An diesem Tag

Johann Deutschmann

Lutherischer Theologe

Anúncio

Johann Deutschmann, auch Johannes Deutschmann (* 10. August 1625 in Jüterbog; † 12. August 1706 in Wittenberg), war ein deutscher lutherischer Theologe.

Johann Deutschmann war ein Sohn des Gerichtsassessors Jeremias Deutschmann († 1655) und seiner Frau Anna (geb. Langen). Er besuchte zunächst die Stadtschule seiner Heimatstadt. 1639 bezog er das damals bekannte Gymnasium in Halle (Saale), setzte seine Studien 1641 in Wittenberg fort und immatrikulierte sich am 21. Juni 1645 an der Universität Wittenberg, wo er sich zunächst philosophischen Studien widmete.

Nach dem Erwerb des philosophischen Magistergrades zu Ostern 1649 wurde er am 18. Oktober 1653 Adjunkt an der philosophischen Fakultät und hielt philosophische und theologische Vorlesungen. Während dieser Zeit bereitete er sich auf eine akademische Reise vor, die ihn ab dem Frühjahr 1655 durch die Universitätszentren und Bibliotheken von Deutschland, Holland, Dänemark und Belgien führen sollte. 1656 nach Wittenberg zurückgekehrt, erwarb er 1657 das Lizentiat der Theologie, hielt weitere Vorlesungen und wurde 1657 als außerordentlicher Professor an die theologische Fakultät berufen.

Nach der Promotion zum Doktor der Theologie 1658 rückte er nach dem Tod von Andreas Kunad 1662 in die ordentliche vierte theologische Professur auf und übernahm die Ephorie der kurfürstlichen Stipendiaten. 1681 rückte er nach dem Tod Johannes Meisners in die dritte Professur der theologischen Fakultät auf und wurde nach dem Tod Johann Andreas Quenstedts 1688 oberster Professor der theologischen Fakultät. Als Ältester der theologischen Fakultät übernahm er das Amt des Propstes an der Wittenberger Schlosskirche. Nach mehrfacher Wahl zum Dekan der theologischen Fakultät übernahm er siebenmal das Amt des Rektors der Universität (jeweils im Wintersemester 1670, 1676, 1682, 1688, 1692, 1698 und 1704).

Deutschmann, der sich als Schwiegersohn Abraham Calovs eng an diesen hielt, entwickelte nach dem Erhalt der ordentlichen theologischen Professur eine gewaltige Betriebsamkeit. So absolvierte er eine hohe Zahl an Vorlesungsstunden, führte umfangreiche Disputationen durch, zeichnete sich als Prediger aus und nahm sich glühend der Verwaltung akademischer Ämter an.

Deutschmanns Forschungsgebiet und Leidenschaft war die zuvor nur stiefmütterlich bearbeitete „paradiesische Theologie“ (theologia paradisiaca), also die Untersuchung der religiösen Verhältnisse im Garten Eden, dem biblischen Paradies. Er war überzeugt, in seinen Schriften nachgewiesen zu haben, dass die Einrichtung des Paradieses – teils bis in die Einzelheiten – und Adams Glaube (vom ausdrücklichen Christus-Bekenntnis abgesehen) jenen Grundsätzen und Maßstäben entsprachen, die sich aus der Lutherischen Orthodoxie ergeben. Deutschmann bezeichnete Adam als den „ersten Christen“ (insofern er den Messias erwartet habe) und als den „ersten Theologen“ („… doctoris, primi christiani vel messiani“). Er war bestrebt, dessen Glaubensbekenntnis aus der biblischen Überlieferung zu rekonstruieren und dessen Übereinstimmung mit dem lutherischen Glaubensbekenntnis nachzuweisen. Adam habe, so Deutschmann, die Seligkeit erlangt. Dazu müsse er, der Rechtfertigungslehre gemäß, seine Sündhaftigkeit bekannt haben. Dies könne, da es für ihn keinen irdischen Beichtvater gab, nur der „Ober-Beicht-Vater Jehova Elohim“ gewesen sein. Daraus folge, dass das Sakrament der Beichte schon im Paradies eingesetzt worden sei.

In den universalkirchlichen Ideen des calixtischen „Synkretismus“ sah er die Eigenständigkeit des Luthertums bedroht, und er griff den Pietisten Philipp Jacob Spener an. Durch Nachweis von Lehrirrtümern versuchte er Spener 284 Abweichungen von der lutherischen Lehre nachzuweisen, freilich ohne eine Wirkung zu erzielen. Sein mangelndes Latein trug ihm den Spott seiner Studenten ein, und ein anstößiger Vorgang, nämlich die Aufführung einer gegen Friedrich Ulrich Calixt gerichteten rohen Studentenkomödie, die am 18. Oktober 1676 in Wittenberg zur Feier des Antritts des Rektorats durch Deutschmann stattfand, ließ das Ansehen der Wittenberger Fakultät schwinden.

Johann Deutschmann ist auch auf dem Denkmal Abraham Vaters in der Schlosskirche Wittenberg erwähnt.

Deutschmann hatte am 2. Juni 1657 Anna Catharina (* 9. März 1639 in Königsberg (Preußen); † 22. März 1667 in Wittenberg), die Tochter des Abraham Calov und seiner Frau Barbara († 18. August 1639), die älteste Tochter des kurfürstlich brandenburgischen Rates, Hof- und Obergerichtssekretär Christoph Martini und der Judit Schulze, geheiratet.

Regina Dorothea Deutschmann; verh. 1681 mit Christian Vater

Catharina Elisabeth Deutschmann; verh. 1684 mit Michael Heinrich Krause, Pastor, Superintendent und Inspektor in Schalkau.

Anna Coecilia Deutschmann; verh. mit dem Wittenberger Professor für höhere Mathematik Michael Walther der Jüngere

Johann Abraham Deutschmann, ist als Student gestorben

Polycarp Abraham Deutschmann, gleich nach der Geburt gestorben

Abraham Heinrich Deutschmann, (* 9. März 1667 in Wittenberg); verstarb als Diakon in Jessen vor dem Vater

Abraham Polycarp Deutschmann (starb mit 4 Jahren)

Neben einer Unzahl an Programmen hat Deutschmann Traktate und Dissertationen hinterlassen (siehe auch Christian Gottlieb Jöcher: Allgemeines Gelehrten-Lexikon. Band 2, Spalte 99). Heute geht man von ca. 500 Veröffentlichungen aus, die aber weitestgehend unbekannt sind.

Apologia Augustanae Confessionis Anti-Crociana, hoc est, Vindiciae Hoëanae, Examini Collationis Doctrinae Reformatae Cum Augustana Confessione ... Opposita / Exercitiis Academicis In Studiosae Iuventutis Aedificationem Adornata Per Johannem Deutschmann. Borckard, Wittenberg 1667. (Digitalisat)

Anúncio

Bald in der World in Stories App

Audio, Offline-Download, keine Werbung und mehr.

Premium entdecken