An diesem Tag

Johann Herberger

Deutscher Fußballspieler

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Johann Heinrich Herberger (* 9. November 1919 in Wiesental, heute zu Waghäusel; † 13. Juni 2002 in Altbach) war ein deutscher Fußballspieler und -trainer. Als Spieler war Johann Herberger während der 1940er und 1950er Jahren bei diversen Vereinsmannschaften aktiv und wurde Deutscher Vizemeister. Als Trainer war er in New York für verschiedene amerikanische Auswahlmannschaften verantwortlich und trainierte 1964 die US-amerikanische Fußballnationalmannschaft. Er war ein Neffe des Reichs- und Bundestrainers Sepp Herberger.

Johann Heinrich Herberger wurde als achtes Kind seiner Eltern Josef Herberger (1882–1953) und Emma Herberger (1892–1951) in Wiesental geboren. Herbergers Vater war als Fabrikarbeiter im nahe gelegenen Mannheim beschäftigt, seine Mutter arbeitete in der Zigarrenherstellung im lokalen Tabakgewerbe. Nach der Volksschule begann Herberger einen kaufmännischen Angestelltenberuf bei der deutschen Reichsbahn. Er war Neffe zweiten Grades von Reichs- und Bundestrainer Sepp Herberger. Sepp Herbergers Vater stammt aus Johann Herbergers Geburtsort. Aufgrund seiner verwandtschaftlichen Beziehung zum Reichs- und Bundestrainer wurde er selbst auch oft „Seppl“ genannt sowie in Anlehnung seiner markanten, roten Haare „Roter Herberger“.

Herberger begann siebenjährig mit dem Fußballspielen. Beim FV 1912 Wiesental, dem in seinem Geburtsort ansässigen Fußballverein, durchlief er bis zum 16. Lebensjahr alle Altersklassen, gewann mit der A-Jugend die Kreismeisterschaft, ehe er 1936 von Phönix Karlsruhe verpflichtet wurde.

Seine erste Spielzeit im Seniorenbereich bestritt er in der zweitklassigen Bezirksliga, in die die Karlsruher zuvor abgestiegen waren; der Aufstieg in die Gauliga Baden, der seinerzeit höchsten deutschen Spielklasse, erfolgte nach nur einjähriger Abstinenz 1937. Im Herbst 1937 absolvierte er mit 17 Jahren drei Gastspiele für den VfL Neckarau in der Gauliga Baden, wo er als „Mittelstürmer […] bei zunehmender Spieldauer mehr und mehr abfiel“. Zu Ostern 1938 unternahm Herberger mit Phönix Karlsruhe eine Gastspielreise nach Sachsen (0:2 gegen Guts Muts Dresden, 0:4 gegen Planitzer SC und 4:7 gegen Chemnitzer BC). 1938 nahm nun auch Herberger erstmals am deutschen Pokal teil, in dem Karlsruhe gegen den VfB Stuttgart auf dessen Platz auf dem Wasen früh ausschied (1:7).

Herberger etablierte sich 1938 zum Stammspieler der Blau-Schwarzen: Als „rechter Verteidiger wurde Herberger eingesetzt. Diese Maßnahme hat sich bewährt, denn Herberger war seiner Aufgabe gewachsen und hat durch seinen Einsatz viel zum Sieg beigetragen“. Die letzte Vorkriegssaison endete für die Karlsruher mit einer Bilanz von 5 Siegen, 5 Remis und 8 Niederlagen auf dem siebten Tabellenplatz. Im Juni 1939 gastierte Lazio Rom bei Phönix (0:2): „In der Verteidigung ragte Herberger hervor“, schrieb die Badische Presse zum Spiel, trotz seines „Fehlschlags“, der zum 0:2 führte.

Nach dem Kriegsausbruch im September 1939 blieb Herberger zunächst in Karlsruhe, wo er mit seinem Verein zu den hiesigen Stadtmeisterschaften antrat und diese am 15. Oktober im Finale gegen Südstern Karlsruhe vor nur 300 Zuschauern im heimischen Stadion mit 5:3 gewann. 10 Tage später wurde Herberger als Soldat registriert und in ein Bau-Bataillon eingezogen. „Der Kriegsausbruch hat uns, wie wohl selten einen Verein sozusagen das gesamte Spielermaterial unserer ersten Mannschaft genommen. Der Umstand, dass dieser oder jener der Soldaten (vor allem […] der stets mit vollem Einsatz kämpfende Johann Herberger […] ) uns ab und zu zur Verfügung stehen, hat dazu beigetragen, bis jetzt zufriedenstellende Resultate zu erzielen, und wollen wir hoffen, dass auch für die Folge uns ein gewisser Spielerstamm noch bleibt“, klagte Professor Karl Wegele, Vorsitzender des Karlsruher Traditionsvereins und früherer Nationalspieler über die Umstände nach dem Kriegsausbruch. Am 19. November begann schließlich erst mit Verzögerung die aufgrund verkehrstechnischer Herausforderungen auf fünf regionale Staffeln verteilte Gauligameisterschaft in Baden. Am 25. November trat Herberger als Spieler bei Phönix wieder in Erscheinung (beim 2:3 gegen den Karlsruher FV).

Schon bald drängten die Probleme um den Einsatz der knappen und in anderen Regionen abkommandierten Spieler nach einer Flexibilisierung des Spielrechts. Die Antwort darauf war ein pragmatisches Gastspielrecht, dass jedem Soldaten erlaubte, für die hiesigen Vereine zu spielen, ohne seinen Stammverein formell verlassen zu müssen. Aufgrund der häufig wechselnden Stationierungen Herbergers, war er fortan bis zum Ende des Krieges für verschiedene Vereine aktiv.

