An diesem Tag

Joe King Oliver

Afroamerikanischer Jazztrompeter

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Joe „King“ Oliver (* 11. Mai 1885 in New Orleans, Louisiana; † 10. April 1938 in Savannah, Georgia) war ein US-amerikanischer Kornettist und einer der bedeutendsten Musiker des New Orleans Jazz. Oliver ist in erster Linie als Lehrer und Mentor von Louis Armstrong in Erinnerung geblieben, doch hat er weitere bedeutende Jazz-Trompeter bzw. -Kornettisten beeinflusst, darunter Tommy Ladnier, Rex Stewart, Bubber Miley, Muggsy Spanier, Ed Allen und George Mitchell.

King Oliver’s Creole Jazzband wurde im Mai 1922 gegründet, in welcher später auch Louis Armstrong spielte.

Geburtsort und -datum sind nicht sicher belegt. Nach dem Tod der Mutter im Jahr 1900 lebte Oliver bei einer älteren Schwester. Etwa in diese Zeit fällt auch seine Ausbildung auf dem Kornett, seinen Lebensunterhalt verdiente er sich im ersten Jahrzehnt des Jahrhunderts als Butler einer wohlhabenden weißen Familie. Um 1908 begann seine musikalische Karriere in verschiedenen Marching-Bands, darunter die Eagle Band, The Original Superior, Olympia Brass Band oder der Onward Brass Band, in der er neben dem Leader Manuel Perez der zweite Kornettist war. Nach und nach erspielte er sich einiges Ansehen und wurde Mitglied in verschiedenen Bands, die in den Cafés und Cabarets in Storyville auftraten. 1918 schließlich spielte er in der Band von Kid Ory. Nach seinem Weggang aus New Orleans wurde Louis Armstrong in dieser Band sein Nachfolger.

Wie Oliver den Titel „King“ erhielt, ist nur anekdotenhaft überliefert. Kid Ory behauptete, er habe Oliver in seiner Band als „King“ angekündigt. Eine andere Version berichtet davon, wie Oliver durch sein Spiel den Titel Freddie Keppard abgenommen habe. Zwischen 1915 und 1918 galt Oliver als der beste Kornettist in New Orleans; in diesem Zeitraum erhielt er den Ehrentitel.

1917 schloss das U.S. Navy Department nach und nach alle Vergnügungsviertel in den Küstenstädten der USA, darunter auch Storyville. 1918 ging Joe Oliver nach Chicago, wo er zeitgleich im „Original Creole Orchestra“ von Bill Johnson und in Lawrence Duhes Band engagiert war. Mit seiner eigenen Band (ab 1920) spielte er zunächst im Dreamland Cafe und unternahm 1921/1922 eine mäßig erfolgreiche Tournee an die Westküste nach Kalifornien, bevor er im Mai 1922 seine berühmte „Creole Jazz Band“ gründete. Der erste nachweisbare Auftritt im Lincoln Gardens ist auf den 17. Juni 1922 datiert.

Noch im gleichen Jahr holte Oliver Louis Armstrong in seine Band, der unter anderem Musikerpersönlichkeiten wie Johnny Dodds und dessen Bruder Baby Dodds, Honoré Dutrey und Lil Hardin angehörten. Sehr bekannt wurden die Einspielungen dieser Band aus dem Jahr 1923, die nicht nur dank der Mitwirkung von Louis Armstrong Jazz-Geschichte schrieben (u. a. Chimes Blues). Schon 1924 verließen die Dodds-Brüder und Honore Dutrey die Band, da Oliver für Plattenaufnahmen zum Teil andere Musiker hinzuzog, anstatt auf seine Stammbesetzung zurückzugreifen. Zusätzlich gab es Streitigkeiten hinsichtlich der Bezahlung. Lil Hardin-Armstrong drängte ihren Mann Louis, ebenfalls die Band zu verlassen, um aus dem Schatten von Oliver heraustreten und eine eigene Karriere starten zu können. Nach anfänglichem Zögern wechselte Armstrong nach New York zu Fletcher Henderson. Oliver suchte für die ausgefallenen Instrumentalisten Musiker aus New Orleans als Ersatz und führte die Band bis Ende 1924 weiter.

Nach der Auflösung der Creole Jazz Band war Oliver zunächst Gastsolist bei Dave Peyton im Plantation Cafe in Chicago. 1925 stellte er eine neue Band mit erweiterter Besetzung zusammen, der Albert Nicholas, Barney Bigard, Kid Ory und Luis Russell angehörten. Die „Dixie Syncopators“ feierten bis 1927 große Erfolge im Plantation Cafe und hatten mit ihrer Aufnahme von Someday Sweetheart einen überwältigenden Verkaufshit.

