An diesem Tag

Johann Joseph Couven

Barock-Baumeister

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Johann Joseph Couven (* 10. November 1701 in Aachen; † 12. September 1763 ebenda) war ein deutscher Architekt und Baumeister des Barocks und des Rokokos. Dabei zeichnete er sich nicht nur verantwortlich für den Bau repräsentativer Bürgerhäuser, Schlossanlagen und Kirchen, sondern war zudem auf dem Gebiet der Innenarchitektur und der dekorativen Kunst tätig. Darüber hinaus arbeitete er zeitweise als Feldvermesser und entwickelte geodätische Vermessungsgeräte. Couven wirkte hauptsächlich im Städtedreieck Aachen, Lüttich, Maastricht.

Die Familie Couven nannte sich ursprünglich de Couves und stammte aus dem etwa 20 km von Aachen entfernten belgischen Ort Clermont-sur-Berwinne. Seit dem 16. Jahrhundert waren sie in Aachen ansässig und der Junker Jakob Couven wurde 1575 ebendort geboren. Einer seiner Enkel war Johann Jakob Couven (zwischen 1656 und 1660–1740), der in zweiter Ehe mit Maria Agnes von Baexen (1672–1732) verheiratet war. Dieser war zunächst Sekretär beim spanischen Gesandten in Wien und erster Ratssekretär sowie seit 1694 Gerichtsprokurator (Notar) in Aachen. Die Quellen lassen offen, ob Johann Jakob Couven möglicherweise auch als städtischer Architekt eingesetzt und mit Bauplanungen für die Stadt betraut war, um die Baulücken zu schließen, die noch Jahrzehnte nach dem verheerenden Stadtbrand von Aachen im Jahr 1656 vorhandenen waren.

Das Ehepaar Couven-von Baexen bekam 1701 den Sohn Johann Joseph Couven, der 1731 Maria Dorothea Gertrudis Mesters (1705–1779) aus Maastricht heiratete. Das Paar hatte zwei Söhne und vier Töchter. Während der ältere Sohn, Johann Wilhelm Couven (1732–1796), im Jahr 1785 vom Kurfürsten zu Trier, Clemens Wenzeslaus von Sachsen, zum Hofkammerrat ernannt wurde, setzte der jüngere, Jakob Couven (1735–1812), der ohne Nachkommen blieb, später die Arbeit seines Vaters als Aachener Baumeister fort.

Johann Joseph Couven besuchte ebenso wie schon sein Vater das Jesuitengymnasium in Aachen, über die Wahl seiner anschließenden Ausbildungsgänge und -orte sowie eventuell durchgeführter Studienreisen ist nichts Konkretes überliefert. Dabei ist anzunehmen, dass er als angehender Architekt sowohl von seinem in der Stadtverwaltung tätigen Vater als auch besonders von dem Baumeister und Architekten Laurenz Mefferdatis geschult und geprägt wurde. Mehrfach wurde Couven von dem 24 Jahre älteren Mefferdatis in dessen Bauprojekte mit einbezogen und er entwarf für ihn eigenverantwortlich zunächst meist die Pläne für die Inneneinrichtungen und Innenausstattungen. In späteren Jahren erhielt Couven zuweilen den Auftrag, an den Mefferdatis-Bauten zeitgemäße Um- und Anbauten vorzunehmen. Ebenso hatte der westfälische Baumeister und Architekt Johann Conrad Schlaun maßgeblichen Einfluss auf Couven, in dessen Planungsteam Couven ebenfalls mehrfach mitwirkte. Darüber hinaus studierte und kopierte Couven die Skizzenblätter, Grundrisse und Gartenanlagen des französischen Architekten François Blondel, die zu seiner eigenen Stilfindung wesentlich beitrugen.

Ab etwa Mitte der 1730er-Jahre unterzeichnete Johann Joseph Couven seine Pläne mit dem Zusatz „Ingenieur-Architekt“, womit er sich nicht zufriedengab und daher den Antrag bei der Stadt stellte, ihn offiziell als Stadtarchitekten zu übernehmen. Diesem Antrag wurde stattgegeben und Couven am 29. August 1739 zum ersten Stadtarchitekten ernannt und 1742 zum Ratssekretär befördert. Dies bedeutete jedoch keine Festanstellung im üblichen Sinne, sondern lediglich, dass er für städtische Aufträge bevorzugt herangezogen werden konnte. Gleiches galt für das Amt des Ratssekretärs, welches ihn befugte, bei Bedarf an für ihn wichtigen Sitzungen teilzunehmen. In diesem Zusammenhang gehörte es unter anderem zu seinen Pflichten, Fürsten, Königen und Kaisern bei ihren Besuchen in der Stadt eine eindrucksvolle Stadtbesichtigung zu bieten, wodurch sich für Couven wichtige Kontakte für spätere Bauvorhaben ergaben. Darüber hinaus wurde Couven als Mitglied des Stadtrates beauftragt, die Feierlichkeiten in Aachen anlässlich der Krönung von Kaiser Franz I. Stephan in Frankfurt am Main mit einer opulenten Illumination und einem abschließenden Feuerwerk an zentralen Plätzen der Stadt zu gestalten.

