art zu leben“ gefallen hätten.

In Salzburg regierte der aufgeklärte Erzbischof Colloredo. Riesbeck lernte dort den zwei Jahre jüngeren Jurastudenten Pezzl kennen. Pezzl schreibt über Riesbecks damalige Situation: „Er lebte für sich, ohne alle bestimmte Beschäftigung; und da frischte er seine (…) Kenntnisse in den schönen Wissenschaften wieder auf, las fleißig die neu erscheinenden Schriften, und trieb mit mehr Eifer das statistische, politische und historische Studium. Es erschienen nach dem Tode des bayerschen Kurfürsten Maximilian eine Menge politischer Blätter. Risbeck schrieb auch ein paar, die einen ausserordentlich guten Abgang hatten. Eine(s) davon hieß ungefähr: Gedanken über das Benehmen des preußischen Hofes (…) und war die Fortsetzung einer in Wien erschienenen Schrift.“

Wahrscheinlich in Salzburg begann Riesbeck, der in jüngeren Jahren auch Gedichte verfasste, eine dramatische Posse in Versen mit dem Titel Die keusche Susanne.

Dass der Stiefvater nach dem Tod der Mutter das Elternhaus erwarb, hielt Riesbeck noch einmal zwei Jahre über Wasser. Dann teilte ihm die Schwester mit, mit der nächsten Post erhalte er zum letzten Mal Geld. Pezzl schreibt: „Also mußte er auf eigenen Erwerb denken, und wählte dazu das mühsame und undankbare Geschäft eines Schriftstellers.“

Laut Pezzl war es der Buchhändler Karl Friedrich Walliser, der Riesbeck auf den Gedanken brachte, eine Fortsetzung der Briefe über das Mönchswesen zu schreiben. Diese hatten bei ihrem Erscheinen 1771 Furore gemacht. Pezzl dazu: „Sie waren das erste gut geschriebene Buch in Deutschland (…) das die Betrügereien, die Habsucht, Stupidität, Faulheit, den Verfolgungsgeist der Mönche in ihrer ganzen Blöße aufdeckte (…) es veranlaßte mehr ähnliche Schriften; der Kredit der Kapuzen fieng an zu sinken; und dieß war (…) der erste Schritt zu der heilsamen Revolution, die das Mönchswesen in dem aufgeklärten Deutschland in unsern Tagen betroffen hat“. Als Autor sei allgemein Georg Michael von La Roche (1720–1788) angesehen worden, der darum das Amt des kurtrierischen Regierungskanzlers verloren habe. La Roche habe aber bloß dem wirklichen Verfasser Johann Jakob Brechter (1734–1772) die Idee und Materialien zu dem Buch geliefert.

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