Johann Andreas Michael Nagel (* 29. September 1710 in Sulzbach; † 29. September 1788 in Altdorf) war ein deutscher Hebraist und Orientalist.
Johann Andreas Michael Nagel wurde am 29. September 1710 in Sulzbach, Oberpfalz, geboren. Sein Lehrer war dortiger Kantor und später Lehrer an der St. Lorenzschule in Nürnberg. Von seinem Vater wurde Nagel zunächst in der lateinischen Sprache und im Religionsunterricht unterwiesen. Auch andere Hauslehrer widmeten sich seiner Vorbildung, zunächst mit dem Ziel, dass Nagel Kaufmann werde. Schließlich entschied er sich aber für eine theologische Karriere. Von einem Diakon in der lateinischen, der griechischen und den morgenländischen Sprachen unterrichtet, bezog er das Gymnasium zu Nürnberg. Auch dort wurde er in den Sprachen unterrichtet, hörte aber auch geographische und moralische Vorlesungen. 1731 schließlich bezog er die Universität Altdorf zum Theologiestudium, hörte aber auch über Philosophie und Literaturgeschichte, über Geschichte und Geographie, über Mathematik und Logik, über Philosophiegeschichte, die schönen Wissenschaften und über das Naturrecht Vorlesungen.
1734 verteidigte Nagel Spicilegium novum observationum ad panegryricum Plinii, im folgenden Jahr erhielt er den Grad eines Magisters anhand seiner Inaugural-Disputation de fastorum Romanorum formula post consulatum. In diesem Jahr noch zog er kurz nach Jena und dann nach Leipzig. An der Universität Leipzig hörte er Askese und Exegese und bei Johann Christoph Gottsched Rhetorik und Dichtkunst. Auch unterstützten Nagel dort Johann Erhard Kapp und Gottfried Mascov, auf dessen Anraten Nagel eine Beschreibung der Ausgabe von Ptolemäus Geographie, die sich in der Ratsbibliothek zu Leipzig befand, verfasste. Der Aufsatz wurde in Commentatione critico-litteraria de Claudii Ptolemaei geographia ejusque codicibus gedruckt. Durch die Leipziger Bibliothek vertiefte Nagel außerdem sein Studium. Er besuchte, um sich zu erholen, nach dem Studium die Aufführungen des Collegium Musicum unter der Leitung von Johann Sebastian Bach.
Danach ging er noch an die Universitäten Halle und Wittenberg, wo er sich mit einigen Gelehrten anfreundete, und kehrte 1736 wieder nach Altdorf zurück, wo er im Folgejahr seine Dissertation Specimen academicum de modo disputandi, quo doctores Judaei quondam Noribergae in exercendis atque acuendis suis discipulis usi sunt verteidigte und dadurch habilitiert wurde und anschließend Vorlesungen hielt. 1738 wurde er Schulinspektor, zwei Jahre später ordentlicher Professor der Metaphysik und der morgenländischen Literatur. Zum Amtsantritt hielt er eine Rede de auctoritate Talmudis hierosolymitani apud Judaeos recentiores. Kurz darauf wurde er Universitätsbibliothekar, Rhetorikprofessor und Programmatist.
Nagel war dreimal Rektor der Universität und 14 mal fungierte er als Dekan seiner Fakultät. 1762 gründete er eine lateinische Gesellschaft und fungierte als deren Moderator, vier Jahre später wurde er Fakultätssenior und 1783 Universitätssenior. Schließlich starb er am 29. September 1788 im Alter von 78 Jahren.
Heinrich Döring beschrieb Nagel als anspruchslosen und bescheidenen Menschen, der über eine gründliche und ausgebreitete Gelehrsamkeit verfügte. Er galt als ausgezeichneter Orientalist, kannte sich aber auch mit der griechischen sowie der lateinischen Sprache, mit der Philosophie und mit den Künsten aus. Außerdem meinten mehrere Gelehrte, er sei der erste deutsche Philologe und der erste große deutsche Orientalist gewesen. Dabei hätte er laut Aussage seiner Kollegen noch weitaus mehr erreichen könnte, wenn er weniger bescheiden gewesen wäre. Durch seine gewandte Anwendung der lateinischen Sprache verfasste er viele Werke. Er schrieb größtenteils Dissertationen, einige Schriften orientalischen Inhalts aber waren noch bis ins 19. Jahrhundert hinein bedeutsam, obgleich die orientalische Wissenschaft längst fortgeschritten war. Besonders Diss. de prima Alcorani Sura, Diss. de studio philosophiae graecae apud Arabs, Diss. de calendario veterum Ebraeorum (die allerdings Ende des 19. Jahrhunderts veraltet war) und Diss. de locis quibusdam Jobi, in quibus cel. Schultens majorem lucem desideravit waren bedeutsam. Ferner verfasste Nagel Beiträge für Johann Friedrich Hirts orientalische und exegetische Bibliothek und zu anderen Journalen.
1747 heiratete Nagel Maria Magdalena Riederer, Tochter des Nürnberger Marktvorstehers, geheiratet. Der Ehe entstammten 14 Kinder. Drei seiner Söhne davon starben unmittelbar nach ihrem Studium. Am 21. Januar 1773 starb auch Nagels Frau. Die folgenden Kinder sind bekannt:
Maximilian Nagel, 1747–1772, Theologe, starb kurz nach seinem Studium
Johann Christoph Nagel, starb nach seinem Studium
Michael Christoph Nagel, starb nach seinem Studium
Johann Bartholomäus Nagel, wirkte um 1806 als Hersbrucker Stadtpfarrer
Ursula Jacobina Nagel, verheiratet mit Konrad Mannert
Johann Bernhard Nagel, wirkte in Windsheim
Specimen academicum de modo disputandi, quo doctores Judaei quondam Noribergae in exercendis atque acuendis suis discipulis usi sunt (Altdorf 1737)
Diss. de lingua Aramaea (Altdorf 1739)
Diss de argumentatione […] (Altdorf 1739)
Generaliores coniugationum Aramaearum characteres grammaticae Danzianae accommodati (Altdorf 1739) (Digitalisat)
Diss. de lingua adscita hominum orbis Babylonici, ad illustr. Esr. 4.18 (Altdorf 1740)