An diesem Tag

Johann Conrad Schlaun

Deutscher Baumeister des Barock

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Johann Conrad Schlaun (* 5. Juni 1695 in Nörde als Johann Conrad Schluen; † 21. Oktober 1773 in Münster) war der bedeutendste Baumeister des westfälischen Barocks. Zu seinen Hauptwerken gehören das Schloss Nordkirchen bei Münster, das Schloss Augustusburg in Brühl, das Schloss Clemenswerth in Sögel, das Fürstbischöfliche Schloss, die Clemenskirche, der Erbdrostenhof, das Landhaus und das ehemalige Stadthaus Schlaun in Münster.

Johann Conrad Schlaun wurde 1695 mit dem Namen „Schluen“ als Sohn des Patrimonialrichters des Klosters Hardehausen, Henrich Schluen, und dessen Frau Agnes Berendes in Nörde bei Warburg im Hochstift Paderborn geboren und besuchte zunächst das damalige Progymnasium Marianum des Dominikanerklosters in Warburg sowie nachfolgend das Gymnasium Theodorianum der Jesuiten in Paderborn, das er aber ohne Abschluss verließ. Anschließend trat er in hannoversche Militärdienste, wo er 1710 sein Fähnrichspatent erwarb und in den beiden folgenden Jahren seine Ausbildung als Vermessungsingenieur absolvierte.

Danach trat er als Ingenieur in den Dienst des paderbornischen Infanterieregiments und wurde 1715 zum Leutnant und 1720 zum Kapitänleutnant der Artillerie befördert. 1723, nach seiner Rückkehr von einer mehrjährigen Studienreise, die ihn durch Süddeutschland, Österreich, Italien, Frankreich und Flandern führte, erhielt er den Rang eines Titularkapitäns.

Ab 1725 änderte er seinen niederdeutschen Namen von „Schluen“ zu hochdeutsch „Schlaun“ und adoptierte gleichzeitig das Wappen der ausgestorbenen hessischen Adelsfamilie „Schlaun von Linden“, drei silberne Lindenblätter auf rotem Grund, ohne aber selbst die Nobilitierung anzustreben. Erst sein Sohn Gerhard Mauritz von Schlaun, als Generalfeldzeugmeister in österreichischen Diensten, wird die Erhebung in den Adelsstand beantragen. 1726 wurde er zum Major, 1728 zum Obristleutnant, 1733 zum Oberst und Kommandant der münsterschen Artillerie, 1745 zum Generalmajor und 1750 zum Generalgouverneur von Meppen befördert.

Parallel dazu verlief in Schritten seine Karriere im fürstbischöflichen Bauwesen, so 1720 als Landmesser in Münster, 1725 als kurkölnischer Oberbaumeister und Ingenieur sowie 1729 als Nachfolger von Pictorius als Landbauingenieur des Hochstifts Münster. Die Höhe der ihm während des Siebenjährigen Kriegs auferlegten Kontribution von 842 Reichstalern belegt, dass „er absolut zu den Reichsten des Fürstbistums“ zählte. Die graphologische Untersuchung seiner Handschrift attestierte ihm, dass „persönlicher Ehrgeiz, großes Geltungsstreben und soziales Ehr- aber auch Machtbedürfnis … für ihn starke Antriebe“ seien, „aber auch seine innere Unrast treibt ihn zum Schaffen. Sein Wirkungsdrang ist stark und überwiegend nach außen gerichtet.“

Welches Ansehen Schlaun zu Lebzeiten genoss, ist überliefert. So berichtet Ferdinand Graf von Schall, der zu diesem Zeitpunkt die Errichtung von Schloss Wahn plante, am 28. Oktober 1750 nach einem Besuch der von Schlaun um 1730 errichteten Großen Burg in Kleinbüllesheim, dass ein gewisser Baron von Schlaun, Brigadier der Truppen Seiner Hoheit, des Kurfürsten von Köln, es gebaut habe und dass dieser Kavalier die berühmtesten Architekten in Deutschland an Kenntnissen der Architektur in den Schatten stelle.