Gastspieler in Hessen: Frankfurt, Kassel und Anspach

Im Dezember 1939 und am 7. Januar 1940 bestritt Herberger vier Punktspiele, in denen ihm ein Tor gelang, für die in der Sportbereichsklasse Südwest, Staffel Mainhessen, spielende Frankfurter Eintracht. Nach Herbergers ersten, enttäuschenden Pflichtspieldebüt gegen Union Niederrad (1:1) urteilte das Sportmagazin „Kicker“ am 12. Dezember 1939 kritisch: „Die neuen Leute der Eintracht: Herberger (ein Neffe des Reichstrainers) und der Warnsdorfer Wiese haben in der ungewohnten Umgebung noch nicht Tritt gefaßt“. Johann Herberger konnte im Spitzenspiel gegen die Kickers Offenbach trotz einer Leistungssteigerung nicht verhindern, dass „bereits im zweiten Punktspiel die Vorentscheidung im Meisterschaftsrennen“ zuungunsten der Eintracht fiel. Offenbach führte in der entscheidenden Partie mit 1:0. Die „Eintracht [kam] für eine Viertelstunde ins Spiel und da hatte eben Glück, einen Kopfball Herbergers aus dem leeren Tor köpfen zu können“. Nach einer umstrittenen Szene („Herberger brach durch, wurde ,gelegt‘, der Elfmeter blieb aus“) traf Offenbach zum 2:0 und 3:0. „Kurz vor der Pause wurde Herberger unsportlich behandelt. Es gab einen Elfmeter, den Herberger prompt selbst verwandelte“. Der Kicker urteilte über den jungen Badener: „Herberger, diesmal sich schon geschickter ins Eintracht-Ganze einfügend“. Die Eintracht verlor jedoch mit 1:4 vor 3.000 Zuschauern, vergab die Meisterschaft im Gau und damit die Teilnahme an der deutschen Meisterschaftsendrunde.

Beim 1:0-Sieg gegen Stadtrivalen FSV Frankfurt, am ersten Weihnachtsfeiertag des Jahres 1939, war Herberger „im Sturm […] abermals stärker und schußfroher, ein blendender Wühler“.

Nur fünf Tage nach Herbergers letzten Einsatz im Eintracht-Trikot kehrte Herberger bereits wieder zurück zu Phönix Karlsruhe, das sich in der Bereichsklasse Gruppe Mittelbaden auf dem vierten von sechs Plätzen befand. Im Spiel gegen Mühlburg, bei dem Herberger wieder mitwirkte, erreichten die „Schwarz-Blauen“ ein 2:2. Phönix Karlsruhe „verstand es […] endlich einmal, einen errungenen Vorsprung bis zum Ende zu verteidigen, denn nur auf Grund der […] Phönixabwehr in der zweiten Spielhälfte, unter Einschaltung der gesamten Läuferreihe und des Sturmführers Herberger vermochte Mühlburg keinen weiteren Treffer anzubringen“.

Im Februar 1940 schloss sich Herberger dem hessischen Gauligameister CSC 03 Kassel in der Sportbereichsklasse Hessen an. Nachdem in der Vorsaison die hessische Gaumeisterschaft zum letzten Mal eingleisig ausgespielt wurde, kam es auch in diesem Gau zu einer Spaltung in eine Nord- und Südgruppe mit jeweils sechs Mannschaften. In der Nordgruppe gelang Herbergers „Rothosen“ souverän und ungeschlagen die Meisterschaft vor dem SV 06 Kassel-Rothenditmold. Die Entscheidungsspiele um die Gauligameisterschaft Hessen konnte Kassel gegen den Meister der Südgruppe, dem 1. FC Hanau 93, für sich entscheiden. Für Kassel absolvierte Herberger von April bis Juni 1940 alle sechs Endrundenspiele in der darauffolgenden Endrunde um die deutsche Fußballmeisterschaft. Dort erreichten die Hessen jedoch nur den vierten und damit letzten Platz in der Gruppenphase hinter dem FC Schalke 04, der Düsseldorfer Fortuna und dem Mülheimer SV 06.

Zwei Monate nach dem letzten Vorrundenspiel für den CSC Kassel war Herberger im August 1940 zurück bei Phönix Karlsruhe und spielte in der ersten Runde des Tschammer-Pokals gegen den FSV Frankfurt (4:2). Nach zwei Spielen für Phönix bestritt Herberger als Gastspieler an der Seite von Ludwig Siffling ein Pflichtspiel für den SV Waldhof Mannheim (0:3 gegen VfR Mannheim). „Wohl führte sich Herberger durch einige wohlberechnete Kopfbälle gut ein und war auch sonst als Brecher und Draufgänger im Angriff wertvoll. Trotzdem vermochte es der neue Mann in der Sturmführung nicht, den Waldhofsturm zu einem flotten, raumgreifenden Angriffsspiel mitzureißen“. Mit seinem Stammverein Phönix Karlsruhe kam Herberger kurioserweise im Gegenzug zwei Wochen später, am 15. September 1940, in Karlsruhe für Phönix zum Einsatz gegen die Mannheimer und wurde nach 60 Spielminuten vom Platz gestellt. „Die Waldhöfer waren von Beginn an die technisch überlegene Mannschaft“ und gewannen das Spiel mit 6:0 vor 1.500 Zuschauern.

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