Joe Meek (Robert George Meek, * 5. April 1929 in Newent, Gloucestershire; † 3. Februar 1967 in Islington) war ein britischer Musikproduzent, Songwriter (insbesondere als Robert Duke) und Inhaber einer Plattenfirma. Weitere Pseudonyme waren Dandy Ward, J. Francis, Peter Jacobs und Robert Baker.
Joe Meek zeigte schon als Kind ein frühes Interesse an Technik. Schon während seiner Schulzeit ging er nach dem Unterricht einer Tätigkeit in einem Elektrogeschäft nach. Joe Meek begann im Jahre 1948 als Radartechniker bei der RAF. Dort erweiterte er seine Kenntnisse, die ihn anschließend befähigten, einen eigenen Fernseher und ein Tonbandgerät zu bauen. Das Tonbandgerät benutzte er für Aufnahmeexperimente. Er arbeitete als Fernsehtechniker, bevor er 1954 eine erste Anstellung als Toningenieur bei der International Broadcasting Corporation (IBC-Studios) bekam, die neben Popmusik auch viele Aufnahmen für das englische Programm von Radio Luxemburg produzierte. IBC war neben Star Sound das einzige unabhängige Tonstudio in London. Hier wurde er 1956 als Toningenieur für die Roadshow „People Are Funny“ von Radio Luxemburg eingesetzt und wurde bis zum leitenden Toningenieur befördert, obwohl er kein musikalisches Gehör besaß (er konnte Tonhöhen nicht einwandfrei voneinander unterscheiden). Als Toningenieur arbeitete er erstmals im September 1955 bei Gary Millers britischer Version von The Yellow Rose of Texas (Pye-Nixa N 15004). Sein erster Auftrag in der Rolle des für Balance zuständigen Toningenieurs unter Produzent Alyn Ainsworth (Orchesterleiter des nach ihm benannten Orchesters) war bei der orchestralen Pop-Kollektion Film Themes im Oktober 1955. Für den großen Star des US-Blues Big Bill Broonzy pegelte er It Feels So Good (LP Tribute To Big Bill) im Oktober 1955 ein. Im August 1956 war er Toningenieur bei Chris Barbers Jailhouse Blues (EP That Patterson Girl Vol. 2). Am 10. Oktober 1956 wurde für Chris Barber die LP Plays (Vol. 3) aufgenommen, auf der eine der frühen Fassungen von Petite fleur enthalten war. Joe Meek wird als Tontechniker, zuständig für die Balance, auf dem Cover der LP erwähnt. In dieser Funktion war er für viele Aufnahmen des britischen Trad-Jazz verantwortlich: Er machte Aufnahmen mit Chris Barber (LPs Chris Barber Special 1956, Jazz Parade Vol. I; 1958), Alex Welsh (Dixieland to Duke; 1957), Acker Bilk (Acker’s Way; 1959) und Terry Lightfoot (More Terry; 1959).
Den ersten Produzentenjob erhielt er für Humphrey Lytteltons Bad Penny Blues, der im Gegensatz zu allen anderen in den Abbey Road Studios aufgenommenen und von George Martin produzierten Titeln der Jazzband in den IBC-Studios entstand. Als offizieller Produzent fungierte Denis Preston, doch griff dieser nicht ein. Bei der Aufnahme am 20. April 1956 verstieß Meek gegen ziemlich alle konservativen Regeln der zeitgenössischen Aufnahmekunst, als er die Titel Bad Penny Blues / Close Your Eyes aufnahm. Er übersteuerte das mit Besen gespielte Schlagzeug, versah es mit Echo und ließ die linke Pianohälfte durch die Platzierung des Mikrophons verzerrt wiedergeben. Während konventionelle Jazzaufnahmen den Höreindruck vermittelten, dass man die Rhythmusgruppe eher fühlte als hörte, überbetonte Meek das Schlagzeug. Zudem komprimierte er die gesamte Aufnahme, wodurch die Bässe in die Klavier- und Trompetenparts übersprachen. Hierdurch wurde der Klang stärker verdichtet als bislang bei Jazzaufnahmen üblich. Der offizielle Produzent Preston meinte, dass der von Meek kreierte druckvolle Schlagzeugsound dazu beigetragen habe, dass der Bad Penny Blues die erste britische Jazzplatte war, die in die Top 20 mit einem Rang 19 kam. Es blieb Lytteltons einziger Hit und war gleichzeitig der erste Hitparadenerfolg Meeks als Produzent. Am 25. Januar 1957 wirkte Meek als Toningenieur bei der Produktion (Denis Preston) des Live-Auftritts von Lonnie Donegan mit, als dieser in der Conway Hall sein berühmtes Konzert gab (LP Donegan on Stage). Von den 15 Aufnahmen wurde der Titel Cumberland Gap am 24. Februar 1957 im Studio neu aufgenommen (ohne Meek) und im April 1957 als Single veröffentlicht, die die Spitzenposition der britischen Charts erreichte.
