Johann Kahler, auch Johannes Kahler, Johannis Calerus (* 18. Januar 1649 in Wollmar; † 17. Mai 1729 in Pyrmont) war ein deutscher Mathematiker und lutherischer Theologe und Universitätsprofessor in Rinteln.
Johann Kahler wurde als Sohn des auch als Gerichtsschöffe fungierenden Landwirts Johann Hermann Kahler (* 1611 in Wollmar; † 1704 ebd.) und dessen Frau Catharina Johanna Wacker (* Münchhausen) geboren. Er besuchte zunächst die dortige Dorfschule, bekam zusätzlichen Privatunterricht in Fronhausen und besuchte schließlich die Lateinschulen in Battenberg und Münchhausen.
Ab etwa 1660 besuchte er das Pädagogium Marburg und ab 1664 die Universität Marburg. Seine prägenden Lehrer wurden hier Abraham Boots (* 27. September 1628 in Bremen; † 11. Oktober 1673 in Marburg) in Metaphysik, Johannes Magirus (* 27. November 1615 in Frankfurt/Oder; † 11. Februar 1697 in Marburg) in Mathematik, Cyriakus Lentulus (auch Lentz; * 1609 in Elbingen/Preußen; † 27. September 1678 in Marburg) in Poetik, griechischer Sprache, sowie Kirchengeschichte und von Johann Engelhard Steuber der Ältere (* 11. Juni 1618 in Gießen; † 26. Februar 1683 in Marburg) erhielt er sein theologisches Rüstzeug.
Im April 1668 wechselte er an die Universität Gießen, wo Kilian Rudrauff (* 17. Juli 1627 in Schotten; † 15. September 1690 in Gießen) in Logik und Metaphysik, Peter Haberkorn in Theologie, Philipp Ludwig Hanneken in Rhetorik und hebräischer Sprache, sowie Michael Siricus (* 2. Dezember 1628 in Lübeck; † 24. August 1685 in Güstrow) und Johann Nikolaus Misler in Theologie und hebräischer Sprache zu seinen Lehrern zählten. Am 29. Juni 1670 erwarb er in Gießen den akademischen Grad eines Magisters der Philosophie und lehrte danach als Privatdozent.
Als akademischer Tutor beaufsichtigte er einen jungen Grafen Görz und vier schwedische Edelleute und hielt philosophische Vorlesungen. In diesen vertrat er als einer der Ersten an einer deutschen Universität die Positionen cartesianischer Philosophie bei scharfsinniger Kritik der Fundamente der bisherigen Schulphilosophie. Unter seinen anfänglich zahlreichen Gegnern war der Gießener Professor der Theologie, Peter Haberkorn, der entschiedenste, während andere sich zunehmend aufgeschlossener zeigten.
Am 3. Mai 1677 wurde Kahler außerordentlicher Professor für Metaphysik und am 1. Dezember desselben Jahres erhielt er den Lehrstuhl für Logik an der Universität Rinteln. Am 26. Februar 1678 wurde er zudem ordentlicher Professor für Mathematik und am 4. Januar 1683 auch noch für Theologie. Nachdem er dort am 20. September 1683 zum Dr. theol. promoviert worden war, wurde er 1697 zum Primarius (1. Professor) für Theologie und zum ehrenamtlichen Universitätsbibliothekar ernannt. Am 17. Mai 1729 starb er als Rector Maginificus während eines Aufenthaltes auf seinem Landgut in Pyrmont, wo er auch begraben wurde.
Johann Kahler war eine herausragende Persönlichkeit der Universität in den Zeiten nach dem Dreißigjährigen Krieg. Er lehrte mehr als 52 Jahre in Rinteln, war unter anderem für sein phänomenales Gedächtnis bekannt und wohnte im Eckhaus Klosterstraße 31. Die „Kahlergasse“ in Rinteln erinnert bis heute an ihn.
Kahler verheiratete sich mit Anna Margaretha Judenherzog (* 25. Februar 1668; 1734 in Pyrmont), Tochter des waldeckischen Rentmeisters Bernhard Judenherzog. Aus der Ehe gingen zehn Kinder hervor, wovon vier Töchter und zwei Söhne den Vater überlebten. Von den Kindern kennt man:
Georg Ludwig Kahler, Arzt und Theologe
Bernhard Christian Kahler († 24. Februar 1736 in Schlangen)
Anna Margarethe Kahler († 1732 Pyrmont)
Catharina Magdalena Kahler verh. Bodener und Groeling
Johann Samuel Kahler († 10. August 1771 Detmold), Postsekretär in Herford
Diss. de intelligentiis. Gießen 1669 (Präside Mag. Thomas Theodor Cruse)
Diss. de praedicatione personali. Gießen 1672 (Resp. Johann Peter Moss)
Diss. philos. de motu terrae. Gießen 1672 (Resp. Johann Justus Neander)
Diss. de paradoxa Cartesii philosophia. Gießen 1673 (Resp. Johann Joel Milchsack)
Diss. de astromantia. Gießen 1674 (Resp. Johann Daniel Köppel)