Joachim Georg Wilhelm Klepper (* 22. März 1903 in Beuthen an der Oder, Landkreis Freystadt, Provinz Schlesien; † 11. Dezember 1942 in Berlin) war ein deutscher Theologe, der als Journalist und Schriftsteller arbeitete. Er ist einer der bedeutendsten Dichter Geistlicher Lieder des 20. Jahrhunderts. Klepper wurde während der Zeit des Nationalsozialismus wegen seiner „nichtarischen“ Ehefrau ausgegrenzt sowie drangsaliert und nahm sich schließlich das Leben.
Jochen Klepper war das dritte Kind und der erste Sohn des evangelischen Pfarrers Georg Klepper und seiner Frau Hedwig, geborene Weidlich. Er wurde am 26. April 1903 von seinem Vater mit Jordanwasser getauft und erhielt den Taufspruch: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein.“ Er hatte zwei ältere Schwestern, Margot und Hildegard, und zwei jüngere Brüder, Erhard und Wilhelm.
Klepper besuchte das Evangelisch-Humanistische Gymnasium in der Kreisstadt Glogau und war bei seinem Französischlehrer Erich Fromm einquartiert, der zu einem väterlichen und vereinnahmenden Freund wurde. Ab Sommer 1922 studierte er Evangelische Theologie in Erlangen und ab Sommer 1923 in Breslau. Hier wurde er vom Neutestamentler Ernst Lohmeyer, vom Kirchenhistoriker Erich Seeberg, vom Dogmatiker Erich Schaeder und vor allem vom Religionsphilosophen Rudolf Hermann geprägt. Hermann brachte ihm Martin Luther nahe, er war sein Vorbild im Predigen und wurde sein väterlicher Freund. Wegen seines labilen Gesundheitszustandes – er litt unter Kopfschmerzen und Schlafstörungen – verzichtete Klepper darauf, Pfarrer zu werden. Die Studentenhilfe schickte ihn 1925 zur Kur nach Bad Saarow ins Haus der Deutschen Christlichen Studentenvereinigung, das vom evangelischen Pastor Hermann Schlingensiepen geführt wurde.
Journalist, Hörfunkautor und Schriftsteller
Ab 1927, er hatte die Universität ohne Abschluss verlassen, schrieb Klepper feuilletonistische Artikel und bot sie zuerst unter dem Pseudonym Georg Wilhelm und später unter dem eigenen Namen Zeitungen und Zeitschriften an. Darunter waren ein Nachruf auf Rainer Maria Rilke und ein Artikel zu Baruch de Spinoza. 1927 begann er beim Evangelischen Presseverband für Schlesien (EPS) in Breslau unter Leitung von Kurt Ihlenfeld als Journalist zu arbeiten. Er schrieb vorwiegend literarische, biografische und kirchengeschichtliche Beiträge für das kirchliche Wochenblatt Unsere Kirche, das damals eine Auflage von 42.000 Exemplaren hatte. Im Juni 1927 wurde sein erster Beitrag, zu August Hermann Francke, von der Schlesischen Funkstunde ausgestrahlt. Als religiöser Sozialist trat er der Sozialdemokratischen Partei bei, in deren Zeitung Vorwärts er ab 1928 einige Artikel, Essays und Reportagen zum Leben der Kinder 1932 veröffentlichte.
Seine Frau Johanna unterstützte ihn bei der Realisierung seines Zieles, als freier Schriftsteller zu arbeiten. Klepper schrieb – durch seine Frau mitinspiriert – einen Moderoman mit dem Titel Die Grosse Directrice, der jedoch nie veröffentlicht werden konnte, weil er dafür keinen Verlag fand. Jedoch leistete er erfolgreiche Pressearbeit und bemühte sich um ein anspruchsvolles Rundfunkprogramm. Am 21. September 1931 zog Klepper nach Berlin; im März 1932 zog die Familie nach und wurde im Villenvorort Südende sesshaft.
Seit dem 21. September 1932 führte Jochen Klepper Tagebuch; ab Februar 1933 überschrieb er die Einträge oft mit den Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine. Das gekürzte Tagebuch wurde 1957 von seiner Schwester Hildegard unter dem Titel Unter dem Schatten deiner Flügel herausgegeben, in mehr als 20 Auflagen wurden über 100.000 Exemplare gedruckt.
Kleppers erster veröffentlichter Roman Der Kahn der fröhlichen Leute, der das Leben an und auf der Oder beschreibt, entstand im Herbst 1932. Er wurde im Januar 1933 beim dritten Verlag, der Deutschen Verlags-Anstalt (DVA), angenommen und kam im Juni 1933 auf den Markt. Er gilt als anspruchsvolle Heimatdichtung; Klepper schrieb eine natürliche und menschenfreundliche Novelle ohne moralischen Anspruch. Für Klepper war es auch eine Verarbeitung seiner Kindheit und seiner Jugendjahre, die er an der Oder verbracht hatte. Bis 2010 wurden in mehreren Auflagen über 120.000 Exemplare gedruckt. 1949 wurde es in der sowjetischen Besatzungszone von der DEFA etwas eigenwillig verfilmt, kam 1950 unter dem gleichen Titel in die Kinos und war mit mehr als vier Millionen Zuschauern ein Publikumserfolg.
