Johann Friedrich Röhr (* 30. Juli 1777 in Roßbach; † 15. Juni 1848 in Weimar) war Doktor der Theologie, Generalsuperintendent und Oberhofprediger in Weimar. In seinen Schriften und Predigten erklärte er das Christentum als reine Vernunftreligion. Röhr gilt als einer der letzten Vertreter des theologischen Rationalismus. Er hielt 1832 die Trauerrede zur Bestattung Johann Wolfgang von Goethes in Weimar.
Johann Friedrich Röhr war zur Zeit Goethes ein bekannter Theologe, dessen Wirken von Erhardt Hansche in seiner Veröffentlichung (siehe Literatur) ausführlich gewürdigt wird. Röhr erstellte theologische Schriften und war Herausgeber der Zeitschriften Predigerliteratur, Chronikale Nachrichten und Briefe über den Rationalismus.
Der Brockhaus schreibt: „Röhr … einer der ausgezeichnetesten unter den jetzt lebenden Kanzelrednern und Herausgeber mehrerer weit verbreiteter theologischer Zeitschriften“.
Röhr versuchte, die theologischen und christologischen Aussagen des Neuen Testaments von spekulativen, von Menschen erdachten Dogmen zu befreien, um die frohe Botschaft Jesu Christi möglichst einfach, unkompliziert und verständlich zu verkünden.
Zu Röhrs 25-jährigem Amtsjubiläum wurde am 1. Oktober 1845 die Röhr-Stiftung errichtet.
In Roßbach erinnert am Haus Nr. 31 eine Gedenktafel an Johann Friedrich Röhr, der hier geboren wurde.
In Weimar erinnert an ihn seit 1890 die Röhrstraße, ebenso verläuft in seinem Geburtsort Roßbach die Dr.-Friedrich-Röhr-Straße.
Johann Friedrich Röhr ist Sohn des mittellosen Schneidermeisters und Bauern Johann Gottfried Röhr (1752–1838) und seiner Ehefrau Eva Maria geb. Schmeißer (1752–1813). Nach seiner ersten Heirat am 26. August 1804 mit Maria Friderike geborene Trömer (* in Merseburg; † 22. August 1805 in Ostrau) wurde 1805 eine Tochter tot geboren, wobei infolge die Mutter auch starb. Röhr heiratete am 22. April 1806 in zweiter Ehe Sophie Karolina Auguste geb. Erdmann in Dölzig. Aus dieser Ehe gingen insgesamt zehn Kinder hervor. Sie starb 1838 in Leipzig an Krebs. 1839 heiratete Röhr in dritter Ehe die Witwe des Lehrers und Altertumsforschers Friedrich Sickler, Sophie Auguste geb. Schieck (* 19. November 1792 in Hildburghausen; † 16. Januar 1876 in Weimar).
Röhr besuchte das Gymnasium in Schulpforta von 1790 bis 1796 und studierte im Anschluss Philosophie und Theologie in Leipzig. Nach vierjähriger Studienzeit legte er in Dresden das Examen ab. Danach wirkte Röhr im Amt des Vesperpredigers an der Universitätskirche zu Leipzig, und dann seit dem 21. März 1802 als Hilfsprediger in Schulpforta. Am 9. August 1804 wurde Röhr die Verwaltung des Pastorats in Ostrau (Elsteraue) übertragen. Dies übte er 16 Jahre lang aus. 1819 wurde eine Berufung nach Königsberg als Konsistorialrat, Professor der Theologie und Pfarrer in Königsberg abgelehnt. Am 9. Mai 1820 wurde Röhr als Nachfolger von Johann Friedrich Krause zum Oberpfarrer an die Pfarrkirche in Weimar, und gleichzeitig zum Oberkonsistorialrat und Generalsuperintendenten des Großherzogtums Sachsen-Weimar berufen. Damit war Röhr dritter Amtsnachfolger von Johann Gottfried Herder. Die Ämter versah er bis zu seinem Tod. Im Februar 1834 wurde ihm das Komturkreuz des Weimarischen Hausordens verliehen.
Röhr unterrichtete und konfirmierte die spätere Kaiserin Augusta, Prinzessin Maria Augusta von Sachsen sowie Großherzog Carl Alexander. 1820 erhielt Röhr die Ehrendoktorwürde (doctor theologiae honoris causa) der Theologischen Fakultät der Universität Halle. Am 9. Juli 1828 sprach er bei der Beisetzung Herzog Karl Augusts in der Weimarer Fürstengruft auf dem Historischen Friedhof.
Anfang 1832 trat Johann Friedrich Röhr der von Christian Friedrich Illgen gegründeten Historisch-Theologischen Gesellschaft zu Leipzig bei.
Am 26. März 1832 hielt Röhr die einzige Trauerrede bei der Bestattung Johann Wolfgang von Goethes. Dabei brachte ihm die Erwähnung der menschlichen Schwachheiten und Gebrechen, durch welche Goethe auch an seinem Teile der Natur ihre Schuld bezahle, heftige Kritik der Zeitgenossen ein.
1837 verfasste Karl von Hase die Schrift Anti-Röhr, Leipzig. 1840 modellierte Angelica Bellonata Facius eine Plastik von Röhr. Bürger von Weimar widmeten Röhr ein Gedicht und einen Pokal, die sie ihm am 19. Mai 1844 überreichten.
In den Jahren von 1815 bis 1848 gab Röhr Zeitschriften vorwiegend polemischen Inhalts heraus:
1815–1819 Neue und Neueste Predigerliteratur
1820–1848 Kritische Prediger-Bibliothek
In dessen Inhalten veröffentlichte er Angriffe auf die Theologen Claus Harms, Johann Heinrich Karl Hengstenberg, Ernst Sartorius, Andreas Gottlob Rudelbach und Christoph Hävernick, aber auch gegen Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher und seine Schüler. Röhr selbst war der Verteidiger eines populären Rationalismus, der sich am deutlichsten in seiner Programmschrift Briefe über den Rationalismus ausdrückt. Doch geriet Röhr in der Auseinandersetzung mit Karl August von Hase, der in einer kritischen Prüfung die Position Röhrs theoretisch überwand, in eine dogmatische Befangenheit. Nach Röhrs Auffassung sei der letzte Zweck der Religion reine Sittlichkeit, die nach dem in Jesu Leben und Lehren repräsentierten Ideal strebe. Er geht von dem Grundsatz voller Glaubens-, Gewissens- und Lehrfreiheit in der Kirche aus, mit der Einschränkung, dass das Evangelium sprachlich und geschichtlich nach Vernunft und Gewissen ausgelegt werden solle. An diesen konstitutiven Grundsatz schließt er regulative Glaubenssätze an.
Am 15. Juni 1848 starb Johann Friedrich Röhr in Weimar, nachdem er in seinen letzten Lebensjahren „von schweren Krankheitsleiden heimgesucht“ war. Er wurde am 18. Juni 1848 an der westlichen Mauer des Historischen Friedhofs Weimar oberhalb der Fürstengruft beigesetzt.