An diesem Tag

Joachim Peiper

Deutscher SS-Offizier und verurteilter Kriegsverbrecher (1915-1976)

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Joachim „Jochen“ Peiper (* 30. Januar 1915 in Wilmersdorf; † 14. Juli 1976 in Traves, Frankreich) war erst Adjutant Heinrich Himmlers und bei Kriegsende hochdekorierter Führer der Waffen-SS, seit 30. Januar 1944 im Rang eines SS-Obersturmbannführers. Er wurde für Kriegsverbrechen seiner Einheit in Italien und Belgien als Regimentskommandeur verantwortlich gemacht und im Malmedy-Prozess 1946 zum Tode verurteilt. Sein Todesurteil wurde nachträglich in eine Haftstrafe umgewandelt, aus der er 1956 entlassen wurde. 1976 starb er unter ungeklärten Umständen bei einem Brandanschlag auf sein Haus in Frankreich.

Peiper stammte aus einem bildungsbürgerlichen Elternhaus. Sein in Schlesien geborener Vater war als Hauptmann im Ersten Weltkrieg im damaligen Deutsch-Südwestafrika und in der Türkei im Einsatz. Nach dem Besuch der Goethe-Oberrealschule entschied sich Peiper als 17-Jähriger für eine Laufbahn in der nationalsozialistischen Parteiorganisation. Im Frühjahr 1933 trat er in die Hitlerjugend ein; im Oktober 1933 wurde er Mitglied der SS (SS-Nummer 132.496).

1934 wurde Peiper als SS-Führeranwärter in die SS-Junkerschule Braunschweig aufgenommen. Am 20. April 1936 zum Zugführer und SS-Untersturmführer ernannt, verpflichtete er sich zur Leibstandarte SS Adolf Hitler (LSSAH), einer der ersten größeren Militäreinheiten der SS und damit eine der Kerneinheiten der späteren Waffen-SS. Am 10. Dezember 1937 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP und wurde zum 1. März 1938 aufgenommen (Mitgliedsnummer 5.508.134). 1938 wurde Peiper in den persönlichen Stab Himmlers aufgenommen und 1939 zum ersten Adjutanten befördert.

Ab 1939 wurde Peiper in der LSSAH eingesetzt und war beim Überfall auf Polen im Herbst 1939 Kompaniechef. Im Krieg gegen die Sowjetunion war er zunächst an der Ostfront eingesetzt und im September 1943 im Piemont. Hier war Peipers Einheit am Kriegsverbrechen von Boves beteiligt (siehe unten). Während der Ardennenoffensive kommandierte er eine u. a. aus Panzerkampfwagen VI Tiger II bestehende Kampfgruppe. Auch hier war seine Einheit an Kriegsverbrechen beteiligt, nämlich am Massaker von Malmedy. Peiper trug die „volle Verantwortung für das Massaker“, da er seinen Untergebenen die Direktive erteilt hatte, dass beim Vormarsch Kriegsgefangene kein Hindernis darstellen dürften und so deren Erschießung sanktionierte.

Im Westfeldzug erwarb er das Eiserne Kreuz beider Klassen; am 9. März 1943 wurde er mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet. Für die Führung des SS-Panzer-Regiments 1 erhielt er am 27. Januar 1944 das Eichenlaub zum Ritterkreuz. Als SS-Obersturmbannführer erhielt er am 11. Januar 1945 die Schwerter zum Eichenlaub.

Kurz vor Kriegsende – das genaue Datum ist unbekannt – soll Peiper noch zum Standartenführer der Waffen-SS befördert worden sein. Die Stellenbesetzungsliste der LSSAH führte Peiper am 1. März 1945 noch als Obersturmbannführer. Die Beförderung kann weder im Bundesarchiv Berlin noch in den Unterlagen der Deutschen Dienststelle (WASt) nachgewiesen werden. Nach den bisherigen Überlieferungen muss die von Sepp Dietrich ausgesprochene Beförderung als unzulässig und nicht rechtswirksam angesehen werden. In der Gefangenschaft gab Peiper allerdings seinen letzten Dienstgrad mit „SS-Standartenführer“ an.

Im September 1943 war Peiper als Kommandeur eines Bataillons der LSSAH im Piemont in Norditalien stationiert. Mit dem Waffenstillstand von Cassibile vom 3. September 1943 war das Bündnis zwischen Deutschland und Italien zerbrochen; der Waffenstillstand wurde am 8. September bekanntgegeben. Daraufhin leitete der Oberbefehlshaber Süd, Generalfeldmarschall Albert Kesselring, in seinem Befehlsbereich den Fall Achse ein, in dem die Deutschen alle italienischen Verbände entwaffneten. Mit der Durchführung der Operation in Norditalien wurde Generalfeldmarschall Erwin Rommel betraut.

Am Morgen des 19. Septembers nahmen italienische Partisanen zwei deutsche Unteroffiziere gefangen, die in Boves nahe bei Cuneo Material aus einem italienischen Militärdepot beschlagnahmen wollten. Ein erster Befreiungsversuch scheiterte, dabei starb ein deutscher Soldat. Peiper erschien an der Spitze einer Kompanie gegen Mittag in Boves. Über den Fortgang der Ereignisse liegen von deutschen und italienischen Zeugen stark unterschiedliche Darstellungen vor.

