Johann Georg Christian Kestner (* 28. August 1741 in Döhren bei Hannover; † 24. Mai 1800 in Lüneburg) war ein deutscher Jurist und Archivar, berühmt vor allem als Ehemann von „Werthers Lotte“ Charlotte Buff.
Die Familie Kestner gehörte im 18. und 19. Jahrhundert zu den hannoverschen „hübschen Familien“ und zum Bildungsbürgertum. Johann Christian und Charlotte waren die Eltern von Georg Kestner und August Kestner und Großeltern von Georg und Hermann Kestner.
Johann Christian war ein Sohn des bis 1762 als Geheimer Kanzlist und später als Geheimer Registrator in Hannover tätigen Johann Hermann Kestner (1700–1772) und dessen am 26. April 1736 in Wiebrechtshausen geheirateter zweiter Ehefrau Dorothea Gertrud Kestner (1713–1792), Tochter des Kurfürstlich Braunschweig-Lüneburgischen Amtsmannes im Kloster Fredelsloh Johann Christian Tolle. Ähnlich wie zuvor seine drei älteren Brüder, darunter der spätere Kammersekretär Otto Christian Kestner (* 1731), studierte auch Johann Christian Kestner ab dem 23. Oktober 1762 Rechtswissenschaften an der Georg-August-Universität in Göttingen. In der dortigen Historischen Akademie hörte er unter anderem Anfang 1765 Vorträge des nur zehn Monate jüngeren Georg Christoph Lichtenberg. Der literarisch gebildete Kestner stand während seines Studiums in Kontakt zu verschiedenen Mitgliedern des Göttinger Hainbunds. Aus gesundheitlichen Gründen brach er sein Studium dann jedoch ab.
Von 1767 bis 1773 wirkte Kestner als Sekretär des kurhannoverschen Hofrats Johann Philipp Conrad Falcke. Während eines dienstlichen Aufenthaltes in Wetzlar tätig, lernte er Charlotte Buff kennen, die Tochter des Amtmanns am dortigen Deutschordenshof, und verlobte sich mit ihr. Der junge Johann Wolfgang Goethe war 1772 Praktikant am Reichskammergericht in Wetzlar und wurde mit beiden bekannt. Er verliebte sich in die anmutige und lebensfrohe 19-jährige „Lotte“, als jene bereits versprochen war. Diese Liebe und der Suizid eines jungen Juristen-Kollegen mit Kestners geliehener Pistole wegen einer unglücklichen Liebe bildeten den Anlass und „Rohstoff“ für Goethes berühmten Brief-Roman Die Leiden des jungen Werthers, erschienen 1774. Die Lotte im Roman trägt Züge der wirklichen Charlotte; für die Leser war auch der Albert im Roman eine Charakterisierung ihres Ehemannes Kestner.
Nachdem Johann Christian Kestner am 19. März 1773 eine Festanstellung am Calenberger Archiv erhalten hatte, heiratete er kurz darauf am 4. April 1773 in Wetzlar Charlotte Buff, mit der er dann zwölf Kinder bekommen sollte. Der älteste Sohn Georg (1774–1867) war Goethes Patenkind. Der 1777 geborene Sohn August wurde Diplomat und Kunstsammler, der zwei Jahre später geborene Theodor Mediziner.
Die Familie wohnte zuerst in der Aegidienstraße, zuletzt in der Großen Wallstraße, dem heutigen Georgswall, wo später auch eine Gedenktafel für Charlotte angebracht wurde: Zahlreiche bekannte Persönlichkeiten verkehrten in dem hannoverschen Haus unter der – heutigen – Adresse Georgswall 3. Zu den Gästen zählten der Schriftsteller Heinrich Christian Boie, der Jurist Ernst Brandes, der Diplomat Basilius von Ramdohr, der Staatsmann und Philosoph August Wilhelm Rehberg oder der Mediziner und Gelehrte Johann Georg Zimmermann.
Zudem unterhielten die Kestners ihr Gartenhaus mit Garten außerhalb der Stadt vor dem Aegidientor.
Unterdessen durchlief Kestner in Hannover einen kontinuierlichen beruflichen Aufstieg: 1775 wurde er Archiv-Sekretär und zum „Lehnsfiskal“ ernannt. 1784 wurde er zum Rat befördert, 1795 zum – aufgrund der Personalunion zwischen Großbritannien und Hannover sowohl Königlich Großbritannischen wie auch Kurhannoverschen – Hof- und Kanzleirat ernannt sowie zum Vize-Archivar. 1790 wurde Kestner als Legationssekretär zur Kaiserwahl von Leopold II. nach Frankfurt am Main entsandt, 1792 erneut zur Wahl von Kaiser Franz II.
Kestner starb auf einer Dienstreise in Lüneburg, sein dortiges Grab ist nicht erhalten.
Kestners Tagebuch sowie sein Nachlass befinden sich gemeinsam mit dem seiner Frau im Stadtarchiv Hannover.
Georg Heinrich Friedrich Wilhelm Kestner (* 1. Mai 1774 in Hannover; † 25. Oktober 1867 ebenda), Archivrat in Hannover; ⚭ Henriette Partz (* 8. April 1784 in Syke; † 30. Oktober 1867 in Hannover).
Wilhelmine Charlotte Sophie Elisabeth Kestner (* 20. Mai 1803 in Hannover; † 18. Oktober 1880 ebenda); ⚭ Georg Ludwig Friedrich Laves.
Georg Wilhelm Eduard Kestner (* 9. Juli 1805 in Hannover; † 9. Februar 1892 in Dresden), Oberinspektor.
Theodor Karl Wilhelm Georg Kestner (* 26. September 1806 in Hannover; † 4. Januar 1831 ebenda), Auditor bei der Justizkanzlei in Hannover.
Auguste Marie Sophie Amalie Kestner (* 21. Dezember 1807 in Hannover; † 24. Februar 1900 in Freiburg im Breisgau).
Hermann August Kestner (* 30. Juli 1810 in Hannover; † 27. Juni 1890 ebenda).
Wilhelm Georg Konrad Arnold Kestner (* 2. Mai 1775 in Hannover; † 22. November 1848 in Bremen), Richter in Osterode am Harz, kgl. hann. Amtmann mit Sitz in der Burg Hagen im Bremischen (Kr. Cuxhaven); ⚭ Johanna Dorothea Friederike Sophie Luise Iffland (* 29. Juli 1784 in Hannover; † 8. April 1871)
Sophie Louise (* 18. Dezember 1813; † 14. November 1861).