Schwerpunktmäßig war Couven als freier Architekt vorrangig in Aachen tätig, sowie unter anderem in Burtscheid, Geilenkirchen, Düsseldorf, Lüttich, Eupen und in weiteren Orten des benachbarten Herzogtums Limburg. Im Jahr 1752 wurde Couven von dem amtierenden Fürstbischof von Lüttich, Johann Theodor von Bayern, der Titel „Architekt des Fürstbischofs von Lüttich“ für seine verdienstvolle Arbeit für das Hochstift verliehen.

Ende der 1750er-Jahre litt Couven zunehmend an gesundheitlichen Problemen, was dazu führte, dass sein von ihm ausgebildeter und geförderter und noch nicht einmal 30-jähriger Sohn Jakob verstärkt in die aktuellen Bauvorhaben einbezogen wurde und diese größtenteils weiterführte und zum Abschluss brachte.

Schließlich erlag Johann Joseph Couven am 12. September 1763 seinen langjährigen Erkrankungen.

Zu Ehren Couvens wurde in Aachen und in Düsseldorf eine Straße und in Eupen ein Platz nach ihm benannt sowie in Aachen das Couven-Museum, das Couven-Gymnasium und die Couvenhalle der RWTH Aachen in der Kármánstraße, dem ursprünglichen Sitz des Couven-Gymnasiums.

Johann Joseph Couven hat durch seine große Schaffenskraft als Baumeister und Architekt sowie als Techniker und Einrichtungskünstler die Stadt Aachen wie kaum ein anderer geprägt. Die von ihm geschaffene neue Infrastruktur, die nach seiner Vorstellung entworfenen oder ergänzten Kirchenbauten mit ihren üppigen Ausstattungen und imposanten Hochaltären sowie seine Gestaltung ganzer Häuserzeilen und repräsentativer Stadtvillen haben im 18. Jahrhundert vor allem Aachen einen enormen Bauboom gebracht und das Stadtbild grundlegend verändert. Dabei eignete sich Couven die Kenntnisse und Fertigkeiten anderer etablierter Baumeister seiner Zeit an und entwickelte daraus seinen ihm eigenen Stil, der in Aachen als so genannter „Couvenstil“ bezeichnet wird, was andere Baumeister dazu animierte, ihre Bauten ebenfalls im „Stil à la Couven“ zu errichten. Dabei orientierte sich Couven bis etwa 1745 vorrangig an dem französisch geprägten Régencestil und wechselte sodann zum allgemein bevorzugten Rokokostil.

Durch die jahrelange Zusammenarbeit zwischen Johann Joseph Couven und seinem Sohn Jakob entwickelten sich stilistische Ähnlichkeiten, sodass nicht immer ersichtlich ist, wem die späteren Bauten faktisch zugeschrieben werden müssen, zumal die zahlreichen Planskizzen oftmals unzureichend signiert sind. Vor allem in den letzten Lebensjahren des Vaters sowie nach dessen Tod hat Jakob Couven immer öfters die laufenden Bauaufträge des Vaters komplettiert und zum Abschluss gebracht, bevor Jakob dann etwa ab der Jahrhundertwende ebenfalls einen Stilwandel in Richtung Empire vollzog.

Die oftmals zeitgleiche Verwirklichung mehrerer bedeutender Großbauten konnte nur gelingen, da sich Johann Joseph Couven der Unterstützung sowohl der Stadt Aachen als auch einflussreicher Kurfürsten sowie vermögender Privatleute und Unternehmer sicher war. Damit konnte er die besten Bautrupps und Bauleiter sowie Spezialisten wie beispielsweise Kunstschreiner und Stuckateure anfordern und selbst zwischen den einzelnen Baustellen pendelnd die Oberaufsicht führen.

Ein Großteil der Couven-Bauten und Innenausstattungen wurden im Laufe der Jahrhunderte vor allem durch Kriege zerstört und konnten größtenteils nicht wieder im alten Stil erbaut oder restauriert werden. Dennoch ließen sich einzelne Häuserfassaden oder Anbauten wie beispielsweise der Couvenwandbrunnen oder Teile von Inneneinrichtungen retten und zwischenzeitlich als Ganzes oder in Teilen translozieren. Außerdem lassen sich unter anderem im Couven-Museum und im Suermondt-Ludwig-Museum Aachens sowie im Stadtarchiv Aachen zahlreiche Skizzenblätter und Planzeichnungen der Werke Couvens finden, ebenso wie solche von verschollenen oder nicht zur Ausführung gekommenen Bauvorhaben.

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