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Johan Neeskens

Niederländischer Fußballspieler und Manager (1951–2024)

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Johannes Jacobus „Johan“ Neeskens (* 15. September 1951 in Heemstede, Nordholland; † 6. Oktober 2024 in Algerien) war ein niederländischer Fußballspieler und -trainer. Er galt in den 1970er Jahren als einer der besten Mittelfeldspieler Europas und war ein zentraler Akteur der niederländischen Nationalmannschaft, die 1974 und 1978 das WM-Finale erreichte. Auf Vereinsebene feierte er seine größten Erfolge mit Ajax Amsterdam, dem FC Barcelona und New York Cosmos. Später war er als Trainer und Co-Trainer tätig, unter anderem an der Seite von Guus Hiddink und Frank Rijkaard.

Johan Neeskens stammt aus Heemstede, einer Kleinstadt in der Provinz Noord-Holland. Der Sohn eines Stahlarbeiters war ab 1968 für seinen Heimatverein Racing Club Heemstede in der zweitklassigen Eerste Divisie aktiv. Durch den Fußball gelang dem Arbeiterkind der gesellschaftliche Aufstieg. 1970 holte ihn Trainer Rinus Michels für 300.000 Gulden zum Traditionsklub Ajax Amsterdam und der 19-jährige Neeskens kam zunächst als rechter Außenverteidiger zum Einsatz. Dank der revolutionären Spielidee des „voetbal totaal“ war Ajax zu Beginn der 1970er Jahre eine der besten Vereinsmannschaften Europas und stand sinnbildlich für Kreativität und die Befreiung von festen Spielpositionen. Die internationalen Erfolge rückten den bislang wenig beachteten niederländischen Fußball ins Rampenlicht, denn Ajax Amsterdam gewann dreimal in Folge den Europapokal der Landesmeister (1971, 1972, 1973). Weitere Titel waren der UEFA Super Cup sowie der Weltpokal. Mit der Zeit rückte Neeskens aus der Abwehr ins zentrale Mittelfeld und bildete mit Superstar Johan Cruyff ein kongeniales Duo, das entscheidenden Einfluss auf die sportlichen Erfolge hatte. Er war ein polyvalenter Akteur, der im Zentrum nahezu alle Rollen ausfüllen konnte und mit einem modernen Achter verglichen werden kann. Trotz seiner schlaksigen Statur galt der dynamische Rechtsfuß als Urgewalt an Ausdauer, Kraft und Geschicklichkeit, der defensiv durchaus ein gutes Zweikampfverhalten zeigte. Kaum jemand verkörperte die Siegermentalität so wie Neeskens, der hart gegen sich und andere agieren konnte. Als einer der ersten Mittelfeldspieler deckte Neeskens das komplette Spielfeld zwischen den Strafraumgrenzen ab und konnte seine Gegner so lange unter Druck setzen, bis er wieder in Ballbesitz war. Sein ehemaliger Mitspieler Sjaak Swart sagt über ihn, dass er „im Mittelfeld eigentlich zwei Mann wert“ gewesen sei. Neben den internationalen Titeln gewann Neeskens mit Ajax Amsterdam außerdem zwei Meisterschaften (1970/71, 1972/73) sowie zweimal den KNVB-Pokal (1971, 1972) und absolvierte insgesamt 171 Pflichtspiele (39 Tore).

1974 wechselte Neeskens zum FC Barcelona in die spanische Primera División und folgte damit Cruyff, der sich dem Klub im Vorjahr angeschlossen hatte. Durch seine beiden niederländischen Schlüsselspieler wollte Trainer Michels seine Spielphilosophie des „voetbal totaal“ weiter implementieren, allerdings konnte Barcelona die sportliche Dominanz des Erzrivalen Real Madrid nicht brechen. In der Saison 1975/76 war Neeskens mit 18 Treffern in allen Wettbewerben erfolgreichster Barça-Torjäger und die Zeitung Don Balón zeichnete ihn als besten ausländischen Spieler der Liga aus. Der Spieler erfreute sich im Camp Nou großer Beliebtheit. In Anerkennung seiner Leistungen gaben die Fans ihm den Spitznamen Johan Segon, was übersetzt Johan, der Zweite bedeutet und eine Anspielung auf den Ausnahmespieler Johan Cruyff war. Mit dem FC Barcelona gewann Neeskens 1978 die Copa del Rey und 1979 den Europapokal der Pokalsieger, nicht aber die spanische Meisterschaft. Nach fünf Jahren in Katalonien, folgte 1979 der überraschende Abschied und die wirklichen Hintergründe sind kurios. Neeskens soll dem neuen Klubpräsidenten Josep Lluís Núñez das Anreichen einer Rolle Toilettenpapier verweigert haben, als sich Núñez in einer misslichen Lage auf einer Stadiontoilette in Alicante befand. Das schreiben der Historiker Manuel Thomas und der französische Journalist Frédéric Porta in ihrem Buch „Barça Inedit“ („Barça-Neuheit“). Neeskens habe die Hilferufe des mächtigen Klubbosses ignoriert, als dieser das Fehlen von Toilettenpapier in seiner Kabine bemerkte. Núñez war über den Vorfall derart erbost, dass er „Nees“, wie sie ihn in Spanien nannten, ablösefrei auf die Transferliste setzte. Seine letzte Partie für die Blaugrana bestritt er am 3. Juni 1979 gegen den FC Sevilla und erzielte den 1:0-Siegtreffer.

