An diesem Tag

Jimmy Garrison

US-amerikanischer Jazz-Kontrabassist

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James Emory „Jimmy“ Garrison (* 3. März 1934 in Miami; † 7. April 1976 in New York) war ein US-amerikanischer Jazz-Kontrabassist, der vor allem als Mitglied im so genannten „klassischen“ Quartett des Saxophonisten John Coltrane bekannt wurde. Garrisons Spiel, das von Zeitgenossen als besonders „druckvoll“ und „erdig“ beschrieben wurde, ist beispielsweise auf Coltranes legendärem Album A Love Supreme, das am 9. Dezember 1964 aufgenommen wurde, zu hören.

Wie bei vielen afro-amerikanischen Musikern gibt es auch im Falle Jimmy Garrisons einige Unklarheiten hinsichtlich der Daten seiner frühen Biographie. So gibt die von seiner eigenen Familie gestaltete Gedenk-Website als Geburtsjahrgang 1933 an, während die gängigen Nachschlagewerke allesamt das darauffolgende Jahr nennen. Auch wird als Geburtsort teilweise Philadelphia genannt, was jedoch nicht zutrifft.

Sicher ist, dass Garrison bereits in jungen Jahren nach Philadelphia kam, das in den 1950er Jahren eine der bedeutendsten kreativen Jazz-Szenen der USA vorzuweisen hatte. Hier spielte er vor allem mit bekannten Größen im Stil des damals modernen Hard Bop, so etwa Benny Golson, Lee Morgan oder Curtis Fuller.

Mit einer Band des Miles-Davis-Schlagzeugers Philly Joe Jones kam Garrison 1957 oder 1958 nach New York, wo er sich nach einiger Zeit vor allem in den Kreisen der Jazz-Avantgarde einen Namen machte. 1961 engagierte ihn John Coltrane als Bassisten für sein neuformiertes Quartett mit McCoy Tyner am Klavier und Elvin Jones am Schlagzeug, das als das „klassische“ John Coltrane Quartet bezeichnet wird. Im Kontext der Band wurde Garrison von Zeitgenossen als der extrovertierte, etwas leichtfertige Part empfunden. Der Sänger Terry Callier stellt es in einem Interview wie folgt dar:

1967 heiratete Garrison die aus San Francisco stammende Tänzerin Roberta Escamilla, die nach New York gekommen war, um bei Merce Cunningham zu studieren. Durch Roberta fand Jimmy Garrison Zugang zur damaligen avantgardistischen Tanz-Szene in Manhattan, der er bis zu seinem Lebensende verbunden blieb.

Wie Tyner und Jones fand auch Garrison im Laufe der Zusammenarbeit mit Coltrane zu seinem eigentlichen Stil; die Band befand sich in einem fortwährenden kreativen Entwicklungsprozess, der ihre Musik immer weiter vom Hard Bop weg in Richtung des Free Jazz führte. Während der Pianist und der Drummer sich Mitte der 1960er Jahre von der unermüdlichen Experimentierfreude ihres Bandleaders überfordert fühlten, war Garrison der einzige Musiker der „klassischen“ Besetzung, der Coltrane bis zu dessen Tod im Jahre 1967 die Treue hielt.

Aufgrund seiner enormen stilbildenden Bedeutung für den avantgardistischen Jazz der 1960er Jahre wurde das Bass-Schlagzeug-Team Garrison/Jones häufig auch von anderen Solisten engagiert, so vor allem Sonny Rollins (East Broadway Rundown, 1966), mit Archie Shepp (Life at the Donaueschingen Music Festival, 1967) und Ornette Coleman (Love Call und New York Is Now, beide 1968).

Auch nach der Zeit mit „'Trane“ bewegte sich Garrison mit Vorliebe in musikalischen Kontexten, die sich dem Musizierideal des Saxophonisten verpflichtet fühlten, darunter vor allem Bands mit Coltranes Witwe Alice und wiederum Elvin Jones.

Um 1974 begann sich Garrisons Gesundheitszustand drastisch zu verschlechtern; die Ursache war, wie sich herausstellte, Lungenkrebs. Jimmy Garrison erlag seiner Krankheit am 7. April 1976 im Alter von 42 Jahren. Sein Sohn Matthew „Matt“ Garrison wurde ebenfalls als Bassist (vor allem als E-Bassist in verschiedenen Fusion- und Funk-Bands) bekannt, während seine Tochter Joy als Jazz-Sängerin aktiv ist.

