Johann Heinrich Zedler (* 7. Januar 1706 in Breslau, Fürstentum Breslau; † 21. März 1751 in Leipzig, Kurfürstentum Sachsen) war ein deutscher Buchhändler, Verleger und Herausgeber des Grossen vollständigen Universal-Lexicons Aller Wissenschafften und Künste, das sich zur umfassendsten deutschsprachigen Enzyklopädie des 18. Jahrhunderts entwickelte.
Nach einer Buchhändlerlehre gründete Zedler 1726 zunächst im obersächsischen Freiberg und dann 1727 in dem damaligen Verlags- und Buchhandelszentrum Leipzig eine eigene Verlagsbuchhandlung. Mit einer zwischen 1728 und 1733 erschienenen elfbändigen Ausgabe der Schriften Martin Luthers (sogenannte „Leipziger Lutherausgabe“, 1729–1734, 11 Bände, Registerband 1740) brachte er sein erstes größeres Verlagsprodukt auf den Markt. Als Gründungsverleger des 1731 begonnenen und zu seinen Lebzeiten auf insgesamt 64 Bände angewachsenen Universal-Lexicons geriet Zedler in einen langjährigen Konflikt mit der etablierten Leipziger Verlegerschaft und musste sein Projekt bis zur Mitte der 1730er Jahre immer wieder gegen die Klagen seiner Konkurrenten verteidigen.
Spätestens im Frühjahr 1737 erfolgte der finanzielle Zusammenbruch und der Aufkauf des fortan nur noch nominell von Zedler geführten Verlags durch den Leipziger Geschäftsmann Johann Heinrich Wolf (* 1690). Finanziert von Wolf konnte Zedler neben dem Universal-Lexicon auch andere zuvor begonnene Werke wie etwa die Allgemeine Staats- Kriegs- Kirchen- und Gelehrten-Chronicke (1733–1754, 22 Bände) fortführen. Zedlers neue Verlagswerke wie etwa das Handelslexikon Allgemeine Schatz-Kammer Der Kaufmannschafft (1741–1743, 4 Bände und 1 Supplementband), Johann Gottlieb Siegels Sammlung von Wechselordnungen Corpus Juris Cambialis (1742, 2 Bände) oder der Historisch-Politisch-Geographische Atlas der gantzen Welt (1744–1749, 13 Bände) erschienen unter dem Namen des Leipziger Verlagsbuchhändlers Johann Samuel Heinsius d. Ä. (1686–1750).
1751 und damit nur ein Jahr nach dem alphabetischen Abschluss des Universal-Lexicons (bis 1754 folgten noch vier Supplementbände) starb Zedler im Alter von 45 Jahren. Sein Name lebt in der umgangssprachlichen Bezeichnung des Universal-Lexicons fort, das heute als „der Zedler“ bekannt ist.
Herkunft, Ausbildung und erste Selbständigkeit in Freiberg
Johann Heinrich Zedler wurde 1706 als Sohn des Schuhmachers und Breslauer Bürgers Johann Zedler geboren. Vermutlich ohne vorherige gymnasiale Ausbildung begann er eine Lehre bei dem Breslauer Buchhändler Brachvogel. Anschließend wechselte er in das Unternehmen des Hamburger Buchhändlers und Verlegers Theodor Christoph Felginer und ging nach dessen Tod im Jahr 1726 ins sächsische Freiberg. Dort heiratete er im September die aus einer angesehenen Freiberger Kaufmanns- und Ratsherrenfamilie stammende, elf Jahre ältere Christiana Dorothea Richter (1695–1755), Schwester des Verlegers David Richter. Wohl durch die Mitgift seiner Frau mit den notwendigen finanziellen Mitteln ausgestattet, eröffnete er in Freiberg eine Buchhandlung. Anders als in älterer Literatur dargestellt, betätigte Zedler sich zu dieser Zeit auch schon als Verleger.
Zedler blieb allerdings nur für kurze Zeit in Freiberg. Sein Biograph Gerd Quedenbaum vermutet, dass die Bergbaustadt zu jener Zeit keinen ausreichenden Absatzmarkt für einen Buchhändler bot (die Bergakademie wurde erst 1765 gegründet) und die Standortnachteile Freibergs Zedler schließlich bewogen, sein Unternehmen schon bald wieder aufzugeben.