Im September 1957 verlässt Meek die IBC und gründet im Dezember 1957 mit Denis Preston die Landsdowne Recording Studios, die er mit seinen technischen Fähigkeiten weitgehend selbst einrichtet. Hierzu gehört als Kern ein von ihm entworfenes 12-Kanal-Mischpult mit einem Equalizer auf jedem Kanal (damals einzigartig) sowie zwei von ihm installierte gebrauchte Stereo-Decks von EMI. Meek sorgte im Jahre 1959 im Studio für die Aufrüstung mit Stereotechnik. Eine Meek-Produktion aus den Landsdowne-Studios entwickelte sich zum mittleren Hit. Mike Prestons Mr. Blue kam im Oktober 1957 bis Rang zwölf hoch. Die Erfolge ermutigten Meek, brachten ihn jedoch in Konflikt mit Studioinhaber Preston, weil er sich negativ über die Produktionen seines Arbeitgebers Preston äußerte. Als die Konflikte zunahmen, feuerte Preston Joe Meek im November 1959.
In einer Zeit, als EMI und Decca den britischen Plattenmarkt dominierten und Pye sich in Marktnischen behaupten musste, gründete Joe Meek mit Triumph Records eine unabhängige Plattenfirma. In William Barrington-Coupe fand er einen finanziellen Unterstützer, der ihm am 25. Februar 1960 zur Gründung verhalf. Triumph Records wurde offiziell am 31. März 1960 eingetragen, die erste Platte erschien als Triumph 1000 jedoch bereits im Februar 1960 von Peter Jay & Blue Men unter dem Titel Just Too Late / Friendship. Außer den Flee-Rekkers mit dem Titel Green Jeans (Triumph RGM 1008) mit einem Rang 23 und Michael Cox mit dem Titel Angela Jones (komponiert von John D. Loudermilk für Johnny Ferguson) mit einem Rang sieben (Triumph #1011; Mai 1960) in den britischen Charts konnte kein Titel von Triumph die Hitparade erreichen.
Am 12. September 1960 gründete Meek zusätzlich noch R.G.M. Sound Production in seiner Mietwohnung. Die Dachkammer im dritten Stock diente als Echokammer, die anderen Zimmer erfüllten mehrere Funktionen. Bei RGM setzte er ein gebrauchtes zweispuriges dänisches TR16-Tonbandgerät ein, bei dem Meek den Aufnahme- und Wiedergabekopf synchronisierte.
Um den Plattenkatalog von Triumph zu füllen, benötigte er Songmaterial, für das er Geoffrey „Geoff“ Goddard anheuerte, und einen Promoter, den er in einem jungen Robert Stigwood fand. Goddard teilte Meeks Vorlieben für Science Fiction, Horror und alles was mit dem Übernatürlichen zusammenhing. Außerdem waren beide fanatische Verehrer von Buddy Holly. Beide sorgten auf Anhieb für Erfolg: Stigwood entdeckte John Leyton, gut aussehend mit mäßiger Stimme, Goddard schrieb für ihn den Todessong Johnny, Remember Me. Stimmliche Unzulänglichkeiten von Leyton wurden durch Mehrfachhall und starke Übersteuerung kaschiert und sorgten mit einem schnellen Beat und starkem Overdubbing für die erste Nummer eins des Studios nach Veröffentlichung im Juli 1961. Für John Leyton wurde 1961 auch der Promotion-Film The Johnny Leyton Touch in den Pinewood Studios produziert.
Schon im Juni 1960 stieg Meek aus Triumph Records aus, im Oktober 1960 endet mit Triumph 1030 die kurzlebige Geschichte des Labels. Die großen Hits produzierte Meek in seinem mit gebrauchten Geräten ausgestatteten Tonstudio für andere Plattenlabels, insbesondere Decca, Pye oder Top Rank Records. So wurde der Instrumentaltitel Telstar, komponiert und produziert von Joe Meek für die Tornados, im August 1962 zeitgleich mit dem gleichnamigen TV-Satelliten berühmt und bei Decca zum knapp siebenfachen Millionenseller, Meeks erfolgreichster Hit als Komponist und Produzent. Hier hatte Meek massiv mit Hilfe seiner Produktionstechnik eingegriffen und Instrumente und Sound derart verfremdet, dass Decca sich zunächst geweigert hatte, den Song zu veröffentlichen. Er setzte Effekte wie Limiting und Kompression auf hohem Niveau ein, versah die Melodiegitarre mit starkem Echo und positionierte – wie bei seinen Produktionen allgemein üblich – die Mikrofone direkt an den Instrumenten („close miking“). Unzufrieden mit der Instrumentation der Tornados, setzte Meek melodietragend eine seltene Klavioline ein, die von Geoff Goddard gespielt wurde. Es handelte sich um ein batteriegetriebenes, einstimmiges Kleinkeyboard. Sein elektronischer Sound wurde durch mehrfaches Overdubbing verstärkt. Meek konnte den Erfolg des Hits nicht auskosten, denn bereits im März 1963 wurde er in Paris wegen angeblichen Plagiats verklagt. Er gewann den Prozess, weil lediglich vier Takte mit einer im Jahre 1960 entstandenen Filmmusik übereinstimmten.