Nach seinem Abschied vom FC Barcelona war kein europäischer Verein bereit, Neeskens' Gehaltsforderungen zu erfüllen. Dies führte dazu, dass er bereits mit 28 Jahren in die nordamerikanische Profiliga NASL wechselte und einen Fünfjahresvertrag bei New York Cosmos unterzeichnete, der ihm insgesamt 1,6 Millionen US-Dollar einbrachte. Die NASL wurde als „Operettenliga“ verspottet, die hauptsächlich Altstars wie Franz Beckenbauer, Carlos Alberto oder Giorgio Chinaglia anzog. Während seiner Zeit in New York war Neeskens den Verlockungen der Weltstadt nicht immer gewachsen und nahm rege am Nachtleben teil (z. B. Studio 54). Durch seinen Lebenswandel verpasste er bei mehreren Gelegenheiten das Flugzeug zu Auswärtsspielen und im September 1980 suspendierte ihn die Cosmos-Geschäftsführung unbefristet. Erst Anfang Juli 1981 berief ihn Trainer Hennes Weisweiler wieder in die Mannschaft. Mit Cosmos gewann Neeskens zweimal die NASL-Meisterschaft (1980, 1981) und gehörte zweimal zum All-Star-Team (1979, 1984). Nachdem sein Vertrag ausgelaufen war und die Liga ihren Spielbetrieb 1984 wegen fehlendem Zuschauerinteresse einstellte, kehrte Neeskens nach Europa zurück.

Zwischen März und Juli 1985 spielte Neeskens für den FC Groningen in der niederländischen Eredivisie und kam hauptsächlich als Libero zum Einsatz. Anschließend ging der mittlerweile 34-jährige Routinier erneut in die Vereinigten Staaten und schloss dem Klub South Florida Sun aus der kurzlebigen United Soccer League an. Allerdings stellte die Franchise ihren Spielbetrieb kurz darauf ein, ohne dass Neeskens eine Partie für sie absolviert hatte. Daraufhin wechselte er zum Hallenfußball und war 1985/86 für die Kansas City Comets in der Major Indoor Soccer League aktiv. Als Fünftplatzierte verpasste die Mannschaft die nationalen Playoffs.

Ende November 1987 übernahm Neeskens ein Engagement als Spielertrainer des FC Baar, dem Heimatort seiner zweiten Ehefrau, aus dem Schweizer Kanton Zug. Der Amateurverein kämpfte gegen den drohenden Abstieg aus der dritten Liga, den Neeskens erfolgreich verhindern konnte. 1990 wechselte er in gleicher Funktion zum FC Zug, der ebenfalls in der dritten Liga spielte. Den Höhepunkt seiner Tätigkeit markierte ein Angebot des amtierenden Meisters Grasshoppers Club Zürich, die 1991 auf der Suche nach einem geeigneten Nachfolger für ihren Trainer Ottmar Hitzfeld waren, der in die Bundesliga gewechselt war. Doch Neeskens lehnte ab und wollte seine begonnene Aufbauarbeit beim FC Zug fortsetzen und blieb dort bis 1993.

Neeskens debütierte am 11. November 1970 für die Nationalmannschaft (0:1 gegen Deutschland) und erspielte sich in der folgenden WM-Qualifikation einen Stammplatz. Beim 9:0-Sieg über Norwegen gelang ihm sogar ein Hattrick. Bekannt wurde er durch das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft 1974 in Deutschland. In der 2. Spielminute verwandelte der damals 22-Jährige einen Foulelfmeter zum 1:0 für die Niederlande gegen Deutschland; das Spiel ging für seine Mannschaft letztlich aber mit 1:2 verloren. Seitdem sprechen Fußballkommentatoren immer wieder von der Neeskens-Variante beim Schuss vom Elfmeterpunkt: knallhart in die Tormitte schießen, während der Torhüter in eine Torecke hechtet. Laut Sepp Maier schoss er aber seine Elfmeter stets in die vom Torwart aus gesehen rechte Ecke und hat im WM-Finale verzogen, weil er aus Nervosität „nicht richtig getroffen, ein wenig in den Boden gehauen“ hat (auf dem Bild sieht man die Kreide des Elfmeterpunktes aufstauben).

Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1978 in Argentinien wurde er zum zweiten Mal Vize-Weltmeister, diesmal verlor seine Mannschaft das Finale gegen Gastgeber Argentinien nach Verlängerung mit 1:3.

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