Schlauns bäuerliches Geburtshaus von 1656, das 1696 durch Schlauns Vater um einen rückwärtigen steinernen Wohntrakt erweitert und 1737 von seinem Schwager Levin Engelbert Thelen und seiner Schwester Anna Maria unter Verwendung des älteren Baumaterials als westfälisches Hallenhaus in Fachwerk erneuert worden war, wurde 1971 unter Missachtung des Denkmalschutzes abgebrochen. An seiner Stelle wurde die „Johann-Conrad-Schlaun-Halle“ errichtet.

Schlaun war zweimal verheiratet. Am 3. November 1725 ehelichte er die Tochter des Kölner Tuchhändlers und Ratsherrn Gabriel Bourell, Maria Katharina Bourell. Aus dieser Ehe Schlauns gingen hervor:

Clemens August Johannes Bernardus Erasmus Franciscus (* 27. Juni 1726)

In zweiter Ehe war Schlaun seit 1740 mit Anna Katharina Rehrmann, der Tochter des Textilfabrikanten Martin Rehrmann aus Eupen verheiratet. Aus dieser Ehe gingen hervor:

Martin Conrad (* 1741; † 26. November 1809), Thesaurar von 1791–1809, Erbe von Haus Rüschhaus

Gerhard Mauritz, österreichischer Generalfeldzeugmeister

Schlauns charakteristische Physiognomie geht wahrscheinlich stressbedingt auf die Hauterkrankung Rosazea zurück. Vielleicht zu deren Therapie hielt sich Schlaun 1768 zur Kur in Aachen auf. Am 21. Oktober 1773 verstarb Schlaun in seinem Haus in Münster und wurde zwei Tage später in der Überwasserkirche bestattet, wo eine Gedenktafel angebracht ist.

Johann Conrad Schlaun hinterließ ein umfangreiches wie vielfältiges Œuvre an Bauwerken, darunter Kirchen- und Schlossbauten, Adelspalais und Herrenhäuser sowie Kirchenausstattungen. Die Mehrzahl seiner Bauten liegt in Westfalen, dem angrenzenden westlichen Niedersachsen und dem Rheinland.

Die Forschungen zum Werk des Westfälischen Barockbaumeisters setzten 1910 mit dem Werk Heinrich Hartmanns ein. Das sechsbändige Kunstdenkmälerinventar der Stadt Münster von Max Geisberg stellte dann die Kenntnis der Münsteraner Bauten Schlauns auf eine neue Quellenbasis und erlaubte die klarere Scheidung gegenüber den Projekten seiner Zeitgenossen.

Gleichzeitig setzten auch die intensiven Forschungen Theodor Rensings zum Thema Schlaun ein, der in seinem erstmals 1936 erschienenen Werk wie auch in zahlreichen nachfolgenden Aufsätzen dessen Werk einer größeren Öffentlichkeit bekannt machte.

Anlässlich von Schlauns 200. Todestag im Jahre 1973 sowie seines 300. Geburtstags im Jahre 1995 veranstaltete das Westfälische Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Münster jeweils eine umfassende Ausstellung seines zeichnerischen Nachlasses, jeweils begleitet von der Publikation eines alle Aspekte seines Schaffens erfassenden Aufsatzbandes. Insbesondere nach der ersten der beiden Ausstellungen schuf die neubegründete Reihe der Schlaunstudien ein Forum für die Erarbeitung weiterer Aspekte des Schlaunschen Werks.

In dem Rechnungsbuch des Klosters Hardehausen findet sich die Nachricht, dass der Vater Schlauns im Jahre 1713 den Betrag von 30 Reichstaler empfangen habe, welche er umb seinen sohn in der bawkunst weiter instruieren lassen hat anwenden wollen, die er dann im Verlaufe des nächsten Jahres schrittweise zurückzahlte. Wo er diese Ausbildung erhielt, ist nicht belegt, doch scheint diese im Baubüro des Münsteraner Landbaumeisters Gottfried Laurenz Pictorius stattgefunden zu haben, der in dieser Zeit mit dem Bau von Schloss Rheder für den paderbornischen Minister Bruno Burchhard von Mengersen beauftragt war.

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