Klepper fand per 15. November 1932 eine Anstellung beim Hörfunk, der Funk-Stunde Berlin. Sein Vorgesetzter dort war der Schriftsteller und Filmregisseur Harald Braun, der ihm wohlgesonnen war. Trotzdem musste er im Oktober 1932 aus der sozialdemokratischen Partei austreten. Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten im März 1933 begann die Gleichschaltung des Rundfunks. Da Klepper Mitglied der SPD gewesen war und eine jüdische Frau hatte, wurde er Mitte 1933 aus dem Rundfunk entlassen. Er lebte nun vom Ertrag seines Romans bei der DVA. Im Juli 1933 erhielt er eine Teilzeitstelle im Ullstein Verlag im Redaktionsbüro der Funkzeitschrift Sieben Tage an der Kochstraße 23 in Kreuzberg. Diese Arbeitsstelle lag unter seinen Möglichkeiten, aber er sah sich von Gott dahin geführt und war dafür dankbar. Weil er „jüdisch belastet war“, wurde ihm am 3. September 1935 gekündigt.
Zum 24. Februar 1934 erreichte er seine Aufnahme in die Reichsschrifttumskammer. Da seine Frau und ihre beiden Töchter nach Definition der Nürnberger Rassegesetze Jüdinnen waren, geriet die Familie zunehmend unter Druck. Jochen Klepper sah in der wachsenden Judenfeindlichkeit einen Frevel an Gott. Er verfolgte das Zeitgeschehen und auch den Weg der evangelischen Kirche zwischen Anpassung und Bekennender Kirche mit großer Anteilnahme und Sorge. Er lebte viel bewusster mit dem Bedenken des Wortes Gottes; in seinen Tagebuchaufzeichnungen, denen seit Herbst 1933 Bibelworte der Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine vorangestellt waren, wurde etwas davon sichtbar. Im Oktober 1934 besuchte er seinen sterbenden Vater in Beuthen an der Oder.
Auf Anregung seines Freundes, des Dichters Reinhold Schneider, schrieb er für die Weißen Blätter; sein erster Artikel erschien dort im Dezember 1935.
Seit September 1933, nach einem Besuch des Stadtschlosses in Potsdam und auf Anregung des Redakteurs Wilhelm Emanuel Süskind, recherchierte und schrieb er im Verborgenen an seinem neuen Roman Der Vater. Darin bearbeitete er nicht nur anhand des Konflikts zwischen dem preußischen Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. und dessen Sohn Friedrich II. dem Großen seinen eigenen Vater-Sohn-Konflikt, sondern entwarf im Bild eines Königs, der in allem nach Gott fragt und sich als „ersten Diener im Staat“ begreift, das Gegenbild zum Führerkult des Nationalsozialismus. Der Roman erschien im Februar 1937 im Buchhandel und wurde trotz seines Umfangs von zwei dicken Bänden, die je 9,60 Mark kosteten, schnell ein Verkaufsschlager, besonders in preußisch gesinnten Kreisen; er wurde Pflichtlektüre für Offiziere der Wehrmacht. 65.000 Exemplare wurden schon zu Kleppers Lebzeiten verkauft, was wesentlich zu seinem Überleben beitrug; weitere 35.000 bis zum Kriegsende und seither wurden über 200.000 Exemplare dieses Werks gedruckt. Andererseits erfolgte kurz nach Erscheinen des Romans am 25. März 1937 der Ausschluss aus der Reichsschrifttumskammer, was Berufsverbot und Arbeitslosigkeit gleichkam. Klepper erwog die Flucht ins Ausland, konnte sich aber nicht dazu überwinden. Mit einer Ausnahmegenehmigung konnte er 1938 den Gedichtband Kyrie herausgeben.
Am 26. April 1929 lernte er die jüdische Witwe Johanna Stein (geborene Gerstel) aus Nürnberg kennen, deren Familie die Modehäuser Gerstel besaß. Klepper war einer der Untermieter in der Wohnung Steins in der Eichendorffstraße 51 in Breslau, und eine allmählich und langsam wachsende Beziehung entstand. Am 28. März 1931 heiratete der 28-Jährige die um 13 Jahre ältere, gebildete und kultivierte Frau, deren erster Mann Felix Stein bereits 1925 gestorben war. Sie brachte ihre Töchter Brigitte (* 1920) und Renate (* 1922) mit in die Ehe. Kleppers Familie missbilligte die Ehe mit einer Jüdin.