An diesem Tag

Johan Cruyff

Niederländischer Fußballspieler und -trainer (1947-2016)

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Hendrik Johannes „Johan“ Cruyff (; niederländisch Cruijff; * 25. April 1947 in Amsterdam, Niederlande; † 24. März 2016 in Barcelona, Spanien) war ein niederländischer Fußballspieler und -trainer sowie Funktionär und Berater im Fußballsport.

1964 gab er sein Debüt in der ersten Elf der Fußballmannschaft von Ajax Amsterdam. Mit Trainer Rinus Michels bildete er bald ein kreatives Tandem, das die Geschicke der Mannschaft bestimmte und den als „Totaalvoetbal“ bekannten Fußball etablierte. Der Totaalvoetbal revolutionierte den damals vom Catenaccio dominierten Weltfußball und schuf ein Gegenmodell, das stark geprägt war durch Offensivfußball, Wechsel der Positionen, aggressives Pressing, eine bis zur Mittellinie hochgeschobene Verteidigungsreihe und große Ballbesitzanteile. Ab 1966 errang Ajax zunächst eine Serie nationaler Titel. In den frühen 1970ern dominierte Ajax mit Cruyff als bestimmendem Spieler und Dirigent auf dem Platz auch den europäischen Vereinsfußball und gewann von 1971 bis 1973 den Pokal der Landesmeister sowie 1972 den Weltpokal. Nach seinem Wechsel zum FC Barcelona im Sommer 1973 gelang es ihm als Torjäger und Spielmacher auf Anhieb, den seit langem im Mittelfeld dümpelnden Klub 1974 zur Meisterschaft zu führen. Bei der Fußballweltmeisterschaft 1974 in der Bundesrepublik war er ebenfalls Taktgeber und dominanter Spieler der niederländischen Nationalmannschaft, die mit einer weiterentwickelten Version des Total Football die Öffentlichkeit begeisterte und Vizeweltmeister wurde. Zurück in Spanien scheiterte in der Saison 1974/1975 die Titelverteidigung. In den nachfolgenden Jahren konnte Cruyff an die Erfolge der frühen 1970er-Jahre nicht anknüpfen und verkündete 1978 schließlich seinen Abschied vom Fußball.

Nach desaströsen geschäftlichen Investitionen war Cruyff gezwungen, seine Karriere als Spieler fortzuführen und wechselte – wie viele andere renommierte Spieler der damaligen Zeit – in die nordamerikanische Soccer League, wo er zunächst in Los Angeles und nachfolgend in Washington, D.C. spielte. Nach dem Bankrott der Washington Diplomats kehrte er über eine Zwischenstation in Spanien im Sommer 1981 wieder nach Ajax Amsterdam zurück. Dort führte er das Team zur ersten Meisterschaft seit Jahren, gefolgt vom Double aus Meisterschaft und KNVB-Pokal 1983. Da der Verein seinen Vertrag nicht verlängern wollte, wechselte Cruyff zum Erzrivalen Feyenoord Rotterdam, wo er als Spielmacher und Mentor einer jungen Mannschaft wiederum das Double gewann. Nach diesem Erfolg beendete er im Sommer 1984 seine aktive Karriere als Spieler und wechselte bald an die Seitenlinie auf die Trainerbank. Als Technischer Direktor wurde er, wie schon als Spieler, zum Exponenten und lautstarken Befürworter eines aggressiven, spektakulären Offensivfußballs. Bei Ajax von 1984 bis 1987 blieb ihm die Meisterschaft verwehrt, jedoch gewann Ajax unter seiner Leitung 1987 den Europapokal der Pokalsieger, den ersten internationalen Pokal für ein niederländisches Team seit neun Jahren.

Im Sommer 1988 wurde er vom FC Barcelona verpflichtet, wo er als Trainer von 1990 bis 1994 viermal in Folge die spanische Meisterschaft und als Krönung 1992 den Europapokal der Landesmeister gewann. Zudem legte er mit seinen Neuerungen in Training und Nachwuchsarbeit den Grundstein für die spätere Dominanz Barças im Weltfußball ab Mitte der 2000er-Jahre und gab den Anstoß für eine Revolution im Weltfußball. Mit seinen Ideen und Weiterentwicklungen der Ajax-Schule schuf Cruyff ein Modell für den offensiven, von Ballbesitz geprägten Fußball, der in den folgenden Jahren zunächst innerhalb Barças zu einer unumstrittenen Doktrin wurde, durch seine Anhänger und Schüler wie Pep Guardiola und Luis Enrique bald auch in andere Länder exportiert wurde und bis heute den Weltfußball dominiert. Nach zwei erfolglosen Jahren und einem öffentlich ausgetragenen Kleinkrieg mit Präsident Núñez wurde Cruyff im Mai 1996 bei Barcelona entlassen.