Als die Auseinandersetzungen rivalisierender Gangsterbanden in Chicago immer bedrohlichere Ausmaße annahmen, ging Oliver, nachdem das Plantation Cafe 1927 abgebrannt war, auf Einladung des Promoters Jay Faggen nach New York, wo er nach anfänglichem Erfolg verschiedene Angebote für seine Band ausschlug, darunter jenes legendäre, im Cotton Club aufzutreten. Ohne Aussichten auf ein festes Engagement lösten sich die Dixie Syncopators 1927 auf. Seinen vertraglichen Verpflichtungen dem Label Brunswick gegenüber kam Oliver mit eigens für die Aufnahmesitzungen zusammengestellten Bands nach. In der Folge hatte Oliver einige Jahre keine eigene Band mehr und konnte sich letztlich in New York nicht dauerhaft halten. Aus ungeklärten Gründen kehrte er jedoch nicht nach Chicago zurück, sondern blieb in New York. Hinzu kam, dass Oliver wegen seiner seit 1925 bestehenden gesundheitlichen Probleme mit dem Zahnfleisch das Musizieren vorübergehend einstellen musste. Nach der Wiederherstellung seiner Spielfähigkeit, aber längst nicht mehr auf gewohntem Niveau, nahm Oliver bis 1931 noch eine Reihe von Einspielungen auf, um seine vertraglichen Verpflichtungen zu erfüllen.

Während der Depression verlor Oliver nahezu sämtliche Ersparnisse. Er verließ New York im Frühjahr 1931 und tourte sechs Jahre lang mit Bands unterschiedlichster Besetzung, aber immer unter seinem Namen, die Ostküste entlang und durch den Mittleren Westen. Autopannen, habgierige Manager und häufige Personalwechsel ließen die Band mehrere Male stranden, zuletzt 1937 in Savannah, Georgia. Gesundheitliche Probleme und ein veränderter Publikumsgeschmack führten dazu, dass es ihm nicht mehr gelang, eine neue Band zusammenzustellen. So musste der King die letzten Monate seines Lebens zunächst als Verkäufer von Obst und Gemüse, schließlich als Aufsicht im Billard-Raum eines Freizeitcenters fristen. Er starb als armer Mann an einer Gehirnblutung.

Sein Tod fand erneute Medienbeachtung. Die Negro Actors Guild kam widerstrebend für die Bestattungskosten auf. Auf der Totenfeier in New York war Louis Armstrong besonders beachteter Solist. Joe King Oliver liegt auf dem Woodlawn Cemetery begraben.

Oliver war in seinen Tagen in New Orleans ein vielbewunderter, stilbildender Kornettist, dessen Einfluss auf andere Kornettisten bzw. Trompeter wie z. B. Bubber Miley, Muggsy Spanier oder Tommy Ladnier enorm war. Einige dieser Musiker kopierten Olivers Ideen, seine Technik und seinen Sound so detailgetreu, dass Trompetenparts auf Aufnahmen der zwanziger Jahre lange Zeit Oliver zugeschrieben wurden, obwohl er bei diesen Aufnahmesitzungen nicht mitgewirkt hatte. Die Phase seines Wirkens in New Orleans ist nicht durch Tonaufnahmen dokumentiert und so lässt sich sein Stil in dieser Zeit nur durch Aussagen von Zeitgenossen rekonstruieren. Konkrete, nachprüfbare Aussagen über Olivers Stil lassen sich daher nur über die Zeit zwischen 1923 und 1931 treffen. Jedoch war er ab 1926/27 durch seine gesundheitlichen Probleme in der freien Entfaltung seines Könnens stark eingeschränkt.

Louis Armstrong wurde nicht müde, Joe Oliver als seine wichtigste Inspirationsquelle zu nennen. Zu Armstrong stand Oliver in einem direkten Lehrer-Schüler-Verhältnis (seinem einzigen). Armstrong hat in einem Interview die Stunden mit Oliver erwähnt.

Im Gegensatz zu seiner Blütezeit als Kornettist in New Orleans sind seine Leistungen als Bandleader insbesondere durch die Aufnahmen der Creole Jazz Band gut dokumentiert. Die Aufnahmen werden häufig als Musterbeispiele für Kollektivimprovisationen des klassischen New Orleans Jazz angesehen. Tatsächlich bieten sie ein hervorragendes, dichtes Ensemblespiel, in dem jeder Musiker eine Funktion hat und sich in einem mehr oder weniger fest umrissenen Tonumfang bewegt. Oliver „...wanted to hear the whole band. He wanted everyone to blend together.“ Dieses Konzept brachte ein Ensemble hervor, dessen Klarheit bei aller musikalischen Dichte unerreicht blieb. Oliver erreichte dies durch Kontrolle, Balance und eindeutige Rollenzuweisungen, welche die Musiker mit hoher Disziplin einhielten, die aber auch für Soli, Duette und Breaks aufgebrochen wurde und so jedem Bandmitglied Raum für solistische Entfaltung gab. Insofern hat Oliver dem klassischen New Orleans Jazz in seiner Creole Jazz Band eine sehr persönliche Note beigemischt, wodurch sie sich von anderen New Orleans Bands der Zeit abhebt.

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