Johann Georg Abicht (* 21. März 1672 in Königsee; † 5. Juni 1740 in Wittenberg) war ein deutscher lutherischer Theologe und Sprachforscher des 18. Jahrhunderts.
Johann Georg Abicht wurde als Sohn des Weißgerbers und Lederwarenhändlers Johann Michael Abicht und seiner Frau Margaretha Magdalena in Königsee, Thüringen geboren. Nach dem frühen Tod seines Vaters versuchte seine Mutter, ihm die nötigen Kenntnisse für seine Zukunft zu vermitteln. Ab 1685 besuchte er das Gymnasium in Rudolstadt, nachdem er 1692 dort sein Abitur erlangte, immatrikulierte er sich an der Jenaer Universität, im Jahr darauf wandte er sich der Universität Leipzig zu. 1697 erwarb er den Magistergrad, unterrichtete an der Universität und wurde später zum Assessor der philosophischen Fakultät. Er übernahm 1702 die Professur für hebräische Sprache in Leipzig. Im September 1708 erwarb er das Lizenziat der Evangelischen Theologie und promovierte am 8. November desselben Jahres zum Doktor der Evangelischen Theologie. Nachdem er 1710 an der Universitätskirche St. Paul bereits Gottesdienste gehalten hatte, übernahm er 1711 die Professur für Evangelische Theologie und wurde im Wintersemester 1711 Rektor der Leipziger Akademie. Am 2. Januar 1715 wurde er zum auswärtigen Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften gewählt.
1717 kam er als Generalsuperintendent nach Danzig, wo er zugleich das Pfarramt an der Dreifaltigkeitskirche übernahm. Abicht galt in seiner Zeit als Kenner der hebräischen Altertümer. Daher genoss er einen ausgezeichneten Ruf und wurde 1729 als Primarioprofessor der Theologie nach Wittenberg berufen, wo er im Jahr darauf zu Pfingsten 1730 die Nachfolge von Gottlieb Wernsdorf dem Älteren als Generalsuperintendent der sächsischen Kurkreise antrat und damit verbunden Konsistorialrat und Pastor der Stadtkirche Wittenberg wurde. Im November 1739 wurde er aus Altersgründen substituiert und aufgrund seiner Schriften in die Königliche Preußische Sozietät der Wissenschaften als Mitglied aufgenommen. Bei der Vorbereitung einer Festpredigt bekam er einen Schlaganfall und verstarb.
Abichts Wirken an der Universität Wittenberg fiel in ein Zeitalter neuen Denkens, als man gesellschaftliche Verhältnisse aus den gewonnenen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen zu betrachten begann. Obwohl sich die Anhänger der Aufklärung zunächst nicht unfreundlich zeigten, kam es mit den Wittenberger Theologen, an deren Spitze Abicht stand, zur Auseinandersetzung. Abgewendet vom Pietismus der vorherigen Zeit, griff er in seinen Schriften polemisch philosophische Materialisten wie John Locke, Voltaire, Gottfried Wilhelm Leibniz und Christian Wolff als Fanatiker und Mystiker an. Abicht war in den morgenländischen und abendländischen Sprachen, insbesondere Englisch und Französisch besonders bewandert und hatte auch umfangreiche Kenntnisse von der Philosophie und Mathematik. Diese Kenntnisse setzte er zur Erklärung der Bibel ein und wollte so die reine Lehre verteidigen.
Aus seiner am 11. Februar 1709 in der Leipziger Nikolaikirche geschlossenen Ehe mit Sabina Magdalena Rößler, der Tochter eines Leipziger Handelsherren, gingen drei Söhne hervor, die den Vater nicht überlebten, und eine Tochter Johanna Magdalena, die am 26. Januar 1741 den späteren Leipziger Philologieprofessor Johann Georg Kießling heiratete. Von Abicht sind zwei Gemälde erhalten. Das erste ist im Bestand der Leipziger Universität, das zweite befindet sich im Lesesaal der Universitätsbibliothek Wittenberg.
de mendacii bonitate & malitia. 1699.
de usura licita: prima pro Loco. 1699.
de anno 1700, Seculi XVII. ultimo alten pro Loco. 1700.
Disputatio moralis De moralitate homagii, regni invasori praestiti. Tietz, Leipzig 1703. (Digitalisat)
de damno atheismi in Republica. Tietz, Leipzig 1703. (Digitalisat)
Die Stäbe Sanfft und Wehe ad Zach. XI. 7. Tietz, Leipzig 1704.
de servorum Hebraeorum acquisitione & servitiis. 1704.
de sermone coelorum ad Psalm. XIX. 2. 1705.
de peccatorum coccinorum albedine. 1705.
de oraculo Jesaiae c. IX. i. a Matthaeo c. IV. 15. e codice Hebraeo sensu literali allegato. 1708.
de gaudio gentium adventu Christi multiplicato ad Jes. IX.3. 1708.
de Goële Jobi ad judicium venturo & oculis corporis conspiciendo ad Job. XIX. 25-27 pro Licentia. 1708.
de suppliciis Reipublicae Judaicae sub symbolis revelatis s. De virga vigilante ad Jer. I. II. Sq. Pro Doctoratu. 1708.