Cruyff zog sich in der Folge auf eine Rolle als graue Eminenz des Weltfußballs zurück, die im Hintergrund bei Ajax und Barcelona als einflussreicher Berater wirkte. Mit Vehemenz und Leidenschaft verteidigte der streitlustige Cruyff das Erbe des nun als Cruyffismo bzw. post-cruyffschen Stil oder Ajax-Stil bezeichneten Offensivfußballs. Nebenher gründete er diverse Stiftungen, die Fußballern eine Ausbildung ermöglichen sollen und besonders förderungsbedürftige Kinder in den Vordergrund stellen.

Als er 2016 an einer Krebserkrankung starb, galt sein Erbe des post-cruyffschen Stils bei seinen Nachfolgern als unbestritten.

Dazu ist Cruyff Schöpfer zahlreicher Redewendungen und Aphorismen, die in den Niederlanden und im internationalen Fußball Eingang in den Sprachgebrauch gefunden haben.

Kindheit, Jugend und Charakterbildung

Johan Cruyff wurde als Hendrik Johannes Cruijff am 25. April 1947 im Bürgerziekenhuis in der Linnaeusstraat in Amsterdam geboren. Er war der zweite Sohn von Hermanus Cornelis Cruijff (genannt Manus) und Petronella Bernarda Draaijer, die ihn nach seinem Großvater mütterlicherseits Hendrik Johannes Draaijer benannten. Sein Vater Manus betrieb einen Gemüseladen. Er wuchs in armen Verhältnissen auf.

Cruyff wuchs in der Akkerstraat 32 im Viertel Betondorp (deutsch: „Betondorf“) auf, einem Viertel, dessen architektonischer Stil als „brutalistisch“ beschrieben wurde. Die Akkerstraat befand sich fünf Minuten vom Stadion De Meer entfernt, wo der Fußballklub Ajax Amsterdam seine Heimspiele austrug. Sein Vater Manus war Fan von Ajax.

Das Umfeld, in dem die Cruyffs aufwuchsen, wird von seinem Biographen Auke Kok als geschäfts- und marktorientiert beschrieben, welches sich von linksgerichteten Ideen distanziert hielt. Der junge Cruyff war vom Calvinismus geprägt; während er als gläubiger Mensch galt und oft auf Gott Bezug nahm, experimentierte er später gleichzeitig auch mit spiritistischen Handlungen, um Kontakt mit seinem verstorbenen Vater aufzunehmen.

In der Schule zeigte er allenfalls unstete Leistungen und musste ein Schuljahr wiederholen. Rückblickend auf seine Jugendjahre äußerte Cruyff später die Vermutung, dass seine durchwachsenen schulischen Leistungen und seine anhaltende Rastlosigkeit auf eine ADHS-Erkrankung zurückgingen.

Mit seinem zweieinhalb Jahre älteren Bruder Henny hatte er in Jugendjahren ein enges Verhältnis. Henny galt Beobachtern ursprünglich talentierter als Johan, schaffte jedoch den Sprung in die Profimannschaft nicht. Der bedauernde Cruyff sah den Grund dafür in Hennys mangelnder Fokussierung auf den Fußball; anders als er selbst habe Henny Fußball nie als die oberste Priorität in seinem Leben angesehen. Henny eröffnete später einen Sportladen und suchte Kapital aus der verwandtschaftlichen Verbindung zu schlagen, unter anderem, indem er Reisen nach Barcelona vermittelte, die als Werbeversprechen auch Touren durch Cruyffs Anwesen anboten. Seine Versuche, Cruyff zu managen, wurden von Johans Schwiegervater Cor Coster unterbunden. Beide Brüder überwarfen sich daraufhin endgültig in den 1980ern und Henny veröffentlichte ein Buch, in dem er Coster unterstellte, während der deutschen Besatzung der Niederlande im Zweiten Weltkrieg Mitglied der Waffen-SS gewesen zu sein. Der Vorwurf wurde von der Forschung nicht gestützt.

Bereits in seinen ersten Jahren als Profi-Fußballer anglisierte Johan seinen Nachnamen in Cruyff; während er in seiner niederländischen Heimat unverändert als Johan Cruijff firmiert, hat sich die anglisierte Version seines Nachnamens im Rest der Welt durchgesetzt.

Unerwartet starb Vater Manus am 8. Juli 1959. Seine Mutter Nel konnte den Gemüseladen nicht allein weiterführen und musste das Geschäft aufgeben. Sie war stattdessen gezwungen, als Reinigungskraft bei Ajax Amsterdam zu arbeiten und dort die Kabinen zu putzen. Dort lernte sie Henk Angel (den Platzwart bei Ajax) kennen, mit dem sie eine zweite Ehe schloss. Für Cruyff war der Tod seines Vaters gleichzeitig Tragödie und prägendes Ereignis; sein ganzes Leben blieb er immer von der Angst beseelt, ebenfalls einen frühen Tod zu sterben. Dazu wurden der plötzliche Tod seines Vaters und die daraus resultierenden ökonomischen Konsequenzen für die Familie eine Triebfeder für ihn, möglichst viel Geld in möglichst kurzer Zeit anzuhäufen, um seine leibliche und angeheiratete Familie versorgen und absichern zu können.

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