An diesem Tag

Jimmy Savile

Britischer Discjockey, Comedian, Fernsehmoderator und Pädophiler (1926–2011)

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James Wilson Vincent „Jimmy“ Savile [sæ vəl] OBE, KCSG (* 31. Oktober 1926 in Leeds; † 29. Oktober 2011 ebenda) war ein britischer Discjockey und Moderator der BBC und anderer Fernsehsender.

Nach seinem Tod gelangten Berichte hunderter Fälle an die Öffentlichkeit, in denen Savile vorgeworfen wurde, seine Position als Pop-Idol für sexuellen Missbrauch, vorwiegend an jungen Mädchen, ausgenutzt zu haben. Scotland Yard nannte ihn den „schlimmsten Sexualverbrecher in der Geschichte des Landes“. Nach Angaben der Ermittlungsbehörden seien nie zuvor in der britischen Kriminalgeschichte so viele Anschuldigungen wegen sexuellen Missbrauchs gegen eine einzelne Person erhoben worden.

Savile wurde als Jugendlicher während des Zweiten Weltkrieges zur Arbeit im Bergbau im Rahmen des Bevin-Boys-Programms dienstverpflichtet. Ab Ende der 1940er Jahre arbeitete er als Geschäftsführer und Unterhalter in Tanzlokalen. Er gilt als einer der ersten Discjockeys in einer Zeit, in der Tanzveranstaltungen ohne Livemusik noch unüblich waren. Seit seiner Jugend betätigte er sich sportlich als Radfahrer bei der Tour of Britain, als Pro-Wrestler sowie als Langstreckenläufer – noch 2005 war er Teilnehmer beim London-Marathon.

Karriere im Rundfunk und Fernsehen

Im Jahr 1958 begann er seine Karriere im Rundfunk als Discjockey bei Radio Luxemburg. Nach einer kurzen Zeit bei Tyne Tees Television arbeitete er seit 1964 sowohl im Rundfunk- als auch im Fernsehprogramm der BBC und schuf neue Unterhaltungsformate. 1965 war Savile so berühmt, dass die BBC „Britain’s No. 1 DJ“ eine eigene Fernsehdokumentation widmete.

Savile prägte als extravaganter Moderator die Hitparaden-Sendung Top of the Pops. Zusammen mit seinem Kollegen Alan Freeman präsentierte er in der ersten Sendung am 1. Januar 1964 unter anderem die Beatles mit ihrem Song I Want to Hold Your Hand.

Er erfand das Familienprogramm Jim’ll Fix It, das am 31. Mai 1975 erstmals um 17:55 Uhr in BBC 1 auf Sendung ging. Die von Savile moderierte Sendung versprach Kindern, ihre Träume zu erfüllen, unter anderem mit dem Überschallflugzeug Concorde den Atlantik zu überqueren oder einen Löwen zu bändigen. Auf seine Affinität zu Kindern angesprochen, antwortete Savile mit britischer Ironie: „Ich könnte keins davon ganz verspeisen. … Ich hasse sie.“

Am Silvesterabend 1969 wurde seine von BBC und ZDF produzierte Sendung Pop Go the Sixties in England ausgestrahlt. Als Co-Moderatorin trat Elfie von Kalckreuth auf, die auf Deutsch moderierte. Zu den live auftretenden oder in Archivaufnahmen zu sehenden Künstlern gehörten The Beatles, The Rolling Stones, The Who und Tom Jones. Die Ausstrahlung in Deutschland erfolgte am 18. Januar 1970.

Savile war ein regelmäßiger Organisator von Wohltätigkeitsveranstaltungen und freundete sich dabei mit der Familie der englischen Premierministerin Margaret Thatcher an. Er agierte nach eigenen Angaben zudem als „inoffizieller Eheberater“ zwischen Prince Charles und Princess Diana Ende der 1980er Jahre.

Bis zu ihrem Tod 1972 lebte Savile gemeinsam mit seiner Mutter Agnes, von der er öffentlich als „die Herzogin“ (engl. „the Duchess“) sprach und die er einmal als die einzige wahre Liebe seines Lebens bezeichnete. Er vermied es nach eigenen Aussagen aus Respekt ihr gegenüber, Frauen als Übernachtungsgäste nach Hause zu bringen. Als Ausweichmöglichkeit habe er jedoch einen Wohnwagen in der Nähe gehabt. Nach dem Tod seiner Mutter verbrachte er bis zum anschließenden Begräbnis fünf Tage mit ihrem Leichnam. In einem Interview sagte er später, dass er es genossen habe, sie in dieser Zeit für sich allein zu haben. Savile ließ ihr Schlafzimmer zu ihrem Andenken fast vier Jahrzehnte unverändert und machte es zur Routine, ihre Kleidung einmal jährlich aus dem Schrank nehmen und reinigen zu lassen. Er blieb sein Leben lang unverheiratet und gab an, zwar sehr viele flüchtige Liebesabenteuer gehabt zu haben, jedoch weder eine einzige Partnerbeziehung aufgebaut noch eine einzige komplette Liebesnacht mit einer seiner Liebschaften verbracht zu haben.

Savile wurde nach seinem Tod 2011 in einem goldenen Sarg aufgebahrt und unter großer öffentlicher Anteilnahme in einer Grabstelle mit Blick auf das Meer in Scarborough beerdigt. Auf Bitten der Familie entfernte das Borough of Scarborough ein Jahr später den Grabstein mit dem Epitaph “It was good while it lasted”.

Das Vermögen Saviles in Höhe von 5,3 Millionen Euro wurde vom Nachlassverwalter, der NatWest Bank, eingefroren.

Schon vor 1961 befragte die Polizei Savile erstmals zu Vorwürfen, er habe in den von ihm damals betriebenen Tanzlokalen Geschlechtsverkehr mit minderjährigen Mädchen gehabt. 1985 sagte Savile der Zeitung The Sun, dass er sich gegen mögliche Verdächtigungen schütze, die aus seinem regelmäßigen Umgang mit Kindern folgten. Er würde „in einer Million Jahren niemals auch nur im Traum“ ein Kind in seine Wohnung lassen oder ohne elterliche Begleitung im Auto mitnehmen. „Man darf das Risiko nicht eingehen.“ In einem Zeitungsinterview für The Independent sprach ihn die Journalistin Lynn Barber 1990 auf ihr gegenüber geäußerte Gerüchte an, Savile habe eine Neigung zu kleinen Mädchen. Er entgegnete, dies beruhe auf Fehlwahrnehmungen von Journalisten, die das Pop-Geschäft nicht verstünden. Er selbst sei für die in Wahrheit an den Popstars interessierten Mädchen, mit denen er durch seinen Beruf zwangsläufig zu tun habe, völlig unattraktiv. Im Jahr 2000, in einer für die BBC produzierten Reportage über Savile, konfrontierte der Dokumentarfilmer Louis Theroux ihn erstmals vor laufender Kamera mit Gerüchten über seine pädophilen Neigungen, die er jedoch verneinte. Dem Guardian sagte er, er habe angefangen zu behaupten, dass er Kinder hasse, um die Verdächtigungen des Kindesmissbrauchs abzuwenden.

Savile konnte Pressenachforschungen zu seiner Person bis zum Jahr 2007 erfolgreich abwehren, als schließlich polizeiliche Untersuchungen über Fälle sexuellen Kindesmissbrauchs in den 1960er und 1970er Jahren aufgenommen wurden, in die er möglicherweise verwickelt war. Die Ermittlungen gegen ihn wurden 2007 und 2008 aus Mangel an Beweisen eingestellt. Auf Nachfrage der Boulevardzeitung The Sun zu einem der fraglichen Tatorte, dem Kinderheim Haut de la Garenne in Jersey, hatte Savile zunächst erklärt, niemals dort gewesen zu sein. Erst nach Vorlage eines Fotos, das ihn dort zeigte, räumte er das Gegenteil ein.

Savile ging bei Vorwürfen meist sofort zum Gegenangriff über, wie bei einer Vernehmung durch zwei weibliche Kriminalbeamte. Er drohte ihnen in Zusammenhang mit ihren Ermittlungen 2009:

Weil der Druck der Vorwürfe nicht nachließ, war Saviles Ton in einer polizeilichen Vernehmung einige Monate später, am 1. Oktober 2009, gemäßigter. Auch hier bestritt er alle Vorwürfe vehement und stereotyp mit dem Ausruf “Out of the question. Not true, none of it.” („Kein Thema. Stimmt nicht, nichts davon stimmt.“):

Ein Jahr nach seinem Tod wurden Vorwürfe geäußert, Savile habe jahrzehntelang junge Mädchen missbraucht. Deshalb sei er auch polizeilich observiert worden, was aber keine Konsequenzen nach sich zog. Etwa 80 % seiner Opfer seien Mädchen gewesen.

Seit der Ausstrahlung einer Reportage des Magazins Exposure im Sender ITV am 3. Oktober 2012 stieg die Zahl der Zeugen und mutmaßlichen Opfer (bis Dezember 2012) auf rund 450, die von der Polizei befragt werden mussten. Die Hinweise bezogen sich auf Taten aus der Zeit von 1959 bis 2006. Etwa 82 % der mutmaßlichen Missbrauchsopfer seien weiblichen Geschlechts und 80 % seien zum Zeitpunkt des Missbrauchs Kinder oder Jugendliche gewesen.

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