Eigenständiger Buchhändler und Verleger in Leipzig
Beginn der Tätigkeit in Leipzig und erstes verlegerisches Großprojekt
Bereits 1727 verließ Zedler Freiberg und ging mit seiner Frau in die Universitäts- und Messestadt Leipzig, wo sein Name noch im selben Jahr unter den insgesamt sechzehn im Leipziger Jahrbuch genannten Verlagsbuchhändlern auftaucht. Im September kündigte Zedler sein erstes Verlagswerk nach der Übersiedlung nach Leipzig an:
„Bey Johann Heinrich Zedler, Buchhändler allhier in der Grimmischen Gasse in Kerstens Hause ist kürzlich zum Vorschein kommen: Johann Gotthard Beyers, Ursprüngliche Quellen des Indifferentismi, oder Ursachen der närrischen Meynung, man kan in allen Religionen selig werden; zur Befestigung der Wahrheit und Ausrottung der Irrthümer eröffnet, und dem Druck überlassen. Leipzig 1727“
Die Anzeige erschien kurz vor Beginn der Leipziger Michaelismesse im Oktober und zielte auf die zahlreichen Messebesucher ab, die die Stadt zu diesem Termin bevölkerten. Über den Erfolg dieses Unternehmens liegen keine Nachrichten vor, Quedenbaum vermutet aber, Zedlers Kapitaldecke könne bereits zu diesem Zeitpunkt „nicht sonderlich stark“ gewesen sein.
Schon zu Beginn des Jahres 1728 erschien in dem Leipziger Blatt Neue Zeitungen von gelehrten Sachen eine weitere Verlagsankündigung, in der Zedler „Eine neue vermehrte und verbesserte Auflage der sämtlichen Deutschen Schriften und Wercke des sel. Lutheri“ anzeigte. Anders als die bisher vorliegenden Gesamtausgaben sollte die bei Zedler verlegte und von dem Leipziger Theologen Johann Gottlieb Pfeiffer angeregte Ausgabe keine chronologische, sondern eine thematische Zusammenstellung der Schriften Martin Luthers enthalten. Damit sollte das zunächst auf sieben Bände angelegte Werk für den Hochschulgebrauch geeigneter sein als alle bisher auf dem Markt befindlichen Gesamtausgaben.
Dieses erste bedeutendere Verlagsprojekt Zedlers sollte durch die im Buchhandel des 18. Jahrhunderts übliche Praxis der Pränumeration finanziert werden. Interessenten sollten die ersten zwei Teile bis zur Ostermesse 1728 vorausbezahlen („pränumerieren“) und hierfür einen Rabatt erhalten. Die Lieferung sollte dann – gegen Pränumeration auf die folgenden zwei Teile – zur Michaelismesse Anfang Oktober erfolgen. Die Besonderheit bei Zedlers Angebot war die Tatsache, dass er das Werk „um die Helffte des sonst gewöhnlichen“ herabgesetzten Preises und damit so günstig anbot, dass ein späterer Nachdruck durch andere Buchhändler unprofitabel wurde. Da Zedler auf diese Weise kaum damit rechnen konnte, ausreichende Mittel für den Druck einwerben zu können, nahm er zusätzlich einen Kredit in Höhe von 2.665 Reichstalern bei seinem Schwager David Richter auf.
Selbst Zedler scheint durch den äußerst knappen Zeitrahmen des Unternehmens verunsichert gewesen zu sein. Obwohl er den Erscheinungstermin der ersten beiden Teile auf die Michaelismesse im Oktober 1728 festgesetzt hatte, ließ er sicherheitshalber die Jahreszahl 1729 auf das Titelblatt drucken. Trotz aller Unsicherheiten gelang es ihm aber, den genannten Liefertermin einzuhalten. Vierzehn Tage vor Messebeginn erklärte er sich per Inserat bereit, auch noch nachträgliche Pränumerationen entgegenzunehmen. Damit war ihm innerhalb eines Jahres der Aufbau eines Verlagsbuchhandels gelungen, der mit den Lutherschen Schriften ein erfolgversprechendes Produkt im Sortiment führte.
Die einzelnen Bände der Lutherausgabe – wie auch diejenigen späterer Verlagswerke – widmete Zedler hohen Standespersonen und folgte damit der zur damaligen Zeit gängigen Praxis. Die solchermaßen durch Widmungsvorrede und Portraitkupferstich geehrten Adressaten revanchierten sich nicht selten mit einer finanziellen Gegengabe oder durch die Verleihung von Ehrentiteln. Den ersten seiner Titel erhielt Zedler von Herzog Christian von Sachsen-Weißenfels, dem er den dritten Teil der Schriften Luthers gewidmet hatte. Nach Auskunft des 1749 erschienenen Eintrags zu Zedler in dessen Universal-Lexicon überreichte Zedler den Band der Lutherausgabe – für damalige Zeiten keinesfalls üblich – eigenhändig zum Geburtstag des Herzogs. Christian, der nicht nur als großer Jagdliebhaber, sondern auch als Förderer der evangelischen Kirche bekannt war, verlieh Zedler daraufhin den Titel eines preußischen Kommerzienrats.
Ankündigung des Universal-Lexicons und erste Reaktionen
Am 26. März 1730 gab Zedler in den Neuen Zeitungen von gelehrten Sachen den Auslieferungstermin für den siebten und achten Teil der Lutherschen Schriften bekannt. Gleichzeitig kündigte er sein nächstes Großprojekt an – das Grosse vollständige Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste: