An diesem Tag

Johann Friedrich Böttger

Deutscher Alchemist, Begründer der Porzellanherstellung in Europa

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Johann Friedrich Böttger (* vermutlich 4. Februar 1682 in Schleiz; † 13. März 1719 in Dresden) war ein deutscher Alchemist, Chemiker und Erfinder. Er war Miterfinder des europäischen Hartporzellans. Er überführte diese Erfindung in den Produktionsprozess und war der Gründungsadministrator der Porzellanmanufaktur Meissen.

Am Donnerstag, dem 5. Februar 1682 wurde Johann Friedrich Böttger in Schleiz als drittes Kind seiner Eltern getauft. Sein Vater war Münzmeister in Schleiz. Seine Mutter war die Tochter des Magdeburger Ratsmünzmeisters Pflug. 1682 zog die Familie nach Magdeburg. Im selben Jahr starb sein Vater. 1685 heiratete seine Mutter den ebenfalls verwitweten Stadtmajor und Ingenieur Johann Friedrich Tiemann. Dieser war maßgeblich für die vielseitige Ausbildung des jungen Böttger verantwortlich.

Im Alter von 14 Jahren begann Böttger im Herbst 1696 eine Lehre bei dem Berliner Apotheker Friedrich Zorn. Während seiner Ausbildung wurde sein Interesse an der Alchemie geweckt, die er heimlich im Apothekenlabor seines Lehrherrn betrieb. Persönliche Bekanntschaft mit Johannes Kunckel und dem Adepten Lascaris, den Böttger 1701 im Auftrag seines Meisters behandelte, bestärkten ihn in seinem Streben nach dem Stein der Weisen. Von Lascaris bekam er aus Dankbarkeit für die erfolgreiche Behandlung bei dessen Abschied aus Berlin eine Substanz (wohl ein Pulver) geschenkt, mit der sich unedles in edles Metall (insbesondere Gold) transmutieren lassen sollte und dessen Quelle Böttger nicht preisgeben dürfe.

Er beendete im September 1701 seine Lehre und wurde als Geselle in der Zornschen Apotheke angestellt. Apotheker Zorn stand alchemistischen Experimenten skeptisch gegenüber. Um ihn zu überzeugen, wandelte Böttger am 1. Oktober 1701 vor Zorn und drei weiteren Zeugen scheinbar Silber in Gold um. Die Kunde von diesem vorgeblichen alchemistischen Meisterstück verbreitete sich schnell landesweit und das Interesse an dem „Goldmacher“ war groß. Friedrich I. ließ ihm eine Vorladung ins Berliner Schloss überbringen. Dieser entzog sich Böttger in den letzten Oktobertagen 1701 durch Flucht nach Wittenberg zu seinem Onkel. Wegen der polizeilichen Suche nach seiner Person in Brandenburg verhaftete ihn die Wittenberger Stadtwache.

Als der Grund für die Flucht bekannt wurde, durfte er aus dem Arrest heraus eine Bittschrift an den Kurfürst von Sachsen, August den Starken, richten, in der seine Goldmacherei dargelegt und der Wunsch geäußert wird, unter Schutz des Landesherrn in Wittenberg Medizin studieren zu können. Zwischen Friedrich I., der Böttger als preußischen Bürger an Preußen ausgeliefert haben wollte, und August dem Starken entstand ein Streit um den vermeintlichen Goldmacher, den der sächsisch-polnische Regent für sich entscheiden konnte, da Böttger sich auf sächsischem Boden befand.

Am 27. November 1701 wurde Böttger unter größter Diskretion nach Dresden überführt. Ihm wurde ein Zimmer im Fürstenbergschen Haus, benannt nach dem Eigentümer des Hauses, Statthalter Egon von Fürstenberg, gegeben. Im Keller verfügte das Haus über ein alchemistisches Laboratorium, da Fürstenberg selbst gelegentliche Versuche anstellte. Der Oberzehntner von Freiberg, Gottfried Pabst von Ohain, einer der fähigsten Metallurgen Kursachsens, wurde angewiesen, die Aufsicht über Böttger zu übernehmen. Daneben wurden auch der Hofbeamte Michael Nehmitz und dessen Bruder Wilhelm Nehmitz zur Bewachung Böttgers herangezogen. Am 16. Dezember 1701 schrieb August der Starke persönlich an Böttger einen Brief, in dem er versicherte, dass er Böttgers in Wittenberg geäußerte Bitte nach Schutz und Protektion sehr ernst nehme und Böttgers Freiheit aus Sicherheitsgründen solange eingeschränkt bleiben müsse, bis Böttger sein geheimes Wissen um das Goldmachen geteilt habe.

Von Februar bis Mai 1702 wurde Böttger auf der Festung Königstein untergebracht, da es die begründete Sorge gab, Böttger könne mit Hilfe Kurbrandenburgs die Flucht gelingen. Ab Mai begann der Aufbau eines Labors im Bünauischen Haus in Dresden nach Böttgers Anforderungen. Er selber wohnte dort in einer Dachkammer. Böttger wurde gestattet, seinen Eltern einen Brief zu schreiben. Seine Mutter kam daraufhin nach Dresden und forderte bei Hofe erfolglos die Freilassung ihres Sohnes. Die Experimentierarbeiten nahmen ihren Fortgang. Auf Böttgers Wunsch wurden ihm erstmals Arbeiter zugewiesen. Es waren erfahrene Berg- und Hüttenarbeiter aus Freiberg.

Im Jahr 1702 wurde erstmals ein Kollegium Contubernium erwähnt, dem Statthalter Egon von Fürstenberg, Gottfried Pabst von Ohain, die Brüder Nehmitz, Böttger und Baron von Schenck angehörten. Contubernium war zu der Zeit ein geläufiger Begriff für einen kleinen, zusammengehörigen Personenkreis. Zum Beispiel wurden studentische Wohngemeinschaften so genannt. Man kann das hier gemeinte Contubernium als eine frühe Form eines Forschungs- und Entwicklungsteams charakterisieren. Neben dem Auftraggeber gehörten ihm Wissenschaftler und Techniker an, die gemeinsam mit qualifizierten Arbeitern an den gestellten Aufgaben arbeiteten. Den Beteiligten ging es zuerst um die Herstellung des zur Transmutation dienenden Steins des Weisen. Der Projektname dazu lautete Hauptwerk. Auf Anregung von Oberberghauptmann Abraham von Schönberg und Bergrat Pabst von Ohain wurde ein weiteres Projekt initiiert. Es hatte als Ziel, bessere Wege zur Ausbeutung der landeseigenen Bodenschätze zu finden. Es wurden montanwissenschaftliche Themen wie besserer Erzaufschluss und -trennung, bessere Schmelzverfahren, bessere Schmelzöfen und Ähnliches erforscht. Es bekam den Projektnamen Nebenwerk. Böttger als fähiger Chemiker und Experimentator wurde sofort nach seiner Rückkehr von der Festung Königstein in diese Arbeiten eingebunden. Er arbeitete dabei eng mit Pabst von Ohain zusammen. Das Contubernium wurde 1705 letztmals erwähnt.

Ab Mai 1703 wurden Böttgers Experimente wegen der besseren Arbeitsverhältnisse dort in das Goldhaus verlegt. Böttger bezog zwei Wohnräume im Schloss. Das Essen für sich und seine Gäste kam aus der Hofküche. Er war beliebt und nahm an Freizeitvergnügungen des Hofes wie etwa Trinkgelagen oder Glücksspielen teil. Der Gelehrte Ehrenfried Walther von Tschirnhaus nutzte im Goldhaus ebenfalls ein Laboratorium. Beide schlossen in dieser Zeit nähere Bekanntschaft.

Im Juni 1703 floh Böttger aus seinem goldenen Käfig und schaffte es über Böhmen bis nach Enns in Österreich. Er wurde eingefangen und wieder zurück nach Dresden geführt. Im Ergebnis dieses Fluchtversuchs wurde er schärfer bewacht. Außerdem musste er sich verpflichten, bis Ende 1705 Gold im Wert von zehn Millionen Talern und jährlich Gold im Wert von zweihunderttausend Dukaten zu liefern. Da er sich auf seiner Flucht als Baron ausgegeben hatte, wurde er seitdem in seinem Umfeld scherzhaft „Baron“ genannt. Ohnehin wurde zur Tarnung von seiner Person nur als „Herr Schrader“ oder „die bewusste Person“ gesprochen.

Der König kam nach sieben Jahren Abwesenheit zum Jahreswechsel 1703/1704 für einen Monat nach Dresden. Nachdem sie die letzten drei Jahre nur brieflich kommuniziert hatten, trat Böttger im Januar 1704 August dem Starken das erste Mal persönlich gegenüber. Nach Abreise des Königs ließ Böttgers Arbeitsfleiß sehr nach. Da Pabst von Ohain in Freiberg gebunden war, bekam Tschirnhaus den königlichen Befehl, den Fortgang der Arbeiten zu überwachen. Wegen der Entwicklung im Großen Nordischen Krieg kehrte August der Starke im November 1704 nach Dresden zurück.

Böttger wurde weiter gedrängt, Gold zu machen. Er versprach es im März 1705 zum wiederholten Mal. Daneben blieben die anderen Laborarbeiten nicht stehen. Für das Nebenwerk waren in diesem Jahr 14 Berg- und Hüttenleute bei Böttger tätig. Pabst von Ohain führte alle notwendigen Großversuche in Freiberg durch. Im September 1705 verlor der goldhungrige König die Geduld und befahl die Verbringung Böttgers auf die Albrechtsburg.

In der Folge wurde sehr intensiv am Hauptwerk experimentiert. Bis in den Sommer 1706 arbeiteten Tschirnhaus in Dresden und Pabst von Ohain in Freiberg zusätzlich zu Böttger in Meißen eigene Versuchsreihen ab. Die für die eigentlichen Experimente nötige Laborausrüstung wurde auf der Albrechtsburg selbst erfunden. Grundsätzlich sollte alles aus einheimischen Rohstoffen hergestellt sein. Deshalb wurde für hochtemperaturfeste Schmelztiegel mit lokalen Tonerden experimentiert. Im Rahmen dieser Forschung hatte das Team Ende Mai 1706 Erfolg beim Brand von rotem Porzellan. Es wurde zum ersten Mal in Europa das Herstellungsprinzip chinesischen Porzellans gefunden und angewandt: Tone, gemischt mit Quarzen und einem Flussmittel werden bei sehr hohen Temperaturen gebrannt.

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