An diesem Tag

Joan Crawford

US-amerikanische Schauspielerin

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Joan Crawford [ˌdʒɔʊn ˈkɹɔːfəd] (* 23. März 1905 in San Antonio, Texas, als Lucille Fay LeSueur; † 10. Mai 1977 in New York City) war eine US-amerikanische Schauspielerin.

Joan Crawfords Karriere reichte von den Tagen des Stummfilms bis in die 1970er-Jahre. Unter Filmhistorikern gilt sie als Personifizierung des klassischen Hollywoodstars, dessen publikumswirksame Attraktivität sich vor allem aus ihrer komplexen Persönlichkeit und dem öffentlichen Erscheinungsbild erschloss. Die Schauspielerin verstand es im Laufe ihrer Karriere immer wieder, sich einem wechselnden Publikumsgeschmack anzupassen. Nachdem sie zu Beginn ihrer Laufbahn häufig ausgelassene junge Mädchen – damals Flapper genannt – dargestellt hatte, wechselte Crawford bis Mitte der 1940er in das dramatische Rollenfach. Sie wurde auf der Oscarverleihung 1946 für ihre Darstellung einer aufopferungsvollen Mutter in Solange ein Herz schlägt mit dem Oscar als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet und war in der Folgezeit meist als entschlossene, ambitionierte Frau auf der Leinwand zu sehen, die sich ihren Platz gegen den Widerstand der Gesellschaft erkämpfen muss. Gegen Ende ihrer Karriere spielte Crawford hauptsächlich in makabren Filmen, die mitunter die Grenze zum Horrorfilm überschritten, wie zum Beispiel Was geschah wirklich mit Baby Jane? und Das Ungeheuer.

Nach ihrem Tod wurde in der Öffentlichkeit das Bild von Joan Crawford durch die Beschreibungen in dem Buch Mommie Dearest, den Kindheitserinnerungen ihrer Adoptivtochter Christina Crawford, lange negativ geprägt. Später begann die Bewertung ihrer filmischen Leistungen wieder zu überwiegen. Bei einer Umfrage des American Film Institutes aus dem Jahr 1999 wurde sie auf Platz 10 der größten weiblichen Filmstars gewählt.

Joan Crawford wurde unter dem Namen Lucille Fay LeSueur in San Antonio, Texas, als jüngstes der drei Kinder von Thomas E. LeSueur und Anna Bell Johnson geboren. Über das genaue Geburtsjahr herrscht keine Einigkeit; Angaben reichen von 1904 bis 1908. Die Schauspielerin beharrte zeit ihres Lebens auf dem Jahr 1908. Thomas LeSueur verließ seine Familie unmittelbar nach der Geburt von Lucille. Die Familie zog daraufhin in den US-Bundesstaat Ohio.

Die Schauspielerin äußerte sich in späteren Jahren kritisch über ihre Kindheit, die nach eigenen Angaben von Armut und emotionaler Vernachlässigung gekennzeichnet war. Sie schilderte ihre Mutter als antriebslose Frau, die von einer unglücklichen Beziehung in die nächste wechselte. Den leiblichen Vater Thomas LeSueur traf sie 1934 ein einziges Mal kurz während einer Drehpause wieder. Ihre Schwester Daisy LeSueur starb sehr jung. Zu dem gut ein Jahr älteren Bruder Hal LeSueur, den sie als manipulativ und faul bezeichnete, war das Verhältnis von Anfang an angespannt, obwohl sie ihn in späteren Jahren finanziell unterstützte. Ihre Mutter heiratete später Henry J. Cassin, der in Lawton ein Vaudeville-Theater (andere Quellen: einen Kinematographen) betrieb. Lucille LeSueur nahm während dieser Zeit den Namen Billie Cassin an.

Nach der Grundschule ging Lucille LeSueur zunächst auf die St. Agnes Academy, eine katholische Schule in Kansas City, und später auf die Rockingham Academy. Auf Veranlassung eines Bekannten schrieb sie sich 1922 am Stephens College in Columbia, Missouri, ein, wo sie ihr Geburtsdatum mit 1906 angab und Kurse unter anderem in den Fächern Buchhaltung, Kurzschrift und Psychologie belegte. Der dortige Rektor James Madison Wood hatte einen prägenden Einfluss auf LeSueur. Er gab ihr den Rat, aus eigener Kraft die Dinge zu ändern, statt zu klagen. Noch in ihrer Biographie My Way of Life von 1971 äußerte sie sich positiv über den Einfluss von Daddy Woods, wie sie den Rektor stets nannte. Sie verdankte ihm nach eigenem Bekunden zum ersten Mal das Gefühl, von anderen Menschen anerkannt und bewusst in ihren Ambitionen gefördert zu werden, indem er sie auf die Bedeutung von ständiger Disziplin hinwies.

