Johann Georg Neumann (* 1. Mai 1661 in Mörz; † 5. September 1709 in Wittenberg) war ein deutscher lutherischer Theologe und Kirchenhistoriker.
Geboren als Sohn von Johann Georg Neumann, Pfarrer in Mörz von 1653 bis 1691, und seiner Frau Maria (geb. Lobbin), erlebte er seine ersten Kindheitsjahre an seinem Geburtsort. Sein Vater übernahm zunächst seine Ausbildung. Danach besuchte er ab 1676 das Gymnasium in Zittau, beschäftigte sich mit Poetik, Rhetorik, erlernte intensiver die Sprachen. Am 15. Mai 1680 bezog er die Universität Wittenberg. Da sein Vater über keine großen finanziellen Mittel verfügte, um ihm ein Studium zu ermöglichen, erwarb sich Neumann bereits ein Jahr nach der Aufnahme mit der Disputation „de copula propositionis“ unter Christian Donati am 25. April 1681 den akademischen Grad eines Magisters an der philosophischen Fakultät.
Während seiner Studienzeit fand er im Haus von Michael Walther dem Jüngeren Aufnahme, durch dessen Umgang er gefördert wurde. 1682 unternahm er mit Christian Vater eine Bildungsreise nach Straßburg. Zurückgekehrt nach Wittenberg erwarb er sich das Recht, an der Universität Vorlesungen zu halten, und wurde am 27. September 1684 Adjunkt an der philosophischen Fakultät. Da seine Vorlesungen einen breiten Zuspruch fanden, wurde ihm die Professur der Poetik angetragen, die er am 23. Mai 1690 antrat und im Wintersemester 1690 das Dekanat der philosophischen Fakultät ausfüllt. 1696 war er Rektor der Universität, 1702 und 1706 Prorektor.
Dennoch wollte Neumann sich der Theologie widmen. Nachdem er mit der Disputation „de consursu Dei“ als Kandidat der Theologie aufgenommen worden war (was vergleichbar mit einem Baccalaurat der Theologie ist), begann er mit großem Erfolg Predigten zu halten. Daraufhin wurde man am Dresdner Hof auf ihn aufmerksam, so dass man ihm eine Hofpredigerstelle anbot und auch eine Stelle in Lübeck, die er jedoch im Hinblick auf eine akademische Karriere ablehnte. Als 1692 sein Förderer Michael Walther gestorben war, bot sich an der Theologischen Fakultät die Möglichkeit, eine Professorenstelle zu erhalten.
Daraufhin wurde er am 24. August 1692 Lizentiat der Theologie und promovierte am 11. Oktober desselben Jahres unter Kaspar Löscher zum Doktor der Theologie. In der Folge übernahm er die ordentliche vierte Professur an der Theologischen Fakultät und verwaltete damit die kurfürstlichen Stipendiaten. Nach zwölf Jahren rückte er 1706 auf die dritte Professur auf, wurde Assessor am Wittenberger Konsistorium. Nach einem weiteren Aufstieg übernahm er das Amt des Propsts an der Wittenberger Schlosskirche. Nebenbei war er Verwalter der Bibliothek der Universität, die er mit seiner Professur Poetik übertragen bekommen hatte.
Als Vertreter der lutherischen Orthodoxie war er ein vehementer Gegner der neuen Ideen des Pietismus. Dabei war er aktiv an den Kontroversen der damaligen Zeit beteiligt und trat vor allem mit Kritik an Philipp Jacob Spener hervor. Von ihm stammen mehrere Abfassungen zu historischen Personen der evangelischen Kirchengeschichte.
Neumann war zwei Mal verheiratet. Christiane Elisabeth Höltich (* 1674 in Wittenberg; † 16. oder 17. Dezember 1701, beigesetzt am 26. Dezember in der Stadt- und Pfarrkirche St. Marien in Wittenberg), die Tochter von Franz Heinrich Höltich und Sabina Dorothea Höltich, geborene Leyser (* 19. Mai 1654 in Wittenberg; beigesetzt am 1. Juni 1702 beim Altar der Stadt- und Pfarrkirche), Tochter von Caspar Leyser, heiratete er im April 1698. Aus dieser Ehe ging ein Sohn hervor. Die Mutter von Cristiane Elisabeth, Sabina Dorothea (geb. Leyser, verw. Höltich, verw. Donati) stiftete ein Stipendium, das Donatsche Stipendium, für die Nachkommen von Johann Georg Neumann. Nach dem Tod von Christiane Elisabeth heiratete er am 22. Februar 1703 Beata Christina Leyser (* 11. Februar 1687 in Wittenberg), Tochter von Wilhelm Leyser II. und Christina Leyser, geb. Strauch, Tochter von Augustin Strauch. Johann Georg hatte einen älteren Bruder, Andreas Neumann (* 27. Februar 1657 in Mörz; † als Pfarrer von Wittbrietzen am 16. Dezember 1731), der auch zweimal verheiratet war. Johann Georgs Schwester Salome heiratete den Magister Johann Jahn und hatte mit ihm den Sohn Johann Wilhelm Jahn.
Johann Georg Neumann starb an einer aufgebrochenen Geschwulst. Er wurde am 8. September 1709 in der Schlosskirche, unweit des Grabes von Martin Luther beigesetzt. Kaspar Löscher und Gottlieb Wernsdorf der Ältere hielten ihm Gedächtnisreden.
Disputatio philossophica de radice dubitationis philosophicae. (Resp. Heinrich Bernhard Oldeland) Fincel, Wittenberg 1682. (Digitalisat)
Disputatio Philosophica De Affectuum Indifferentia. (Resp. Christian Förster) Brüning, Wittenberg 1682. (Digitalisat)
Exercitatio historica de originibus cognominum. (Resp. Antonius Laurentius Altmann) Fincel, Wittenberg 1682. (Digitalisat)
Disputatio Historico-Moralis De Dissimilitudine Staturae. (Resp. Andreas Martin Cannabaeus) Fincel, Wittenberg 1683. (Digitalisat)
Disputatio Philologica De Spongia Ori Christi Admota. (Resp. Johannes Friederich May) Fincel, Wittenberg 1683. (Digitalisat)
Disputatio philosophica de jure naturae Hobbesiano. (Resp. Johann Wilhelm Pfennigk) Fincel, Wittenberg 1683.
Disputationem Philosophicam De Syllogismi Beneficio In Oratoria. (Resp. Johann Christoph Uschner) Fincel, Wittenberg 1683. (Digitalisat)
Disquisitio historica de Fausto praestigiatore. (Resp. Karl Christian Kirchner) Henckel, Wittenberg 1683. (Digitalisat)
Dissertatio politica qua optimam reipublicae formam verbis … C. C. Taciti expressam exhibet. (Resp. Johann Christoph Rascher) Bruning, Wittenberg 1684. (Digitalisat)
Dissertatio Historica, De Philippo Arabe Primo, ut videtur, Christianorum Imperatore. (Resp. Johann Christian Ulrich) Fincel, Wittenberg 1684. (Digitalisat)