Garrisons Spielweise steht in gewissem Sinne im Widerspruch zur Entwicklung des Kontrabasses im Jazz während der 1960er Jahre. Diese war hauptsächlich gekennzeichnet durch einen enormen Ausbau des solistischen, virtuosen Potenzials dieses sperrigen Instruments. Technische Neuentwicklungen (Stahl- anstelle der bisher üblichen Darmsaiten, Tonabnehmer und Verstärker) ermöglichten ein weniger kraftbetontes, differenzierteres und flüssigeres Spiel. Exemplarisch verkörpert wurde dieser neue Bass-Stil durch die Bassisten des Bill-Evans-Trios, vor allem Scott LaFaro und Eddie Gomez.

Demgegenüber sah sich Garrison mit seinem „schweren“ Sound eher in der traditionellen Rolle des vor allem begleitenden Bassisten; er gewann dieser Rolle jedoch durch die besondere musikalische Konstruktion des Coltrane-Quartetts völlig neuartige Facetten ab.

Der Bass in der Ensemblestruktur des Coltrane-Quartetts

Trotz aller Experimentierfreude wahrte das Coltrane-Quartett eine fein austarierte Balance des Zusammenspiels. Auch wenn die Band häufig noch auf die traditionelle Strukturierung eines Stücks als Abfolge improvisierter Soli zurückgreift, bereiten die vier Musiker schon jene offenere Gestaltung von musikalischen Abläufen vor, die Joe Zawinul etwa ein Jahrzehnt später für seine Band „Weather Report“ mit den Worten beschrieb: „We always solo, we never solo“ („Wir solieren ständig, wir solieren nie“).

Dabei verzichtet das Quartett zunächst – vor allem in der Frühphase seines Bestehens – nicht auf durchaus konventionelle rhythmische Situationen. Hier spielt Garrison in vielen „straight ahead“ swingenden Nummern eine herkömmliche Walking-Bass-Linie im 4/4-Takt beziehungsweise in langsamen Balladen aus dem Jazzstandard-Repertoire die in dieser Stilistik gängigen Begleitfiguren in halben Noten.

Verallgemeinernd kann man sagen, dass die rhythmischen Errungenschaften des Coltrane-Quartetts vor allem in seiner charakteristischen Behandlung des 6/4-Taktes sowie der Entwicklung des Typus der so genannten Rubato-Ballade zum Tragen kommen.

Im Verhältnis zur betont kraftvollen Spielweise Tyners mit seinen üppigen Quartschichtungs-Akkorden und der komplexen Polyrhythmik von Jones’ Schlagzeugspiel tritt Garrisons Bass dagegen oft in den Hintergrund. Dies ist teilweise ein akustisches Problem: Obwohl das Coltrane-Quartett die lauteste moderne Jazzband ihrer Zeit war, machte Garrison von den Möglichkeiten elektrischer Verstärkung nur sehr zurückhaltenden Gebrauch. Als Folge ist sein Bass auf vielen Aufnahmen inmitten des dichten musikalischen Geflechts kaum mehr wahrzunehmen.

Die Beschäftigung mit Ostinato-Figuren hat im Jazz eine lange Tradition, sie beginnt spätestens mit den stetig wiederholten Bläser-Riffs der Swingära in den 1930er Jahren. Das Interesse vieler Bebop-Musiker, allen voran Dizzy Gillespie, mit lateinamerikanischer Musik forderte vor allem Bassisten und Schlagzeuger heraus, jazzgemäße Umsetzungen der typischen rhythmischen Muster der Latin-Stile zu finden.

Das Coltrane-Quartett war führend an der Weiterentwicklung des modalen Jazz beteiligt, wie ihn Coltranes ehemaliger Leader Miles Davis einige Jahre zuvor auf Platten wie Kind of Blue entworfen hatte. Coltranes spirituelle Neigungen hatten ihn zur Auseinandersetzung mit indischer und arabischer Musik geführt, wo nicht mit wechselnden Harmonien, sondern mit ausgedehnten, statischen Klangflächen gearbeitet wird. Die herkömmlichen Jazzbass-Techniken erwiesen sich aber schnell als unzureichend zur Umsetzung der im Englischen drone genannten Bordun-Töne, wie sie beispielsweise in Indien von der Tanpura realisiert werden.

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