Johan Banér (* 23. Junijul. / 3. Juli 1596greg. in Djursholm bei Stockholm; † 10. Maijul. / 20. Mai 1641greg. in Halberstadt), auch Jan Banér, Johan Banner, Johan Banier, Johan Bannier, war ein schwedischer Feldmarschall im Dreißigjährigen Krieg. Nach dem Tod von König Gustav II. Adolf und nach der schweren Niederlage der Schweden in der Schlacht bei Nördlingen wurde Banér Oberbefehlshaber der schwedischen Truppen im Heiligen Römischen Reich. In dieser Funktion entwickelte er sich zu einem der skrupellosesten und raffiniertesten Feldherrn des Dreißigjährigen Krieges.
Johan Banér war der Sohn von Gustaf Axelsson Banér (1547–1600) und dessen Ehefrau Christina, geb. Sture (1559–1619) sowie der jüngere Bruder des schwedischen Staatsmannes Per Banér (1588–1644). Banér stammte aus einer alten adligen Familie und wurde auf dem Rittergut Djursholm am 3. Juli 1596 (23. Juni nach in Schweden gültigem julianischem Kalender) geboren. Sein Vater und sein Onkel wurden im Jahr 1600 auf Befehl von König Karl IX. wegen Hochverrats hingerichtet, weil sie den katholischen, polnischen König Sigismund III. Wasa und dessen Thronanspruch unterstützt hatten. Obwohl sein Vater durch Karl IX., den Vater des seit 1611 amtierenden Königs Gustav II. Adolf, zu Tode gekommen war, entwickelte sich zwischen Banér und König Gustav II. Adolf bereits früh eine enge Freundschaft, wohl auch deshalb, weil Banérs Familie nach der Krönung von Gustaf II. Adolf in ihre alten Würden wieder eingesetzt worden war.
Im November 1623 heiratete Banér Catharina Elisabeth von Pfuel. Am 20. Februar 1636 starb seine Frau, die ihn auf den meisten Feldzügen begleitet hatte und deren Tod ihm sehr naheging. Als gütige, sanfte aber entschlossene Frau war sie bei den Söldnern sehr beliebt, zumal sie die einzige war, die ihren ehrgeizigen, immer schlecht gelaunten und ungeduldigen Gatten zu behandeln wusste. Umso erstaunter war man, als Banér bereits am 25. Juli 1636 in zweiter Ehe Elisabeth Juliana von Erbach heiratete, Tochter des Grafen von Erbach Georg III. Als Schwiegersohn des Grafen erhoffte sich Banér mit der Verbindung eine Unterstützung bei dem von ihm angestrebten Landerwerb im Deutschen Reich. Zum Ärger seiner Offiziere häufte sich nach dieser Heirat die Dauer der nächtlichen Zechgelage und drei Viertel der Tage wurden im Bett verbracht. Am 29. Mai 1640 starb auch Banérs zweite Ehefrau Elisabeth Juliane, was seine Trunksucht noch steigerte. Wiederum nach kurzer Zeit heiratete Banér am 16. September 1640 Johanna Margaretha von Baden, eine Tochter des Markgrafen Friedrich V. von Baden-Durlach. Erneut erhoffte er sich von der Beziehung zum Brautvater Nutzen, um seine Stellung bei den Reichsfürsten zu verbessern.
Im Alter von 44 Jahren starb Johan Banér am 20. Mai 1641 (10. Mai nach julianischem Kalender) in Halberstadt.
Sein Sohn Gustav Banér, der „tolle Banér“ genannt, starb 1677 als Generalgouverneur von Ingermanland ohne Nachkommen.
Mit 19 Jahren trat Banér in das Reiterregiment seines Bruders Svante Banér ein. Mit der Teilnahme an der Belagerung von Pskow im Jahr 1617 während des Polnisch-Schwedischen Krieges begann seine Karriere. Bereits 1620 war Banér Kapitänleutnant im Hofregiment und im Folgejahr wurde er seiner Tapferkeit wegen vor Riga zum Obristen ernannt. 1623 erhielt Banér den Rang eines Generalmajors.
1625 wurde er zum Kommandanten von Riga berufen und hatte diesen Posten bis 1626 inne. Anschließend wurde er als Kommandant nach Danzig versetzt. Als solcher wurde er auch bevollmächtigter Kommissar bei den schwedisch-polnischen Waffenstillstandsverhandlungen, welche von 1627 bis 1629 dauerten. In diesem Jahr wurde Banér zum Infanteriegeneral befördert und zum Gouverneur von Memel berufen.
Zusammen mit dem Heer von König Gustav II. Adolf landete Banér 1630 an der Ostseeküste in Deutschland und spielte danach im Dreißigjährigen Krieg eine im Laufe der Jahre zunehmend wichtiger werdende Rolle. Gemeinsam mit Gustaf Horn verhandelte Banér als Unterhändler den im Januar 1631 beschlossenen Vertrag von Bärwalde zwischen Schweden und Frankreich, mit dem die künftige Finanzierung des schwedischen Heeres durch Frankreich gesichert wurde.