Nach gut einem Jahr am College verließ LeSueur 1923 auf eigenen Wunsch und gegen den ausdrücklichen Rat des Rektors das Institut, um eine Karriere als Tänzerin einzuschlagen. Um die Zeit bis zu ihrem ersten Engagement zu überbrücken, arbeitete Lucille LeSueur zunächst einige Monate als Ladenmädchen in verschiedenen Kaufhäusern in Kansas City, darunter The Jones Store und Emery, Bird, Thayer. Mitte 1923 schloss sie sich der Theatertruppe von Katherine Emerine an. Die Show wurde aufgrund mangelnder Zuschauerresonanz bereits einige Wochen später wieder geschlossen. LeSueur versuchte daraufhin ihr Glück als Revuetänzerin in Chicago. Über den dortigen Theateragenten Ernie Young bekam sie Engagements in Oklahoma City und in dem bekannten Detroiter Tanzpalast Oriole Terrace. Während des Auftritts im Oriole erregte die junge Frau die Aufmerksamkeit des einflussreichen Broadwayproduzenten und Impresarios J. J. Schubert, der sie Anfang 1924 für seine Produktion von Innocent Eyes nach New York City an den Broadway verpflichtete. Neben Auftritten in Innocent Eyes wirkte Lucille LeSueur in weiteren Schubert-Revuen mit, so in The Passing Show of 1924, die Mitte des Jahres Premiere hatte. Nachdem der Hollywoodproduzent Harry Rapf auf sie aufmerksam geworden war, unterschrieb LeSueur im Dezember 1924 einen siebenmonatigen Studiovertrag mit dem neu gegründeten Filmstudio MGM und nahm im Januar 1925 ihre Arbeit im MGM-Studio in Culver City, Kalifornien, auf.

Die Schauspielerin gab ihr Filmdebüt im Februar 1925 als Lichtdouble in Lady of the Night mit Norma Shearer. Ihren ersten und einzigen Auftritt unter dem Namen Lucille LeSueur auf der Darstellerliste hatte sie kurze Zeit später als Revuegirl in Die Revue schöner Frauen mit ZaSu Pitts in einer ihrer wenigen dramatischen Hauptrollen. Unmittelbar danach war Lucille für wenige Sekunden in dem Werbefilm MGM Studio Tour zu sehen und wurde im Zwischentitel als eines der Starlets namentlich erwähnt. Studiochef Louis B. Mayer war um die Zeit auf Lucille LeSueur aufmerksam geworden und kümmerte sich um ihr berufliches Weiterkommen. Die Schauspielerin sah in Mayer stets eine Vaterfigur und respektierte seine mitunter autokratischen Methoden der Menschenführung. Mayer zeigte sich mit ihrem Namen unzufrieden, der seiner Ansicht nach zu gewöhnlich klingen würde. Er ließ daraufhin im März 1925 ein Preisausschreiben in dem Fanmagazin Movie Weekly veranstalten, das unter dem Motto stand: Gib Ihr einen Namen und gewinne $ 1.000. Ein solches Vorgehen, wenn auch nicht immer verbunden mit der Beteiligung des Publikums, war im Showgeschäft nicht unüblich. Mauritz Stiller änderte den Namen seines Protegées Greta Gustafsson in Greta Garbo und MGM machte aus dem sperrigen Namen Spangler Arlington Brugh den griffigeren Robert Taylor. Die erste Wahl des Studios fiel auf Joan Arden, ehe die Verantwortlichen entdeckten, dass es mehrere Einsender mit diesem Vorschlag gab. Um nicht das Preisgeld mehrfach auszahlen zu müssen, wurde intern im September 1925 schließlich der Kompromiss Joan Crawford gefunden. Die Schauspielerin absolvierte einen Monat später in dem Jackie-Coogan-Film Alles für die Firma ihren ersten offiziellen Auftritt unter dem Namen Joan Crawford.

Ihre erste größere Rolle übernahm die Schauspielerin Ende 1925 in Charleston-Girls, wo sie neben Constance Bennett und Sally O’Neil unter der Regie von Edmund Goulding auftrat. Der Film schildert die dramatischen Erlebnisse von drei Freundinnen, die als Revuegirls arbeiten. Während Bennett einen reichen Mann heiratet und O’Neil zurück aufs Land geht, gerät Crawfords Figur stets an die falschen Männer und findet am Ende den Tod. Nach einigen weiteren Auftritten, teilweise bereits als Leading Lady, wurde sie 1926 neben Fay Wray, Janet Gaynor und Dolores del Río zu einem der 13 WAMPAS Baby Stars gewählt. Die Auswahl durch die WAMPAS, einem losen Zusammenschluss von Medienvertretern, bezog sich auf Starlets und Künstlerinnen, bei denen das Potential für eine große Karriere vermutet wurde. Trotz des vielversprechenden Anfangs ließ die weitere Besetzungspolitik durch das Studio eine klare Tendenz vermissen. Joan Crawford spielte abwechselnd Haupt- und Nebenrollen in den unterschiedlichsten Genres, so wirkte sie z. B. in Western wie Winners of the Wilderness und The Law of the Range mit. Neben Harry Langdon hatte sie in der mit wenig Aufwand produzierten Komödie Tramp, Tramp, Tramp von 1926 eine Rolle. Gelegentlich übernahm sie auch Hauptrollen in weniger anspruchsvollen Filmen wie Paris und The Taxi Dancer, in denen sie aufstrebende Tänzerinnen darstellte. Die Produktionskosten dieser Werke betrugen meist zwischen $ 86.000 und $ 200.000 und warfen in der Regel Profit in vergleichbarer Höhe ab.

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