Nach italienischen Untersuchungen bezog Peipers Einheit eine Position, die gleichermaßen der Abwehr eines befürchteten Partisanenangriffs wie auch der Verhinderung der Flucht der Einwohner dienen sollte. Peiper habe dann den Pfarrer von Boves, Don Bernardo, und den Industriellen Vassallo beauftragt, die Partisanen zur Freigabe der beiden Gefangenen zu überreden. Die beiden Vermittler verhandelten erfolgreich. Noch vor der Rückkehr der Gefangenen begann das Massaker. Die beiden Unterhändler wurden in die Kirche eingeschlossen, die in Brand gesetzt wurde; sie kamen in den Flammen um. 21 Zivilisten wurden erschossen, ein weiterer starb nach knapp einem Monat. Die Opfer waren überwiegend Alte, Kranke und Körperbehinderte. Anschließend wurde der ganze Ort in Brand gesteckt. Das Feuer zerstörte 350 Häuser; am 20. September untersagte Peiper der Feuerwehr von Cuneo Löscharbeiten.

Nach Peipers Angaben in einer gerichtlichen Voruntersuchung am Landgericht Stuttgart seien die Häuser in Boves durch Kampfhandlungen in Brand geraten. Dem widersprechend hieß es in einer Meldung des II. SS-Panzerkorps unter Paul Hausser an die Heeresgruppe B: „Die Versorgungsbasen für Banditen Boves und Castellar wurden abgebrannt.“ Peiper wie die beiden anderen Beschuldigten gaben auch an, die beiden gefangenen deutschen Soldaten seien gewaltsam befreit worden. Nach den Angaben von fünf als Zeugen vernommenen Angehörigen von Peipers Einheit kehrten die Gefangenen mit Hilfe der Unterhändler zurück.

Zu einem Prozess gegen Peiper kam es nicht, im Einstellungsbeschluss von 1968 der Voruntersuchung hieß es:

Das Gericht sah es auch als erwiesen an, dass Peipers Einheit Häuser in Brand gesteckt hatte und auf flüchtende Männer geschossen wurde. Die drei Angeschuldigten, darunter Peiper, wurden außer Verfolgung gesetzt, da sich nicht feststellen ließ, dass sie die Erschießung von Zivilisten und das Niederbrennen der Häuser befohlen hatten.

Als möglicher Hintergrund des Massakers gilt die Abschreckung italienischer Soldaten, um nach dem Kriegsaustritt ihres Landes deren Anschluss an den Widerstand zu verhindern: Nach Meldungen der LSSAH vom 17. September hielt im Raum Cuneo-Boves der Widerstand der Soldaten gegen ihre Entwaffnung an. Am 20. September sprach die Division davon, dass – abgesehen von kleinen Gruppen – die Truppenteile ihre Waffen niedergelegt hätten.

Dem Militärhistoriker Jens Westemeier zufolge basierte die Gerichtsentscheidung von 1968 auf der damals noch mangelhaften wissenschaftlichen Dokumentation und Aufarbeitung des Vorgehens von Waffen-SS-Verbänden gegen Ortschaften, bei denen sie die Unterstützung von Partisanen vermuteten. Peiper habe mit dem Massaker von Boves ein Exempel statuiert: „Boves brannte als Peiper mit dem Gros seiner Männer abzog; nicht durch Artilleriefeuer, sondern durch Brandlegung. Das Massaker von Boves war typisch für das Vorgehen von Peipers Verbänden und lässt sich […] in eine Reihe mit den Verbrechen in der Sowjetunion und in Belgien stellen.“

Im Dezember 1944 war Peiper während der Ardennenoffensive Kommandeur des 1. Panzerregiments der LSSAH, genannt Kampfgruppe Peiper. Für den Erfolg der Ardennenoffensive war die Einnahme von Brücken über die Maas eine notwendige Voraussetzung, für die Peipers Kampfgruppe, ein etwa 2000 Mann starker Verband, verantwortlich war. Sie sollten den raschen Durchbruch durch die amerikanischen Stellungen erzwingen und bei Lüttich zur Maas vordringen. Am 17. Dezember 1944 gegen 13:30 Uhr nahm eine Vorauseinheit der Panzertruppe an einer Straßenkreuzung in Baugnez bei Malmedy mehr als 100 US-amerikanische Soldaten gefangen. Sie entwaffnete die Soldaten und zwang sie, sich auf einem Feld südlich und westlich der Kreuzung aufzustellen. Kurz danach beschoss die Vorauseinheit die wehrlosen Gefangenen in einem zwei- bis dreiminütigen Dauerfeuer mit einem Maschinengewehr und Pistolen. Danach betraten einige Männer dieser Einheit das Feld und versuchten die restlichen noch lebenden am Boden liegenden verwundeten Gefangenen zu töten. Diese hatten zum Teil weglaufen können und waren daher über das Terrain verstreut. Das ganze dauerte etwa 10 bis 15 Minuten. Danach fuhr die Einheit weiter. Nun schoss der Hauptteil der Kampfgruppe Peiper während des Passierens an diesem Ort etwa eine Stunde lang aus seinen Fahrzeugen auf die offenbar sich teilweise noch bewegenden Soldaten. Danach lagen Überlebende noch einige Stunden auf dem Feld und versuchten sich zu verstecken. Einige Überlebende brauchten etwa vier Tage, um sich zu amerikanischen Truppen durchzuschlagen und mitzuteilen, was passiert war. Bei der Erschießung wurden 82 amerikanische Soldaten getötet, 54 Soldaten überlebten. Dieser Vorgang wurde als das Malmedy-Massaker bekannt. Während dieser Zeit kam es unter Peipers Verantwortung bei Trois-Ponts und Stavelot zu einem weiteren Massaker an der belgischen Zivilbevölkerung.

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