Siege bei Breitenfeld, Magdeburg und München (1632)
In der Schlacht bei Breitenfeld zwischen dem Heer der katholischen Liga unter Tilly am 17. September 1631 befehligte Banér die Reiterei des rechten Flügels der Schweden. Ein Flankenangriff der Reiterei Pappenheims wurde von der schwedischen Reiterei abgewehrt, so dass Banér einen wesentlichen Anteil am Sieg der Schweden hatte, der zum Beginn des schwedischen Siegeszuges bis nach Süddeutschland wurde. Von diesem Tag an nannte man Banér den „schwedischen Löwe“. Ende November 1631 erhielt Banér von Gustav II. Adolf den Befehl, die von Truppen der Katholischen Liga im Mai 1631 eroberte und seitdem gehaltene Stadt Magdeburg einzunehmen. Er nahm am 7. Januar 1632 sein Hauptquartier in Salbke südlich von Magdeburg, blockierte die Stadt, musste sich wegen des drohenden Anrückens von Pappenheim, der von Wolfenbüttel kommend Magdeburg entsetzen wollte, zunächst zurückziehen und zog dann letztlich erst am 21. Januar 1632 in Magdeburg ein.
Beim folgenden Siegeszug des schwedischen Heeres leistete Banér gute Dienste im Verlauf der siegreichen Schlacht bei Rain am Lech am 15. April 1632, die den Weg nach Bayern öffnete. Er war beteiligt an der Einnahme von Augsburg (20. April 1632) und Donauwörth und war bei der nur zweimonatigen Besetzung von München (17. Mai 1632) dabei. Der Rückzug von München nach Norden, wo die kaiserlichen Truppen unter Wallenstein bei Nürnberg den schwedischen Truppen den Rückweg und die Versorgungswege blockierten, erfolgte im Juni 1632. Im September 1632 kam es dort zur Schlacht an der Alten Veste.
Rückzug, Meuterei und Neuanfang (1635)
Bei einem erfolglosen Angriff der Schweden auf das Lager Wallensteins bei der Alten Veste (September 1632) erlitt General Banér eine Verwundung. In der Folge wurde Banér mit einem schwedischen Korps in den Westen befohlen, wo er dem bayerischen General von Aldringen Widerstand leisten sollte. Dagegen verfolgte Gustav Adolf mit dem schwedischen Hauptheer das abgerückte Wallenstein-Heer auf dem Weg nach Sachsen, wo es im November 1632 zur Schlacht bei Lützen kam, in der Gustav Adolf ums Leben kam.
Mitte Januar 1633 zog sich Banér zurück, um seine Kriegsverletzung auszukurieren. Noch im März desselben Jahres gab er das ihm geschenkte magdeburgische Amt Egeln zurück, weil er sich bei der Neuaufstellung der schwedischen Armee nach dem Tod von König Gustav II. Adolf nicht ausreichend berücksichtigt fühlte, obwohl er zum Feldmarschall der Krone Schwedens und des niedersächsischen Kreises ernannt worden war. 1634 hatte Banér wieder ein Korps von 16.000 Söldnern gesammelt, war in Böhmen auf ein kursächsisches Heer gestoßen und bis Prag vorgerückt. Jedoch gerieten nach der schweren Niederlage von zwei schwedischen Heeren in der Schlacht bei Nördlingen (August 1634) alle schwedischen Truppen im gesamten Reichsgebiet in starke Bedrängnis. Im Reich drohte der Heilbronner Bund zu zerbrechen und Banér schickte die Nachricht an den schwedischen Kanzler Axel Oxenstierna, dass die beiden wichtigsten protestantischen Verbündeten der Schweden, Kurbrandenburg und Kursachsen, beabsichtigten, das Bündnis mit Schweden zu verlassen. Damit bestand die Gefahr, dass im Winter 1634/35 für das schwedische Heer in Brandenburg und Schlesien keine Quartiere zur Verfügung standen. Banér müsste sein Heer in die Altmark und nach Magdeburg und Halberstadt zurückziehen in das Herzogtum Braunschweig-Lüneburg zum noch verbliebenen Verbündeten, Herzog Georg.
Im Mai 1635 erfüllte sich Banérs Vorhersage mit dem Abschluss des Prager Friedens. Durch diesen Vertrag änderten sich die militärische Lage drastisch. Das bisher mit Schweden verbündete Kurfürstentum Sachsen war nun mit dem Kaiser verbündet und Banér musste sein gefährdetes Heer an die Ostseeküste in Pommern zurückziehen. Selbst dort galten nun die gut gesicherten schwedischen Versorgungsbasen als gefährdet. Für die Schweden wurde eine endgültige Niederlage erwartet und auch in Schweden selbst gab es Gerüchte über einen nahen Frieden.